Letztes Update: 07. Februar 2026
Die Rezension beleuchtet Reinhard Meys Live-Album Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91, analysiert Songauswahl, Arrangement und Publikumsstimmung. sie erfahren, welche Darbietungen herausragen, wie die Tonqualität wirkt und ob das Album Meys Stärke als Live-Performer bestätigt.
Dieses Live-Album ist ein Blick in eine Zeit des Umbruchs. Es ist eine Bilanz auf der Bühne. Und es ist eine Feier der kleinen Geschichten. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 zeigt einen Künstler, der nah am Publikum ist. Er singt mit ruhiger Stimme und klarer Gitarre. Er verbindet Humor mit Ernst. Er schafft Nähe, ohne aufdringlich zu sein. Er lässt Raum, damit jede Zeile wirken kann.
Live-Aufnahmen altern oft schneller als Studioalben. Doch hier ist etwas anders. Die Bühne ist kein Ort für Effekte. Sie ist ein Ort für Wahrhaftigkeit. Genau dadurch bleibt diese Platte frisch. Sie hören einen Sänger, der die Stille kennt. Er setzt Pausen wie kleine Atemzüge. Er vertraut auf Sprache, Ton und Haltung. In einer lauten Welt ist das modern.
Es ist auch die Mischung, die trägt. Große Themen stehen neben Alltagsbildern. Politische Gedanken stehen neben familiären Szenen. Das ergibt eine leise Spannung, die hält. Sie werden merken, wie organisch das wirkt. Jede Pointe hat Gewicht. Jede Ballade hat Boden. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 macht das sehr gut sichtbar.
Der Mitschnitt stammt aus den Jahren 1990 und 1991. Vieles war in Bewegung. Grenzen fielen. Begriffe wackelten. Es war Euphorie, aber auch Sorge. Mey war damals schon eine feste Stimme. Er suchte nicht die großen Parolen. Er suchte die richtige Frage. Genau das spüren Sie hier. Sie hören keine Pose. Sie hören Haltung. Und sie ist freundlich, aber klar.
Der Saal wirkt wie ein vertrauter Ort. Es gibt Lachen. Es gibt Nachdenklichkeit. Und es gibt diese leise Wärme, die ein gutes Konzert trägt. In einigen Ansagen blitzt Zeitgeschichte auf. Doch sie dient nie als Dekoration. Sie ist Anlass zum Denken. Sie ist Anlass zum Zuhören. Dieser Ton passt in jene Jahre. Er passt auch in die Gegenwart.
Die Veröffentlichung liegt in zwei Fassungen vor. Eine CD mit 11 Stücken. Eine weitere mit 15 Stücken. Zusammen ergibt sich eine Art Doppelporträt. Mal intim, mal politisch. Mal verspielt, mal ernst. Sie können sich beides geben. Oder Sie wählen Ihren Zugang. So oder so: Der Bogen ist schlüssig. Er wächst vom ersten Ton an. Und er endet sanft. Genau so sollte ein Live-Album sein. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 liefert das mit sicherer Hand.
Die Auswahl deckt viele Facetten ab. Vom frühen Klassiker bis zur damals neuen Beobachtung. Die Titel wirken nicht zufällig gesetzt. Sie führen durch Themen, Orte und Zeiten. Es gibt klare Spitzen. Es gibt ruhige Übergänge. Und es gibt Stücke, die für den Saal gemacht sind. Das verleiht dem Mitschnitt eine eigene Dramaturgie. Sie fühlt sich organisch an.
Die 11 Titel der ersten Disc bauen den Raum. Bei „Ich wollte wie Orpheus singen“ stimmt alles. Stimme, Griffbrett, Atem. Es ist ein Einstieg mit Tradition. Die Hommage an den Gesang öffnet die Herzen. „Die Homestory“ zeigt danach die spitze Feder. Sie ist lustig. Aber sie hat Biss. „In Lucianos Restaurant“ zeichnet Bilder, die Sie sofort sehen. Speisen, Gesten, Töne. Und die kleine Ironie. All das passt auf eine kleine Bühne. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 fängt diese Nähe ein.
