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Reinhard Mey In Wien – The Song Maker: Albumkritik und Highlights

Reinhard Mey In Wien – The Song Maker: Ein Wiener Liederabend zwischen Nostalgie und Neuerfindung

Letztes Update: 06. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Album 'In Wien – The Song Maker' vor: eine Reise durch Wiener Klangräume, intime Live‑Momente und Meys präzise Liedkunst. Er lobt Texte, Stimme und Arrangements, nennt Schwächen bei Tempo und Produktion und empfiehlt Highlights.

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Reinhard Mey In Wien – The Song Maker: Vorstellung und Kritik

Ein Live-Abend, der zur Chronik wird

Reinhard Mey In Wien – The Song Maker ist kein gewöhnliches Live-Album. Es ist ein Blick in den Werkraum eines Liedermachers. Es ist zugleich Rückschau, Selbstporträt und zartes Zukunftsversprechen. Am 5. Mai 2023 erschien dieses Konzertdokument digital. 23 Titel führen durch einen langen Abend in Wien. Die Setlist spannt Bögen über Jahrzehnte. Die Bühne ist reduziert. Die Stimme ist präsent. Die Gitarre trägt. Und das Publikum atmet mit.

Was macht diesen Mitschnitt besonders? Reinhard Mey In Wien – The Song Maker zeigt, wie ein Abend wächst. Er zeigt, wie Worte Zeit brauchen. Er zeigt, dass Stille ebenso Musik ist. Jeder Song hat Platz. Die Moderationen haben Sinn. Es entsteht Nähe, die man im Studio selten findet. Das Konzert wird zur Chronik. Es wird zur Schule des Erzählens. Und es wird zu einem zärtlichen Gespräch mit Ihnen.

Der Ort als Mitspieler: Wien atmet mit

Wien hat einen eigenen Klang. Das hört man hier. Es liegt an der Höflichkeit des Publikums. Es liegt an der Wärme des Raums. Und es liegt an der langen Tradition des Lieds in dieser Stadt. Sie spüren es in den leisen Stellen. Sie spüren es in den Lachen an den richtigen Punkten. Der Abend wirkt wie auf Samt. So entsteht Vertrauen. Daraus wächst Mut zu Pause und Pointe.

Ein Lied wie „In Wien“ (06:11) ist dann mehr als ein Ortsbezug. Es wird zum Spiegel. Es erklärt, warum dieser Abend nur hier so klingen kann. Reinhard Mey In Wien – The Song Maker macht den Ort hörbar. Er wird zum Partner der Gitarre. Der Saal gibt Weite. Er hält die Worte. Das Mikrofon fängt sie mild auf. Nichts drängt. Alles darf reifen.

Repertoire und Dramaturgie

Die Setlist ist ein Bogen aus vielen Jahren. Sie beginnt mit „Ich wollte wie Orpheus singen“ (06:10). Das ist ein Chanson über Sehnsucht. Es stellt das Thema des Abends vor. Danach kommt „Spielmann“ (06:08). Wieder geht es um das Wesen des Liedes. Schon hier spüren Sie das Muster. Es ist ein Abend über Herkunft. Es ist ein Abend über Handwerk. Es ist ein Abend über die Freude am Erzählen.

In der Mitte leuchten die großen Erzählstücke. „Das Haus an der Ampel“ (11:55) ist episch. Die Zeit dehnt sich. Aus Alltag wird Legende. Zugleich gibt es heitere Inseln. „Männer im Baumarkt“ (06:25) ist leicht. Es ist präzise beobachtet. Es fällt nie ins Grobe. Und wenn dann „Über den Wolken“ (04:08) kommt, wird der Saal zum Chor. Am Ende steht „The song maker“ (03:22). Der Kreis schließt sich. Der Titel sagt: Alles dreht sich um das Lied und um seinen Macher.

Vom Spielmann bis zum Song Maker

Zwischen „Spielmann“ und „The song maker“ liegt der Weg. Hier zeigt sich Haltung. Ein Lied ist hier Dienst am Wort. Es ist Besuch bei den Menschen. Reinhard Mey In Wien – The Song Maker erzählt diese Linie klar. Er tut es ohne Pathos. Er tut es mit Witz und Sanftmut. So wird die Dramaturgie zur Landkarte. Sie können ihr folgen. Sie verlieren nie die Orientierung.

