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Reinhard Mey: Bunter Hund – Albumkritik und Hintergründe

Reinhard Mey Bunter Hund – Rezension, Highlights und Bewertung

Letztes Update: 07. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Album 'Bunter Hund' vor, analysiert Songs, Texte und Arrangements. Sie lesen eine ehrliche Kritik, erfahren, welche Stücke hervorstechen, wie Produktion und Stimme wirken und ob das Album überzeugt.

Reinhard Mey Bunter Hund – Vorstellung und Kritik eines späten Meisterstücks

Dieses Album öffnet eine Tür. Dahinter liegen Zeit, Gefühl und genaue Beobachtung. Der Künstler blickt zurück und schaut zugleich nach vorn. Es ist ein spätes Werk, doch es wirkt frisch. Die Veröffentlichung am 3. Mai 2007 fiel in eine Übergangszeit. CDs waren noch stark. Downloads wuchsen. Sie hören ein klares Statement: Stimme, Gitarre, Geschichten. Mehr braucht es kaum. Der Ton ist warm. Die Sprache bleibt nah am Alltag. Schon in den ersten Takten spüren Sie, wie sorgfältig hier gearbeitet wurde. Reinhard Mey Bunter Hund setzt auf Reduktion und Menschlichkeit.

Ein Album zwischen Rückblick und Gegenwart

Der Blick geht weit. Er geht über Kindheit, Arbeit, Stadt und Familie. Dazu kommt ein feiner Witz, der nicht wehtut. Die Lieder sind nicht laut. Sie sind ruhig. Sie bauen Nähe auf. Mey spricht in Bildern. Er zeigt Orte. Er führt Sie zu Figuren, die Ihnen vertraut vorkommen. Dabei ist vieles sehr persönlich, aber nie privatvoyeuristisch. Er wahrt Grenzen. Das ist klug und edel. Es bildet einen Rahmen, der dem Hören gut tut.

In dieser Balance liegt die Stärke. Ein Lied hält inne. Das nächste setzt einen Kontrapunkt. Leichte Nummern stehen neben ernsten Stücken. So entsteht ein Fluss. Sie hören kleine Szenen, die sich zu einem Bogen fügen. Es gibt kein Füllmaterial. Jedes Stück hat seinen Platz. Die Abfolge ist bedacht. Und doch wirkt das Album frei. Es atmet.

Was macht Reinhard Mey Bunter Hund besonders?

Der Titel suggeriert Vielfalt. Das hält die Platte ein. Reinhard Mey Bunter Hund beleuchtet viele Farben eines Lebens. Da sind Kindheitsbilder. Da sind Zweifel in der Mitte des Lebens. Da sind Miniaturen von Arbeit und Büro. Da sind Straßen und Bars. All diese Facetten werden zu Liedern, die nicht den Zeigefinger heben. Sie erzählen, beobachten, fragen. Das macht ihren Reiz aus. So entsteht Nähe. Sie können sich wiederfinden, auch wenn Ihr Weg ein anderer war.

Der Kontext von 2007

2007 war ein Jahr des Umbaus. Im Netz begann eine neue Kultur. Musik wurde mobiler. Doch hier hören Sie ein anderes Zeitgefühl. Es ist ein Gegenentwurf zur Eile. Songs dürfen atmen. Pausen haben Wert. Niedrige Dynamik ersetzt laute Verdichtung. Diese Haltung ist keine Nostalgie. Es ist eine bewusste Wahl. Sie passt zum Werk und zur Stimme. Gerade dadurch gewinnt das Album Zeitlosigkeit. Es setzt nicht auf Trends. Es setzt auf Haltung.

Auch politisch war die Lage bewegt. Aber die Platte sucht nicht den schnellen Kommentar. Sie sucht die Wurzel der Dinge. Sie fragt: Wo sitze ich in meinem Leben? Wen trage ich in mir? Was bleibt, wenn die Lichter ausgehen? Solche Fragen sind nie von Gestern. Sie wirken noch heute nach.

