Letztes Update: 06. Februar 2026
Der Text stellt Hannes Waders Album 'Es ist an der Zeit' vor, beleuchtet Entstehung, Arrangements und Stimme, bewertet Texte und Produktion persönlich und kritisch, nennt Höhepunkte und gibt eine klare Empfehlung, ob das Album für sie hörenswert ist.
Hannes Wader Es ist an der Zeit ist ein Album über Abschied, Bilanz und den Mut, weiterzugehen. Es erschien 1991 als CD mit acht Stücken. Acht Stationen, jede für sich klar, zusammen jedoch ein Bogen. Die Platte wirkt wie ein stilles Gespräch. Mit der eigenen Vergangenheit. Mit den Menschen, die zuhören. Mit der Zeit an sich.
Es ist ein Werk ohne großes Dekor. Keine Effekthascherei, keine Überwucht. Stattdessen legt die Stimme das Gewicht. Die Gitarre führt, fast wie eine Hand, die Sie an die richtige Stelle lenkt. So entsteht Nähe. Und diese Nähe ist entscheidend, wenn Sie Hannes Wader Es ist an der Zeit heute hören.
1991 war ein Jahr des Umbruchs. Das Land suchte nach Worten und Tönen für die neue Ordnung. Wader hatte dafür schon lange eine Sprache. Doch auf dieser CD klingt sie reifer. Der Blick ist gelassener. Aber nicht weniger scharf. Er sieht genauer hin. Er bewertet nicht übereilt. Er atmet erst, und spricht dann.
Die Form passt dazu. Acht Lieder, jeweils klar begrenzt, doch offen genug für Echo. Kein Konzeptalbum im engen Sinne. Eher ein sorgfältiges Bündel. Es hält zusammen, was sonst zerstreuen könnte. Wenn Sie Hannes Wader Es ist an der Zeit einlegen, hören Sie, wie ein erfahrener Künstler eine neue Phase markiert. Nicht mit Paukenschlag, sondern mit Haltung.
Die Zeit ist der rote Faden der Platte. Sie fließt durch die Texte. Sie sitzt in den Pausen zwischen zwei Akkorden. Mal wird sie zum Trost. Mal wirkt sie wie eine Last. Immer aber stellt sie Fragen. Wer war ich? Wer bin ich? Was bleibt? Dieses Motiv trägt, weil es konkret wird. Keine abstrakte Philosophie, sondern Alltag, Blick, Stimme.
So hört man, wie Geschichten wachsen. Erst ein Bild. Dann ein Geruch. Dann ein Name. Und plötzlich ist da eine Lebenslinie. Diese Kunst des dosierten Erzählens prägt jeden Titel. Auch deshalb fühlt sich Hannes Wader Es ist an der Zeit kompakt und zugleich weit an.
Die Produktion setzt auf Ruhe. Akustische Gitarre vorn, Stimme ganz nah, sparsame Begleitung, sorgfältig im Raum. Das klingt vertraut, aber frisch. Nichts drängt. Nichts verschleiert. Wenn ein Ton verhallt, lohnt es sich, den Atem anzuhalten. Die Stille gehört zum Arrangement.
Ein Vorteil dieses Ansatzes ist die Präzision. Jede Silbe zählt, jeder Zupfer sitzt. Das führt zu einer dichten Präsenz. Sie merken: Hier ist kein Platz für Beiwerk. Das Ohr bleibt beim Wesentlichen. Damit bereitet die Aufnahme genau jenen Fokus, den Hannes Wader Es ist an der Zeit inhaltlich sucht.
Die Gitarre gibt den Puls. Ein zurückhaltender Bass öffnet Tiefe. Dezente Tasten oder eine zweite Gitarre schattieren, wenn es nötig ist. Kleine Gesten, große Wirkung. Dieses Prinzip trägt das Album. Es hält das Klangbild warm und klar. Und es betont die Sprache.
