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Reinhard Mey Farben – Albumvorstellung und Kritik

Reinhard Mey Farben: Albumvorstellung und Kritik

Letztes Update: 10. Februar 2026

Reinhard Mey Farben stellt das neue Album vor: Der Liedermacher bietet poetische Texte, klare Melodien und intime Arrangements. Der Beitrag analysiert einzelne Songs, wĂŒrdigt Meys Sprachkunst, kritisiert LĂ€ngen und ordnet das Album in sein ƒuvre ein.

Vorstellung und Kritik des Albums Farben von Reinhard Mey

Ein Album zwischen Umbruch und IntimitÀt

Im FrĂŒhjahr 1990 stand vieles Kopf. Die Menschen waren in Bewegung. Grenzen fielen. StĂ€dte wuchsen zusammen. In diese Zeit hinein erschien ein Album, das Ruhe und Blick bewahrt. Es heißt Farben. Die Lieder klingen leise, doch sie greifen weit. Sie streifen Politik und Alltag. Sie besuchen KĂŒche, Dorfplatz und Flugplatz. Sie halten Momente fest, die sonst rasch verfliegen. Genau darin liegt die Kraft. Reinhard Mey baut kleine Szenen. Er zeigt GefĂŒhle, ohne LautstĂ€rke. Er setzt auf NĂ€he. So trifft dieses Werk den Nerv der Zeit. Es fĂ€ngt UmbrĂŒche ein. Es schĂŒtzt zugleich das Private. Der Ton bleibt menschlich. Darum bleibt das Album lebendig. Darum trĂ€gt es lange. Es lĂ€dt Sie ein, die eigenen Bilder zu prĂŒfen. Es fordert mehr als nur Zuhören. Es fordert Mitdenken.

Viele Alben aus jener Phase klingen heute wie FundstĂŒcke. Dieses Album wirkt anders. Es steht ruhig da. Es altert gut. Das liegt an Form und Stimme. Es liegt auch an der Haltung. Es kennt Ironie, aber kein Zynismus. Es kennt Schmerz, aber keine Pose. Und es kennt Humor, der ohne HĂ€me auskommt. Das ist selten. Das ist ein Grund, warum Reinhard Mey Farben bis heute GesprĂ€che anstĂ¶ĂŸt.

Reinhard Mey Farben im Überblick

Reinhard Mey Farben erschien am 1. April 1990. Es ist eine CD mit zwölf Liedern. Die Spielzeiten reichen von gut zwei bis ĂŒber sechs Minuten. Die Dramaturgie ist bewusst. Lange StĂŒcke rahmen die Platte. KĂŒrzere setzen Akzente dazwischen. Der Auftakt trĂ€gt die Stadt im Titel. Der Schluss heißt schlicht Wir. Dazwischen schimmern Orte, Gesichter und Haltungen. Die Songtitel sind klar und direkt. Sie klingen wie kleine Geschichten, die Sie sofort wiedererkennen. Hier schwingt eine Idee mit: Das Große zeigt sich im Kleinen. Der Alltag ist die BĂŒhne. Der Ton bleibt persönlich.

Das Herz der Platte ist die Stimme und die Gitarre. Dazu treten sparsam eingesetzte Farben. Ein Piano hier. Ein zarte StreicherflĂ€che dort. Nichts ist ĂŒberladen. Viel ist bewusst leer. Diese Leere atmet. Sie schafft Raum fĂŒr Ihre eigenen Bilder. Genau so funktioniert Reinhard Mey Farben. Es nimmt Sie ernst. Es erklĂ€rt nicht mehr als nötig. Es lĂ€dt ein, das Unsichtbare mitzuhören.

Klang, Produktion und die Kunst des Weglassens

Die Produktion setzt auf Klarheit. Die Gitarre steht weit vorn. Sie klingt warm. Die Stimme ist nah. Sie trĂ€gt Nuancen und kleine AtemzĂŒge. Effekte gibt es kaum. Alles soll natĂŒrlich bleiben. Das spielt dem ErzĂ€hler in die HĂ€nde. Denn die Worte sind das Zentrum. Die Struktur der Lieder folgt meist dem vertrauten Muster. Strophe, Refrain, kleine Bridge. Doch es gibt Variationen im Fluss. Tempi wechseln dezent. Manche Lieder dehnen die Zeit. Andere drĂ€ngen voran. Diese Spannungen halten das Ohr wach. Sie fĂŒhren behutsam durch das Programm. Wo ein Bild wirkt, bleibt die Musik im Dienst. Das ist Handwerk. Das ist Erfahrung. So entsteht eine Einheit aus Klang und Text, die trĂ€gt.

