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Reinhard Mey: !Ich kann — Albumvorstellung und Kritik

Reinhard Mey !Ich kann – Albumvorstellung und Kritik

Letztes Update: 04. Dezember 2025

Der Artikel stellt Reinhard Meys Album !Ich kann vor, analysiert Songtexte, Melodien und Produktion. Er hebt poetische Direktheit und intime Momente hervor, thematisiert aber auch LĂ€ngen und liefert eine wohlĂŒberlegte Empfehlung fĂŒr Liebhaber handgemachter Lieder.

Reinhard Mey !Ich kann – Vorstellung und Kritik eines spĂ€ten Programms

Ein Ausrufezeichen als Programm

Ein Titel mit Signalwirkung. Das Ausrufezeichen steht vorne. Das ist mehr als ein Gag. Es ist eine Haltung. Die Geste sagt: Ich trete vor. Ich setze den ersten Ton. Genau so beginnt dieses Programm. Es ist kein leises SicheinfĂŒgen. Es ist ein bewusstes Zeichen. So fĂŒhrt Sie der KĂŒnstler in eine dichte, lange Nacht. Worte tragen. Saiten fĂŒhren. Stille wirkt.

Mit Reinhard Mey !Ich kann hebt der Liedermacher sein SelbstverstĂ€ndnis hervor. Er ist Songpoet, ErzĂ€hler, BĂŒrger, Vater. Er kann trösten. Er kann lachen. Er kann anklagen. Er kann verzeihen. Er kann erinnern. Er kann auch spielen und fliegen. All das bĂŒndelt sich im Bogen des Abends. So liest sich der Titel wie eine Zusage an Sie. Und wie eine Einladung.

2006, zwei CDs und ein roter Faden

Das Album erschien am 12. Mai 2006. Es kommt als Copy Control Doppel-CD. Die erste Scheibe bietet elf StĂŒcke. Die zweite umfasst zwölf. Zusammen entsteht ein breites Panorama. Zeit, Ort und Stimmung fließen ineinander. Die Laufzeiten sind lang. Viele Titel liegen bei sechs, sieben, acht Minuten. Das deutet auf BĂŒhne. Auf Zwischenworte. Auf kleine Dialoge ohne Gegenpart. Auf die WĂ€rme eines Saals.

Die Dramaturgie ist prĂ€zise. Sie erleben einen Abend in Kapiteln. Nach dem ersten Schwung folgen die Kommentare. Danach kommen Liebeslieder, Sprachen, Reisen. Dann RĂŒckblicke, Klassiker, Abschied. So trĂ€gt Sie das Set. In seinem Zentrum steht ein klarer Kern. Klanglich bleibt es schlicht. Gitarre, Stimme, Atem. Doch die Spannweite ist groß. Auch ohne Band.

Hier spielt Reinhard Mey !Ich kann seine StÀrke aus: Reduktion. Der Luxus liegt im Raum. Er entsteht zwischen Ton und Sinn. So hÀlt das Programm zusammen, was es an Themen streut. Politik, Privat, Poesie. Es greift ineinander. Es lebt von Rhythmus und Ruhe.

Live-GefĂŒhl im Studioformat

Ob Studio oder BĂŒhne, die Platte atmet Live. Die Tempi sind frei. Die Stimme atmet groß. Es gibt Pausen, in denen ein Wort nachklingt. Eine Pointe braucht Platz. Eine Erinnerung holt Luft. Dann fließt die Gitarre weiter. Das ist das vertraute Timbre. Warm, klar, direkt. Die Saiten sind nicht weichgespĂŒlt. Sie haben Griff. Das passt zum Text. Es bleibt nah. Sie hören die HĂ€nde auf dem Holz. Sie spĂŒren den Abstand zum Mikrofon.

Dieses Live-GefĂŒhl prĂ€gt die LĂ€nge der StĂŒcke. Es dauert, bis ein Bild steht. Es dauert, bis eine Kritik sitzt. Es dauert, bis ein Abschied gesagt ist. Doch es lohnt sich. Denn die Bögen tragen. So strahlt die Aufnahme Ruhe aus. Sie lĂ€dt zum Sitzen ein. Zum Zuhören. Zum Mitdenken. Und auch zum Schmunzeln.

