Letztes Update: 09. Februar 2026
Der Artikel stellt und bewertet das Jubiläumsalbum 'Trotz alledem – Lieder aus 50 Jahren' von Hannes Wader. Er analysiert Auswahl, Neuaufnahmen und Raritäten, beurteilt Produktion und Interpretation und ordnet das Werk in Waders Schaffen und die deutschsprachige Liedtradition ein.
Dieses Album ist Rückblick und Gegenwart zugleich. Es kam 2014 heraus und umfasst fünf Jahrzehnte Liedkunst. Es zeigt, wie ein Werk wachsen kann, ohne sich zu verlieren. Sie hören hier einen Künstler, der Chronist und Poet bleibt. Kein Ton ist leer. Keine Zeile ist Zufall. Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren verdichtet einen Lebensweg. Es ist eine Sammlung, die Haltung zeigt. Es ist aber auch ein stilles Selbstporträt.
Die Edition besteht aus zwei CDs. Die erste Scheibe bietet 18 Stücke. Die zweite umfasst 19 Tracks. So entsteht eine klare Dramaturgie. Der erste Teil bündelt Balladen, Protestsongs und Volksliedfarben. Der zweite Teil zieht das Tempo zurück. Er blickt sanfter in die private Sphäre. Die Spanne reicht von knappen Miniaturen bis zu epischen Erzählungen. Das ist kein Zufall. Das ist ein Plan, der auf Hörfluss zielt.
Die Auswahl wirkt wie ein Album, nicht wie ein bloßes Archiv. Große Themen stehen neben kleinen Momenten. So greifen Alltag, Geschichte und Landschaft ineinander. Das schafft Nähe. Und es hält Distanz, wenn es nötig ist. Sie bekommen also keinen lauten Paukenschlag. Sie bekommen einen langen Atem. Er trägt über zwei CDs und viele Stimmungen. Am Ende bleibt ein Gefühl von Kontinuität. Der rote Faden ist Haltung, nicht Zeitstempel.
Der Titel setzt den Ton. "Trotz alledem" ist kein Slogan. Es ist ein Zustand. Es meint Standhaftigkeit. Es meint aber auch Gelassenheit. Der Blick ist klar. Die Mittel sind schlicht. Gitarre, Stimme, Sprache. Daraus entsteht Kraft. Sie hören kein Pathos. Sie hören eine ruhige Hand. Der Titel verspricht viel. Das Album hält es ein. So trägt Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren seine Botschaft leise und fest zugleich.
Der Auftakt mit "Das Loch unterm Dach" ist knapp und bildhaft. Zwei Minuten genügen. Es folgt "Begegnung". Die Wörter sitzen. Dann schärft die "Arschkriecher-Ballade" den satirischen Blick. Der Ton ist hart, aber nicht grob. "Ruhr im Wind" weitet das Feld. Landschaft wird hier zur Figur. Danach hält "Der Rattenfänger" fast acht Minuten Spannung. Es ist eine große Erzählung in feinen Bildern. Das Timing stimmt. Pausen tragen das Gewicht.
Die Vielfalt bleibt. "Min Jehann" und "De Groffschmitt" öffnen den Raum zum Dialekt. Da spricht die Nähe zum Volkslied. "Schon morgen" schaltet um auf Hoffnung. Das Thema Aufbruch klingt leicht, aber nicht flach. "Reine Natur" kratzt am Idyll. "Im Garten" spielt mit Stille. "Es ist an der Zeit" trifft dann den Kern der Friedensbewegung. Die Worte wirken immer noch. "Leben einzeln und frei" sucht die Balance aus Individualität und Solidarität. Danach kommen Gesang und Ritual zusammen in "Gut wieder hier zu sein". Es ist schlicht. Und es ist stark.
Zum Schluss der ersten CD stehen "Die bessere Zeit", "Am Fluss", "Jepestinija Stepanowas Garten", "Nach Hamburg" und "Mit Eva auf dem Eis". Sie spüren Weite, Reisen, Erinnerung. Der Fluss wird eine Metapher für Dauer. Die Gitarre trägt das. Die Stimme führt ohne Druck. In Summe liefert die erste Hälfte einen Bogen von beißend bis zärtlich. Auf Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren ist das der stärkste Kontrast.
"Rosen im Dezember" eröffnet intim. Die Melodie ist klein. Das Bild bleibt. "Ich fahr dahin" ist noch knapper. Es wirkt wie eine Notiz. "Traumtänzer" und "Erste Liebe" halten den Faden in der Hand. Sie zeigen, wie Erinnerung atmen kann. "Der Büffel" dehnt die Zeit. Es ist ein langer Schritt in einen anderen Rhythmus. "Tagtraum" nimmt das Tempo herunter. "Alle Hügel" hebt an. Die Zeilen sind klar. Sie balancieren Natur und Selbst.
