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Konstantin Wecker: StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) im Check

Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) – Vorstellung und Kritik

Letztes Update: 06. Februar 2026

Der Artikel stellt das Live-Album 'StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live)' von Konstantin Wecker vor und liefert eine kritische Einordnung. Er behandelt musikalische QualitĂ€t, Texte, BĂŒhnenatmosphĂ€re, politische Aussagekraft und nennt persönliche Highlights sowie eine Empfehlung fĂŒr Hörer.

Vorstellung und Kritik: Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live)

Dieses Live-Album ist kein bloßes Konzertdokument, sondern eine BĂŒhne in Buchform. Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) fĂŒhrt Sie durch ein ganzes Theater des GefĂŒhls. Sie hören Lust und Zorn, Witz und ZĂ€rtlichkeit. Und Sie spĂŒren die Hand eines KĂŒnstlers, der mit kurzen GestĂ€ndnissen und großen Bögen arbeitet. Es ist ein Abend voller kleiner Szenen, die sich zu einer ErzĂ€hlung fĂŒgen. Und es ist ein Werk, das 2011 erschien und doch heute neu klingt.

Der Erscheinungstermin war der 25. MĂ€rz 2011. Die CD umfasst 23 StĂŒcke. Vom kurzen Auftrittsapplaus bis zum langen Titellied reicht der Bogen. Das ist keine Zufallsliste. Die Reihenfolge baut eine Dramaturgie. Sie wechselt Tempo und Ton. Erst lacht man. SpĂ€ter denkt man nach. Dann wird es still. Am Ende bleibt die Frage: Was fehlt noch? Sie steckt im Schlusssong. Genau da lebt die Kunst.

Ein Abend, der atmet: Dramaturgie statt Nummernrevue

Wecker beginnt mit einem Detail, das man oft ĂŒbersieht: dem Applaus. Damit sagt er, dass dieser Abend vom Raum lebt. Das Publikum atmet. Die Musiker atmen. Er selbst atmet. Dann zieht er die ZĂŒgel an. „San koane Geigen da“ setzt einen heiteren Ton. Dialekt trifft auf urbane LĂ€ssigkeit. Schon hier zeigt sich sein Spiel: leichtfĂŒĂŸig, aber wach. Es ist ein Auftakt ohne Prunk, doch mit Haltung.

Zwischen den Liedern spricht er. Die Ansagen haben Titel. „Texte zum Thema Wollust“, „Wenn es keine BĂŒcher gĂ€be“, „Text zum Thema Zynismus“. Das sind keine FĂŒllsel. Es sind kleine Fackeln, die das nĂ€chste Lied beleuchten. Diese Sprache vor dem Lied öffnet Ohren. Sie verankert das Nachfolgende in einem GefĂŒhl. So entsteht ein Fluss. Er trĂ€gt von Erregung zu Erkenntnis, von Ironie zu Empathie.

Eros, Ironie und ein Tanz auf dĂŒnnem Eis

„Was ich an dir mag“ folgt keinem Kitschmuster. Es feiert das Unperfekte. Es nimmt die Liebe beim Wort. „Ich liebe diese Hure“ spitzt zu. Hier ist Wecker riskant. Er nutzt Reibung. Er lotet aus, was Sprache wagen darf. Der Eros ist nicht weichgespĂŒlt. Er ist roh. Und doch ist da ZĂ€rtlichkeit. Nie wird es kalt. Das Piano hĂ€lt den Puls. Der Text hĂ€lt die Spannung.

„NachtcafĂ©â€œ blitzt kurz auf. Eine Miniatur. Ein Lichtstreifen. Kaum hat man den Ort betreten, ist er schon wieder weg. Gerade das prĂ€gt den Abend. Die kurzen Vignetten geben Tempo und Luft. Danach geht es mit „Was tat man den MĂ€dchen“ in eine andere Art von IntimitĂ€t. Da schwingt Empörung mit. Da ringt einer um Worte fĂŒr Verletzungen. Die SĂ€tze sind klar. Die Bilder sind stark. Man hört, wie er seine Wut sortiert, damit sie trifft.

Warum Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) heute wirkt

Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) ist keine Zeitkapsel. Es ist ein Resonanzraum. Vieles darin spricht mit der Gegenwart. Das liegt am Ton. Er ist direkt, aber nie grob. Er ist zart, aber nie weich. Er ist klar, aber nie platt. Diese Balance trĂ€gt. Sie trĂ€gt ĂŒber Moden. Sie trĂ€gt ĂŒber Jahre.