Gerade darin liegt die Kraft von Reinhard Mey !Ich kann. Das Album setzt nicht auf Effekt. Es setzt auf Vertrauen. In die Texte. In die Stimme. In Sie.

Die Eröffnung: „Wenn ich betrunken bin“ und „Ich kann!“

Der Start ist ein Ballerspieler. „Wenn ich betrunken bin“ steht am Anfang. Acht Minuten, die kippen, tĂ€nzeln, blinzeln. Es ist ein StĂŒck ĂŒber Rausch und Blick. Über den kleinen Abstand zu sich selbst. Es klingt heiter. Doch der Kern ist ernst. Denn SchwĂ€che ist allzu menschlich. Hier zeigt der SĂ€nger Humor ohne HĂ€me. Das schafft NĂ€he. Und es weckt Vertrauen.

Danach folgt „Ich kann!“. Der Ruf tritt in Echo mit dem Albumtitel. Der Song bekennt Kraft. Doch er kennt die Gegenkraft. Er prahlt nicht. Er zĂ€hlt auf, was geht. Und was nicht. Das macht den Ton so reif. Es ist kein jugendlicher Trotz. Es ist gezĂ€hmter Mut. So spĂŒrt man den langen Weg. Man hört das Gewicht der Jahre. In dieser Paarung steckt das Motto von Reinhard Mey !Ich kann: Haltung mit Herz, und ein klarer, wacher Blick.

Die politische Kante von Reinhard Mey !Ich kann

Engagierte Lieder sind hier kein Fremdkörper. Sie sind Teil der Person. „Alles o.k. in GuantĂĄnamo Bay“ spricht die Wunde an. Das Thema steht nackt im Raum. Der Text weicht nicht aus. Die Gitarre drĂ€ngt nicht. Sie lĂ€sst den Inhalt vor. Es entsteht eine stille Empörung. Sie wĂ€chst nicht in Wut. Sie wĂ€chst in Haltung. So bleibt der Ton glaubwĂŒrdig.

„Das Narrenschiff“ fĂŒhrt die Metapher aus. Das Bild ist alt. Doch die Fahrt ist neu. Es geht um ein Land, um uns. Die Folie ist bekannt. Doch der Vortrag bringt frische Kanten. Eine Strophe brennt, die nĂ€chste kĂŒhlt. Am Ende bleibt ein bitterer Nachhall. Und ein Funken Hoffnung. Denn wer die Dinge so benennt, glaubt an Wirkung.

„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht!“ bekrĂ€ftigt die alte Botschaft. Sie kennen den Song. Hier klingt er reifer. Weniger Pathos, mehr NĂ€he. Er wirkt wie ein Brief. An die eigenen Kinder. An Sie. „Ich glaube nicht“ spannt den Faden weiter. Der Text ist skeptisch. Nicht zynisch. Das ist ein wichtiger Unterschied. Skepsis prĂŒft. Zynismus zerstört. Mey wĂ€hlt den ersten Weg. So bleibt auch Kritik warm. Das ist wohl das stĂ€rkste Zeichen von Reinhard Mey !Ich kann.

Europa im Ohr: Französisch und NiederlÀndisch

„Je t’aime“ und „Douce France“ öffnen Fenster nach Westen. Mey hat dort Wurzeln. Er singt die Sprachen mit Herz. Nicht als Geste. Als gelebte Liebe. Die Nase weist dabei nicht in die Luft. Sie bleibt dem Alltag zugewandt. So entsteht keine Pose. Es entsteht ein Dialog aus Kulturen. Klangfarben mischen sich mit Erinnerungen. Die Gitarre bleibt deutsch gezupft. Der Vokal formt Paris. Das wirkt charmant. Und es hat Gewicht.

„Als de dag van toen“ zeigt die zweite HĂ€lfte seines BrĂŒssel-Erbes. Das NiederlĂ€ndische lebt hier weich. So nah am Klang einer Nachbarin. Auch diese Wahl ist kein Zufall. Sie passt zum Bogen des Programms. Fremdes wird vertraut. Vertrautes wird neu. In Reinhard Mey !Ich kann wird Europa nicht erklĂ€rt. Es wird gesungen. Das ist oft die bessere Schule.