Die Produktion von Reinhard Mey Bunter Hund

Die Produktion ist schlank. Gitarre, Stimme, wenige Farben. Nichts drängt vor. Nichts lenkt ab. Reinhard Mey Bunter Hund zeigt, wie viel in kleinen Mitteln steckt. Das Klangbild ist klar. Die Stimme steht nah. Die Gitarre hat Luft. Sie hören Anschläge und Atem. Das setzt Intimität frei. Es ist, als säßen Sie im ersten Stuhl einer kleinen Bühne. Die Technik hält sich vornehm zurück. Sie dient dem Text. Sie dient dem Timing. Sie dient dem Bogen. So einfach, so stark.

Track-für-Track: Ein roter Faden im bunten Feld

Die 13 Stücke bilden Stationen. Jede Station öffnet ein anderes Fenster. Einige Lieder schauen auf das große Ganze. Andere richten den Blick auf kleine Details. Gemeinsam ergibt das ein Panorama. Es ist geprägt von Humor, Milde und stiller Kraft. Reinhard Mey Bunter Hund wirkt so wie ein Spaziergang durch bekannte Straßen. Vieles ist vertraut. Doch plötzlich sehen Sie etwas, das Sie nie bemerkt haben. So bleibt das Hören lebendig.

1. Sommer ’52

Der Einstieg geht zurück an den Anfang. Die Erinnerung ist hell, aber sie ist nicht kitschig. Der Text nimmt kleine Dinge ernst. Ein Geruch, ein Blick, eine Geste. Daraus wächst eine Welt. Die Musik bleibt zart. Sie trägt die Bilder, ohne sie zu bedrängen. So zeigt schon das erste Stück, wie Erinnerung hier gedacht ist. Nicht als Märchen. Als Suchbewegung. Reinhard Mey Bunter Hund startet damit sehr bewusst. Er sagt: Sehen Sie hin. Hören Sie genau. Es lohnt sich.

2. Der Fischer und der Boss

Dieses Lied ist eine Parabel. Ein einfacher Mensch trifft Macht und Geld. Der Ton bleibt freundlich, aber der Kern ist hart. Es geht um Maß. Es geht um Würde. Die Story ist klar und schnörkellos. Die Moral kommt nicht mit Druck. Sie entsteht aus der Szene. Das macht den Text glaubhaft. Reinhard Mey Bunter Hund setzt hier auf das alte Mittel der Fabel. Es wirkt, weil es nah am Alltag bleibt. Das Meer ist groß, doch die Frage ist klein und konkret: Was brauche ich wirklich?

3. Wotan und Wolf

Hier zieht ein Mythenhauch ein. Der Song spielt mit Figur und Symbol. Dabei bleibt der Ton modern. Ironie mischt sich in die Bilder. Es geht um Rollen, um Blicke, um Masken. Das Stück ist dichter als andere. Doch es bleibt zugänglich. Die Gitarre führt sicher durch die Strophen. Der Refrain erdet die Idee. Der Track öffnet eine andere Tür im Haus der Platte. Er erweitert die Palette, ohne den Fluss zu brechen.

4. Bunter Hund

Der Titelsong ist eine Selbstbeschreibung, aber auch mehr. Er ist eine Hymne auf das Anderssein. Er feiert Ecken und Kanten. Der Ton ist spielerisch. Doch die Botschaft sitzt. Sie hören den Mut, nicht zu glätten. Sie hören den Spaß, nicht zu passen. Der Song gibt der Platte ihr Motto. Reinhard Mey Bunter Hund zeigt darin Haltung. Kein Trotz, sondern Freiheit. Kein Lärm, sondern ein klares Lächeln. Das ist sehr ansteckend.

5. Ich bin verliebt in meine Sekretärin

Die Nummer ist leicht, aber nicht billig. Sie spielt mit Büroalltag. Sie zeigt, wie Begehren und Pflicht tanzen. Ein Blick, ein Missverständnis, ein innerer Monolog. Das Lied lächelt, ohne zu spotten. Es hat Timing und Charme. Der Text bleibt respektvoll, aber er kennt die Fallstricke. Ein kleiner Slapstick für die Ohren, sehr genau gebaut. Solche Leichtigkeit braucht Mut und Taktgefühl.

6. Drei Kisten Kindheit

Wichtiges Thema, schlicht erzählt. Drei Kisten reichen, um ein Leben aufzurufen. Ein Foto, ein Stück Holz, ein Fußball. Die Dinge tragen Erinnerungen. Das Lied fragt nach dem Platz, den wir unserer Herkunft geben. Was bleibt im Regal? Was landet im Keller? Was tragen wir jeden Tag bei uns? Es ist ein ruhiges Stück. Es drängt sich nicht auf. Genau dadurch geht es unter die Haut.

