Letztes Update: 06. Februar 2026
Der Text stellt Hannes Waders Live-Album Bis jetzt (live) vor und bewertet Songauswahl, Stimme, Arrangements sowie BĂŒhnenstimmung. Er lobt die AuthentizitĂ€t, nennt gelegentliche LĂ€ngen und gibt Ihnen eine klare Empfehlung.
1987 ist ein Jahr des Innehaltens. Alte Gewissheiten wanken. Neue sind noch fern. In diesem Zwischenraum steht Hannes Wader auf der BĂŒhne. Er tut es mit ruhiger Stimme und einem wachen Blick. Sein Live-Album ist mehr als ein Mitschnitt. Es ist eine Bilanz. Es ist ein Spiegel seiner Laufbahn bis zu diesem Punkt. Dabei bleibt er nahbar. Er setzt auf Klarheit und MaĂ. Das prĂ€gt die Stimmung von Anfang an.
Sie hören eine Stimme, die geerdet wirkt. Keine Eile. Keine Pose. Alles zielt auf den Kern. Das Publikum spĂŒrt das. Es antwortet still und warm. Diese Art von NĂ€he ist selten. Hannes Wader Bis jetzt (live) fasst sie ein. Es bindet Zeit und Raum an einen Abend. So entsteht ein Dokument. Doch es ist zugleich ein neues Werk.
Der Aufbau folgt einer feinen Logik. Er fĂŒhrt von der offenen BegrĂŒĂung hin zu den groĂen ErzĂ€hlungen. Danach geht es in intime Bilder. SpĂ€ter weitet sich der Blick wieder. Lieder von Weg und Heimkehr setzen Punkte. Am Schluss steht ein stiller Nachklang. Alles flieĂt. Nichts wirkt zufĂ€llig. Jeder Titel hat seinen Ort im Ganzen.
Sie merken das bereits nach den ersten Nummern. Das Set atmet. Es verÀndert Tempo und Ton, aber nie das Gewicht. Der rote Faden bleibt sichtbar. So hÀlt das Album die Spannung. Es lebt nicht vom Gag. Es lebt vom Gang durch innere Landschaften. Das ist schlicht, doch wirkungsvoll.
Der Titel ist klug gewĂ€hlt. Er sagt, was Sache ist. Bis jetzt. Also kein Schlussstrich. Keine Krone. Es ist ein Blick zurĂŒck im Gehen. Das passt zu dieser Stimme. Sie kennt den Zweifel. Sie kennt den Mut. Beides findet hier Raum. Darin liegt die Kraft dieser Sammlung. Sie wirkt nicht wie ein Best-of. Sie wirkt wie ein Abend, der trĂ€gt.
Sie hören Hannes Wader Bis jetzt (live) und merken schnell: Hier ordnet sich etwas. Wader stellt kleine Zeichen auf. Er sammelt Motive, die ihn lange treiben. Er prĂŒft Wort und Ton mit milder Strenge. Und er öffnet den Raum fĂŒr Sie. Sie dĂŒrfen mitgehen. Ohne Pflicht, nur mit Neugier. So wird ein Titel zum Versprechen. Und das Album hĂ€lt es.
Das Klangbild ist warm und klar. Die Gitarre steht vorn, aber nie hart. Die Stimme sitzt zentral. Atmer, Saitenrutschen, kleine Gesten: Alles ist hörbar. Doch nichts schreit. Der Saal klingt mit. Der Hall ist dosiert. Er trÀgt die Liedzeilen, ohne sie zu verwaschen. So entsteht ein Ton, der vertraut scheint.
Sie bemerken kleine Details. Ein leichtes Zögern vor dem Einsatz. Ein LĂ€cheln in einer Phrase. Ein kurzer Applaus der Zuhörer. Diese Zeichen machen die Aufnahme lebendig. Sie stĂŒtzen die Worte. Sie öffnen die Bilder. Hannes Wader Bis jetzt (live) gewinnt aus diesem Zusammenspiel. Es ist eine Kunst der Balance. Leise, aber prĂ€zise.
Waders Gitarre ist ein ruhiger Motor. Er setzt auf feine Arpeggien. Er nutzt klare BasslĂ€ufe. Er lĂ€sst Raum fĂŒr Pausen. Nichts wirkt ĂŒberladen. Jede Figur hat Luft. Das verleiht Halt. Zugleich schafft es Bewegung. Aus wenigen Tönen entsteht ein tragendes Feld.
