Letztes Update: 09. Januar 2026
Wenzel legt mit Wenn wir warten ein persönliches Album vor, das von Geduld, Sehnsucht und kleinen Alltagsszenen erzÀhlt. Die Arrangements sind reduziert, die Texte dicht. In dieser Kritik begleite ich sie durch die Songs, beleuchte StÀrken und SchwÀchen und empfehle Hörmomente.
Es beginnt leise. Und es bleibt leise. Doch die Ruhe tĂ€uscht. Wenzel Wenn wir warten ist ein Album mit innerem Druck. Es schaut auf das Jetzt. Es fragt, wie wir leben wollen. Es erzĂ€hlt von Sehnsucht. Und es spricht vom Warten als Haltung und PrĂŒfung.
Die Veröffentlichung fiel auf den 9. Dezember 2016. Damals war vieles unklar. Es ist heute nicht weniger unklar. Gerade deshalb wirkt das Werk frisch. Es klingt dringlich und zugleich gelassen. Sie hören eine Hand, die nicht loslÀsst. Und Sie hören ein Herz, das frei bleibt.
Wenzel ist ein genauer Beobachter. Er ist Dichter, SĂ€nger und Musiker. Er baut seine Lieder aus kleinen Bildern. Aus Alltagsdingen. Aus Gassen und Geistern. Sein Ton ist offen. Er predigt nicht. Er prĂŒft. Er legt Spuren, denen Sie folgen können. Oder auch nicht.
Seine Schule ist das Lied. Die Sprache steht im Zentrum. Jeder Vers will atmen. Jeder Reim darf stolpern. Genau daraus entsteht Spannung. Auch hier fĂŒhrt er Sie nicht an der Hand. Er zeigt Richtungen. Sie entscheiden, wohin der Blick geht.
Warten klingt passiv. Doch hier ist es aktiv. Wenzel Wenn wir warten macht das sichtbar. Die Ruhe ist Wahl und Widerstand. Sie ist Schutz und PrĂŒfung. Das Album fragt: Was passiert im Stillstand? Wo beginnt Bewegung? Und wie viel Mut braucht Geduld?
Sie hören keine groĂen Parolen. Sie hören feine Risse. Das gefĂ€llt, weil es ehrlich ist. Wenzel Wenn wir warten bleibt nahe am Konkreten. So wirkt es lange nach. Es nistet sich ein. Es wĂ€chst leise in den Tag.
Das Album umfasst 13 Titel. Die Reihenfolge trĂ€gt. Sie fĂŒhrt Sie durch Arten von Zeit. Kindheit. Gegenwart. Zukunft. Ein Kreis schlieĂt sich und bleibt doch offen. Der Einstieg ist tastend. Das Ende ist ein Bitte- und Weckruf.
Der Opener âWelches Lied soll ich jetzt singenâ setzt den Ton. Er sucht Form. Er tastet sich an den Abend. Er stellt eine einfache Frage. Sie ist doch groĂ. Danach folgt âSuch mich nicht IIâ. Es ist eine Art Schattenbild. Zwei Stimmen, die nicht zur Ruhe kommen. Die Suche bleibt ohne Mappe.
Im dritten Track kommt der Titelvers: âWenn wir wartenâ. Hier ruht der Kern. Wenzel Wenn wir warten klingt wie eine Station. Er bleibt stehen, um auszuholen. Er zĂ€hlt leise, fast ohne Uhr. Das StĂŒck ringt mit dem Warum. Und es findet ein Daher.
âWie die Jahre rennenâ hĂ€lt die Zeit an. Es klingt kurz, fast gehetzt. Gerade das passt. Es zeigt, wie ein Tag rennt. Wie ein Leben zieht. Wenzel Wenn wir warten stellt diesem Lauf ein Innehalten entgegen. Das ist klug und mutig.
âAuf meiner Kindheit bunten Karussellenâ bringt Farbe. Es ist ein Blick zurĂŒck. Doch er ist nicht sĂŒĂlich. Er ist genau. Der Klang hat Bogen und Kreis. Die Bilder sind klar und warm. Es riecht nach Holz und Jahrmarkt. Nach Wind im Gesicht.
âAn den StrĂ€ndenâ öffnet Raum. Sie hören Luft, Weite, Gischt. Worte wie Kiesel, glatt und rund. Doch es gibt Risse im Licht. Das Meer bringt Ruhe. Es bringt aber auch Verlust. Wenzel Wenn wir warten zeigt beides. Das Meer steht fĂŒr Hoffnung. Und fĂŒr Abschied, der bleibt.