Die Kunst der Ansage: Zeit als Material

Die Längen im Programm sind ein Zeichen. „Das Haus an der Ampel“ läuft fast zwölf Minuten. „Ich liebe es, unter Menschen zu sein“ braucht gut zehn Minuten (10:16). Doch es trägt. Die Moderationen sind Teil des Werks. Sie sind nicht Beiwerk. Sie führen, sie trösten, sie öffnen Türen. Zeit wird hier zum Material. Das ist altmodisch. Das ist modern. Es wirkt ehrlich.

Sie hören, wie Pausen wirken. Ein Luftzug nach einer Pointe. Ein Raunen vor einer Zeile. Das Konzert nimmt Sie ernst. Es überfordert nie. Es gibt Hinweise. Es lenkt das Ohr. Auch das ist die Stärke von Reinhard Mey In Wien – The Song Maker. Es rechnet mit Ihrer Geduld. Und es belohnt sie mit Tiefe.

Stimmenbild und Gitarre

Die Stimme steht nah. Sie ist klar. Sie ist freundlich gealtert. Das Vibrato ist schmal. Die Artikulation ist scharf. Jeder Konsonant sitzt. Jeder Vokal klingt rund. So trägt auch ein Flüstern. Das Mikrofon arbeitet sauber. Zischlaute fransen nicht. Das Timbre bleibt warm. Der Hall ist dezent. Er lässt die Worte nicht schwimmen.

Die Gitarre ist trocken eingemischt. Der Anschlag ist sicher. Die Arpeggien sind ruhig. Die Bässe sind geerdet. In Balladen wie „Der Vater und das Kind“ (04:26) entsteht daraus eine intime Kammer. In „Viertel vor sieben“ (06:03) stützt der Rhythmus die Ironie. Es klingt einfach. Es ist sehr genau. So klingt die Schule des Chansons. Und so klingt Reinhard Mey In Wien – The Song Maker auf seinem Kerninstrument.

Humor und Wehmut im Gleichgewicht

Die Balance ist klug. „Männer im Baumarkt“ lockert. „Dieter Malinek, Ulla und ich“ (05:45) schmunzelt über Beziehungen. Die Pointen sind mild. Niemand wird vorgeführt. Der Witz trägt nie zur Last. Er löst Anspannung. Er lädt zum Mitlachen ein. Sie merken: Humor ist hier Menschenliebe.

Danach folgen stille Lieder. „Alter Freund“ (04:51) berührt. „Weißt Du noch, Etienne?“ (06:39) ruft ferne Tage auf. „Gute Nacht, Freunde“ (04:30) verabschiedet in Wärme. Wehmut legt sich wie ein Schal. Er wärmt. Er drückt nicht. Dieses Maß ist selten. Es hält den Abend in Mitte. Und es prägt den Ton von Reinhard Mey In Wien – The Song Maker.

Resonanz mit der Gegenwart

Einige Lieder treffen die Zeit direkt. „Wir haben jedem Kind ein Haus gegeben“ (05:36) öffnet eine Wunde. Es spricht von Verantwortung. Es fragt leise. Es klagt nicht an. Es zeigt Bilder. Sie sehen sie vor sich. Das wirkt stärker als Parole. Auch „Gerhard und Frank“ (06:12) erzählt von Respekt. Es beschreibt Haltung. Es bittet um Blickwechsel.

Darum passt dieses Album gut in das Jahr 2023. Es zieht keine harten Linien. Es lädt ein. Es bindet mit. Die Bühne ist kein Tribunal. Die Bühne ist ein Salon. Dort wird gesprochen. Dort wird zugehört. So wird das Live-Dokument zur Debatte. Und zwar ohne Streit. Genau das macht Reinhard Mey In Wien – The Song Maker wertvoll.

Ein Produktionsblick

Die Produktion ist unaufdringlich. Es gibt keine breiten Overdubs. Es gibt kein Chor-Bett. Es gibt kaum Schnitte, die auffallen. Das Atmen des Saals bleibt drin. Das Rascheln auch. Ein paar Lacher liegen links. Ein Räuspern liegt rechts. Das ist mutig. Denn es zeigt die nackte Situation. Und es zeigt Vertrauen in die Aura des Abends.