Waders Stimme klingt hier erwachsen, entspannt, aber entschieden. Der Raum ist nah, ohne trocken zu sein. Das macht die Intention lesbar. Ein Lächeln, ein Zögern, ein hartes Wort – all das tritt hervor. So wird die Interpretation zum eigentlichen Arrangement.
Der Einstieg dauert 4:55 Minuten. Es ist ein Abschiedslied, doch jede große Geste bleibt aus. Stattdessen hört man Schritte. Man hört, wie jemand noch einmal den Blick hebt. Der Text vertraut auf klare Bilder. Die Gitarre unterstützt mit ruhigen Mustern. So entsteht Bewegung ohne Hast.
Als Auftakt macht das Sinn. Es bündelt das Thema des Albums in einer kleinen, präzisen Szene. Sie können hier schon spüren, wie Hannes Wader Es ist an der Zeit arbeitet: nicht mit Schlagworten, sondern mit Wegen, die sich im Gehen erklären.
In 4:37 Minuten entfaltet sich ein Porträt. Emma Klein ist kein festes Bild. Sie ist eine Ahnung. Eine Figur aus Details, die bestehen dürfen. Eine Geste, ein Straßenname, ein halber Plan. Die Musik hält sich zurück. Das erlaubt der Figur, Raum zu nehmen.
Die Stärke liegt in der Balance. Es gibt Empathie, aber keine Sentimentalität. Es gibt Schärfe, aber kein Urteil. Genau dadurch bleibt Emma Klein lebendig. Und wieder bestätigt sich die Grundhaltung von Hannes Wader Es ist an der Zeit: Die Welt ist konkret genug. Man muss sie nur genau erzählen.
2:51 Minuten kurz, doch voller Nachhall. Erinnern ist hier kein Stillstand. Es ist ein aktiver Akt. Wer zurückschaut, sieht nicht nur das Gestern. Man sieht auch, was heute fehlt, und was besser geworden ist. Die Gitarre arbeitet mit wiederkehrenden Figuren. Das gibt Halt, während der Text springt.
Das Lied ist ein Kippmoment. Es warnt vor Nostalgie, ohne die Wärme des Vergangenen zu leugnen. Diese Ehrlichkeit prägt das Album. In so einer Haltung kann Hannes Wader Es ist an der Zeit seine Reife zeigen, ohne schwer zu werden.
Mit 7:49 ist es der große Atem. Der Song lässt Zeit. Er kreist, probiert Bilder, verwirft auch. Man spürt, wie Erinnerung arbeitet. Nicht linear, nicht bequem, aber reich. Die Instrumentation wächst dezent an, fällt wieder zurück, als würde die Musik das Denken imitieren.
Solche Länge birgt Risiko. Doch hier lohnt sie sich. Sie eröffnet einen Raum, in dem eine Idee reifen kann. Sie als Hörer bleiben nicht außen vor. Sie werden eingeladen, eigene Bilder zu setzen. So macht Hannes Wader Es ist an der Zeit aus persönlichem Stoff eine geteilte Erfahrung.
7:26 Minuten Allegorie. Ein Fisch, ein Fluss, ein System, das keine Luft lässt. Die Parabel ist einfach, die Wirkung klar. Die Gitarre perlt, der Bass hält dagegen. Der Text bleibt verständlich und schneidet doch tief. Das Bild vom Wasser trägt die Spannung elegant.
Die Ballade zeigt, wie politische Aussage und poetische Form sich nicht beißen müssen. Das Lied wirft Fragen auf, lässt Raum zur Antwort. Es macht deutlich, wie breit die Palette von Hannes Wader Es ist an der Zeit ist: vom Intimen bis zum Gesellschaftlichen, ohne Bruch.
Mit 3:46 kommt ein leiser Kern. Zwei Menschen treffen sich. Es gibt kein großes Drama. Es gibt Details. Eine Jacke. Der Geruch von Regen. Ein Wort, das an der Lippe hängen bleibt. Das genügt, um Tiefe zu öffnen. Die Musik bleibt nah. Jeder Ton sitzt.