Die Stimme ist zeitlos. Sie ist markant, aber weich. Sie hĂ€lt die Silben mit Sorgfalt. Das Timing ist fest und frei zugleich. In leisem Ton liegt viel Gewicht. In deutlicher Artikulation liegt WĂ€rme. So entstehen Bilder im Kopf. Sie hören nicht nur Worte. Sie sehen Pfade, HĂ€user, FlĂŒsse. Hannes Wader Bis jetzt (live) zeigt das Handwerk ohne Show. Das genĂŒgt.
Das Publikum ist prĂ€sent, doch diskret. Es hört, es atmet mit. Es lĂ€sst die Lieder wachsen. An den Kanten spĂŒren Sie leise Reaktionen. Manchmal ein Schmunzeln, dann Stille. Am Ende setzt Applaus klare Punkte. Diese Ordnung hilft. Sie hĂ€lt die ErzĂ€hlung zusammen. Der Saal wird zum Partner. Nicht zum Störer.
So leuchtet das Motiv des Abends auf. Es ist ein GesprĂ€ch. Kein Ein-Mann-Monolog. Hannes Wader Bis jetzt (live) zeigt, wie dieses GesprĂ€ch gelingt. Mit Respekt und Geduld. Mit Sinn fĂŒr MaĂ. In dieser Form ist Live nicht Zufall. Es ist Arbeit. Und es ist ein Geschenk.
Die lange Ballade trĂ€gt weit. Sie baut eine Welt. Sie schichtet Bilder, Töne, Andeutungen. Der Faden bleibt straff. Nichts schwimmt. So entsteht ein Sog. Die Stimme fĂŒhrt, die Gitarre stĂŒtzt. Der Text entfaltet sich mit klarer Diktion. Der Raum bleibt gespannt. Sie folgen jedem Schritt. Das ist selten geworden.
SpÀter taucht das Thema in kurzer Form auf. Als Miniatur, als Echo. Das ist klug. Es löst die Schwere. Es zeigt Humor im Schatten. Es zeigt, wie ein Motiv in neuem Licht glÀnzt. Hannes Wader Bis jetzt (live) lebt von solchen Spiegelungen. Sie bieten Relief. Sie halten den Abend lebendig. Und sie binden Anfang und Ende.
Menschen tauchen auf. Sie haben Namen und Kanten. Sie treten nah heran, doch bleiben frei. Wader zeichnet sie mit wenigen Strichen. Er wertet nicht. Er beobachtet. Er hört zu. So werden Johnny, Charley und Mammi zu Nachbarn. Sie sind nicht groĂ. Sie sind echt. Das reicht.
Die Musik folgt diesem Blick. Kleine Motive stĂŒtzen die Rollen. Ein Basslauf weist auf Stolz. Ein offener Akkord auf Sehnsucht. Ein kurzer Lauf auf Trotz. Sie merken: Die Details sprechen. Hannes Wader Bis jetzt (live) ist reich an solchen kleinen Gesten. Sie fordern Sie auf, genau zu hören. Und das Hören lohnt sich.
Wader greift auch in den groĂen Fundus. Er nimmt ein StĂŒck aus dem Geist der Poesie. Er nimmt ein traditionelles Blues-Thema. Beide Lieder zeigen seine Wurzeln. Aber sie klingen nicht wie Zitate. Er macht sie zu seinen. Er formt Tonfall und Tempo. Er sucht nicht die Pose der AuthentizitĂ€t. Er zeigt Haltung durch Genauigkeit.
So schlieĂen sich Kreise. Zwischen Ballade, Chanson und Folk. Zwischen StraĂe und Salon. Zwischen eigener Handschrift und altem Liedgut. Hannes Wader Bis jetzt (live) macht diese BrĂŒcken begehbar. Sanft, aber fest. Sie hören das mit Gewinn. Denn so wĂ€chst der Abend ĂŒber sich hinaus.
Reiselieder fassen den Blick. Es geht um Weg, Zeit und Spur. Nie um Postkarten. Ein Strom flieĂt, eine StraĂe zieht, ein Hotel flimmert. Sie spĂŒren die Schleife zwischen Aufbruch und Ruhe. Der Ton bleibt nĂŒchtern. Die Bilder sind klar. Kein Prunk. Keine Maske. Nur der Blick eines wachen Geistes.
