Letztes Update: 07. Februar 2026
Diese Rezension beleuchtet das Livealbum 'dann mach's gut: live' von Reinhard Mey. Sie lesen, welche Lieder berĂŒhren, wie die Live-AtmosphĂ€re wirkt und wo Arrangements oder Stimme Kritik verdienen. Ein Fazit nennt StĂ€rken und SchwĂ€chen.
Wer heute Musik auf der BĂŒhne erlebt, erwartet oft Spektakel. Doch manchmal wirkt ein ruhiger Abend stĂ€rker. Ein Mensch. Eine Gitarre. Eine Stimme, die eine Geschichte trĂ€gt. Genau darin liegt die Kraft dieses Auftritts. Die Lieder atmen und die Pausen sprechen. So legt sich das Konzert auf das Herz der Zeit. Es nimmt Tempo heraus. Es setzt auf Vertrauen. Vertrauen in Worte und in AtmosphĂ€re.
In diesem Rahmen strahlt ein Werk wie Reinhard Mey dann mach's gut: live. Es zeigt, was Reduktion kann. Es zeigt, wie Erinnerung und Gegenwart sich die Hand geben. Und es zeigt, wie sehr ein klarer Blick tröstet. Leise Töne sind hier keine SchwÀche. Sie sind eine Entscheidung. Sie sind Kunst.
Das Album erschien am 1. Mai 2015. Es ist nicht nur ein Mitschnitt. Es ist ein Dokument spĂ€t gewonnener Ruhe. Die Auswahl der Lieder fĂŒhlt sich bewusst an. Die Dramaturgie ist sorgfĂ€ltig gebaut. Es ist das Bild eines KĂŒnstlers, der auf sein Werk schaut. Ohne Wehmut, doch mit WĂ€rme.
Reinhard Mey dann mach's gut: live bĂŒndelt viele Jahre Schreiben. Es verbindet alte Klassiker mit neuen StĂŒcken. Es ist eine BrĂŒcke zwischen Lebensphasen. Der Abend wird zum ErzĂ€hlraum. Die BĂŒhne wird zum Wohnzimmer fĂŒr alle, die zuhören wollen.
Das Jahr 2015 markiert eine spĂ€te Schaffenshöhe. Die politische Lage war rau. Die Welt war laut. Und doch kam dieses leise Statement. Es wirkt wie eine Einladung. Sie dĂŒrfen zur Ruhe kommen. Sie dĂŒrfen hinschauen. Sie dĂŒrfen sich berĂŒhren lassen.
Gerade im Kontrast zu schnellen Medien wirkt Reinhard Mey dann mach's gut: live wie ein Gegenentwurf. Kein Effekt. Kein Ăberfluss. Nur Stimme und Gitarre. Das ist Programm. Das ist Mut. Und es wirkt.
Das Konzert liegt als Doppelalbum vor. Die erste CD fĂŒhrt hinein. Elf StĂŒcke spannen den Bogen vom Lockeren zum Intimen. Es beginnt mit âNâAbendâ. Ein GruĂ, ein LĂ€cheln, ein Ankommen. Danach tauchen Sie tiefer. âFreundliche Gesichterâ und âSpielmannâ öffnen den Raum. SpĂ€ter stehen âDer Bikerâ und âGute KĂŒhe kommen in den Himmelâ fĂŒr die hellen Momente. Humor trĂ€gt hier Erkenntnis. Zum Schluss der ersten CD klingt âLass nun ruhig los das Ruderâ. Es ist ein stiller Abschied auf Zeit. Ein Halten im Loslassen.
Die zweite CD weitet den Blick. Dreizehn Lieder fĂŒgen den Kanon hinzu. âDas Narrenschiffâ wirkt wie eine Mahnung. âFahr dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzenâ bringt zarte Bilder. âĂber den Wolkenâ atmet erneut groĂe Freiheit. Am Ende steht âGute Nacht Freundeâ. Das ist ein Ritual. Ein friedlicher Segen fĂŒr den Heimweg. In diesem Rahmen entfaltet Reinhard Mey dann mach's gut: live seine gesamte Spannweite.
Live-Alben stehen und fallen mit dem Klang. Hier ist er trocken, klar und warm. Die Gitarre trÀgt nicht zu viel Hall. Die Stimme sitzt vorne. Man hört das Atmen. Man hört ein leises LÀcheln in manchen Silben. Das Publikum reagiert, doch es drÀngt nicht in den Vordergrund. Applaus und Lachen sind Teil des Raums. Aber sie stören nicht den Fluss.