„Mein Dorf am Ende der Welt“ ist Liebeserklärung und Rückzugsort. Ein Lied wie ein stiller Sonntag. „Zwei Hühner auf dem Weg nach vorgestern“ bringt Leichtigkeit. Das skurrile Motiv tarnt kluge Gedanken. „Kleiner Kamerad“ wird dann sehr persönlich. Ein Dialog, nur scheinbar klein. In „Zwischen allen Stühlen“ spürt man das Streben nach Balance. „Ich hab’ meine Rostlaube tiefergelegt“ setzt ein warmes Schmunzeln obenauf. „Allein“ und „Das Meer“ öffnen den Blick. Sie lassen das Publikum ruhig werden. Zum Schluss bringt „Diplomatenjagd“ den alten Biss. Satire mit Tempo. Pointe mit Takt.
Die zweite Disc trägt die großen Themen. „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“ ist Bürokratie als Zirkusnummer. Aber ohne Zynismus. „Mein Berlin“ zeigt Heimat als Vielklang. Es umarmt die Stadt und ihre Narben. „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ trifft tief. Es ist ein Friedenslied. Es ist ein Elternlied. Es ist ein Appell. Und es bleibt aktuell. „Alle Soldaten woll’n nach Haus’“ führt den Faden weiter. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 legt hier großen Ernst in ruhige Töne.
„Wahlsonntag“ bringt Humor zurück. Kurz, hell, auf den Punkt. „Sommermorgen“ und „Wir“ leuchten leise. „Mein Apfelbäumchen“ ist Hoffnung in kleiner Form. „Kleines Mädchen“ und „Die Kinderhosenballade“ sind zärtlich und genau. „Golf November“ blickt nach oben, in den Himmel. Es ist ein rares Bild im Liedermacher-Fach. „Aller guten Dinge sind drei“ setzt einen freundlichen Haken. „Gretel und Kasperle, Großmutter, Wachtmeister und Krokodil“ dreht an der Märchen-Schraube. „Die Mauern meiner Zeit“ schließt den Kreis der Themen. „Ade nun zur guten Nacht“ ist ein stilles Endwort. Es klingt nach. Es wirkt nach.
Der Sound ist klar und trocken. Sie hören viel Holz und wenig Hall. Das passt zu Gesang und Gitarre. Die Abmischung ist zurückhaltend. Sie drängt nichts nach vorn. Applaus und Reaktionen sitzen in einem natürlichen Raum. So bleibt der Fokus auf Stimme und Wort. Das Atmen der Saiten ist hörbar. Kleine Nebengeräusche stören nicht. Sie machen den Moment lebendig. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 profitiert von dieser strengen Einfachheit.
Auch die Dynamik stimmt. Balladen haben Tiefe. Satiren haben Schwung. Nichts wirkt gequetscht. Nichts pumpt. Die Mikrofonie hält die Wärme. Das Timing ist sauber. Pausen sind Pausen. Ein- und Ausblendungen sind behutsam. Wer Live-Alben mag, wird das schätzen. Wer Studio-Transparenz sucht, findet sie hier erstaunlich oft.
Mey singt, als säße er am Tisch neben Ihnen. Er drückt nie. Er hebt ruhig an. Er lässt Sätze fallen. Sein Vibrato bleibt klein. Es ist gut dosiert. Die Artikulation ist klar. Er malt mit Konsonanten, nicht mit Kraft. Das macht die Sprache stark. Und es macht die Bilder scharf. So funktioniert Erzählen auf der Bühne.
Die Gitarre ist vertrauter Partner. Sie ist Begleitung, nicht Dekor. Die Arpeggien sind präzise. Die Bassläufe tragen. Kleine Verzierungen blitzen nur kurz. Kein Solo will protzen. Alles dient dem Lied. Diese Disziplin braucht Mut. Sie schafft Vertrauen. Und sie führt zu genau dem Ton, den Sie hier hören.
Humor ist bei Mey nie Selbstzweck. Er öffnet Ohren. Dann kann ein Gedanke leise wirken. „Die Homestory“ spießt Medienrituale auf. „Diplomatenjagd“ rollt alte Dogmen ein. „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars“ zeigt den Amtsschimmel. Aber nie wird es böse. Es bleibt menschlich. Der Saal lacht, weil er sich erkennt. Nicht, weil jemand verspottet wird. Dieser Humor ist selten. Er entkrampft. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 hält diese Balance.
