Letztes Update: 06. Februar 2026
Der Artikel stellt Heinz Rudolf Kunzes Album Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt vor und liefert eine pointierte Kritik. Er beleuchtet Texte, Arrangements und Produktion, lobt expressive Passagen, kritisiert Längen und gibt eine klare Empfehlung für Hörer mit Sinn für tiefgründige Lieder.
Dieses Album aus dem Jahr 2007 wirkt wie ein Theaterabend in 19 Akten. Die Titel reihen sich wie Szenen aneinander. Sie wechseln das Kostüm, bevor Sie es merken. Das passt zum Grundgedanken: Kleidung, Rolle und das, was bleibt. Sie hören kurze Stücke, oft unter drei Minuten. Dann wieder große Bögen, die den Raum füllen. Heinz Rudolf Kunze erzählt dabei nicht nur Geschichten. Er zeigt, wie leicht wir die Figur wechseln. Und wie schwer es ist, sich treu zu bleiben.
Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt ist damit mehr als eine Sammlung von Liedern. Es ist ein szenischer Zyklus. Es ist Kunstlied, Pop und Chanson in einem. Die Tonlage schwankt zwischen Ironie, Sehnsucht und feinem Spott. Sie werden oft lächeln. Und Sie hören immer wieder diesen festen Kern: eine Stimme, die sich nicht scheut, nah zu sein.
Gleich zu Beginn nimmt Sie das lange „Intro / Musik“ an die Hand. Es dauert über fünf Minuten. Das ist in diesem Kontext viel. Hier werden Motive gestreut. Hier öffnet sich der Vorhang. Danach folgen schnelle Szenenwechsel. „Hoch die Tassen“ hebt das Glas und bricht die Stimmung. „As im Ärmel“ blinzelt Ihnen zu. Der Erzähler kennt seine Tricks. Er lässt Sie das wissen. Doch er zeigt sie nicht ganz.
Diese Spannung bleibt. „Geh zu ihr“ wirkt wie eine Aufforderung. Doch wer spricht da? Eine Figur? Ein Chor im Off? Der Text gibt Antworten, ohne zu erklären. Danach wird es intim. „Ich bin nicht, was ich spiele“ sagt in einem Satz das Programm. Die Figur erinnert Sie an sich selbst. Oder an jemanden im Spiegel. Diese Linie hält das Album klug. Es nutzt die Kürze vieler Stücke als Tempo. Gleichzeitig trägt es ein Thema durch. Das ist starke Dramaturgie.
Das Jahr der Veröffentlichung ist wichtig. 2007 war digitale Umbruchszeit. Alben wurden kürzer. Die Aufmerksamkeit stand unter Druck. Dieses Werk reagiert anders. Es bietet viele kurze Teile. Doch es stellt sie in einen großen Kontext. Das wirkt gegen den Trend. Es bleibt bei der Idee des Ganzen. Und es hält Sie bei Laune. Dafür sorgen klare Themen, pointierte Texte und wechselnde Farben.
Der Künstler selbst steht damals auf festem Grund. Viele Jahre im Geschäft. Viele Rollen schon gespielt. Dieses Selbstvertrauen spüren Sie. Es ist kein lauter Gestus. Es ist die ruhige Hand im Hintergrund. Die zeigt: Ich kenne den Raum. Ich kenne die Fallen. Und ich kenne die Freude, wenn ein Song landet.
Das Album lebt von Kontrasten. Mal wirkt es wie ein intimer Club. Eine Gitarre, eine Handvoll Tasten, eine Stimme. Dann blitzt ein stärkeres Band-Gefüge auf. Doch nie verliert der Sound den Kern. Die Stimme bleibt vorn. Die Worte haben Raum. Das passt zum Ansatz des Chansons. Nicht die Wucht ist wichtig. Sondern die Pointe, die Haltung, das Bild.
Sie hören kleine rhythmische Sprünge. Ein Walzer streift vorbei. Ein Hauch von Tango, wenn es um Rollenlust geht. Dann wieder Pop-Drive, wenn die Szene Fahrt braucht. All das wirkt nie beliebig. Es stützt die Figuren, die in den Texten auftauchen. So formt sich ein Klang, der tragfähig ist. Er trägt das Bühnenhafte, ohne theatralisch zu werden. Das ist schwer. Hier gelingt es oft.