Dieses Gleichgewicht ist selten. Es lĂ€sst NĂ€he zu. Es schafft IntimitĂ€t. Und doch bleibt es ein Saal. Diese Balance stĂŒtzt die Poesie. So kann Reinhard Mey dann mach's gut: live auch zu Hause wie ein echter Abend wirken. Es fĂŒhlt sich nicht wie ein Produkt an. Es fĂŒhlt sich wie eine Begegnung an.
âNâAbendâ ist ein behutsamer Einstieg. Der Ton ist freundlich. Er sagt: Hier wird niemand ĂŒberfahren. Hier hört man zu. Danach streckt âFreundliche Gesichterâ die Hand zum Saal. Es ist ein Lied ĂŒber Zugewandtheit. Die Stimme wirkt dabei gelöst. Man hört die Erfahrung vieler Abende. Das Tempo bleibt ruhig. Das schafft Vertrauen.
âSpielmannâ zeigt dann die alte Schule des ErzĂ€hlens. Ein Bogen, eine Figur, ein Weg. Die Gitarre webt ein feines Muster. Kein unnötiger Zierrat. Alles dient dem Wort. Mit âWolleâ und âWenn du bei mir bistâ kippt die Stimmung in leises GlĂŒck. Es ist persönlicher, nĂ€hert sich leisem Trost. Sie werden nicht ĂŒberfordert. Sie dĂŒrfen mitgehen, Schritt fĂŒr Schritt. So fĂŒhrt Reinhard Mey dann mach's gut: live durch die GefĂŒhle eines Abends.
âDer Bikerâ ist der groĂe komische Moment. Ăber acht Minuten lang spielt Mey mit Bildern. Er gönnt sich Kurven und Blicke. Das Publikum dankt es mit Lachen. Die Pointe sitzt. Doch nie fĂ€llt der Respekt fĂŒr die Figur. Humor ist hier Menschenkunde. âGute KĂŒhe kommen in den Himmelâ hĂ€lt dieses Licht. Es wirkt verspielt, nicht flach. Das trĂ€gt die Dramaturgie. Danach dĂŒrfen Sie wieder still sein. âAlter Freundâ und âDanke, liebe gute Feeâ rĂŒcken NĂ€he und Dank in den Fokus. Und âLass nun ruhig los das Ruderâ spannt den Bogen weiter. HinĂŒber zur Nacht, aber ohne Dunkel.
Mit âDas Narrenschiffâ bekommt der Abend eine Kante. Das Lied geht an die Substanz. Es hĂ€lt der Gegenwart den Spiegel hin. Die Live-Version ist nicht schrill. Sie ist fest. Genau das macht sie stark. Danach öffnet âFahr dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzenâ die TĂŒr zur ZĂ€rtlichkeit. Bilder wie Lichtpunkte fĂŒhren Sie. Die Gitarre bleibt ruhiger Puls. Das zeigt die Spannweite, die Reinhard Mey dann mach's gut: live trĂ€gt.
âKleiner Kameradâ und âVaters Mantelâ greifen Erinnerungen auf. Beide Lieder sprechen in einfachen Worten. Doch sie berĂŒhren tief. Sie erzĂ€hlen von Schutz, vom Ălterwerden, von jener Last, die auch eine Gnade ist. âLilienthals Traumâ ist dann Aufbruch. Es fliegt, doch in sanfter Weise. Danach kommt âĂber den Wolkenâ. Es ist kein PflichtstĂŒck, sondern eine Heimkehr. Ein Lied, das alle kennen, wird wieder neu. Nicht, weil es anders wĂ€re. Sondern weil die Stimme heute eine andere Zeit trĂ€gt. So atmet das Bekannte frische Luft. Und genau darin liegt die Kraft von Reinhard Mey dann mach's gut: live.
Zum Schluss kommen Lieder, die wie Signaturen wirken. âEin StĂŒck Musik von Hand gemachtâ ist Programm. Es feiert das Handwerk. âMan kann nicht immer nur die Wahrheit sagenâ stellt eine kluge Frage. âViertel vor siebenâ schenkt ein Bild vom Alltag. Und âGute Nacht Freundeâ schlieĂt den Raum. Es ist ein einfaches Ende. Aber es ist perfekt. Sie gehen leise in die Nacht hinaus. Und der Abend bleibt.
Reinhard Mey schreibt mit klaren Bildern. Er verzichtet auf groĂe Gesten. Seine Zeilen wirken wie vertraute Wege. Sie fĂŒhren Sie durch Lachen, durch Zweifel, durch Trost. Der Witz ist nie nur Pointe. Er ist Beobachtung. Er ist Anteilnahme. In âDer Bikerâ fĂŒhlt man das deutlich. In âGute KĂŒhe kommen in den Himmelâ ebenso. Es wird nicht nach unten getreten. Es wird hingesehen. Diese Haltung prĂ€gt das ganze Album.