Intimes ErzĂ€hlen: „Sven“, „Serafina“, „Annabelle“

Figuren tauchen auf. „Sven“ klingt nach Familie. Der Ton ist zĂ€rtlich. Er blickt zurĂŒck und nach vorn. Alltag steigt zu Kunst, weil er genau geschaut ist. „Serafina“ spinnt die Linie fort. Ein Name, ein Bild, ein kleines StĂŒck Welt. Mey bleibt nah an der Person. Er wertet nicht. Er schildert. So wĂ€chst Empathie.

„Annabelle“ fĂŒgt ein anderes Licht. Vielleicht eine Jugenderinnerung. Vielleicht eine Fantasie. Die Grenze ist weich. Genau das ist die Kunst. Eine Figur wird lebendig. Sie trĂ€gt auch die Last des Hörers. Sie hĂ€lt einen Spiegel. So entsteht Bindung. So schafft das Album Atempausen inmitten schwerer Themen. Und genau so balanciert sich Reinhard Mey !Ich kann immer wieder aus.

Klassiker im neuen Licht: „Über den Wolken“ und „Gute Nacht Freunde“

Wer an Mey denkt, denkt an die Wolken. Der Klassiker darf nicht fehlen. Hier klingt er geerdet. Ohne Bombast. Ohne großes Kleid. Nur Stimme und Saiten. Der Effekt ist stark. Sie hören das bekannte Lied. Doch Sie hören es anders. Weniger Jugend, mehr Milde. Der Kern bleibt: Sehnsucht nach Weite. Der Satz trĂ€gt. Doch hier zĂ€hlt vor allem der Ton, der ihn hĂ€lt.

„Gute Nacht Freunde“ schließt den Abend. Es ist der passende Abschied. Er kommt ohne Kitsch. Er kommt mit WĂ€rme. Das Publikum im Kopf steht auf. Es geht hinaus, still und leicht. So legt das Album Sie sanft ab. Die Reise ist rund. Sie endet mit einem Gruß, der bleibt. Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie gut Reinhard Mey !Ich kann gebaut ist. Es nimmt Sie ernst. Es lĂ€sst Sie nicht allein.

Sprache, Witz, Handwerk: Rechtschreibung, Biker, Handbuch

Worte sind hier Werkzeug und Spielzeug. „Der unendliche Tango der deutschen Rechtschreibung“ tanzt Regeln aus. Es ist klug. Es ist lustig. Vor allem ist es liebevoll. Der Spott trifft nicht Menschen. Er trifft Marotten. Das macht Spaß. Und es schĂ€rft den Blick fĂŒr Sinn und Unsinn.

„Der Biker“ bringt Tempo. Das Bild eines Lebens auf zwei RĂ€dern. Kein Plakat. Eher eine Miniatur. Mit Wind, Helm, Knoten im Bauch. „Das Handbuch“ liegt nĂ€her am Alltag. Es schaut auf Dinge, die wir alle kennen. Es macht aus Frust ein LĂ€cheln. So steht das Spielerische neben dem Ernsten. Und beides stĂŒtzt sich. Diese Balance ist Kern von Reinhard Mey !Ich kann. Sie hĂ€lt das Programm auf Kurs.

Produktion, Klang, Gitarre

Die Aufnahme ist klar. Kein Hall-Schleier, der die Kontur nimmt. Die Gitarre steht vorn. Die Stimme sitzt mittig, sehr nah. Atmer sind hörbar. Das ist Absicht. Es zeigt den Menschen. Es zeigt auch die Arbeit. Kleine RutschgerÀusche erinnern an Holz. Der Bass kommt aus dem Körper der Gitarre. Er schiebt nicht, er trÀgt.

Die Mischung lĂ€sst Luft. Es gibt Raum fĂŒr die SĂ€tze. Jeder Text bleibt verstĂ€ndlich. Das ist bei diesem Repertoire Pflicht. Auch die Dynamik stimmt. Leise Parts sind leise. Laute Stellen bleiben kontrolliert. Es gibt keinen Kompressor, der die Bögen platt macht. So bleibt die Musik organisch. Genau so muss ein solches Werk klingen. Es soll nah, aber nicht roh sein. Das trifft Reinhard Mey !Ich kann ziemlich genau.