Das Master ist moderat laut. Die Dynamik bleibt lebendig. Leise Stellen sind wirklich leise. Laute Stellen reißen nicht. Kopfhörer machen Freude. Boxen im Raum auch. Die Gitarre hat Körper. Die Stimme hat Raum. So entsteht ein Gefühl von Dabeisein. So trägt die Technik die Haltung. Genau so soll ein Live-Album klingen. Genau so klingt Reinhard Mey In Wien – The Song Maker.

Der Abend als Ritual

Ein Mey-Konzert hat feste Zeichen. Das gemeinsame Singen bei „Über den Wolken“. Das leise Summen bei „Gute Nacht, Freunde“. Beides ist auch hier zu hören. Es sind Momente der Nähe. Sie braucht kein Pathos. Sie braucht nur Bereitschaft. Das Ritual hält die Gemeinschaft zusammen. Es macht das Konzert zu mehr als Unterhaltung.

„Dann mach’s gut“ (06:17) klingt wie ein Händedruck. „Was will ich mehr“ (05:02) ist ein leises Resümee. Dazwischen liegen viele kleine Grüße. „Glück ist, wenn du Freunde hast“ (05:35) sagt es im Titel. „Ich liebe dich“ (04:15) spart große Worte. Doch die Botschaft ist klar. Es ist Zuneigung. Es ist Respekt. Es ist Dank.

Reinhard Mey In Wien – The Song Maker als Brücke

Ein gutes Live-Album verbindet. Es baut eine Brücke zwischen Bühne und Sofa. Es baut eine Brücke zwischen Generationen. Genau das leistet Reinhard Mey In Wien – The Song Maker. Es wendet sich an die Kennerin. Es wendet sich an den Neuling. Es fordert nicht. Es lädt ein. Es eröffnet Wege in ein großes Werk.

Der Titel selbst ist eine Brücke. Er verbindet Deutsch und Englisch. Er deutet auf ein Selbstbild. Er nennt die Rolle: der Liedermacher als „Song Maker“. Das meint nicht Glamour. Es meint Handwerk. Es meint einen Beruf, der mit Menschen zu tun hat. Das ganze Album beweist das. Es ist ein Werk der Nähe. Es ist ein Werk der kleinen Geste.

Für langjährige Begleiterinnen

Wenn Sie Mey seit Jahren hören, werden Sie viel erkennen. Sie erkennen Tempi. Sie erkennen leichte Änderungen im Phrasieren. Sie erkennen, wie ein Lied atmet, wenn es mit Jahren reift. Ein Beispiel ist „Zimmer mit Aussicht“ (04:38). Es klingt hier noch klarer, noch schlichter. Die Pointe sitzt weicher. Auch „Viertel vor sieben“ hat gewonnen. Es hat noch mehr Gelassenheit. Diese Nuancen lohnen sich.

Sie hören auch, wie sicher der Gitarrist geworden ist. Nichts eilt. Nichts wird demonstriert. Alles dient dem Text. Damit kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Und doch klingt es nicht wie Gestern. Es klingt wie Heute. Gerade darin liegt die Kraft von Reinhard Mey In Wien – The Song Maker. Das Bekannte wird neu. Das Neue wirkt vertraut.

Für neue Hörerinnen

Wenn Sie Mey erst entdecken, ist dieses Album ein guter Start. Es zeigt viele Seiten. Es zeigt den Geschichtenerzähler. Es zeigt den Beobachter. Es zeigt den Musikanten. Es zeigt den stillen Freund. Sie bekommen die großen Lieder. „Über den Wolken“. „Gute Nacht, Freunde“. Sie bekommen auch die kleinen Schätze. „Dieter Malinek, Ulla und ich“. „Alter Freund“. Das ist ein fairer Überblick.

Wichtig ist auch der Ton. Er ist freundlich. Er ist einladend. Er wirkt nie belehrend. Er bleibt stets menschlich. So macht Reinhard Mey In Wien – The Song Maker den Weg leicht. Sie steigen ein. Sie bleiben gern. Und Sie gehen am Ende mit einem hellen Gefühl.

Die Rolle des letzten Songs

„The song maker“ als Schlussnummer ist klug. Der Abend benennt sein Zentrum. Es geht um das Machen. Es geht um das Tun. Ein Lied entsteht aus Blick und Zeit. Es entsteht aus Zuhören und Geduld. Diese Idee rahmt den Abend. Sie gibt ihm ein leises Motto. Sie würdigt die Arbeit am Wort. Das passt zu Wien. Und es passt zum Autor.