7. Drei Jahre und ein Tag

Hier klingelt die Uhr. Zeit ist ein strenger Partner. Das Stück vermisst Tage und Wege. Es zählt nicht kalt. Es spürt. Es prüft, was gewachsen ist und was verflogen. Die Gitarre zieht weite Bögen. Die Stimme hält das Maß. Vieles steht zwischen den Zeilen. Das macht die Wirkung groß. Sie merken, wie der Song nachklingt, noch lange nach dem letzten Akkord.

8. Danke, liebe gute Fee

Ein Wunschlied, aber auf dem Boden. Es spricht aus, wofür man dankbar ist. Nicht nur große Taten, auch kleine Gnaden. Der Ton ist herzlich. Kein Zuckerguss, kein Überschwall. Einfach Dank. Das ist mutig in einer lauten Zeit. Das Lied lädt Sie ein, selbst zu zählen. Was ist da, wenn es still wird? Sie werden staunen, wie viel das sein kann.

9. Ich brauche einen Sommelier

Eine elegante Satire. Hier trifft gutes Leben auf Unsicherheit. Wer kennt sich aus? Wer entscheidet, was gut ist? Der Text spielt mit Etiketten und großer Geste. Gleichzeitig gibt er zu: Niemand weiß wirklich alles. Ein freundliches Augenzwinkern in Richtung Expertenkult. Handwerklich sauber gesetzt. So wirkt der Witz lange nach. Und er trifft sehr genau.

10. Friedrichstraße

Ein Lied über Ort und Zeit. Die Straße ist Bühne und Spiegel. Hier kreuzen sich Wege. Geschichte liegt in den Fugen. Das Stück malt mit wenigen Strichen. Es braucht keine Chronik. Ein paar Bilder genügen. Sie spüren die Stadt, den Ton, die Luft. Reinhard Mey Bunter Hund zeigt damit, wie stark Orte in uns arbeiten. Sie tragen Gerüche, Stimmen, Klang. Dieses Lied macht das hörbar.

11. Kai

Ein persönliches Porträt, sehr fein gezeichnet. Der Song behält Distanz und Nähe zugleich. Es geht um Bindung, Sorge, Stolz. Es geht um das, was wir weitergeben. Die Melodie bleibt schlicht. Der Text geht sorgsam mit jedem Wort um. Ein stiller Höhepunkt der Platte. Reinhard Mey Bunter Hund gewinnt hier sehr an Tiefe. Das Lied lässt wenig Raum für Zynismus. Es ist ernst und hell zugleich.

12. Große Schwester

Ein Familienstück mit Herz und Witz. Die Figuren wirken real. Sie sprechen, wie Menschen sprechen. Das macht den Reiz. Es geht um Schutz und Reibung, um Nähe und eigene Wege. Der Song erkennt an, dass Liebe Platz lässt. Er packt das Thema nicht an der Keule. Er bleibt milde. So wird das Stück zu einem kleinen Geschenk.

13. Schraders Filmpalast

Ein Kino als Zeitmaschine. Licht, Schatten, roter Samt. Popcorn und Projektion. Das Lied fängt das Ritual des Schauens ein. Es zeigt, wie Bilder ein Leben begleiten. Der Ton ist liebevoll, nicht museal. Am Ende dämmert: Wir alle tragen solche Paläste in uns. Orte, die größer sind als ihre Mauern. Ein schöner Schluss. Er lässt die Bilder weiterlaufen, wenn das Album schon zu Ende ist.

Zwischen Lächeln und Wehmut: Die Emotionen im Gleichgewicht

Diese Platte hält beides zusammen. Sie lächelt, doch sie kennt den Schmerz. Das eine hebt das andere. Es entsteht kein Kitsch, weil die Balance stimmt. Sie merken es im Klang der Stimme. Die Freude ist nie schrill. Die Trauer ist nie schwer. Alles bleibt beweglich. Reinhard Mey Bunter Hund nutzt dieses Gleichgewicht als Methode. Es macht die Lieder freundlich und stark. Und es lässt Sie am Ende leichter zurück, aber nicht leichterfertig.