Auch die Form macht es stark. Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) setzt nicht auf Bombast. Es setzt auf NĂ€he. Sie hören Tasten. Sie hören Atem. Sie hören, wie Worte auf Holz fallen. Diese NĂ€he ist modern. In einer lauten Welt wirkt sie wie eine Gegenstimme. Sie lĂ€dt ein, den Puls zu senken. Dann fallen SĂ€tze tiefer. Dann hĂ€lt ein Vers lĂ€nger.

Inhaltlich ist es vielseitig. Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) wechselt von Erotik zu Ethik, von Familie zu Politik. Doch es zersplittert nicht. Der rote Faden ist Empathie. Der zweite Faden ist Trotz. Der dritte Faden ist Humor. Drei FĂ€den reichen. Aus ihnen webt er sein Tuch. Es wĂ€rmt, ohne zu decken. Es zeigt auch LĂŒcken. Das ist ehrlich.

Das FrĂŒhlingslied als HerzstĂŒck der ersten HĂ€lfte

„FrĂŒhlingslied“ dehnt den Atem. Über sieben Minuten. Es ist ein Ausatmen nach den kurzen StĂŒcken davor. Hier kostest er Töne aus. Hier dehnt er Bilder. Tanzende SĂ€fte. AufblĂŒhende Zweifel. Das ist keine Blumensprache. Es ist Körper und Geist zugleich. Der FrĂŒhling steht fĂŒr Aufbruch. Und fĂŒr Risiko. Die Musik schiebt sanft. Das Klavier bleibt zentral. Die Worte treiben nicht. Sie gehen.

„Willkommen und Abschied“ macht den Wechsel klar. BegrĂŒĂŸung ist hier immer auch Trennung. Der Abend zeigt das oft. Er sagt Ja und weiß um das Nein. Danach folgt „Liebesflug“. Ein kurzes StĂŒck. Es fliegt, wie der Titel verspricht. Doch es stĂŒrzt nicht. Es landet weich und offen. So hĂ€lt die Dramaturgie Kurs.

Zwischen Miniatur und ErzÀhlbogen: Die Kraft der Zwischentöne

„MondoLine / Du liebst“ spielt mit Spiegeln. Liebe hat viele Gesichter. Mal global, mal intim. Mal Hymne, mal FlĂŒstern. Die Doppelung im Titel spiegelt das. Dazwischen steht „Ein GestĂ€ndnis“. 42 Sekunden. Fast nichts. Und doch viel. Ein GestĂ€ndnis muss nicht lang sein. Es muss wahr klingen. Das tut es hier.

Mit „Der Tango Joe“ betritt der Abend die BĂŒhne des Theaters. Ein Tanz, ein Typ, ein Milieu. Wecker kann Figuren bauen. Er gönnt ihnen Ecken. Und er gönnt ihnen Takt. Der Tango gibt Form. Der Text gibt Gewicht. So entsteht Schwung ohne Show. Danach ein kurzer Hieb: „Text zum Thema Zynismus“. Die Pointe sitzt. Zynismus ist bequem. Wecker lehnt ihn ab. Er wĂ€hlt Pathos, wenn es sein muss. Das ist heute fast kĂŒhn.

„Die weiße Rose“ als moralischer Kern

FĂŒnf Minuten gegen das Vergessen. „Die weiße Rose“ ist der Anker der Haltung. Das Lied trĂ€gt Erinnerung an Widerstand. Es bittet nicht, es fordert. Und doch hĂ€lt es die WĂŒrde. Kein großes Pathos. Aber eine klare Linie. Man spĂŒrt Ernst. Man spĂŒrt Liebe. Man spĂŒrt die Verantwortung, die Musik tragen kann. Hier tritt der Entertainer zurĂŒck. Der BĂŒrger bleibt, am Klavier, in Worten.

„Under African skies“ öffnet kurz ein Fenster. Ein Echo ferner Rhythmen. Ein Blick ĂŒber den Rand. Dieser Gruß weitet den Raum. Danach zieht er das Thema wieder heim. „Die Liebe zum Elternhaus“ fĂŒhrt in intime Herkunft. Es ist sanft. Es hat einen Blick auf kleine Dinge. Treppenstufen. GerĂŒche. Stimmen, die bleiben, wenn sie weg sind. Das sitzt nah am Herzen, aber es kippt nicht in Nostalgie. Der Ton bleibt nĂŒchtern.