Ein Schluss in Englisch ist zugleich ein Zwinkern. Er öffnet die Tür zum Chanson. Er zeigt die Nähe zu Frankreich. Er zeigt, dass Genres Brücken bauen. Das Album steht so in einer großen Linie. Es knüpft an die Romanik an. Es bleibt doch sehr deutsch im Wort. Gerade dieser Spagat trägt. Er macht Reinhard Mey In Wien – The Song Maker universell.

Details, die bleiben

Ein paar Momente werden Ihnen im Ohr bleiben. Die lange, stille Phase in „Das Haus an der Ampel“. Der kurze, feine Witz vor „Männer im Baumarkt“. Die tiefe Ruhe in „Der Vater und das Kind“. Das gemeinsame Atmen vor „Gute Nacht, Freunde“. Solche Punkte sind mehr als Zitate. Sie sind Spuren. Sie zeigen, wie zart ein Abend sein kann, wenn er darf.

Auch die Platzierung der Songs ist stark. „Ich wollte wie Orpheus singen“ ganz vorn. „The song maker“ ganz am Ende. Dazwischen die Säulen: Freundschaft, Erinnerung, Gemeinschaft. „Alter Freund“. „Weißt Du noch, Etienne?“. „Glück ist, wenn du Freunde hast“. So wird aus einer Liste ein Weg. So wird aus einem Konzert ein Buch zum Hören. Genau das leistet Reinhard Mey In Wien – The Song Maker.

Kontext: Veröffentlichung und Format

Das Album erschien am 05.05.2023. Es ist als Digital Media verfügbar. 23 Tracks bilden den Abend ab. Die Spannweite der Laufzeiten ist groß. Einige Stücke geben den Erzählraum wieder. Andere setzen klare Punkte. Das passt zum Medium. Digital lässt Raum für Länge. Es braucht keine Kürzungen fürs Bandende. Es erlaubt, Atem zu lassen.

Das ist ein Vorteil für ein Werk wie dieses. Denn das Material lebt von Zeit. Es lebt vom Miteinander. Ein Stream kann das tragen. Ein Download auch. Sie können pausieren. Sie können wiederkommen. So entsteht ein zweites Ritual. Es zieht sich in Ihren Alltag. Reinhard Mey In Wien – The Song Maker wird so zu einem Begleiter. Nicht nur zu einer Erinnerung.

Kritische Punkte, ehrlich benannt

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Manche werden sich mehr Risiko wünschen. Die Arrangements bleiben bewusst schmal. Es gibt keinen neuen harmonischen Zugriff. Es gibt keine überraschenden Duette. Ein Song wie „Ich liebe es, unter Menschen zu sein“ könnte enger gekürzt sein. Zehn Minuten sind viel. Doch der Abend setzt klar auf Ruhe. Das ist Programm. Sie müssen das mögen.

Auch der Klang ist sehr nüchtern. Wer das Monumentale sucht, wird es nicht finden. Wer Orchesterfarben erwartet, wird hier nicht glücklich. Doch das ist ehrliche Wahl. Sie dient dem Text. Sie dient der Geste. Und sie passt zu Ort und Autor. In dieser Klarheit liegt auch ein Mut. Er macht den Charakter von Reinhard Mey In Wien – The Song Maker aus.

Fazit und Einordnung

Am Ende steht ein Satz: Dieses Album ist ein stilles Ereignis. Es atmet Zuneigung. Es strahlt Ruhe aus. Es vertraut auf Sprache. Es vertraut auf Gitarre. Es vertraut auf die gemeinsame Zeit mit Ihnen. Genau das braucht das Chanson heute. Es braucht Präsenz, nicht Pomp. Es braucht Haltung, nicht Härte. Es braucht Wärme, nicht Lautstärke.

Reinhard Mey In Wien – The Song Maker ist ein würdiger späteinsteigender Klassiker. Es taugt als Einstieg. Es taugt als Rückkehr. Es taugt als Begleiter für einen langen Abend. Es ist ein Album, das man teilt. Es ist ein Album, das man mehrfach hört. Jeder Durchlauf legt etwas frei. Ein Atemzug. Ein Blick. Ein leises Lachen. In dieser Summe liegt seine Größe. Und darin liegt seine Sanftmut.

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