Copy Control – Zeitzeichen mit Haken

Das Format ist ein Kind seiner Ära. Copy Control sollte kopieren bremsen. Es bremste oft auch das Hören. Viele Rechner mochten das System nicht. Manche Player zickten. Das ist ein Makel der Edition. Er zeigt die Technik-Sorgen der 2000er. Heute wirkt es wie ein Fremdkörper. Denn Musik will frei fließen. Sie will dahin, wo sie gehört wird. Wer eine alte Scheibe kauft, sollte das wissen. Vielleicht bleibt man beim CD-Player. Oder weicht auf eine digitale Ausgabe aus, wenn es sie gibt.

Der Inhalt leidet nicht darunter. Doch der Zugang kann leiden. Das trĂŒbt den Komfort. Darum ist ein Hinweis fair. Und darum ist es gut, diesen Punkt nĂŒchtern zu nennen. Auch das gehört zu einer Kritik ĂŒber Reinhard Mey !Ich kann: die HĂŒlle mitdenken.

Im Werk verortet: RĂŒckblick und Gegenwart

Im Kontext seiner Laufbahn markiert die Platte ein spĂ€tes Programm. Es sammelt vieles, was den KĂŒnstler prĂ€gt. Politische Wache. Liebe zum Chanson. Zarte Familienbilder. Sprachwitz. Dazu zwei Hymnen, die bleiben. Es ist kein Best-of im engen Sinn. Es ist ein Best-of im gelebten Sinn. Denn die Auswahl wirkt wie eine Selbstbefragung. Wer bin ich heute? Was kann ich noch? Was will ich sagen?

Die Antwort ist keine Pose. Sie ist eine Reihe kleiner Wahrheiten. Das macht den Reiz. So fĂŒgt sich Reinhard Mey !Ich kann in die Reihe seiner spĂ€ten Tour-Alben. Es steht daneben, nicht darunter. Die Platte ist nicht revolutionĂ€r. Sie ist verlĂ€sslich. Und sie ist sehr persönlich.

Vergleiche, Rezeption, Wirkung

Verglichen mit frĂŒheren Live-Programmen fĂ€llt die Ruhe auf. Der Humor ist feiner. Die Kritik schĂ€rfer, aber leiser. Die Stimme ist gereift. Sie trĂ€gt weniger Druck, mehr Farbe. Die Gitarre ist noch bewusster gesetzt. Kleine Figuren, klare Akkorde. Wenig Zierrat. Doch nie karg. Das Publikum dankt das mit Aufmerksamkeit. So wirkt es jedenfalls beim Hören. Man fĂŒhlt sich Teil eines sehr prĂ€senten Abends.

In der Rezeption steht oft die Mischung im Fokus. Alt und neu. Deutsch und Nachbarsprachen. Privat und politisch. Genau dieses Miteinander wirkt. Es macht das Album anschlussfĂ€hig. FĂŒr Fans, die seit langem dabei sind. Und fĂŒr Hörer, die jetzt erst kommen. In beiden FĂ€llen bleibt der Eindruck: Reinhard Mey !Ich kann ist ein spĂ€ter, warmer Beweis seiner Kunst.

FĂŒr wen eignet sich dieses Album?

FĂŒr den Einstieg

Wenn Sie Mey noch nicht gut kennen, ist dies ein guter Zugang. Sie bekommen viele Facetten. Sie hören Klassiker. Sie erleben den Ton der Gegenwart. Sie lernen seine Sprachen kennen. Sie treffen auf seine Themen. Politik. Liebe. Sprache. Alltag. Das ist ein runder Parcours. Er lĂ€dt ein und ĂŒberfordert nicht. In dieser Hinsicht ist Reinhard Mey !Ich kann ein freundlicher Gastgeber.

FĂŒr Kenner

Wenn Sie lange dabei sind, hören Sie die Reifung. Kleine Tempi-Wechsel fallen auf. Ein Wort, das frĂŒher scharf war, ist hier mild. Ein Scherz, der frĂŒher laut war, ist hier leise. Das ist spannend. Auch die Auswahl der Fremdsprachen-Titel beleuchtet Wege des KĂŒnstlers. Sammler werden die LĂ€nge schĂ€tzen. Die Ansagen zwischen den Zeilen. Die Luft zwischen den Tönen. All das macht Freude. All das belohnt Geduld.