Politische Zwischentöne ohne Plakat

Es gibt klare Haltungen, aber keine Losungen. Die Songs arbeiten mit Geschichten, nicht mit Thesen. Sie spüren Gerechtigkeitssinn und Skepsis gegenüber Posen. Das ist leise, doch es ist deutlich. Der Fischer, der Boss, die Straße, das Büro: Das sind Bühnen für Macht und Alltag. Sie müssen nicht laut werden, um Punkt zu machen. Reinhard Mey Bunter Hund zeigt, wie klug leiser Protest sein kann. Er setzt auf Empathie. Er setzt auf Fragen statt auf Parolen.

Erzählkunst und das Vertrauen in kleine Formen

Die Stücke sind oft Miniaturen. Doch sie tragen viel. Ein Gegenstand genügt. Ein Ort genügt. Eine Geste genügt. Daraus wächst ein Bild. Das braucht Handwerk. Das braucht Mut zum Weglassen. Diese Kunst macht die Platte groß. Sie spüren, wie jeder Schnitt sitzt. Keine Überlänge, kein Zierwerk. Reinhard Mey Bunter Hund lebt vom Takt der Sätze, vom Atem der Pausen. So wird aus wenigen Mitteln eine große Welt.

Im Werk verortet: Die späte Phase, die reif klingt

Im großen Katalog des Künstlers ist dieses Album ein Fixpunkt. Es trägt Spuren früherer Jahre. Es nimmt Themen wieder auf und führt sie weiter. Vieles wirkt geläutert. Der Zorn ist leiser. Der Blick ist weiter. Das macht die Platte zu einem reifen Statement. Sie müssen die frühen Jahre nicht kennen, um das zu hören. Doch wenn Sie es tun, erkennen Sie Linien. Reinhard Mey Bunter Hund steht als später Meilenstein. Es zeigt, dass Ruhe keine Schwäche ist, sondern eine Wahl.

Rezeption und Wirkung: Warum diese Lieder bleiben

Das Album hat seinen Platz bei Publikum und Kritik gefunden. Es läuft nicht leer. Es wächst mit jedem Hören. Das liegt an der Klarheit. Es liegt an der Wärme. Es liegt an der Ehrlichkeit der Geschichten. Vieles davon wirkt live noch einmal anders. Doch schon die Studiofassung hat Raum. Sie lässt Sie hinein. Reinhard Mey Bunter Hund gewann so neue Hörerinnen und Hörer. Und es band treue Fans noch fester. Beides spricht für die Kraft der Lieder.

Höranleitung: Wie Sie tiefer in diese Platte eintauchen

Geben Sie dem Album Zeit. Hören Sie es am Stück. Lassen Sie Pausen zu. Die Abfolge hat Sinn. Wenn möglich, hören Sie mit guten Kopfhörern. Dann hören Sie Atem, Holz und Saite. Lesen Sie vielleicht die Trackliste, bevor Sie starten. Spüren Sie dann, wie die Orte und Figuren sich zeigen. Notieren Sie ein Bild, das bleibt. Ein Gegenstand. Ein Satz. Beim zweiten Hören sehen Sie mehr. Beim dritten hören Sie noch mehr. So arbeitet dieses Werk.

Format, Dauer und Bauweise

Die Veröffentlichung als Digital Media mit 13 Tracks war zur Zeit ein klares Signal. Das Album passt gut in die aufkommende Streaming-Welt. Die Stücke sind kompakt. Keines braucht Überbau. Trotzdem bildet sich ein Zyklus. Die Längen sind wohl dosiert. Kurze Nummern wechseln mit längeren Erzählstücken. Das hält die Spannung. Und es verhindert Ermüdung. Jeder Song hat einen eigenen Puls. Zusammen schlägt ein großes Herz.

Fazit: Ein buntes Mosaik mit klarer Handschrift

Am Ende bleibt ein Eindruck von Wärme und Genauigkeit. Das Album ist kein Feuerwerk. Es ist eine Glut. Es hält lange. Es gibt Licht ab, ohne zu blenden. Die Lieder laden ein, neu hinzusehen. Auf Dinge, die wir oft übersehen. Auf Menschen, die neben uns gehen. Auf Zeit, die uns formt. Reinhard Mey Bunter Hund fasst all das klug zusammen. Es ist ein ruhiges Meisterstück. Es ist ein Album für heute. Und für morgen noch mehr.

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