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Konstantin Wecker Solo (Live) – Rezension des ORF RadioKulturhaus-Mitschnitts

Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] – Rezension & Kritik

Letztes Update: 09. Dezember 2025

Der Beitrag stellt das Live-Album Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] vor, beschreibt die dichte AtmosphĂ€re des Abends, analysiert die Songauswahl und Weckers Interpretationen, bewertet Klang und Stimmung und zieht ein persönliches Fazit mit Empfehlungen.

Vorstellung und Kritik des Albums Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus]

Ein Solo-Abend, der trÀgt

Ein Mann, ein FlĂŒgel, ein Atemzug Raum. So beginnt die Reise. Bei Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] erleben Sie einen Abend ohne Netz. Keine Band. Kein Streichquartett. Nur Stimme und Klavier. Diese Reduktion ist ein Versprechen. Sie macht jedes Wort groß. Sie legt jede Regung offen. Das Publikum im ORF RadioKulturhaus wird zum Mitspieler. Es atmet mit. Es lacht. Es hĂ€lt still. Das macht den Reiz. Und es ist die Wette des Albums.

Der Mitschnitt erschien 2018. Er umfasst 28 StĂŒcke. Lieder, Gedichte, Miniaturen. Fast zwei Stunden gelebte BĂŒhne. Sie hören Wecker so, wie er sich selbst prĂŒft. Er nimmt den Umweg ĂŒber das Direkte. Er braucht keine großen Gesten. Er vertraut auf Text, Ton, Stille.

Der Ort als Klangraum

Das ORF RadioKulturhaus hat seinen eigenen Ton. Es ist ein Saal fĂŒr Worte. Es kennt Reden, Debatten, Hörspiele. Diese Aura spĂŒrt man sofort. Der FlĂŒgel klingt trocken und nah. Die Stimme steht vorne. Man hört das Holz, den Atem, das LĂ€cheln in einem „s“. Es ist wenig Hall. DafĂŒr viel PrĂ€senz. Der Abend wirkt intim. Sie sind nicht Zuschauerin, Sie sind Mitgehörte.

Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] nutzt diesen Raum klug. Pausen haben Gewicht. Zwischenrufe sind Teil des Textes. Ein Rascheln wird zum GerĂ€usch der Zeit. Das Publikum reagiert sensibel. Es feiert, aber es stört nie. So entsteht eine intensive NĂ€he. Sie bleibt auch beim erneuten Hören lebendig.

Konstantin Wecker am FlĂŒgel: Zorn, Sanftmut, Gelassenheit

Wecker ist mehr als ein SĂ€nger. Er ist Spieler, Sprecher, Poet. Er phrasiert wie ein Jazzmusiker. Er setzt Akzente, atmet mit den Tasten. Er lĂ€sst Melodien an und abfluten. Das ist in „Willy“ deutlich. Der Klassiker öffnet die TĂŒr. Er schlĂ€gt Tempo und Haltung vor. Das Tempo ist nicht gehetzt. Es schiebt, aber es drĂ€ngt nicht.

Seine Stimme hat Patina. Sie ist warm, teils brĂŒchig, aber klar in der Botschaft. Er singt nicht ĂŒber seine Grenzen. Er nutzt sie. Darin liegt WĂŒrde. Darin liegt Wahrhaftigkeit. Dazu passend das Spiel: oft weich im Anschlag, dann plötzlich perkussiv. Er kann streicheln. Und er kann stoßen. Diese Kontraste tragen den Abend.

Die Dramaturgie eines Solo-Programms

Ein gut gebauter Abend lebt von Kurven. Auch hier stimmt die Linie. Der Auftakt mit „Willy“ holt die Geschichte herein. Danach folgen neue Spitzen. „Genug ist nicht genug“ setzt einen harten Puls. „Ich war’s nicht“ bringt Humor, aber auch Selbstkritik. „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ weitet den Blick. „Wien“ verneigt sich zĂ€rtlich vor dem Ort. Dann „Fangt mi wirklich koaner auf“ und „Stirb ma ned weg“ im Dialekt. NĂ€he wird hier Klang.

Im Zentrum stehen die Miniaturen. „Das Stöhnen meines Mitmenschen im Klo nebenan“, „Ach, so schwankend hin und her
“, „Gelebtes Leben“. Sie sind kurz. Sie öffnen Fenster. Sie zeigen, wie gut Wecker das Kleine ernst nimmt. Zwischen diesen StĂŒcken atmet der Abend frei. Er schichtet GefĂŒhl und Gedanke. Er vermeidet Monotonie. Sie merken: Das ist kein Konzert mit Zufallsfolge. Das ist eine Geschichte in Nummern.