StĂŒcke im Detail: Reihenfolge und Dramaturgie

Die erste CD öffnet spielerisch, wird politisch, wechselt dann in Lieder, die alte Liebe feiern. Ein Biker rauscht vorbei. Ein Friedhof zieht nach. Ein Baum fÀllt. Dann hebt der Blick ab. Die zweite CD pickt den Faden auf. Ein neues Lied steht mit Fragezeichen da. Dann folgen alte Brocken, die neu schimmern. Es geht an den Berg. Es geht in die Stadt. Es geht durch einen langen Tag. Dann die Uhrzeit mit Ansage. Am Ende das Freundeslied. Das ist kein Zufall. Es ist Struktur.

Diese Struktur hĂ€lt Sie bei Laune. Sie bietet Vielfalt. Sie bietet Ruhe. Sie spart Pathos. Sie gönnt sich Tiefe. So wird Reinhard Mey !Ich kann zu einer Reise mit Stationen. Jede Station hat Sinn. Jede hat Farbe. Alles hat Maß.

Was bleibt nach dem Hören?

Ein GefĂŒhl von NĂ€he. Ein Satz, der hĂ€ngen bleibt. Ein Klang von Holz. Ein Blick auf Welt, der nicht hart ist, aber wach. Eine ZĂ€rtlichkeit, die nicht sĂŒĂŸlich ist, aber sanft. Und das Wissen: Da singt jemand, der weiß, was Worte können. Und was sie nicht können. Genau das meint der Titel. Er sagt, was geht. Und er weiß, was offen bleibt.

Auch bleibt die Einsicht, dass ein langer Abend nicht lang wirken muss. Er kann leicht sein. Er kann fließen. Er kann tragen. So trĂ€gt Reinhard Mey !Ich kann durch Zeit und Themen, ohne zu reißen. Das ist Kunst. Es sieht einfach aus. Es ist es nicht.

Ein Wort zur LĂ€nge der Songs

Die Dauer schafft Raum. Sie ist nötig fĂŒr die Bilder. Sie lĂ€sst Figuren leben. Sie lĂ€sst Argumente wirken. Nichts bleibt bei einer Pointe stehen. Alles bekommt eine zweite Wendung. Das hebt die Lieder ĂŒber den Tag hinaus. Sie werden zu kleinen ErzĂ€hlungen. Das verlangt Geduld. Doch es zahlt sich aus. Vor allem in leisen StĂŒcken. Da gewinnen Nuancen. Da wachsen kleine Momente zu großen.

Diese Geduld ist heute selten. Umso schöner, dass sie hier noch Platz hat. Es ist ein Statement. Und es passt zum Titel. Denn auch Geduld ist ein Können. Eine Tugend, die singbar ist. In dieser Form ist sie hörbar und spĂŒrbar.

Fazit: Ein spÀtes, starkes Bekenntnis

Am Ende steht ein klares Urteil. Dieses Album ist ein spĂ€tes, starkes Bekenntnis. Es zeigt den KĂŒnstler im Ganzen. Wach, warm, witzig, weise. Es zeigt ihn in Sprachen, in Rollen, in Haltungen. Es zeigt ihn als Chronist seiner Zeit. Und als Freund im Ohr. Die Aufnahme klingt nah und gut. Die Auswahl ist reich. Die Balance stimmt. Kleine Makel wie die alte Copy Control Ă€ndern daran wenig.

Wer Poesie in einfacher Form mag, wird hier glĂŒcklich. Wer klare Worte schĂ€tzt, wird hier fĂŒndig. Wer große Gesten sucht, liegt eher falsch. Dies ist kein Feuerwerk. Es ist ein Kaminfeuer. Es hĂ€lt warm. Es knistert. Es brennt lange. Genau darum ĂŒberzeugt Reinhard Mey !Ich kann. Und genau darum lohnt es sich, diese zwei CDs immer wieder zu hören.

Wenn Sie ein einziges Wort mitnehmen wollen, dann dieses: Haltung. Die Platte trĂ€gt sie in jeder Note. Sie trĂ€gt sie leise, aber bestimmt. So bleibt der Eindruck: Hier weiß einer, wer er ist. Und was er kann. Das ist selten. Und es ist schön. Darum hat Reinhard Mey !Ich kann seinen Platz. Nicht nur im Regal. Sondern im Herzen seiner Hörer.

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