âVerbrannt nach Strich und Fadenâ ist schĂ€rfer. Es zieht an. Es zeigt Wut, die nicht schreit. Die Worte sind knapp. Die Bilder greifen ins Offene. Ein Lied gegen MĂŒdigkeit. Ein Funke in grauem Tag.
âGleichheitâ spricht von MaĂ und Menschen. Das Wort ist groĂ. Doch der Text hĂ€lt es klein. Er macht es an Gesten fest. An Blicken. An Wegen, die wir teilen. Wenzel Wenn wir warten bringt den Begriff auf den Boden. Es klingt schlicht. So schwer, wie es nötig ist.
âIch bin der Windâ ist ein Rollenwechsel. Die Natur spricht, nicht der Mensch. Oder beides zugleich. Ein schlauer Trick. Der Wind treibt an. Und er löscht Spuren. Er hilft und verweht. Das sagt viel. Auch zum Albumtitel.
âHalt an meinem Arm dich festâ ist ein stilles Duett. Auch wenn nur eine Stimme trĂ€gt. Da ist ein Schutzraum. Da ist Trost, ohne Pathos. An der Stelle wird das Album ganz weich. Es wirkt nach innen. Es lĂ€sst Sie atmen.
âWenn nur diese Fratzen nicht wĂ€renâ ist das GegenstĂŒck. Die Maske fĂ€llt nicht. Sie bleibt da. Sie stört. Das Lied ist klar und rau. Es nimmt die hĂ€ssliche Seite mit rein. Und genau das macht es stark.
âNicht vielâ bĂŒndelt die Dinge. Was bleibt? Was zĂ€hlt? Es wird nicht klagend. Es wird knapp. âNicht vielâ heiĂt hier: genug. Es reicht zum Leben. Es reicht zum Lieben. Mehr Anspruch braucht es nicht.
âMach mich wachâ schlieĂt den Kreis. Es ist ein Ruf an den Morgen. Nicht schrill. Nicht hart. Es ist ein Bitte-Lied. Es will Augen öffnen. FĂŒr das Kleine. FĂŒr das NĂ€chste. Wenzel Wenn wir warten endet damit. Der letzte Ton zeigt Richtung.
Die Produktion hÀlt Abstand zu Glanz. Das ist gut so. Die Instrumente klingen trocken. Nichts drÀngt zu stark nach vorn. Der Raum wirkt klar. Da ist Holz, da ist Luft. Da ist wenig Hall. So passt es zur Sprache.
Akustische Gitarren fĂŒhren oft. Ein Klavier legt Wege. Ein Akkordeon setzt Farben. Bass und Percussion bleiben diskret. Das Ganze ruht auf Puls, nicht auf Druck. Wenzel Wenn wir warten lebt von dieser Balance. Es ist ein Leise-Album. Doch es ist nicht brav.
Wenzel singt, wie er spricht. Er fÀrbt Silben, ohne sie zu schleifen. Das trÀgt die Worte. Sie hören SchÀrfe, wo sie nötig ist. Und Sie hören Milde, wo sie passt. Seine Stimme trÀgt Geschichten. Sie trÀgt auch Pausen. Diese Pausen sprechen mit.
Er scheut BrĂŒche nicht. Die Stimme darf knirschen. Sie darf landen. Das macht den Vortrag menschlich. Es macht ihn glaubwĂŒrdig. Wenzel Wenn wir warten gewinnt daraus NĂ€he. Er ist nicht fern. Er ist bei Ihnen im Raum.
Die Texte verbinden das Eigene mit dem AuĂen. Kein Zeigefinger. Kein Vortrag. Eher eine offene Hand. Eine Bitte um Blick und Ohr. Bilder stehen auf StraĂe und Feld. Sie strahlen in Politik und Alltag. Sie bleiben dabei klein. So wachsen sie.
âGleichheitâ zeigt das gut. Es geht nicht um Thesen. Es geht um Menschen. Um Augenhöhe. Um Gesten der NĂ€he. âWenn nur diese Fratzen nicht wĂ€renâ spiegelt das Gegenbild. Masken. Parolen. Verzerrte Gesichter. Wenzel Wenn wir warten hĂ€lt beides nebeneinander. So sehen Sie klar.