Gerade deshalb ist Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt auch ein Hörerlebnis, das Wiederkehr belohnt. Bei erneutem Hören öffnet sich die Instrumentierung weiter. Kleine Details treten hervor. Ein kurzer Lauf hier. Ein gezupfter Akzent dort. Solche Punkte sind nicht laut. Aber sie bleiben.
Die Texte arbeiten mit Rollen, Masken, Spiegeln. Es ist ein bekanntes Feld. Doch die Wendungen sind frisch. Das liegt an dem Humor, der nie den Zeigefinger hebt. Er ist schalkhaft, gelassen, schlau. „Wenn Kleider Liebe machen“ spielt mit einem Sprichwort. Es dreht eine Phrase in eine Weiche. Aus Schein wird Spiel. Aus Stoff wird Haut. Das ist nicht nur Wortwitz. Es ist Erkenntnis durch Lyrik.
„Gleich lang sind alle Tage“ verkürzt die Endlichkeit zu einem Trost. Es ist ein sanfter Blick auf Zeit. Nicht pathetisch. Sondern nüchtern und warm. „Das Einhorn zähmt man nicht von vorn“ beweist, wie das Absurde erkenntnisfähig wird. Das Phantom bleibt frei. Die Pointe sitzt. So entsteht ein Reigen von Miniaturen, die sich ergänzen. Jede Figur trägt ein anderes Kleid. Doch sie gehört in dieselbe Welt.
Auch hier zeigt sich, warum Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt trägt. Die Sprache ist präzise. Sie ist nah. Und sie ist mutig genug, schlicht zu sein, wenn es passt. Das ist ein reifer Ton.
„Intro / Musik“ führt Sie hinein. Fünf Minuten Zeit, um den Saal zu füllen. Das ist ein Statement. Es heißt: Hören Sie hin. Danach setzt „Hoch die Tassen“ eine Zäsur. Es hat nur gut zwei Minuten. Doch es kippt die Stimmung. Wie nach einem Vorhangzug. Sie werden hellhörig. „As im Ärmel“ hakt nach. Es zeigt eine Figur, die weiß, wie das Spiel geht. Ein Trick bleibt ein Trick. Doch seine Wirkung trifft.
„Geh zu ihr“ gibt Tempo. Es ruft, drängt, wechselt Ebenen. Dann folgt „Ich bin nicht, was ich spiele“. Dieser Song ist ein Schlüssel. Hier blitzt der ganze Albumgedanke. Rolle und Ich. Schauspiel und Wahrheit. Keine lange Erklärung. Ein klarer Satz reicht. „Wenn Kleider Liebe machen“ trägt diese Idee weiter. Es ist die heitere Seite derselben Medaille. Der Beat bleibt leicht. Die Worte setzen feine Haken.
„Gleich lang sind alle Tage“ schiebt ein ruhiges Feld in die Mitte. Danach kommt „Das Einhorn zähmt man nicht von vorn“. Ein herrlicher Titel. Die Musik lacht leise mit. Zwei kurze „Glück muss man haben“-Stücke teilen den Weg. „- 1“ und „- 2“ spiegeln einander. Sie schaffen Luft. Sie rahmen kleine Gänge durch den Fundus. Für ein Konzeptalbum ist das klug. So bleibt der Puls flexibel.
„Wie sag ich's meinem Herrn“ öffnet ein kleines Sprechtheater. Mit Witz. Mit leichter Unterwerfung. Aber nur scheinbar. „Musik in meinen Augen“ beschreibt synästhetische Momente. Was Sie sehen, klingt. Was Sie hören, leuchtet. „A. V. I. L. O.“ klingt wie ein Code. Die Buchstaben erinnern an Figuren-Namen, die sich spiegeln. Das ist eine schillernde Idee. „Der Kerker-Song“ bringt Tiefe. Hier wird es düster. Eine Szene von Schuld, Irrtum oder Strafe. Während „Mein ganzes Leben lang“ wieder Weite schafft. Es blickt zurück, ohne Pathos. Diese Abfolge ist stark gebaut.
„Wiedergefunden“ bereitet das Ende vor. Es klingt gelöst. Aber auch wach. „Wie ein König“ lässt die Figur groß werden. Vielleicht ist es nur ein Moment. Doch er zählt. „Der Regen“ wäscht die Bühne. Er nimmt Farbe. Er gibt Glanz. Das Schlussstück trägt den Titel des Albums. „Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt“ schließt den Bogen. Hier verknüpft sich alles. Motiv, Ton, Spiel. Der Saal wird leise. Dann fällt der letzte Ton.