Diese Verdichtung ist eine Kunst. Ein kurzer Song, der lange nachwirkt. Er zeigt, wie gut das Album die kleinen Formen beherrscht. Auch darin bestätigt sich das Prinzip von Hannes Wader Es ist an der Zeit: Weniger ist mehr, wenn jedes Wenige zählt.
4:36 Minuten maritime Weite. Ein Hafen ist Ort und Metapher. Ankunft und Abschied, Lärm und Stille. Die Melodie trägt leicht, doch sie schimmert. Die Begleitung skizziert die Lichter, die auf dem Wasser tanzen. Man sieht die Szene, man riecht das Salz.
Die Stärke liegt in der Balance von Stimmung und Kontur. Es kippt nie ins Kitschige. Es bleibt konkret. Genau so bindet die Platte wieder in die echte Welt zurück. Ein guter Vorlauf für den letzten, bekannten Titel. Und ein weiterer Beweis, wie vielfältig Hannes Wader Es ist an der Zeit zusammengedacht ist.
6:19 Minuten, die wohl viele kennen. Doch hier wird die Mahnung neu verortet. Nicht als isolierter Protestsong, sondern als Schlusspunkt einer Bewegung durch das Album. Der Ton ist ernst, aber nicht bleiern. Die Stimme bleibt menschlich, fast tröstend. Das gibt der finalen Botschaft Tiefe.
Gerade im Kontext der anderen Stücke gewinnt der Titel an Farbe. Er zeigt, wie Erinnerung und Haltung zusammengehen. Wie privat und politisch nicht zu trennen sind. So schließt sich der Kreis. Wer jetzt den Player stoppt, hört die letzten Takte noch nachklingen. Und versteht, warum Hannes Wader Es ist an der Zeit mehr ist als nur ein Songtitel.
Wader steht in einer Linie mit der europäischen Chanson-Kunst. Präzise Sprache, knappes Bild, eine Pointe, die keinen Lärm braucht. Dazu kommt der deutsche Liedermacher-Ton. Er mag es gerade, handwerklich sauber, aber offen für Wärme. Diese Mischung trägt das Album durchgängig.
Die Themen sind alt, die Fragen sind neu. Was ist Treue? Was ist Verantwortung? Wie lebt man mit dem, was war? Die Antworten bleiben nie platt. Sie bleiben in Bildern. Das hält sie lebbar. In diesem Sinn hilft Hannes Wader Es ist an der Zeit, die Brücke zwischen Tradition und Gegenwart zu schlagen.
Eine große Stärke ist die Abkehr vom Dozieren. Die Lieder zeigen, sie kommandieren nicht. Das Publikum wird ernst genommen. Es darf deuten, zweifeln, mitgehen. So entsteht eine Partnerschaft zwischen Stimme und Ohr.
Ob Fisch, Hafen oder der lange Blick auf ein Gesicht: Metaphern dienen dem Sinn, nicht dem Schmuck. Sie öffnen Räume, statt sie zu versperren. Dadurch behalten die Songs Relevanz. Heute ebenso wie 1991.
Die CD hat acht Tracks. Das wirkt knapp, aber bewusst. Längen zwischen knapp drei und fast acht Minuten geben Atem. So entsteht ein Rhythmus, der den Hörer führt. Mal eng, mal weit. Mal Schritt, mal Standbild.
Die Reihenfolge ist klug. Ein zarter Abschied startet. Porträts und Parabeln folgen. Zum Schluss steht die klare Mahnung. Diese Dramaturgie stützt das Hören von Anfang bis Ende. Und sie verstärkt, was Hannes Wader Es ist an der Zeit in jedem Stück behauptet: Zeit ist nicht nur Inhalt, sie ist Form.
Die Platte wurde nicht als Spektakel gedacht. Sie besetzt keinen Markttrend. Doch sie hat Bestand. Viele Hörer kamen über den bekannten Schlusssong. Sie blieben wegen der anderen Lieder. Das sagt viel über die innere Qualität. Sie trägt auch ohne große Außenwirkung.