Gleichzeitig trĂ€gt die Sprache Verantwortung. âDas Narrenschiffâ zeigt das. Es klagt nicht bloĂ an. Es benennt. Es öffnet einen Raum, in dem Sie selbst denken. Genau das macht Reinhard Mey dann mach's gut: live so zeitlos. Es sagt nicht, wie Sie fĂŒhlen sollen. Es lĂ€dt Sie ein, es zu fĂŒhlen.
Die Gitarre ist mehr als Begleitung. Sie spricht mit. Sie legt Teppiche, setzt Akzente und stĂŒtzt das Wort. Mey spielt sauber, ruhig, unaufgeregt. Keine Effekthascherei. Aber die Details sitzen. Wechsel in den Tonarten, kleine LĂ€ufe, ein gezielter Bass. Das bringt Tiefe in die Schlichtheit. So wirkt die Musik nie karg. Sie wirkt konzentriert.
Auf der BĂŒhne ist das ein Versprechen. Jede Note muss tragen. Das tut sie. Auch auf der Aufnahme bleibt das spĂŒrbar. Die Saiten haben Körper. Der Anschlag hat Charakter. Darin liegt der Reiz von Reinhard Mey dann mach's gut: live. Es ist Handwerk im besten Sinn. Es ist Musik, die atmet.
Das Publikum ist prĂ€sent, doch es greift nicht in die FĂŒhrung ein. Es reagiert, lacht, fĂŒhlt mit. Es singt nicht mit, es feiert nicht laut. Es hört zu. Das ist nicht selbstverstĂ€ndlich. Es spricht fĂŒr die Spannung im Raum. Es spricht fĂŒr das Vertrauen in die leisen Töne.
Die Abmischung spiegelt das. Man spĂŒrt die GröĂe des Saals, aber nicht den Hall. Man hört NĂ€he, doch kein FlĂŒstern in den Reihen. Das ist gut gemacht. So können Sie das Konzert hören, als sĂ€Ăen Sie in der Mitte des Parketts. Das stĂ€rkt die Wirkung von Reinhard Mey dann mach's gut: live. Es macht den Abend wiederholbar, ohne ihn zu entzaubern.
WorĂŒber handelt dieser Abend? Ăber Vertrauen. Ăber Mut. Ăber den Lauf der Jahre. Freundschaft zieht sich wie ein Band durch viele Lieder. âAlter Freundâ ist dafĂŒr ein deutlicher Anker. Dankbarkeit klingt oft mit. âDanke, liebe gute Feeâ legt das offen. Auch der Umgang mit Enden ist wichtig. âLass nun ruhig los das Ruderâ und âGute Nacht Freundeâ machen das sanft sichtbar.
Dazwischen stehen Fragen nach Verantwortung. âDas Narrenschiffâ berĂŒhrt Politik und Moral. âMan kann nicht immer nur die Wahrheit sagenâ rĂŒckt das Dilemma zwischen Klarheit und Takt in die Mitte. Dazu kommt die Liebe zur Freiheit. âĂber den Wolkenâ bleibt das Sinnbild dafĂŒr. Diese Spannweite macht Reinhard Mey dann mach's gut: live reich. Es ist kein Themenabend. Es ist ein Lebensabend.
Viele der StĂŒcke sind aus dem Studio bekannt. Live gewinnen sie eine dritte Dimension. Die Tempi sind leicht anders. Die Silben bekommen Atem. Das macht die Lieder nicht neu. Aber es macht sie gegenwĂ€rtig. Das ist fĂŒr diese Art Musik entscheidend.
Man kann sagen: Das Studio gibt Form. Die BĂŒhne gibt Seele. In dieser Aufnahme zeigt sich beides in Balance. Die Lieder sind prĂ€zise. Doch der Moment bleibt spĂŒrbar. Genau deshalb lohnt sich Reinhard Mey dann mach's gut: live auch fĂŒr Kenner der Studiofassungen. Es ist keine Doppelung. Es ist eine ErgĂ€nzung.
Wo liegt die SchwĂ€che? Manchmal in der Dauer. âDer Bikerâ streckt den Witz recht weit. Wer den Humor nicht teilt, fĂŒhlt hier LĂ€nge. Auch die Dichte der ruhigen StĂŒcke auf der ersten CD kann ermĂŒden. Es sind viele sanfte Töne nacheinander. Wer mehr BrĂŒche sucht, wĂŒnscht sich ein hĂ€rteres Gegengewicht.
Die Abmischung setzt stark auf PrÀsenz der Stimme. Das ist folgerichtig. Doch es nimmt der Gitarre in manchen Momenten etwas Luft. Ein Hauch mehr Raum auf den Saiten hÀtte gut getan. Das sind Details. Sie Àndern den Kern nicht. Reinhard Mey dann mach's gut: live bleibt ein starkes Live-Dokument. Aber es ist gut, diese Punkte zu benennen.