Auch die kurzen Stücke tragen. „Wahlsonntag“ ist ein gutes Beispiel. Timing und Pointe sitzen. Es braucht keine große Geste. Nur die richtige Wendung. Diese Art Lachen bleibt. Es poltert nicht. Es räumt frei. Danach hat ein leiser Satz mehr Wirkung. Das ist gute Dramaturgie.
Mey ist politisch, aber nie belehrend. Er erzählt aus der Mitte des Lebens. „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ packt, weil es privat bleibt. Es zeigt Haltung über Nähe. „Alle Soldaten woll’n nach Haus’“ führt das fort. Es ist schlicht, aber stark. „Golf November“ wagt den Blick nach oben. Er verbindet Technik und Staunen. „Die Mauern meiner Zeit“ verknüpft Biografie und Geschichte. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 verbindet diese Stränge klug.
Das Entscheidende: Der Ton bleibt freundlich. Kritik kommt in Form eines Bildes. Nicht als Urteil. So entsteht ein Raum fĂĽr Ihre eigene Sicht. Sie mĂĽssen nicht zustimmen. Aber Sie werden nachdenken. Das ist ein Gewinn. Und er ist selten im Genre der politischen Lieder.
In vielen Stücken geht es um Kinder, Eltern, Partner. „Kleiner Kamerad“ rührt an. Es zeigt Fürsorge, ohne Kitsch. „Kleines Mädchen“ ist zart und genau. „Die Kinderhosenballade“ hat Humor, aber Herz. „Wir“ spricht leise über Nähe. „Mein Apfelbäumchen“ steht für Hoffnung, die wächst. Diese Lieder tragen den Abend. Sie bringen Ruhe zwischen den großen Themen. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 verwebt das fein.
Das Persönliche ist hier nie privatistisch. Es sucht das Allgemeine. Es sucht das, was Sie kennen. Ein Blick am Frühstückstisch. Eine Hand am Kinderwagen. Eine Sorge in der Nacht. Solche Bilder sind stark. Sie wirken ohne Pathos. Sie bleiben, weil sie wahr sind.
Orte spielen eine große Rolle. „Mein Berlin“ ist Stadtpoesie mit Herz. Sie riechen die Straßen. Sie hören die Stimmen. „In Lucianos Restaurant“ entführt in einen Abend voller Gesten. „Mein Dorf am Ende der Welt“ zeigt Sehnsucht nach Ruhe. „Das Meer“ legt Weite vor Ihre Füße. Es schwappt nicht, es atmet. Diese Reise führt nicht in die Ferne. Sie führt in den Blick auf die Welt. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 nutzt diesen Blick als Linse.
Solche Ortslieder geben dem Abend Struktur. Sie teilen das Set in Etappen. Sie bringen Farben. Sie halten die Spannung. Und sie lassen das Publikum mitschwingen. So entsteht das GefĂĽhl eines Weges. Am Ende steht ein leiser Abschied. Er fĂĽhlt sich verdient an.
Das Publikum ist hörbar, aber nie laut. Das ist schön. Es lacht an den richtigen Stellen. Es hört in den stillen Momenten. Manche Pointe braucht das Kichern. Manche Zeile braucht die Stille. Die Regie lässt dem Raum Zeit. Kein Schnitt jagt. Keine Überblendung eilt. So kann der Abend atmen. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 lebt von diesem Atmen.
Sie werden kleine Ausrufe hören. Sie werden Applaus in Wellen spüren. Das ist kein Stadion. Das ist ein Saal, der zuhört. Ein Saal, der mitdenkt. Die Intimität ist stark. Sie macht die Platte wertvoll. Sie macht sie zeitlos.
Vom Auftakt bis zum Schluss ergibt alles Sinn. Der Einstieg ruft den Gesang. Danach folgt Alltag. Dann kommt der Blick nach außen. Zum Ende zentriert sich alles wieder. Abschied mit einer kleinen Geste. Es ist der Lauf eines Abends, der gefügt wurde. Nichts wirkt zufällig. Alles hat Platz. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 ist in dieser Hinsicht sehr gelungen.
Die Spannungsbögen sind kurz und klar. Es gibt keinen Marathon. Es gibt Strecken, die Sie gut gehen können. Danach gibt es Ruhepunkte. Dann eine Wendung. Dann wieder ein Licht. So entsteht ein Rhythmus, der trägt. Er ist freundlich. Er ist klug.