"Prosit bei Tag und Nacht" kippt in Ironie. "Darfst nun getrost" fängt Sie wieder auf. "Morgengruß" hält den Morgen offen. "Täuschung" ist kurz und spitz. "Kleine Stadt" macht die Provinz zur Hauptfigur. "Wandern lib ich für mein Leben" singt mit leichtem Fuß. "Griechisches Lied" weitet den Tonraum. "Trotz alledem III" schlägt dann die Brücke zum Motto. "Blues in F" zeigt Handwerk und Lockerheit. "Schwestern, Brüder..." atmet Gemeinschaft. "Uns bleibt keine Wahl" schärft das Profil. "Dass wir so lang leben dürfen" beschließt in Dank und Demut. So schließt sich ein Kreis. Die leisen Töne gewinnen. Und doch glimmt es darunter weiter.
Hannes Wader artikuliert schlicht. Er vermeidet Zierde. Das stärkt die Texte. Sein Timbre bleibt warm. Es trägt auch in ruhigen Passagen. Die Sprache ist frei von Floskeln. Sie ist bodenständig, aber präzise. Dialekt-Stücke wie "Min Jehann" und "De Groffschmitt" öffnen eine zweite Ebene. Sie zeigen Herkunft und Nähe. Sie zeigen, wie Volkslied und Gegenwart zusammenspielen. In Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren bleibt das kein Effekt. Es ist Kern der Poetik.
Die Gitarre wandert zwischen Begleitung und Zweitstimme. Das Picking ist sauber, nie eitel. Kleine Figuren tragen große Bögen. Das fördert die Klarheit der Texte. Hier greift ein Prinzip: Erst der Satz, dann der Klang. Doch manchmal führt der Klang den Satz. Das hört man in "Am Fluss" oder im "Blues in F". Die Arrangements sind schlank. Sie lassen Luft. Das Ohr kann in die Bilder gehen. Struktur ersetzt Effekte. So wächst die Spannung leise. Darin liegt die Stärke von Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren.
Dieses Werk zeigt, wie politisches Lied reifen kann. Ohne Predigt. Ohne Zeigefinger. "Es ist an der Zeit" ist ein gutes Beispiel. Das Lied bleibt eindringlich, weil es erzählt. Es rechnet nicht auf, es zeigt. Auch "Die bessere Zeit" oder "Schwestern, Brüder..." bauen auf Nähe. Sie laden Sie ein. Sie überreden Sie nicht. So entsteht Vertrauen. So entsteht Wirkung. In Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren sind die Grenzen fließend. Politik liegt in Bildern. Poesie liegt in Haltung.
Der Spott bei Wader ist alt und neu. "Arschkriecher-Ballade" arbeitet mit Überhöhung. Das trifft. Und es bleibt Song, kein Pamphlet. "Prosit bei Tag und Nacht" nutzt das Glas als Spiegel. "Täuschung" ist eine Miniatur, die kurz sticht. Humor schützt hier vor Bitterkeit. Er öffnet das Ohr. Erst dann fällt die Pointe. Dieser Zug hält die Sammlung lebendig. Er schützt vor Pathos. Er erdet. Und er passt zum Grundton von Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren.
Viele Stücke sind Landschaftsprosa in Tönen. "Ruhr im Wind" setzt Orte als Figuren. "Kleine Stadt" tut das im Kleinen. "Nach Hamburg" geht in Bewegung. "Rosen im Dezember" bleibt am Tisch. Diese Orte sind mehr als Kulisse. Sie sind Handlung. Sie sind Gefühl. Die Reise führt nicht nur durch Regionen. Sie führt durch Zustände. Sie erkennen das sofort. Weil die Bilder klar sind. Weil die Worte einfach bleiben.
2014 war kein Endpunkt. Es war ein Marker. Das Album spricht auch heute. Die Themen bleiben. Krieg, Arbeit, Würde, Liebe, Landschaft. Die Mittel bleiben auch. Stimme, Gitarre, Verständlichkeit. So wirkt das Werk neu im Ohr. Es fordert Stille. Es belohnt mit Bildern. Es lädt zu Wiederhören ein. Jedes Mal fällt anderes auf. Das ist die nachhaltige Kraft von Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren.
Wenn Sie neu sind, starten Sie mit "Gut wieder hier zu sein". Das Lied öffnet die Tür. Gehen Sie dann zu "Es ist an der Zeit". So hören Sie Haltung. Hören Sie danach "Der Rattenfänger". So erleben Sie die lange Form. Später "Am Fluss" und "Kleine Stadt". Das schärft den Blick für die leisen Lieder. Danach "Trotz alledem III" als Klammer. Sie haben dann den Kern. Wenn Sie tiefer gehen, warten "Der Büffel" und "Schwestern, Brüder...". In diesem Pfad spiegelt sich Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren als Ganzes.
Die Reihenfolge ist klug gesetzt. Es gibt Wechsel aus kurz und lang. Aus hart und weich. Aus draußen und drinnen. Das Ohr bekommt Pausen. Es bekommt aber auch Reibung. Längere Stücke stehen nie allein. Daneben liegt eine Miniatur. Die Dramaturgie hält den Fokus. Sie trägt über beide CDs. Das ist eine Kunst für sich. Sie macht aus Auswahl ein Album. So wird Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren zum Hörbuch ohne Erzähler.