VĂ€ter, Reben und die Last der ZĂ€rtlichkeit

„FĂŒr meinen Vater“ ist ein Sprechgesang mit Melodie. Es trĂ€gt Respekt. Und es kennt Bruch. Liebe ist nicht glatt. Sie hat Kanten. Wecker legt die Hand darauf. Er umarmt, ohne zu verhĂŒllen. So entsteht Reife. Das ist stark. Kurz danach „Vom Weinstock und den Reben“. Ein Bild, das wurzelt. Es spricht von Herkunft und HĂ€ngigkeit. Von Saft, der durch Generationen fließt. Es ist ein kurzer Song. Doch er bleibt im Ohr. Denn er verbindet Körper und Sinn in einem Bild.

Bis hierhin hat der Abend alle Farben geöffnet. Nun kommt die große Welle. Der Titelsong. „StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz“. Über acht Minuten lang. Sie merken gleich: Jetzt geht es ums Ganze. Hier fasst er das Programm zusammen. Liebe, Politik, Angst, Mut. Alles in einem Strom. Der Refrain knĂŒpft. Die Strophen erzĂ€hlen. Der FlĂŒgel trĂ€gt die Wogen. Die Stimme reibt und tröstet zugleich.

Der Titel als Bekenntnis und Frage

In diesem Lied liegt das Credo des Abends. Der Satz „StĂŒrmische Zeiten“ ist doppeldeutig. Er meint das Außen. Er meint das Innen. Und das „mein Schatz“ bricht den Ton. Die Welt tobt. Doch die ZĂ€rtlichkeit bleibt. Oder sie rettet. Darin liegt die Kraft. Diese Mischung ist typisch fĂŒr ihn. Sie zieht keinen Schutzwall aus Zynismus. Sie stellt NĂ€he gegen die KĂ€lte der VerhĂ€ltnisse. Das ist nicht modernistisch. Das ist menschlich.

Gerade live trĂ€gt das. Denn ZĂ€rtlichkeit ist im Raum spĂŒrbar. Sie ist nicht nur Text. Sie ist Blick, Atem, Pause. Das nimmt die Aufnahme mit. Nicht pompös. Eher intim. Darum wirkt es so unmittelbar. Darum bleibt es. Darum lohnt es, diesen Titel im Zentrum zu hören.

Nachglut und Ausblick: Liebe, Tod und der Rest

Nach dem langen Titel setzt Wecker noch zwei Marker. „Liebe und Tod“ ist eine kurze Meditation. Sie spricht das große Paar an. Ohne Pathosgewitter. Ohne Drehbuch. Mehr wie ein Gedanke, der aufleuchtet. Und dann „Da muss doch noch irgendetwas sein“. FĂŒnfeinhalb Minuten Abschied. Aber ein Abschied mit Frage. Da lauert das Offene. Da ruft ein Rest. Das hĂ€lt den Abend wach. Es ist klug programmiert. Denn ein guter Abend endet nicht mit einem Punkt. Er endet mit einem Atemzug.

So hĂ€ngt etwas in der Luft. Eine Erwartung. Eine kleine Unruhe. Das passt zur Haltung des Ganzen. Nichts ist abgeschlossen. Alles bleibt in Bewegung. Genau das spĂŒrt man beim Wiederhören. Man entdeckt neue Ecken. Neue Schattierungen in der Stimme. Neue Feinheiten in den Pausen. Das ist das Geschenk eines gelungenen Live-Albums.

Die Rolle der Sprache: Klar, knapp, kantig

Wecker schreibt klare SĂ€tze. Kurze Bilder. Er liebt das Konkrete. Er vertraut auf Rhythmus, nicht auf Schachteln. Das merkt man hier. Die Ansagen sind pointiert. Die Lieder sind prĂ€zise. Auch wenn ein Song lang ist, bleiben die Zeilen knapp. Das schĂŒtzt vor Schwulst. Und es öffnet Raum fĂŒr Resonanz. Wer zuhört, fĂŒllt die LĂŒcken selbst. Das schafft Bindung. Auch das macht diese Aufnahme zeitlos.