Politik und Poesie: Weckers Doppelherz

Wecker steht fĂŒr ein klares Wort. Er ist Pazi­fist, Humanist, Antifaschist. Das hören Sie in „Den Parolen keine Chance“ und „Warum ich kein Patriot bin“. Er setzt klare Kanten. Er wagt das Pathos. Aber er lĂ€sst den Zweifel zu. Er predigt nicht, er ringt. Das macht seine politischen Texte stark. Sie rufen nicht nur. Sie fragen.

Gleichzeitig gibt es die leise Seite. „Liebeslied im alten Stil“, „Weil ich dich liebe“, „Liebesdank“. Diese Lieder sind schlicht. Sie tragen große GefĂŒhle in kleinen Gesten. Keine Ironie stört. Kein Zynismus. Das wirkt. Denn nach Wut folgt Milde. Nach Milde folgt Wache. In dieser Wechselbewegung liegt die Wahrheit des Abends. Genau das bildet Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] ĂŒberzeugend ab.

Wien als Resonanzraum

„Wien“ klingt hier in warmen Farben. Der Ton ist herzlich, aber nie kitschig. „Fangt mi wirklich koaner auf“ und „Stirb ma ned weg“ zeigen Weckers Liebe zum Dialekt. Er trifft die Wiener Melancholie. Er kennt die Art, Schmerz in Heiterkeit zu wickeln. Und er lĂ€sst dem Dialekt Zeit. Er wird zum Musikinstrument. Das Publikum bedankt sich hörbar. Die Reaktion ist ehrlich. Sie hören Zustimmung, aber auch Nachdenken.

Der Ort formt den Abend mit. In einem Wiener Saal hat Politik eine andere Farbe. Sie ist persönlicher. Sie ist nĂ€her an der Biografie. Wecker nutzt das. Er spricht das Publikum an. Er baut eine BrĂŒcke aus Geschichten. So wirkt „Wehdam“ wie ein alter Freund. Es hat etwas Trauriges. Und doch tröstet es.

Klangbild und Technik: Die Tugend des Rundfunks

Der Mitschnitt kommt aus einem Haus des Hörens. Das prĂ€gt den Sound. Die Stimme ist fokussiert. Das Klavier steht breit, aber nie schwammig. Es gibt keine StudioglĂ€tte. Auch keine Live-Schlieren. Es wirkt sehr natĂŒrlich. Ein paar Tasten klirren, wie sie in einem echten Raum klirren. Das ist gut so. Sie fĂŒhlen sich dabei.

Ein besonderer Pluspunkt sind die LautstĂ€rken. Es gibt Luft fĂŒr leise Passagen. In „Über die ZĂ€rtlichkeit“ sinkt der Pegel ab. Man hört die HĂ€nde. Man hört ein Stirnrunzeln. SpĂ€ter, in „Wut und ZĂ€rtlichkeit“, steigt der Schub an. Nichts verzerrt. Nichts drĂŒckt unangenehm. Das macht Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] auch fĂŒr Kopfhörer ideal.

Zwischen Lied, Gedicht und Szene

Wecker liebt Formen. Er wechselt sie schnell. Ein Lied entsteht, dann fĂ€llt er in den Sprechgesang. Danach folgt ein Gedicht. Dann ein kurzer Witz. Diese Vielfalt passt zu seiner BĂŒhnenfigur. Sie ist lebendig. Sie ist unruhig. Aber nie fahrig. Es gibt einen inneren Faden. Das hilft Ihnen als Hörer. Sie verlieren nie die Orientierung.

Die kurzen Texte sind ein Gewinn. „Ich habe einen Traum“ bietet Utopie in einem zarten Rahmen. „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ denkt laut ĂŒber Hoffnung. Die Dauer ist knapp. Doch die Wirkung hĂ€lt an. Solche Miniaturen machen die großen Lieder heller. Sie legen Themen frei. SpĂ€ter kehren diese Themen in Musik wieder zurĂŒck.

Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus]: Kern und Kontext

Im Werk Weckers steht die BĂŒhne zentral. Seine Studioalben sind wichtig. Doch sein Zuhause ist der Abend mit Menschen. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] zeigt das in Reinform. Ohne Band hören Sie den Kern. Melodie, Wort, Haltung. Dieser Kern hĂ€lt. Er hĂ€lt auch bei Ă€lteren StĂŒcken. „Willy“ wirkt nicht gealtert. Es ist aktuell. Denn die Themen bleiben. Gewalt, Mut, Freundschaft. Das ist die Wecker-Konstante.

