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Hannes Wader Old Friends in Concert — Albumvorstellung & Kritik

Hannes Wader Old Friends in Concert — Vorstellung und kritische Rezension

Letztes Update: 06. Februar 2026

Der Artikel stellt Hannes Waders Live‑Album «Old Friends in Concert» vor und gibt eine kritische Einordnung. Lob für emotionale Interpretationen und das Zusammenspiel mit Gästen; Kritik an Arrangements, Längen und der veränderten Stimme.

Hannes Wader Old Friends in Concert – Live-Album zwischen Freundschaft und Folk

Dieses Konzertalbum zeigt, wie Folk im Heute atmet. Es vereint zwei Stimmen, zwei Sprachen und viele Wege. Der Titel ist Programm. Hier treffen alte Gefährten auf alte Lieder. Die Aufnahme erschien am 1. Februar 2013. Sie wirkt doch zeitlos. Sie hören einen Abend, der Freundschaft feiert. Und Sie hören Geschichte, die weiterklingt. Genau das macht Hannes Wader Old Friends in Concert so reizvoll.

Der Rahmen ist schlicht. Zwei Gitarren, zwei Mikrofone, ein aufmerksames Publikum. Mehr braucht es nicht. Aus dieser Reduktion wächst Wärme. Und es wächst Vertrauen. Sie spüren das in jeder Ansage. Sie merken es in jeder Pause. Der Abend ist intim, doch nie klein. Er schaut weit über den Bühnenrand. Das ist die stille Kraft von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Ein Abend, der 2013 auf CD gebannt wurde

Das Format ist klar. Es ist eine Live-CD mit 17 Tracks. Darunter auch drei kurze Ansagen. Das Programm verbindet Klassiker und Entdeckungen. Deutsche Übersetzungen stehen neben Originalen in Englisch. Einiges ist traditionell. Anderes stammt von zeitgenössischen Autoren. Der Fluss des Abends ist gut gebaut. Er trägt Sie von Stück zu Stück.

Die Dramaturgie hält die Balance. Es gibt Lieder des Unterwegsseins. Es gibt Lieder über Krieg, Verlust und Trost. Es gibt Heimat in der Ferne. Dazu kommen kleine Momente mit Humor. Die Ansagen öffnen das Herz des Abends. Sie ordnen die Songs in Leben und Reise ein. Dabei wirkt nichts aufgesetzt. Das gilt auch für Hannes Wader Old Friends in Concert. Alles atmet Ruhe und Erfahrung.

Hannes Wader Old Friends in Concert: Rahmen, Idee, Partner

Der Titel nennt es direkt. Alte Freunde stehen im Zentrum. Gemeint sind Menschen. Gemeint sind auch Lieder, die sie tragen. Hannes Wader teilt die Bühne mit dem englischen Songwriter Allan Taylor. Beide sind lange unterwegs. Beide lieben das Erzählen. Sie teilen den Blick auf das Wesentliche. Aus dieser Nähe wächst der Ton des Abends.

Die Idee ist einfach. Doch sie wirkt groß. Lieder wandern über Grenzen. Sie wechseln Sprache und Klang. So entsteht etwas Gemeinsames. Nicht als Kompromiss, eher als Dialog. Viele Titel liegen daher doppelt vor. Eine deutsche Fassung steht neben dem englischen Original. Oder sie wird direkt im Konzert gespiegelt. Genau das prägt Hannes Wader Old Friends in Concert. Sie hören Musik als Brücke. Sie hören Respekt, kein Denkmal.

Die Dramaturgie des Sets

Das Set beginnt mit einem Symbol. „Heute hier, morgen dort“ eröffnet. Dazu steht der englische Titel „Day to Day, Town to Town“. Das Thema ist klar. Unterwegssein. Wandlung. Die Gitarre führt, die Stimme bleibt hell und wach. Schon hier zeigt sich der Abend. Er ist gelassen. Er ist auch wach. Der Raum wirkt wie ein dritter Spieler.