Dialekt und Hochsprache tanzen dabei gut zusammen. „San koane Geigen da“ ist ein Beispiel. Das hat Humor. Es bricht das Edle. Und doch ist es nicht Folklore. Es ist Haltung. Eine, die das Eigene wertschĂ€tzt. Und zugleich weltoffen bleibt. Dieses Sowohl-als-auch prĂ€gt den Abend.

Die Klanggestalt: Piano als Puls, Raum als Mitspieler

Das Klavier steht im Zentrum. Es fĂŒhrt, es stĂŒtzt, es widerspricht. Es kann perkussiv. Es kann fließen. Wecker nutzt es als Stimme. Man hört die HĂ€mmer. Man hört auch das Holz. Der Raum ist kein Studio. Er antwortet. Das Publikum hĂ€lt still, lacht, atmet. All das steht auf dem Band. So wird die Aufnahme mehr als eine Summe von Tönen.

Die Arrangements bleiben schlank. Das ist klug. Denn hier sollen Worte leuchten. Ein dicker Teppich wĂŒrde sie verschlucken. So aber tragen die Tasten die Bilder. Kleine Fills setzen Farbe. Ein leises Echo da, ein Schub dort. Es reicht. Das beweist, wie stark reduzierte Musik sein kann. Wenn der Kern stimmt, trĂ€gt Minimalismus weit.

Rhythmuswechsel als ErzÀhlinstrument

Viele StĂŒcke sind kurz. Sie setzen Impulse. Dann kommt ein lĂ€ngerer Song. Er sammelt sie. Dieser Wechsel wirkt. Er hĂ€lt wach. Er baut ein Atmen in Wellen. Auch die Tempi variieren. Heiter, dann zögernd, dann entschlossen. Die Dramaturgie folgt keinem Schema, und doch ist sie streng. Sie dient dem Sinn, nicht dem Effekt.

So wird die ganze CD zu einer Choreografie. Kein Track steht alleine. Jede Nummer hat einen Nachbarn, der sie spiegelt oder bricht. Das macht das Wiederhören lohnend. Man kann auch quer einsteigen. Doch am stÀrksten wirkt die Folge in GÀnze. Sie ist der Bogen, der alles bindet.

Kontext und KontinuitÀt: Ein Stand im Jahr 2011

2011 war kein stilles Jahr. Auch nicht fĂŒr deutsche Liedkunst. Viele suchten nach neuer Form. Wecker blieb seiner Linie treu. Aber er schĂ€rfte sie. Dieses Album zeigt es. Er bĂŒndelt sein Erbe. Und er richtet es neu aus. Nicht durch radikale BrĂŒche, sondern durch Konzentration. Mehr Kern. Weniger Dekor. Das passt zu seinem Alter damals. Es ist die Reife eines KĂŒnstlers, der weiß, was er lĂ€sst.

Vergleicht man frĂŒhere Live-Mitschnitte, erkennt man die Verdichtung. Es gibt weniger Beiwerk. Die Themen sind fokussiert. Die Pointen sitzen enger. Die GefĂŒhle sind roh, aber dosiert. Das ist Handwerk. Und es ist Haltung. Beides trĂ€gt dieses Werk.

Publikum als Partner, nicht als Kulisse

Der Applaus am Anfang ist ein Versprechen. Das Publikum ist Partner. Nicht Staffage. Es reagiert spĂŒrbar. Doch es drĂ€ngt sich nie vor. Man hört Respekt im Saal. Man hört das Lauschen. Das ist selten. Es zeugt von Vertrauen. Und es macht die Aufnahme warm. Gerade bei StĂŒcken wie „Die weiße Rose“ trĂ€gt das Schweigen.

In den heiteren Momenten ist das Echo wach. Ein Lacher zur rechten Zeit. Ein Raunen bei einer Wendung. Solche Kleinigkeiten geben dem Ton Körper. Sie erinnern daran, dass Liedkunst ein GesprÀch ist. Erst live wird es ganz. Diese CD fÀngt das gut ein.

StÀrken, SchwÀchen, Streitpunkte

Die StĂ€rken liegen klar. Sprache mit Biss. Musik mit Herz. Dramaturgie mit Sinn. Ein Sound, der NĂ€he sucht. Ein Pianist, der sein Instrument sprechen lĂ€sst. Ein Autor, der seine Themen trĂ€gt. All das fĂŒgt sich. Es ergibt einen Abend, der Sie nicht loslĂ€sst.