Zugleich hat er nie aufgehört zu wachsen. Die spĂ€ten Texte tragen viel Gelassenheit. Sie sind milde, ohne mĂŒde zu sein. „Schlendern“ ist ein Beispiel. Es lĂ€sst sich Zeit. Es schaut nach links und rechts. Es gönnt sich sinnvolle Umwege. Das ist ein Programm. Leben braucht offene Wege. Das Album zeigt diese Haltung glaubhaft.

Ein Abend aus 28 Teilen

Die Trackliste ist lang, aber nicht ĂŒberladen. 28 Nummern, die in Wellen geordnet sind. Nach dem Aufriss setzt „Aus den sadopoetischen GesĂ€ngen des Konstantin Amadeus Wecker“ ein ironisches Zeichen. Das ist alter Wecker-Humor. In „Ich liebe diese Hure“ wird der Ton frech, dann zĂ€rtlich. „Was passierte in den Jahren“ blickt zurĂŒck, ohne wehleidig zu wirken. „An meine Kinder“ findet eine Sprache der Verantwortung. Sie ist leise. Aber sie trifft.

Einige Lieder stechen hervor. „Tropferl im Meer“ beschwört das Kleine im Großen. „Wehdam“ ist groß in seiner Langsamkeit. „Schlendern“ zieht Sie hinein. Der fast achtminĂŒtige Fluss tut gut. Zum Schluss „Jeder Augenblick ist ewig“. Das ist kurz, fast eine Formel. Es setzt den Punkt, aber keinen Schluss. Ein schöner Abschied. Er macht mehr auf als zu.

Haltung, die trÀgt: Zwischen Mut und Zweifel

Wecker lebt von Haltung. Er ist kĂ€mpferisch. Er ist romantisch. Er glaubt an Menschen. Aber er idealisiert sie nicht. Das ist wichtig. Sie hören Wut in „Den Parolen keine Chance“. Doch Sie hören auch Selbstkritik in „Ich war’s nicht“. Diese Mischung schĂŒtzt ihn vor der Pose. Sie macht ihn glaubwĂŒrdig. Sie hĂ€lt die Kunst offen.

In Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] wird das zu einer Schule des Hörens. Sie lernen, dass ZĂ€rtlichkeit politisch ist. Sie lernen, dass Zorn Liebe braucht. Der Abend zeigt beides. Er zeigt es nicht als These, sondern als GefĂŒhl. Das ĂŒberzeugt mehr als jedes Manifest.

Rezeption und Wiederhörwert

Ein Live-Album kann schnell verbraucht wirken. Einmal gehört, einmal gefĂŒhlt. Hier ist es anders. Der Mitschnitt lĂ€dt zum Wiederhören ein. Wegen der Texte. Wegen der feinen Dynamik. Wegen der kleinen Lacher, die Sie beim ersten Mal ĂŒberhören. Sie entdecken neue Details. Ein Akzent im „r“. Eine Pause, die lĂ€nger scheint. Ein Blick, den man nicht sieht, aber spĂŒrt.

Auch fĂŒr Einsteiger ist das Album geeignet. Es bietet eine Art Best-of ohne Etikett. Es zeigt die Bandbreite. Politische StĂŒcke. Liebeslieder. Skizzen. So finden Sie Ihren Zugang. Danach können Sie tiefer in das Werk steigen. In Studioalben. In Orchester-Projekte. Doch die Basis liefert Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus].

Eine Frage der Balance: Kritik und mögliche SchwÀchen

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein Solo-Abend riskiert LĂ€ngen. Hier gibt es Momente, in denen der Fluss stockt. Das liegt selten am Text. Es liegt eher an der Dichte. 28 Nummern sind viel. Nicht alle tragen gleich stark. Eine KĂŒrzung um zwei, drei Miniaturen hĂ€tte Luft schaffen können. Vor allem im Mittelfeld drĂ€ngt sich die FĂŒlle kurz vor.

Auch das Pathos ist nicht jedermanns Sache. Wecker scheut es nicht. Er setzt es bewusst ein. Manchmal kippt der Ton ins Feierliche. „Ich habe einen Traum“ berĂŒhrt. Doch es streift den Rand des Lehrhaften. Hier hilft die Reihenfolge. Denn ein humorvoller Einschub bricht die Schwere. Insgesamt gelingt die Balance. Aber sie ist nicht immer sicher.