Später folgt „Los Compañeros“. Ein Lied mit politischem Puls. Der Rhythmus treibt. Die Melodie ist kantig, aber warm. Es ist ein Ruf, keine Parole. Dann stehen Traditionals im Fokus. „Schwestern, Brüder / What’s the Life of a Man“ bringt die Frage nach Sinn. Das Lied bleibt schlicht. Doch es berührt tief. So setzt der Abend Bögen. Nach innen. Und in die Welt. Damit verweist er auf die Wurzeln von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Eröffnung: Heute hier, morgen dort / Day to Day, Town to Town

Die Eröffnung ist mehr als ein Hit. Sie ist ein Programm. Das Lied nimmt Sie mit in Bewegung. Es kennt Rast, doch keine Starre. Die Gitarre ist klar gezupft. Der Takt bleibt sanft. Die Stimme trägt hell. Das Publikum reagiert sanft, aber hörbar. Es ist ein stilles Einverständnis. Der Abend darf jetzt beginnen.

Die doppelte Nennung des Titels zeigt die Spur. Deutsch und Englisch sind Partner. Sie schlieĂźen einander nicht aus. Sie zeigen zwei Sichtweisen auf denselben Weg. Das ist keine Spielerei. Das ist Haltung. Sie zieht sich durch das ganze Programm.

Zwischenworte, die tragen

Die drei Ansagen sind kurz. Doch sie sind wichtig. „Ansage 1“ legt den Ton fest. „Ansage 2“ führt in einen weiteren Block. „Ansage 3“ leitet gegen Ende über. Diese Zwischenworte wirken wie Atemzüge. Sie lockern, ohne zu brechen. Sie erklären, ohne zu dozentieren. Das ist eine Kunst. Auch darin zeigt sich die Reife von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Manchmal sind es kleine Bilder. Manchmal ein Dank. Manchmal ein Verweis auf Herkunft und Ăśbersetzung. Alles bleibt knapp. So bleibt die Spannung hoch. Die Musik kann sofort wieder laufen. Ein gutes Live-Album braucht genau das. Hier passt es.

Reisen, Abschiede, Heimkehr

Mehrere Songs sprechen von Aufbruch. „Leaving at Dawn“ steht exemplarisch. Der Ton ist zart. Die Gitarre zeichnet feine Bögen. Dazu kommen Bilder von Straßen, Zügen, Licht am Morgen. Das ist kein Fluchtlied. Es ist eine stille Entscheidung. Der Abend sammelt solche Gesten. Er fügt sie in ein großes Mosaik.

„I’m Going Home“ führt dieses Thema fort. Hier klingt Sehnsucht nach Ankunft. Doch das Zuhause ist nicht starr. Es ist ein Ort in Bewegung. Auch „Schon so lang / Been on the Road So Long“ sagt das klar. Die Wege sind lang. Doch die Lieder halten die Richtung. In Summe entsteht ein Reisezyklus. Er wirkt leicht. Und er hält lang nach. Genau so erzählt Hannes Wader Old Friends in Concert vom Unterwegssein.

Politische Landschaften im Folk

Kaum ein Lied zeigt die politische Tiefe so klar wie „Es ist an der Zeit / The Green Fields of France“. Der Song steht für Trauer und Warnung. Er blickt auf das Grab eines jungen Soldaten. Und er fragt nach dem Sinn des Sterbens. Die Interpretation bleibt ruhig. Sie verzichtet auf Pathos. Gerade das wirkt. Der Saal wird still. Sie hören den Text. Sie sehen die Felder vor sich.

„Sag mir, wo die Blumen sind / Where Have All the Flowers Gone“ setzt einen weiteren Marker. Es ist eine Hymne des Friedens. Auch hier bleibt die Darbietung weich, aber klar. Die Gitarre begleitet in weichen Mustern. Die Stimme führt durch die Strophen. Zwischen diesen Stücken sitzt „Los Compañeros“. Hier bringt das Spiel Kraft und Schwung. Das verleiht Balance. Es ist ein Abend des Gedenkens, aber kein Abend der Schwere. Das ist die ethische Mitte von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Die Kunst der Ăśbersetzung

Waders Übersetzungen sind Teil seines Werks. Sie sind präzise und singbar. Sie suchen das Herz des Originals. Dann bauen sie eine deutsche Form. „Gut wieder hier zu sein / It’s Good to See You“ zeigt diese Kunst deutlich. Der Inhalt bleibt nah. Der Ton bleibt eigen. So wird aus Übertragung ein neues Lied. Es klingt vertraut. Und es klingt frisch.