Die großen Themen sind klar. Rolle und Verwandlung. Begehren und Wahrheit. Kleidung ist hier mehr als Dekor. Sie ist Metapher für Nähe. Für Distanz auch. Für Schutz, für Bluff, für Entblößung. In vielen Stücken entscheidet das Kostüm. Wer bin ich mit Hut? Wer bin ich ohne Maske? Diese Fragen stellt das Album leise. Es liefert keine Thesen. Es bietet Ansichten im Vorübergehen. Das ist schön. Es nimmt Sie ernst. Es gibt Ihnen Raum.
In diesem Sinn ist Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt ein musikalisches Theater. Nicht im engen Sinn. Sondern als Denkform. Jede Szene kippt eine Perspektive. Jede Pointe fragt, wie viel Pose im Ich steckt. Und wie viel Ich in der Pose. Dieses Spiel bleibt menschlich. Es ist nie zynisch. Darin liegt seine Anziehung.
Der Titel verbindet zwei Quellen. „Was ihr wollt“ heißt Shakespeares Komödie. „Kleider machen Liebe“ wirft den Blick auf ein altes Sprichwort. Es erinnert an „Kleider machen Leute“. Dieser Brückenschlag ist klug. Er erklärt nichts. Doch er weist Wege. In Shakespeares Stück wechseln Figuren das Geschlecht. Sie verbergen und zeigen sich. Verwechslung treibt die Handlung. Genau das schwingt hier mit.
Sie müssen keine Vorlage kennen, um das zu hören. Es reicht, dass Sie die Zeichen lesen. Ein Titel wie „Ich bin nicht, was ich spiele“ trägt diese Last mühelos. „A. V. I. L. O.“ wirkt wie ein Spiegel-Trick. Buchstaben tauschen Plätze. Rollen wandern. Das Ergebnis ist Spannung. So bleibt das Album wach und offen. Die Anspielungen sind Spielmaterial. Kein Selbstzweck. Das ist der gute Ton dieser Produktion.
Es glänzt in der Sprache. In den kleinen Formen. In der Art, kurze Songs als Szenen zu nutzen. Die Reihenfolge ist fein gebaut. Die Übergänge stimmen. Auch der Klang ist stimmig. Er steht im Dienst der Worte. Das ist im deutschen Chanson selten so konsequent. Hier schon. Besonders die Mitte hält stark zusammen. Zwischen „Wenn Kleider Liebe machen“ und „Musik in meinen Augen“ liegt ein durchgehender Puls.
Doch es gibt Reibung. Manche Miniaturen sind sehr kurz. Sie blinken auf und sind vorbei. Das kann schmerzen. Es lässt Sie hungrig. Auch „Hoch die Tassen“ und „As im Ärmel“ wirken wie Skizzen. Sie setzen Farben. Doch sie sind schnell fort. Mitunter wünscht man sich hier einen Takt mehr. Ein längerer Atem. Auch „Der Kerker-Song“ riskiert Pathos. Es gelingt knapp. Aber der Grat ist schmal. Dennoch bleibt der Gesamteindruck stark. Das Konzept trägt die Last. Es fängt kleine Unebenheiten auf.
Die Stimme ist ein Leitfaden. Sie ist präsent, aber nie aufdringlich. Sie hat die eigene Patina. Sie trägt ruhige Zeilen und beißt, wenn es sein muss. Das macht den Reiz. Gerade in „Mein ganzes Leben lang“ zählt diese Nähe. Keine Maske. Nur eine klare Linie. Diese Art steht dem Material gut. Sie gibt auch den heiteren Nummern Gewicht. Lächeln ohne Leichtgewicht. Das ist schwer. Hier gelingt es oft überzeugend.
Auch in „Wiedergefunden“ spüren Sie diese Haltung. Die Stimme führt. Sie öffnet, sie schließt. So bleibt der Faden sichtbar. In einem Album, das so stark auf Rollen setzt, ist das viel wert. Es schützt vor Beliebigkeit. Es formt einen Kern. Darum trägt Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt als Ganzes.