Im Live-Raum gewinnen diese Lieder Tiefe. Die Gitarre hĂ€lt das Tempo niedrig. Der Puls bleibt ruhig. Das erlaubt Pausen. Es erlaubt Aufmerksamkeit. Hannes Wader Bis jetzt (live) nutzt das. So wird eine Strecke hörbar. Eine DĂ€mmerung dehnt sich. Ein Ăbergang bekommt Form. Das ist feine ErzĂ€hlkunst.
Stadt und Wasser sind Motive, die tragen. Ein Hafen atmet Abschied und Hoffnung. Ein Name ruft Bilder wach. Wader spielt mit Licht und Schatten. Er lĂ€sst Luft an die Figuren. Er treibt nicht. Er geht. Darin liegt WĂŒrde. Darin liegt Trost.
Die Live-Situation schĂ€rft die Kontur. Sie hören Schiffe, ohne sie zu sehen. Sie riechen Salz, ohne am Meer zu stehen. Das ist kein Trick. Es ist die Folge klarer Sprache. Und von Musik, die den Raum kennt. Hannes Wader Bis jetzt (live) verankert diese StĂŒcke im Ganzen. So wird aus Motiven ein Mosaik.
Der Abend beginnt mit einer Geste der NÀhe. Ein Satz, der trÀgt. Eine Melodie, die offen ist. Sie sagt: Kommen Sie herein. Setzen Sie sich. Wir teilen Zeit. Das ist simpel. Doch es wirkt. Denn es ist ehrlich gemeint.
Der Start prĂ€gt den Ton des Albums. Er macht den Saal zum Wohnzimmer. Er macht die Distanz klein. Sie fĂŒhlen sich gemeint. Nicht als Masse. Als Person. Hannes Wader Bis jetzt (live) versteht diese Kunst der BegrĂŒĂung. Sie steht am Anfang. Sie wirkt bis zum Ende nach.
Nach der groĂen Ballade folgt ein kurzes StĂŒck. Es ist wie ein Zwinkern. Ein Schnappschuss im CafĂ©. Ein Motiv taucht auf, dann ist es weg. Das ist witzig, aber nicht flach. Es zeigt das Spiel mit Form und Erwartung. Es zeigt, wie ein Abend atmet.
Solche Miniaturen sind wichtig. Sie lockern, ohne zu lösen. Sie sind Salz in der Suppe. Hannes Wader Bis jetzt (live) dosiert das sehr gut. So bleibt das Ohr wach. Und der Kopf frei.
Die CD umfasst 14 StĂŒcke. Der Auftakt "Gut wieder hier zu sein" lĂ€uft 3:44. Danach folgt "Wir werden sehn" mit 6:35. "Blumen des Armen" dauert 2:38. "Der RattenfĂ€nger" spannt sich ĂŒber 7:29. "Johnny" bringt 5:09 auf die Uhr. "Charley" folgt mit 4:55. "Mammi" hĂ€lt bei 4:23. "Cocaine" liegt bei 4:33. Dann kommt "Der RattenfĂ€nger im Kaffee G." mit nur 2:23. "Hotel zur langen DĂ€mmerung" dehnt sich auf 5:45. "Am Fluss" flieĂt 5:47. "Unterwegs nach SĂŒden" fĂ€hrt 4:57. "Hafenmelodie" singt 5:22. "Lisa" schlieĂt mit 4:44.
Diese Zeiten sagen etwas ĂŒber die Form. LĂ€ngere StĂŒcke bauen RĂ€ume. KĂŒrzere setzen Zeichen. Der Wechsel hĂ€lt Schwung. Er verhindert MĂŒdigkeit. Er fördert Tiefe. Hannes Wader Bis jetzt (live) zeigt eine reife Set-Architektur. Sie ist ĂŒbersichtlich. Und dennoch reich.
Wenn Sie Wader kennen, finden Sie hier einen Kern. Die Lieder wirken wie vertraute Freunde. Aber sie sind nicht museal. Sie atmen. Sie gehen mit der Zeit, ohne sich zu biegen. Wenn Sie neu einsteigen, ist dies ein guter Start. Das Album zeigt viele Facetten. Es zeigt Stimme, Gitarre, Haltung. Und es zeigt einen klugen Bogen.