Auch „Kleine Stadt / The Town I Loved So Well“ trägt diese Doppelung. Die Geschichte einer Stadt, ihrer Wunden und ihrer Würde, funktioniert auch auf Deutsch. Die Bilder bleiben klar. Die Melodie tut den Rest. Übersetzung ist hier kein Verlust. Sie ist Gewinn. Darin liegt ein zentraler Reiz von Hannes Wader Old Friends in Concert. Sie erleben, wie Sprache Verbindungen schafft. Und wie sie Räume öffnet.

Klangbild und Produktion

Das Klangbild ist schlank. Zwei Gitarren, zwei Stimmen. Der Raum ist hörbar, aber nie dominant. Das Publikum ist da. Es atmet mit. Doch es stört nicht. Die Mischung legt den Fokus auf die Mitten. Das passt zur Gitarre. Es lässt die Texte klar stehen. Der Bassanteil ist dezent. Die Höhen sind offen, aber nicht scharf. So entsteht Nähe.

Die Dynamik wirkt natürlich. Es gibt kein künstliches Hochziehen. Auch keine übertriebene Glättung. Man hört Plektrum und Finger. Man hört das linke Handgelenk am Griffbrett. Das ist ehrlich. Live darf so klingen. Diese Produktion beachtet das Ideal von Hannes Wader Old Friends in Concert. Weniger Technik. Mehr Mensch.

Vergleich im Werk von Wader

Wader hat viele Live-Alben. Jedes hat einen eigenen Ton. Dieses hier zeigt die BrĂĽcke nach Irland und England besonders stark. Es zeigt Freundschaft als Thema und Methode. Dazu kommt die Staffelung aus Deutsch und Englisch. In dieser Kombination ist der Abend eigen. Er steht zwischen Retrospektive und Dialog. Er spielt Vergangenes nicht nur nach. Er fragt es neu ab.

Im Vergleich zu rein solistischen Abenden wirkt hier mehr Bewegung. Die zweite Stimme bringt Farbe. Die Gitarre bekommt Gegenüber. Das öffnet die Stücke. Es macht Platz für kleine Variationen. Und es weitet die Perspektive. So ergänzt das Album das Werk um eine leise, aber entschiedene Note. Ein Baustein, der bleibt. Und der das Profil von Hannes Wader Old Friends in Concert klar herausstellt.

Die BĂĽhne als Wohnzimmer

Viele Live-Alben bleiben distanziert. Hier ist es anders. Der Raum fühlt sich nah an. Die Gespräche sind knapp, aber persönlich. Die Reihen hören zu. Es gibt Applaus, doch nie Lärm. Es gibt Respekt. Das gleicht einem Wohnzimmer mit vielen Stühlen. So bekommt die Musik Halt und Luft zugleich.

In „Dat du min Leevsten büst / Night Visiting Song“ spürt man das besonders. Das Lied in Plattdeutsch kommt sanft. Die Melodie ist schmal. Sie trifft dennoch mitten ins Herz. Der Abend erlaubt solche stillen Punkte. Er eilt nicht weiter. Er bleibt. Und er lässt uns bleiben. Auch das ist eine Stärke von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Stolpersteine und Sternstunden

Ein Live-Album mit so viel Sanftheit riskiert auch etwas. Mancher könnte sich mehr Rauheit wünschen. Oder einen Ausbruch, der Kanten setzt. Es gibt Momente, in denen Tempo und Energie ähnlich bleiben. Dann hängt der Puls kurz nach. Doch solche Passagen sind selten. Und sie kippen nie ins Belanglose.

Die Sternstunden wiegen schwerer. „Es ist an der Zeit“ gehört dazu. „Kleine Stadt“ ebenso. Auch „Kerouac’s Dream“ bringt eine andere Farbe. Es streut Weite ein. „Banjo Man“ fügt eine Prise Road-Kino bei. Solche Titel weiten die Atemräume. Sie belohnen das aufmerksame Hören. Sie zeigen, wie facettenreich ein Abend mit zwei Gitarren sein kann.