Die Stärke liegt im Verzicht. Keine Bombast-Chöre. Keine dicken Schichten. Der Klang bleibt offen. Die Worte haben Raum. Das ist ein ästhetisches Statement. Es passt zur Biografie. Es passt zur Tradition des Chansons. Es passt zu Ihrer Hörgewohnheit, wenn Sie Texte lieben. Diese Einfachheit ist mutig. Sie wirkt nur, wenn alles sitzt. Hier sitzt es. Das Ohr spürt es sofort.
Die Wurzeln sind hörbar. Volksliedfarben tragen Dialekt und Refrain. Chanson führt die Pointe. Blues liefert Ruhe und Puls. Diese Linien laufen zusammen. Sie schließen sich nicht aus. Sie stützen einander. So entsteht eine deutsche Liedform, die federnd bleibt. Sie ist nie museal. Sie ist Gegenwart in altem Gewand. Auch deshalb trägt Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren so weit. Es verbindet Tradition mit heutiger Sprache.
Wenn Sie Hannes Wader lange hören, finden Sie hier eine dichte Werkschau. Sie werden bekannte Lieder neu sortieren. Sie sehen andere Nachbarschaften. Das schärft den Blick. Wenn Sie neu sind, finden Sie einen klaren Einstieg. Die Sammlung ist freundlich in der Handhabung. Sie überfordert nicht. Sie hat große Themen, aber sanften Ton. Beide Gruppen profitieren. Das ist selten. Und es ist der größte Wert von Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren.
Eine Doppel-CD trägt Gewicht. Das fordert Zeit und Konzentration. Manche Hörer wünschen sich mehr Bruch. Mehr Risiko in Sound und Form. Die Auswahl folgt dem klassischen Kern. Das ist stimmig. Es lässt aber spätere Experimente leiser wirken. Ein, zwei Stücke ähneln sich in Tempo und Farbe. Das kann im Block ermüden. Doch die Dramaturgie puffert das gut. Das Album bleibt in der Balance. Die Ruhe gehört zur Sache. Sie ist kein Mangel. Sie ist Plan.
Was bleibt, ist ein Gefühl von Gleichmaß und Güte. Die Spielzeit ist lang, doch die Sprache ist knapp. Das macht satt, aber nicht träge. Die Gitarre legt Spuren. Die Stimme führt. Die Themen bleiben offen für Ihre eigene Erfahrung. Sie hören und füllen auf. So wird das Werk lebendig. Es ist kein Denkmal. Es ist ein Werkzeug. Es hilft beim Blick nach vorn. Auch das gehört zu Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren.
Diese Sammlung ist ein stiller Kompass. Sie zeigt Richtung, keine Route. Sie sagt: Gehen Sie los, aber bleiben Sie klar. Das gilt für Politik, Liebe und Alltag. Es gilt auch für Musik. Die Lieder sind einfach. Sie sind stark. Sie tragen viele Jahre in sich. Und sie halten noch viele Jahre aus. Wer ein großes Wort sucht, könnte "Lebenswerk" sagen. Doch das passt nicht ganz. Zu groß, zu schwer. Besser: Ein Bündel guter Gründe, weiter zu singen. So lebt Hannes Wader Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren weiter. In Ihrem Ohr. Trotz alledem.
Das Album "Trotz alledem - Lieder aus 50 Jahren" von Hannes Wader bietet einen tiefen Einblick in das Schaffen des Künstlers. Es ist eine Sammlung von Liedern, die über fünf Jahrzehnte hinweg entstanden sind und die Entwicklung von Waders Musikstil und Themen widerspiegeln. Diese Zusammenstellung zeigt nicht nur seine musikalische Vielseitigkeit, sondern auch seine Fähigkeit, gesellschaftliche und persönliche Themen aufzugreifen.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Hannes Wader ist das Album "Hannes Wader Liederbuch". Diese Sammlung zeigt die lyrische Tiefe und musikalische Vielfalt, die Wader auszeichnet. Es ist eine Hommage an seine Karriere und bietet einen umfassenden Überblick über seine bedeutendsten Werke.
Auch andere Künstler haben ähnliche thematische Alben veröffentlicht. Ein Beispiel dafür ist "Reinhard Mey Lieder von Freunden". Dieses Album zeigt, wie Mey seine persönlichen Beziehungen und Erfahrungen in seine Musik einfließen lässt. Es ist ein tiefgründiges Werk, das die emotionale Bandbreite des Künstlers widerspiegelt.
Ein weiteres bemerkenswertes Album, das thematisch gut zu Waders Werk passt, ist "Wolf Biermann Heimkehr nach Berlin Mitte". Biermanns Lieder sind oft politisch und gesellschaftskritisch, ähnlich wie viele der Werke von Hannes Wader. Dieses Album bietet eine eindrucksvolle Sammlung von Liedern, die Biermanns Rückkehr nach Berlin thematisieren und seine Erfahrungen und Beobachtungen widerspiegeln.