Im Rückblick zeigt sich der Wert. Hier klingt ein reifer Künstler, der nicht auf Nummer sicher geht. Er wiederholt sich nicht. Er vertraut seiner Stimme, seinem Ohr und seiner Sprache. Das macht Hannes Wader Es ist an der Zeit zu einem Werk, das mit den Jahren wächst.
Spannend ist ein Blick, der das Album als Übung im Sehen versteht. Jedes Lied schärft eine andere Fähigkeit. Aufbruch sehen. Ein Gesicht lesen. Die Stadt als Erzähler hören. Die eigene Erinnerung prüfen. Eine Parabel begreifen. Eine Begegnung würdigen. Ein Hafenbild entschlüsseln. Eine Mahnung im Heute verorten.
Wer so hört, lernt mehr als nur Melodien. Man lernt Haltung. Man lernt, wie Geschichten wirken. Und man begreift, wie Musik helfen kann, die Welt zu sortieren. Das macht die Platte auch pädagogisch interessant, ohne pädagogisch zu klingen. Genau darin liegt die stille Kraft von Hannes Wader Es ist an der Zeit.
Wenn Sie klare Sprache mögen, werden Sie hier viel finden. Wenn Sie politische Lieder schätzen, aber keine Parolen wollen, auch. Und wenn Sie Musik als Begleiter im Alltag suchen, wird Sie diese CD nicht enttäuschen. Sie ist freundlich zur Aufmerksamkeit. Sie überfordert nicht. Doch sie bleibt länger im Kopf als viele lautere Alben.
Sie können mit jedem Track beginnen. Doch der Weg von eins bis acht lohnt. Er macht aus Teilen ein Ganzes. Dieser Fluss ist Teil der Aussage. So steht Hannes Wader Es ist an der Zeit nicht nur als Sammlung, sondern als Werk.
Diese CD ist ein stilles Ereignis. Sie zeigt, wie viel Kraft in einfachen Mitteln liegt. Stimme, Gitarre, präzises Wort. Dazu eine Reihenfolge, die atmet. Und Themen, die uns heute noch etwas angehen. Abschied, Erinnerung, Verantwortung, Trost. Nichts davon ist Mode. Alles davon ist Gegenwart.
Wenn Sie nur ein Stück kennen, hören Sie die ganze Platte. Wenn Sie alle Titel kennen, hören Sie sie noch einmal in Ruhe. Es lohnt sich. Denn Hören ist hier ein Gespräch. Zwischen Sänger und Zuhörer. Zwischen gestern und heute. Und genau deshalb ist Hannes Wader Es ist an der Zeit noch immer ein Album, das bleibt.
Das Album "Es ist an der Zeit" von Hannes Wader ist ein Meisterwerk, das tief in die Seele der Zuhörer eindringt. Es ist ein Album, das sowohl musikalisch als auch textlich überzeugt. Hannes Wader zeigt einmal mehr seine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und Emotionen zu wecken. Wenn Sie mehr über Hannes Waders Musik erfahren möchten, empfehle ich Ihnen auch die Rezension zu seinem Album "Hannes Wader Wünsche". Dort finden Sie eine ausführliche Kritik und weitere Einblicke in seine Werke.
Ein weiterer Künstler, der ähnlich wie Hannes Wader tiefgründige Texte und Melodien schafft, ist Reinhard Mey. Sein Album "Die Zwölfte" bietet eine wunderbare Mischung aus Poesie und Musik. Reinhard Mey ist bekannt für seine einfühlsamen und oft nachdenklichen Lieder, die das Herz berühren. Diese Kritik gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über das Album und seine Highlights.
Auch Klaus Hoffmann ist ein Name, der in der Welt der Singer-Songwriter nicht fehlen darf. Sein Album "Ein Konzert" zeigt seine beeindruckende Fähigkeit, live zu performen und das Publikum zu begeistern. Die Albumkritik bietet Ihnen detaillierte Informationen und eine Bewertung seiner Live-Performance. Klaus Hoffmanns Musik ist ebenso tiefgründig und emotional wie die von Hannes Wader, was ihn zu einem wichtigen Künstler in diesem Genre macht.