FĂĽr wen ist dieses Album?

Wenn Sie Lieder lieben, die erzählen, sind Sie hier richtig. Wenn Sie feine Gitarrenarbeit mögen, auch. Wenn Sie Übersetzungen schätzen, die Sorgfalt zeigen, erst recht. Wenn Sie neu in dieses Feld einsteigen, bietet Hannes Wader Old Friends in Concert einen guten Einstieg. Es ist freundlich. Es ist klar. Es führt Sie an Zeit, Orte und Stimmen heran. Und es lässt Raum für Wiederkehr.

Erfahrene Hörerinnen und Hörer finden hier anderes. Sie hören die Spur der Jahrzehnte. Sie hören Handwerk und Haltung. Sie bemerken Nuancen im Fingeranschlag. Sie würdigen die Aufteilung des Abends. Für Sammler ist die Mischung aus Repertoire und Dialog ein Gewinn. Für Neugierige ist es eine offene Tür.

Die StĂĽcke im Detail: ein kurzer Streifzug

„Unterwegs nach Süden“ fügt einen freundlichen Fluss ein. Es rollt, ohne Eile. „Kerouac’s Dream“ schlägt den Bogen zur Beat-Literatur. Straße, Fahrt, Bilder im Vorübergehen. „Leaving at Dawn“ hält die Morgendämmerung fest. Das Stück schimmert. „Gut wieder hier zu sein“ schließt Freundschaft und Ankunft kurz. Es sind Lieder, die bleiben.

„Sag mir, wo die Blumen sind“ ist ein stiller Prüfstein. Hier zeigt sich, ob ein Abend Herz hat. Diese Version hat Herz. Sie ist schlicht, nie süß. „I’m Going Home“ leitet ins Finale über. „Schon so lang / Been on the Road So Long“ ist ein gutes Schlusslicht. Es spannt den Bogen zurück zum Anfang. Unterwegssein ist kein Mangel. Es ist ein Zustand. Das war schon die Ouvertüre. Jetzt ist es der Nachhall.

Kontext: Folk als geteiltes Erbe

Der Abend zeigt Folk als gemeinsame Sprache. Er zeigt, dass Worte wandern dürfen. Und dass Melodien Grenzen nicht kennen. Diese Haltung ist nicht neu. Doch sie wirkt hier frisch. Denn sie ist geerdet. Keine große Geste. Stattdessen Handwerk. Dazu kommt Respekt vor Herkunft. Texte stehen vorne. Stimmen erzählen. Gitarren dienen dem Lied.

So verbindet sich das Politische mit dem Poetischen. Widerstand ist hier leise. Er spricht klar, aber nicht laut. Er nutzt Bilder statt Parolen. Er sucht Menschen, nicht Lager. Diese Art Folk braucht Geduld und Offenheit. Hören Sie hin. Lassen Sie die Pausen wirken. Dann entfaltet sich die Tiefe. Genau darin liegt der moderne Kern von Hannes Wader Old Friends in Concert.

Fazit: Ein leises Album mit langer Wirkung

Dieses Konzert ist keine Zurschaustellung. Es ist eine Einladung. Sie dürfen Platz nehmen. Sie dürfen sich Zeit lassen. Die Auswahl der Lieder ist klug. Die Reihenfolge hält Spannung. Die Produktion lässt Nähe zu. Es gibt kleine Kanten, die zum Live-Gefühl gehören. Es gibt viele Momente, die man wiederhören will.

Wer Folk als Kunst der Reduktion liebt, findet hier ein Zuhause. Wer nach großen Gesten sucht, wird sie kaum finden. Doch er findet etwas Wertvolleres. Er findet Präsenz. Er findet Haltung. Und er findet Freundschaft, die nicht nur benannt, sondern gelebt wird. Genau das macht dieses Album stark. Und genau das lässt es auch in einigen Jahren noch frisch wirken. Ein stiller, schöner Höhepunkt im späten Werk. Ein Abend, der bleibt.

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