Die Motive kehren wieder. Wind, Strand, Gesichter. HÀnde, die halten. Wege. Diese Wiederkehr stört nicht. Sie baut Struktur. Es ist wie ein Muster im Teppich. Sie sehen es erst aus Distanz. Dann wird es Ihnen bewusst.
Auch das Warten kehrt zurĂŒck. Mal als stiller Akt. Mal als ZĂŒgel. Mal als Befreiung. Wenzel Wenn wir warten nutzt das Motiv frei. Es gibt keine starre Deutung. Es gibt nur Angebote. Das macht das Album offen.
Wenzel hat viele Alben. Er hat Phasen und Biegungen. Dieses Werk steht ruhig da. Es wirkt wie eine Summe. Es nimmt den Ton der Jahre auf. Es reduziert, ohne zu karg zu werden. Wenzel Wenn wir warten passt so in sein SpĂ€twerk. Es ist reif, doch nicht mĂŒde. Es ist hell, doch nicht flach.
Gegen frĂŒhere, laute StĂŒcke wirkt es weicher. Doch es ist nicht wehrlos. Die Sanftheit ist Teil der Haltung. Sie ist Form von StĂ€rke. Wer genau hinhört, spĂŒrt Widerstand. Er kommt aus Klarheit. Und aus Geduld.
Hören Sie es am StĂŒck. Gern ohne Ablenkung. Ein Zimmer. Ein Fenster. Vielleicht Abendlicht. Dann entfaltet es den Bogen. Jede Nummer hat Gewicht. Doch der Fluss zĂ€hlt. Der Fluss trĂ€gt die Worte durch Sie hindurch.
Ein zweites Hören lohnt. Kleine Linien treten hervor. Ein Basslauf, wie ein Atem. Ein Akkord, der nicht anders kann. Wenzel Wenn wir warten lÀdt zu solchen Funden ein. Es wÀchst bei Ruhe. Es dankt Geduld mit Tiefe.
Die Reduktion trĂ€gt. Doch nicht immer. Manche Refrains bleiben zu nah am Ton. Zwei, drei StĂŒcke Ă€hneln sich stark. Sie riskieren, zu verschwimmen. Da wĂ€re mehr Kante gut gewesen. So bleibt es stellenweise im Gleiten.
Auch die LĂ€nge kann zĂ€h wirken. 13 Titel brauchen Atem. Der Mittelteil ist deshalb eine Probe. Ein Song wie âAn den StrĂ€ndenâ rettet. Ein anderer zieht dann wieder. Wenzel Wenn wir warten balanciert das gut. Dennoch kippt es kurz. Es fĂ€ngt sich zum GlĂŒck rasch.
Die Texte gehen ins Bildhafte. Das ist StĂ€rke. Es kann aber auch verhĂŒllen. Wer klare SĂ€tze sucht, wird hier und da ringen. Ein, zwei Zeilen bleiben rĂ€tselhaft. Das ist gewollt. Doch nicht jeder Tag eignet sich dafĂŒr.
Dieses Album setzt auf kleine Hebel. Ein Atem. Ein Nachwort. Ein leiser Anschlag. Viele Werke wollen mehr. Hier will nichts zu viel. Der Verzicht ist Programm. Er braucht Mut, Disziplin und Vertrauen.
So entsteht Spannung ohne LĂ€rm. Sie baut sich im Kopf. Sie baut sich in der Brust. Sie lebt von Ihrer NĂ€he. Wenzel Wenn wir warten ist so ein nahes Album. Es bleibt unter der Haut. Es pflegt den stillen Nerv.
Das Jahr 2016 war unruhig. Es gab BrĂŒche. Es gab laute Töne. Dieses Album trat mit einem Kontrast an. Es setzte auf MaĂ und Atem. Das war klug. Es ist heute noch klĂŒger. Es heilt die Reizflut mit Ruhe. Es zeigt, wie Stille wirkt.
Sie spĂŒren auch heute diese QualitĂ€t. Sie stĂ€rkt den Blick. Sie beruhigt nicht blind. Sie schĂ€rft. Wenzel Wenn wir warten bietet keine Flucht. Es bietet eine Pause. Danach sehen Sie besser. Und hören klarer.
Wenn Sie Texte lieben, sind Sie hier daheim. Wenn Sie Sprache als Musik hören, auch. Wenn Sie Balladen mögen, doch Kitsch meiden, erst recht. Wenn Sie Wut kennen und Milde schÀtzen, ebenso. Dieses Album nimmt Sie ernst. Es traut Ihnen Zeit zu.