Im Katalog von Mey steht dieses Album hell. Es zeigt sein Kernhandwerk. Stimme. Gitarre. Wort. Andere Live-Alben mögen breiter sein. Dieses hier ist fokussiert. Es zeigt, wie wenig es braucht. Und wie viel daraus werden kann. Es ist eine Schule des Weglassens. Eine Schule der Genauigkeit. Genau das macht es so stark. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 ist damit Referenz für die reine Form.
Wer seine Studioarbeiten liebt, wird hier die Quelle finden. Viele Lieder klingen direkter. Einige auch leichter. Das tut ihnen gut. Wer Mey erst entdeckt, erhält ein klares Bild. Ohne Filter. Ohne Schnörkel. Das ist ein guter Einstieg in eine lange Diskografie.
Wenn Sie Texte lieben, ist das ein Muss. Wenn Sie Live-Schlichtheit schätzen, ebenso. Wenn Sie Humor ohne Lärm mögen, hören Sie rein. Wenn Sie politische Lieder ohne Parolen suchen, sind Sie richtig. Und wenn Sie einen ruhigen Abend brauchen, ist das die passende Begleitung. Dieses Album belastet nicht. Es öffnet. Es lädt ein. Es lässt Sie mit guten Gedanken zurück.
Auch für jüngere Hörer ist es spannend. Es zeigt, was eine Stimme und eine Gitarre leisten können. Ohne Effekt. Ohne Plugin. Nur mit Handwerk und Herz. Wer Songwriting lernen will, findet hier viele Lektionen. Über Aufbau. Über Pausen. Über Pointen. Über Bescheidenheit in der Form.
Diese Platte ist ein feines Dokument. Sie ist ein Live-Abend, der bleibt. Sie trägt Wärme in jeden Raum. Sie zeigt, wie leise Stärke wirken kann. Sie zeigt, wie Humor und Ernst zusammenfinden. Sie zeigt einen Künstler, der vertraut mit sich ist. Und der dem Publikum vertraut. Genau dadurch gewinnt das Werk an Tiefe. Reinhard Mey Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91 ist deshalb mehr als ein Mitschnitt.
Sie hören hier nicht nur Lieder. Sie hören Haltung. Sie hören Handwerk. Sie hören eine Zeit, die noch spricht. Wer das mag, wird vieles entdecken. Wer zögert, sollte es riskieren. Es ist ein langsames Album für schnelle Zeiten. Und es belohnt Geduld. Mit Geschichten, die tragen. Mit Melodien, die bleiben. Mit einem Ton, der gut tut. So klingt ein Abend, den man gern wieder einschaltet.
Das Album "Mit Lust und Liebe: Konzerte ’90/91" von Reinhard Mey bietet eine eindrucksvolle Sammlung von Live-Aufnahmen. Es zeigt die Energie und Leidenschaft, die Mey auf der Bühne entfaltet. Wenn Sie ein Fan von Live-Musik sind, wird Ihnen dieses Album sicherlich gefallen. Es ist eine wunderbare Ergänzung zu Ihrer Sammlung und zeigt Meys Talent als Singer-Songwriter.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Reinhard Mey ist das Album "Reinhard Mey Récital à l’Olympia". Diese Aufnahme fängt die Magie eines seiner berühmtesten Konzerte ein. Es ist ein Muss für jeden Fan und bietet einen tiefen Einblick in Meys musikalisches Schaffen. Die Live-Atmosphäre und die emotionale Tiefe seiner Lieder sind hier besonders gut zu spüren.
Auch andere Künstler haben beeindruckende Live-Alben veröffentlicht. Ein Beispiel dafür ist "Konstantin Wecker Wut und Zärtlichkeit Live". Wecker ist bekannt für seine kraftvollen und poetischen Texte. Dieses Album zeigt seine Fähigkeit, das Publikum zu fesseln und tief zu berühren. Es ist eine großartige Ergänzung für Ihre Musiksammlung und bietet eine ähnliche Intensität wie Meys Live-Aufnahmen.
Wenn Sie sich für die Werke von Künstlern wie Reinhard Mey interessieren, sollten Sie auch einen Blick auf "Hannes Wader Die Liedermacher" werfen. Wader ist ein weiterer herausragender Singer-Songwriter, dessen Musik tiefgründig und bewegend ist. Dieses Album bietet eine Sammlung seiner besten Lieder und ist ein weiterer Beweis für die Qualität der deutschen Liedermacher-Szene.