Dieses Werk markiert eine reife Phase. Es bündelt Erfahrung mit Lust am Experiment. Es ist kein bloßes Konzeptstück. Es ist auch kein simples Song-Album. Es steht dazwischen. Genau das macht es eigen. Wer frühere Hits sucht, findet hier anderes. Statt Refrainbomben gibt es Miniaturen. Statt großer Hymnen gibt es feine Schnitte. Das mag nicht jeden ersten Wunsch treffen. Doch es wächst.
Gerade für Hörerinnen und Hörer, die Worte lieben, lohnt es sich. Auch für Sie, wenn Sie Theater mögen. Oder kleine Gesten, die lange nachhallen. In Retrospektiven behauptet sich dieses Album leise. Es ruft nicht. Es bleibt. Und mit der Zeit wird es deutlicher. So ist es mit guten Stücken, die ein Thema ernst nehmen.
Starten Sie bei „Intro / Musik“. Nehmen Sie sich die fünf Minuten. Danach hören Sie den ersten Block bis „Ich bin nicht, was ich spiele“ am Stück. Legen Sie dann eine kurze Pause ein. Trinken Sie einen Schluck Wasser. Setzen Sie fort mit „Wenn Kleider Liebe machen“ bis „A. V. I. L. O.“. Hier verdichtet sich die Idee. Spüren Sie, wie sich Figuren verschieben. Zum Schluss lassen Sie die letzten fünf Tracks durchlaufen. Legen Sie sich nicht fest. Hören Sie offen. Das hilft diesem Album sehr.
Hören Sie später einzelne Stücke im Wechsel. „Das Einhorn zähmt man nicht von vorn“ neben „Der Kerker-Song“. „Gleich lang sind alle Tage“ neben „Wie ein König“. So erkennen Sie Kontraste. Sie hören, wie ein Witz trägt. Und wie eine dunkle Farbe Halt gibt. Diese Mischung macht das Werk stark.
Die Nennung des vollen Titels ist mehr als Formalie. Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt bündelt Thema, Ton und Haltung. Der Name ist Programm. Er zeigt die Brücke zwischen Text und Bühne. Er weckt Bilder. Er macht neugierig. Und er hält die Spur. Wenn Sie den Titel denken, hören Sie schon das Rascheln von Stoff. Sie sehen einen Vorhang, der sich bewegt. Das ist gut. Es kündigt das Richtige an.
Auch in Gesprächen über Songpoesie funktioniert dieser Titel. Er lädt zur Deutung ein. Er lässt sich merken. Er verbindet Autor und Gegenstand. Das ist selten so sauber. Hier passt es.
Dieses Album ist ein Abend, der in Ihrem Kopf stattfindet. Es ist zart, witzig, klarsichtig. Es weiß, was es will. Es verlangt kein Vorwissen. Es schenkt Ihnen aber viel, wenn Sie Zeit geben. Es setzt auf kurze Formen, die zusammen ein Ganzes ergeben. Es arbeitet mit Rollenlust. Es fragt nach dem, was bleibt, wenn das Kostüm fällt.
Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt ist in diesem Sinn ein mutiges Werk. Es feiert die Worte. Es nimmt Musik als Dienerin der Szene. Das lässt Platz für Nuancen. Manches ist knapp, ja. Doch das weckt Verlangen nach mehr. Und genau das ist der Trick. Sie werden wiederkommen. Sie werden neue Details finden. Das ist ein starkes Zeichen für Qualität.
Wer deutschen Chanson liebt, wird hier glĂĽcklich. Wer Theater liebt, auch. Und wer die alte Frage nach Schein und Sein mag, sowieso. Nehmen Sie sich die 19 Tracks. Legen Sie die CD ein. Lassen Sie sich fĂĽhren. Am Ende wissen Sie, warum Heinz Rudolf Kunze Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt kein Album fĂĽr eine Laune ist. Es ist eines fĂĽr viele Abende.
Heinz Rudolf Kunze ist ein bekannter Name in der deutschen Musikszene. Sein neues Album "Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt" bietet eine Mischung aus tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien. Wenn Sie ein Fan von Kunze sind, sollten Sie auch einen Blick auf seine anderen Werke werfen. Zum Beispiel ist "Heinz Rudolf Kunze Calw Live" ein weiteres bemerkenswertes Album. Heinz Rudolf Kunze Calw Live zeigt seine beeindruckende Bühnenpräsenz und musikalische Vielfalt.
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