Das Spiel mit der Tradition

Wecker steht in einer Linie. Von Biermann bis Kreisler. Von Brecht bis Brel. Er zitiert nie direkt. Er nimmt den Geist auf. Das hört man in der Ernsthaftigkeit des Wortes. In der Liebe zum Chanson. Und im szenischen ErzĂ€hlen. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] zeigt diese Tradition. Aber es klingt nicht retrospektiv. Es bleibt im Heute. Es nimmt die Gegenwart ernst. Sprache, Tempo, Themen: alles hier und jetzt.

Die Klavierbegleitung knĂŒpft an alte Formen an. Walzer, Tango, Ballade. Doch die ÜbergĂ€nge sind frei. Das hĂ€lt die Musik beweglich. Sie atmet. Sie folgt dem Text, nicht dem Schema. Bei „Wien“ schwingt ein Hauch von Heurigenmelodie mit. Aber er bleibt nur Hauch. Es ist Hommage, keine Kopie.

Publikum als Partner

Ein Live-Album steht und fĂ€llt mit dem Publikum. Hier ist das Publikum ein GlĂŒcksfall. Es hört zu. Es klatscht an den richtigen Stellen. Es lacht, wenn Humor im Raum liegt. Es gibt Energie, ohne zu ĂŒbertönen. Das trĂ€gt den Abend. Es ist Mitschöpfer, nicht Störfaktor. Die Aufnahme fĂ€ngt das gut ein. Sie spĂŒren Gemeinschaft. Ohne dass die Musik in Jubel untergeht.

Gerade bei „Willy“ ist das spĂŒrbar. Das Lied hat Geschichte. Viele kennen es seit Jahren. Der Saal hört die ersten Takte und hĂ€lt den Atem an. Am Ende bricht großer Applaus aus. Doch der Applaus ist nie Selbstzweck. Er gehört zur Dramaturgie. Er schließt die Klammer. Er öffnet die nĂ€chste.

Formate, Zahlen, Eckdaten

Das Album erschien am 5. Oktober 2018. Es kam digital heraus. 28 Tracks, Laufzeiten zwischen einer Minute und knapp acht Minuten. Die Spannweite ist groß. Sie bekommen ein volles Konzert. Mit Ansagen, mit ÜbergĂ€ngen, mit allem, was den Abend ausmacht. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] fungiert so als Zeitdokument. Es bewahrt nicht nur Lieder. Es bewahrt AtmosphĂ€re.

Die Mischung stimmt. Lange StĂŒcke wie „Schlendern“ und „Willy“ geben Raum. Kurze EinwĂŒrfe sorgen fĂŒr Tempo. Der Spannungsbogen bleibt erhalten. Es gibt kaum harte Schnitte. Die Tracks fließen. So entsteht ein geschlossenes Werk. Nicht nur eine Playlist.

Hörtipps fĂŒr den Einstieg

Wenn Sie neugierig sind, beginnen Sie mit „Wut und ZĂ€rtlichkeit“. Dieses Lied zeigt Weckers Wesen. Zorn und Liebe als zwei Seiten einer Sache. Danach „Stirb ma ned weg“. Hier hören Sie NĂ€he und Verletzlichkeit. Es ist zart, aber stark. Als drittes „Den Parolen keine Chance“. Ein klares Statement. Musikalisch knapp. Inhaltlich prĂ€zise.

Wenn Sie eher der leisen Töne wegen hören, greifen Sie zu „Liebesdank“. Dann „Weil ich dich liebe“. Beide StĂŒcke zeigen die helle Seite. Und wenn Sie die Dramaturgie eines Abends lieben, nehmen Sie sich „Schlendern“. Es ist eine Miniatur in Großformat. Alles schwingt, alles darf sein. Genau darin liegt die Kunst dieses Albums.

Warum Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] im GedĂ€chtnis bleibt

Weil es ehrlich ist. Weil es einfach ist, ohne simpel zu sein. Weil es den Mut hat, langsam zu werden. In einer Zeit, die stĂ€ndig rennt. Weil es Haltung zeigt. Ohne den Zeigefinger. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] ist ein Album gegen die MĂŒdigkeit. Es weckt. Es wĂ€rmt. Es tröstet. Und es fordert heraus.