Zum Ankommen empfiehlt sich âNâAbendâ. Es ist warm und offen. Danach âFreundliche Gesichterâ. Es fĂ€ngt den Ton des Abends gut ein. Als Kontrast eignet sich âDas Narrenschiffâ. Es erdet. Es fordert. Weiter geht es mit âVaters Mantelâ. Dieses Lied berĂŒhrt ohne Pathos. Als Höhepunkt im klassischen Sinn steht âĂber den Wolkenâ. Es trĂ€gt die Weite und bleibt doch intim. Zum Schluss darf âGute Nacht Freundeâ nicht fehlen. Es ist das Siegel des Abends.
Wer den Humor schĂ€tzt, sollte âDer Bikerâ hören. Wer die zarten Bilder liebt, greift zu âFahr dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzenâ. So baut sich ein Bogen, der das Album treu spiegelt. Genau so entfaltet sich Reinhard Mey dann mach's gut: live im Ohr.
Dieses Album zeigt, wie viel Kraft in Einfachheit liegt. Es ist reich, ohne zu prunken. Es ist klug, ohne zu dozieren. Es ist warm, ohne sĂŒĂ zu werden. Das ist selten. Und es ist kostbar. Darum lohnt sich Reinhard Mey dann mach's gut: live fĂŒr Neulinge wie fĂŒr Kenner. Es fasst ein Lebenswerk, ohne es zuschnĂŒren.
Sie bekommen keine Show. Sie bekommen einen Abend. Sie bekommen Zeit. Und Sie bekommen Worte, die tragen. In lauten Jahren fĂŒhlt sich das wie ein Geschenk an. Als Dokument bleibt dieses Live-Album nah am Menschen. Es schenkt Vertrauen in das Lied. Es schenkt Vertrauen in das Zuhören. Und genau das braucht Musik heute vielleicht am meisten.
Die Auswahl der StĂŒcke erzĂ€hlt eine Biografie. Sie zeigt AnfĂ€nge, Wege und Etappen. Sie ist frei von Eitelkeit. Stattdessen spĂŒrt man Verantwortung. Verantwortung fĂŒr Sprache. Verantwortung fĂŒr Haltung. So klingt ein KĂŒnstler, der weiĂ, was er sagen will. Und der weiĂ, wie wenig es dafĂŒr braucht.
Gerade darin liegt die GröĂe von Reinhard Mey dann mach's gut: live. Es ist ein Abend zum Wiederhören. Es ist ein Abend zum Mitnehmen in leise Stunden. Und es ist ein Abend, der bleibt, auch wenn der letzte Applaus schon lange verklungen ist.
Reinhard Mey ist ein Name, der in der deutschen Musikszene tief verwurzelt ist. Sein Album "dann mach's gut: live" zeigt einmal mehr seine beeindruckende FÀhigkeit, Geschichten zu erzÀhlen und Emotionen zu wecken. Diese Live-Aufnahme fÀngt die Magie seiner Auftritte ein und lÀsst Sie die AtmosphÀre eines Konzerts von Mey direkt in Ihrem Wohnzimmer erleben. Wenn Sie ein Fan von Singer-Songwritern sind, wird dieses Album Sie sicherlich begeistern.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Reinhard Mey ist das Album "Reinhard Mey Die 20 groĂen Erfolge". Diese Sammlung bietet einen umfassenden Ăberblick ĂŒber seine Karriere und enthĂ€lt viele seiner bekanntesten Lieder. Es ist eine groĂartige ErgĂ€nzung zu "dann mach's gut: live" und zeigt die Vielfalt und Tiefe seines musikalischen Schaffens.
Ein weiterer KĂŒnstler, der in der deutschen Musikszene eine wichtige Rolle spielt, ist Hannes Wader. Sein Album "Kein Ende in Sicht" ist ein weiteres Beispiel fĂŒr die hohe Kunst des Singer-Songwritings. Wader und Mey teilen viele Gemeinsamkeiten, darunter die FĂ€higkeit, mit ihren Texten tief zu berĂŒhren und zum Nachdenken anzuregen. Wenn Sie Meys Musik mögen, wird Ihnen auch Waders Werk gefallen.
Ein weiteres Highlight ist das Album "Reinhard Mey 20.00 Uhr". Dieses Album zeigt Meys ungebrochene KreativitÀt und sein Talent, auch nach vielen Jahren im MusikgeschÀft immer wieder neue und bewegende Songs zu schreiben. Es ist eine perfekte ErgÀnzung zu "dann mach's gut: live" und zeigt, dass Mey auch heute noch einer der bedeutendsten Singer-Songwriter Deutschlands ist.