Wer nach Hooks sucht, wird weniger fĂŒndig. Wer nach Pop-Mustern sucht, nur selten. Doch wer nach Spuren sucht, findet viele. Wenzel Wenn wir warten gibt nicht her. Es will GesprĂ€ch. Es will ein GegenĂŒber.
Der Titelsong ist kein Banner. Er ist ein Scharnier. Er verbindet Anfang und Mitte. Er formt das Thema, ohne es zu fesseln. Seine Ruhe ist ein Zentrum. Von dort strahlen die Lieder. Mal hell, mal schattig. Aber immer mit Kern.
Wenzel Wenn wir warten bringt genau diese QualitÀt. Der Titel wird Programm. Er ist aber nicht KÀfig. Er ist eine offene Form. So bleibt das Album beweglich. Es atmet mit Ihrer Zeit.
Achten Sie auf die Zischlaute in âIch bin der Windâ. Sie zeichnen Bewegung. Hören Sie den Bass in âGleichheitâ. Er hĂ€lt den Boden. Dieses Gewicht erdet den Text. SpĂŒren Sie die Pause vor dem letzten Wort in âMach mich wachâ. Sie öffnet Platz fĂŒr Sie. Das ist bewusste Kunst.
Wenzel Wenn wir warten steckt voller solcher Punkte. Sie sind leicht zu ĂŒberhören. Doch sie tragen die Wirkung. Sie machen die Lieder haltbar. So ĂŒbersteht das Album viele Runden.
Dies ist ein Werk mit stiller Kraft. Es braucht Ihr Vertrauen. Es dankt es Ihnen reich. Die Sprache fĂŒhrt sanft. Die Musik gibt Halt. Die Stimme kennt das Ringen. Sie kennt auch die Gnade.
Ein paar LÀngen gibt es. Ein paar Dopplungen auch. Sie mindern den Gesamteindruck kaum. Wenzel Wenn wir warten ist ein reifes Album. Es ist persönlich und wach. Es ist politisch im besten Sinn. Es sieht genau hin. Und es nimmt sich Zeit.
Hören Sie es nicht nebenbei. Hören Sie es ganz. Dann zeigt es sein Gesicht. Es ist freundlich. Es ist auch streng. Es ist ehrlich. Und es bleibt bei Ihnen, wenn das Licht ausgeht.
Am Ende steht kein Knall. Da steht ein offenes Bild. Es lĂ€dt Sie ein, den Rest zu malen. Genau darin liegt die GröĂe. Wenzel Wenn wir warten ist ein Werk fĂŒr lange Tage. Und fĂŒr NĂ€chte, die nicht schlafen wollen.
Das Album "Wenn wir warten" von Wenzel ist ein beeindruckendes Werk, das sowohl musikalisch als auch lyrisch ĂŒberzeugt. Wenzel hat sich in der Szene der Liedermacher einen festen Platz erarbeitet und dieses Album zeigt einmal mehr seine kĂŒnstlerische Tiefe und Vielseitigkeit. Es lohnt sich, einen Blick auf seine anderen Werke zu werfen, wie zum Beispiel das Album Wenzel Lebensreise, das ebenfalls eine reiche Palette an Emotionen und Themen bietet.
Wenzel ist nicht der einzige bemerkenswerte KĂŒnstler in diesem Genre. Ein weiterer bedeutender Name ist Gerhard Gundermann. Seine Alben sind tiefgrĂŒndig und oft politisch. Besonders empfehlenswert ist die Albumkritik Gerhard Gundermann FrĂŒhstĂŒck fĂŒr immer. Dieses Werk zeigt, wie Gundermann seine Gedanken und GefĂŒhle in Musik umsetzt, Ă€hnlich wie Wenzel es in "Wenn wir warten" tut.
Ein weiterer faszinierender Aspekt der Liedermacher-Szene ist die Frage, wie man selbst ein Liedermacher werden kann. FĂŒr angehende KĂŒnstler gibt es viele Tipps und Tricks, die den Einstieg erleichtern. Der Artikel Wie wird man Liedermacher bietet wertvolle Einblicke und RatschlĂ€ge. Diese Informationen können dir helfen, deinen eigenen Weg in der Welt der Musik zu finden, Ă€hnlich wie es Wenzel und Gundermann getan haben.