Sie können es in einem Rutsch hören. Sie können es in Teilen hören. Es trĂ€gt beides. Es ist Konzert und Lesung. Es ist GesprĂ€ch und Monolog. Es ist ein Abend zum Mitdenken. Und ein Abend zum FĂŒhlen. Diese Vielgestalt macht den Reiz. Und sie macht es zeitlos.

Mehr als Nostalgie: Gegenwartsmusik mit Geschichte

Weckers Lieder kommen aus einer Tradition. Aber sie sind Gegenwart. Sie berĂŒhren Fragen, die heute brennen. SolidaritĂ€t. MitgefĂŒhl. Sprache und Macht. Kunst und Verantwortung. Das Album vermeidet große Theorien. Es zeigt Menschen. Es erzĂ€hlt von Fehlern, von Mut, von Liebe. Darin liegt die Kraft. Sie spĂŒren, dass da einer wirklich meint, was er singt.

Gerade in „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ leuchtet das. Die Suche ist nicht esoterisch. Sie ist politisch und poetisch zugleich. Sie hĂ€lt die Welt aus, wie sie ist. Sie glaubt trotzdem an das Bessere. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] bindet diese Spannung gut zusammen. Es bleibt offen. Es bleibt stark.

Ein Wort zu Sprache und Duktus

Weckers Sprache ist klar. Sie liebt Bilder. Aber sie bleibt verstĂ€ndlich. Keine akademische HĂŒlle. Kein Jargon. Er spricht, wie er denkt. Er singt, wie er spricht. So kommt der Sinn an. So bleibt er haften. Auch die DialektstĂŒcke bleiben nachvollziehbar. Musik und Kontext tragen die Worte. Sie verlieren sich nicht.

Sein Duktus hat Rhythmus. Er baut innere Reime. Er setzt Pausen wie Taktstriche. Dadurch trĂ€gt die Sprache auch ohne Melodie. Das hört man in den Miniaturen. Sie sind nicht Beiwerk. Sie sind StĂŒtzen. Ohne sie wĂŒrde der Abend kippen. Mit ihnen bleibt er aufrecht.

Die emotionale Topografie des Abends

Der Abend wandert. Er steigt, er fĂ€llt, er biegt ab. Es gibt klare Höhepunkte. „Willy“ am Anfang. „Schlendern“ als weiter Raum. „Wehdam“ als tiefer Brunnen. Dazwischen leichte Wege. Ein Zwischenwitz, ein kurzer Text. Dann wieder Ernst. Diese Topografie verhindert ÜbersĂ€ttigung. Sie hĂ€lt die Aufmerksamkeit wach. Sie fĂŒhrt Sie behutsam. Nie werden Sie gedrĂ€ngt.

Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] zeigt, wie gut Wecker diese Karten lesen kann. Er kennt die Fallhöhe. Er weiß, wann ein LĂ€cheln helfen muss. Er weiß auch, wann nur Stille hilft. Er setzt beides. Er vertraut beidem.

Fazit: Ein Solo, das fĂŒllt

Was bleibt nach zwei Stunden? Ein GefĂŒhl von NĂ€he. Ein Respekt vor dem Wort. Ein Glaube an Musik als Haltung. Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] ist mehr als ein Mitschnitt. Es ist ein PortrĂ€t. Es zeigt den KĂŒnstler ohne Schmuck. Es zeigt ihn in seiner ganzen Breite. Mit Zorn. Mit ZĂ€rtlichkeit. Mit Humor. Mit Herz.

Wenn Sie Wecker kennen, werden Sie vieles wiederfinden. Sie werden Neues entdecken. Wenn Sie neu sind, ist dies ein guter Start. Die Aufnahme ist klar. Die Dramaturgie stimmt. Die Auswahl trÀgt. Ein paar LÀngen stören kurz. Doch am Ende zÀhlt der Eindruck. Er ist stark. Er ist warm. Er ist wahr.

Schlussgedanke

Dieses Album erinnert daran, wie viel ein einzelner Mensch auf einer BĂŒhne bewirken kann. Es zeigt, dass Reduktion Raum schafft. Raum fĂŒr Sinn. Raum fĂŒr GefĂŒhl. Raum fĂŒr Mut. Deshalb lohnt es sich, Konstantin Wecker Solo (Live) [Live‐Mitschnitt aus dem ORF RadioKulturhaus] nicht nur einmal zu hören. Es lohnt, es zu teilen. Es lohnt, es wirken zu lassen. Jeder Abend ist anders. Doch dieser klingt nach. Lange.

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