Gibt es SchwĂ€chen? Wer auf große Bandbreite im Klang hofft, wird sie vermissen. Die Reduktion ist Programm. Manchen mag das zu karg erscheinen. Auch der hohe Anteil an Sprechpassagen könnte polarisieren. Wer nur Melodie sucht, hakt hier aus. Doch gerade diese Mischung macht die Eigenart. Sie ist kein Mangel. Sie ist eine bewusste Wahl. Sie fordert Sie auf, zuzuhören. Nicht zu konsumieren. Das kann man lieben. Oder nicht. Aber es ist ehrlich.

Der Mut zum Pathetischen

Pathos ist ein Reizwort. Wecker nimmt es in Kauf. Er setzt es dosiert ein. Manche werden daran reiben. Doch er bleibt klar. Er rutscht nicht in Kitsch. Denn er hÀlt den Gegenpol: Ironie, derbe Bilder, konkrete Details. So bleibt der Boden fest. Hier zeigt sich Erfahrung. Sie spricht aus jeder Pause.

Wer Zynismus schÀtzt, wird wenig finden. Wer Empathie sucht, findet viel. Das ist die Achse, auf der dieser Abend dreht. Sie macht ihn eigen. Sie macht ihn nötig.

FĂŒr wen dieses Album gedacht ist

Wenn Sie Sprache lieben, sind Sie hier richtig. Wenn Sie NÀhe schÀtzen, auch. Wenn Sie politische Haltung suchen, ohne Parole, dann erst recht. Dieses Album belohnt Geduld. Es braucht Ihre Ohren. Es dankt es Ihnen mit WÀrme. Und mit Klarheit. Es ist nahbar. Es ist klug. Es ist frech, wenn es sein muss.

Wer neu in Weckers Werk ist, findet hier einen Einstieg. Er lernt alle Farben kennen. Liebe. Wut. ZĂ€rtlichkeit. Trotz. Humor. Alles da. Wer ihn schon lange hört, wird die Verdichtung schĂ€tzen. Sie ist das Geschenk dieser Aufnahme. Sie bĂŒndelt, ohne zu glĂ€tten.

Hören in einem Zug, oder in Etappen?

Am besten wirkt der Fluss am StĂŒck. Die Dramaturgie entfaltet sich dann voll. Doch einzelne Songs stehen auch fĂŒr sich. „Die weiße Rose“ trĂ€gt als SolitĂ€r. „StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz“ sowieso. Wer Zeit hat, hört alles. Wer wenig Zeit hat, wĂ€hlt Knotenpunkte. Und kehrt zurĂŒck. Denn dieses Album öffnet TĂŒren, die man erst beim zweiten Gang bemerkt.

Am Kopfhörer wirkt die NÀhe stÀrker. Im Raum bringt eine gute Anlage den Atem zur Geltung. Beides lohnt. Nehmen Sie sich Stille. Dann wirkt es tiefer.

Fazit: Ein Live-Album als poetischer Schutzraum

Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) ist ein Schutzraum. Nicht, weil es flieht. Sondern, weil es stĂ€rkt. Es bietet WĂ€rme gegen die KĂ€lte. Es bietet WĂŒrde gegen Spott. Es bietet Spiel gegen Starrheit. Es ist ein Abend, der hĂ€lt. Er hĂ€lt Widerspruch aus. Er hĂ€lt ZĂ€rtlichkeit hoch. Er hĂ€lt das GesprĂ€ch offen.

Als Dokument eines KĂŒnstlers im Jahr 2011 zeigt es Reife. Als Hörerlebnis im Jahr 2026 zeigt es Frische. Darin liegt seine GrĂ¶ĂŸe. Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) bleibt aktuell, weil es das Menschliche zentriert. Nicht die Schlagzeile. Nicht den Effekt. Sondern den Blick, den wir einander schenken. Genau so klingt Hoffnung, die nicht naiv ist.

Wer heute wissen will, wozu Chanson noch fĂ€hig ist, findet hier eine klare Antwort. Wer sich in stĂŒrmischen Zeiten Halt wĂŒnscht, auch. Dieses Album ist ein leiser Leuchtturm. Es fĂŒhrt nicht mit Sirene. Es fĂŒhrt mit Licht. Konstantin Wecker StĂŒrmische Zeiten, mein Schatz (live) erinnert daran, dass ein Lied mehr sein kann als Melodie. Es kann ein Zuhause auf Zeit sein. Und manchmal ist das alles, was wir brauchen.

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