Auch als Live-Dokument hat es Gewicht. Es ist klar, warm, ehrlich. Es vermeidet Posen. Es sucht den direkten Blick. Hannes Wader Bis jetzt (live) ist damit beides. Ein Zugang fĂŒr Neulinge. Und eine Heimkehr fĂŒr Kenner.
Die StÀrke liegt im Wie. Wader deutet, nicht nur vor. Er öffnet Bilder, statt sie zu erklÀren. Er vertraut auf das Material. Und auf Sie. Diese Haltung ist reif. Sie meidet LautstÀrke als Ersatz. Sie setzt auf SchÀrfe im Leisen. Das ist eine Kunst, die selten ist.
So entsteht ein Album, das nachhallt. Es bittet um Zeit. Es schenkt dafĂŒr Weite. Hannes Wader Bis jetzt (live) erzĂ€hlt nicht nur Geschichten. Es fragt, was bleibt. Es sucht, was trĂ€gt. Es findet Antworten, doch nie die letzte. Genau das macht es wertvoll.
Im Regal der deutschsprachigen Liedkunst hat dieses Werk einen festen Platz. Es zeigt, wie live mehr sein kann als Applaus und Echo. Es zeigt, wie ein Abend zum Bild einer Epoche wird. Ohne Prunk, ohne TrÀnen. Mit Maà und Herz.
Wenn Sie es hören, hören Sie auch sich selbst. Ihre Wege, Ihre HÀfen, Ihre Zimmer in langen DÀmmerungen. Diese Spiegelung ist kein Zufall. Sie folgt aus Klarheit, Sprache, Form. Hannes Wader Bis jetzt (live) macht das möglich. Deshalb greift man spÀter wieder dazu.
Dieses Album ist eine Bilanz. Doch die TĂŒr bleibt offen. Es bĂŒndelt Jahre, Themen, Stimmen. Es macht keine Rechnung auf. Es zieht Linien, keine ZĂ€une. Das ist weise. Und es ist schön. Denn so bleibt die Musik lebendig. Sie atmet, sie wĂ€chst, sie lernt.
Wenn Sie nur ein Live-Album von Wader wÀhlen, nehmen Sie dieses. Es ist nah, es ist rund, es ist wahr. Hannes Wader Bis jetzt (live) hÀlt dem Blick stand. Heute wie damals. Es lÀdt Sie ein, wiederzukehren. Gut, wieder hier zu sein? Ja. Und gut, noch einmal zu hören.
Am Ende steht Ruhe. Kein Knall. Keine Siegerpose. Nur ein warmer Raum, in dem Worte liegen. Sie können sie mitnehmen. Auf den Weg. In den Tag. In die Nacht. Das ist der schöne Rest dieses Abends. Und es ist sein Versprechen. Hannes Wader Bis jetzt (live) zeigt, wie Musik bindet. Bis jetzt. Und weiter.
Das Album "Bis jetzt (live)" von Hannes Wader bietet eine beeindruckende Sammlung seiner gröĂten Hits. Die Live-Aufnahmen fangen die besondere AtmosphĂ€re seiner Konzerte ein und lassen Sie in die Welt des Singer-Songwriters eintauchen. Wenn Sie mehr ĂŒber Hannes Wader erfahren möchten, könnte die Kritik zu seinem Album "Hannes Wader Sing" ebenfalls interessant fĂŒr Sie sein. Hier wird ein weiteres Werk des KĂŒnstlers detailliert vorgestellt.
Ein weiteres Highlight in der Welt der Singer-Songwriter ist das Album "Nach Hamburg" von Hannes Wader. Diese Platte bietet tiefgehende Einblicke in seine musikalische Reise und zeigt seine Entwicklung als KĂŒnstler. Lesen Sie die vollstĂ€ndige Kritik zu "Hannes Wader Nach Hamburg", um mehr ĂŒber die HintergrĂŒnde und die Entstehungsgeschichte dieses Albums zu erfahren.
Falls Sie sich fĂŒr andere bedeutende Werke von Singer-Songwritern interessieren, könnte die Rezension zu Reinhard Meys "Das Konzert" von Interesse sein. Diese Kritik beleuchtet die Highlights und bietet eine umfassende Analyse des Albums. Reinhard Mey ist bekannt fĂŒr seine tiefgrĂŒndigen Texte und seine FĂ€higkeit, das Publikum zu berĂŒhren, Ă€hnlich wie Hannes Wader.