Auch das Mastering ist zurĂŒckhaltend. Die Platte zielt nicht auf Radio-Lautheit. Sie zielt auf Raum. Sie dĂŒrfen leiser hören und bleiben doch nah dran. Dieser Ansatz passt zum Charakter. Er bewahrt die IntimitĂ€t. Er erhöht zugleich die Wirkung einzelner Zeilen. Nichts lenkt ab. Vieles bleibt im GedĂ€chtnis. Genau deshalb fĂŒhlt sich Reinhard Mey Farben vertraut an, auch wenn Sie es lange nicht gehört haben.

Themen, Motive und der Blick durchs KĂŒchenfenster

Die Lieder spannen einen weiten Bogen. Stadt und Land. Politik und Familie. Krieg und Frieden. Humor und Melancholie. Doch die Form bleibt schlank. Mey meidet die große Geste. Er sucht das kleine Zeichen. Er zeigt Schilder, GerĂŒche, Blicke. Daraus baut er eine Welt, die Sie kennen. Das macht seine Themen nahbar. Sie erkennen Muster. Sie erkennen aber auch BrĂŒche. Die Platte ist voll von Szenen, die kippen können. Ein netter Abend bekommt Tiefe. Ein Witz zeigt eine Grenze. Eine Abstimmung wird zum Spiegel. So entsteht eine Art moralischer Kartografie. Nicht als Predigt. Als Einladung, genauer hinzusehen.

Wichtig ist der Wechsel im Ton. Ein Lied lacht. Das nĂ€chste hĂ€lt den Atem an. Ein drittes fĂŒhrt Sie aufs Land. Ein viertes in die Stadt. Diese Dramaturgie öffnet das Feld. Sie hĂ€lt die Spannung. Sie zeigt die Farben eines Lebens, das aus GegensĂ€tzen lebt. Genau darin liegt der Reiz von Reinhard Mey Farben.

Track-fĂŒr-Track: Höhepunkte und Reibungen

Mein Berlin

Der Auftakt dauert ĂŒber sechs Minuten. Das ist mutig. Es lohnt sich. Das StĂŒck blickt auf eine Stadt im Wandel. Es blickt aber auch auf ein eigenes Leben. Erinnerungen mischen sich mit der Gegenwart. Das Lied malt nicht. Es skizziert. Die Linien bleiben klar. Die Gitarre begleitet in ruhigen Wellen. Kleine harmonische Wendungen setzen Lichter. Der Text lĂ€sst Platz. Sie fĂŒllen ihn mit Ihren eigenen Wegen durch Straßen und Jahre. So wird die Stadt zur Metapher. Sie steht fĂŒr Bindung und Bruch. FĂŒr Heimat und Bewegung. Der Einstieg setzt den Ton fĂŒr das Album. Er verspricht Zeit. Er verspricht Genauigkeit. Er hĂ€lt beides ein.

Wahlsonntag

In diesem kurzen StĂŒck geht es um Haltung. Es geht um den Gang zur Urne. Es geht aber mehr noch um Zweifel und PflichtgefĂŒhl. Die Melodie ist flĂŒssig. Der Witz ist mild, aber gezielt. Es geht nicht um Parolen. Es geht um den Moment, in dem Sie sich prĂŒfen. Was zĂ€hlt? Was trage ich mit? Die Pointe sitzt, doch sie sticht nicht. Sie weckt die nĂŒchterne Frage nach Verantwortung. Der Refrain brennt sich ein, ohne laut zu sein. Hier zeigt sich, wie Politik in Meys Werk klingt. Als Alltag. Als ruhige Pflicht. Als Form von Respekt. Diese Haltung durchzieht Reinhard Mey Farben.

Allein

Dieses StĂŒck dehnt die Zeit. Es ist ein Lied ĂŒber NĂ€he und Leere. Die Gitarre trĂ€gt weite Akkorde. Die Stimme hĂ€lt inne. Es geht nicht um Pathos. Es geht um das schlichte GefĂŒhl, wenn der Raum groß wird. Wenn Schritte hallen. Wenn ein Blick fehlt. Das Lied bleibt ehrlich. Es romantisiert nicht. Es bietet auch keine schnelle Lösung. Es zeigt die WĂŒrde in der Stille. Das ist viel. Es ist mutig. Denn es verlangt Geduld. Genau diese Geduld zahlt sich aus. Sie nehmen etwas mit. Vielleicht ein Echo aus dem eigenen Haus. Vielleicht eine neue Ruhe.

In Lucianos Restaurant

Hier kehrt WĂ€rme ein. Die KĂŒche riecht. Teller klirren. Stimmen klingen. Sie sitzen mit am Tisch. Das Lied feiert die kleinen ZufĂ€lle. Ein Ort wird zum Treffpunkt. Geschichten kreuzen sich. Der Ton ist heiter, fast filmisch. Doch auch hier gibt es Nuancen. Zwischen den Zeilen steht eine Ahnung von Abschied und Zeit. Das macht den Zauber aus. Es bleibt nicht beim Postkartenblick. Das LĂ€cheln hat Tiefe. So schafft die Platte immer wieder Balance. Auch das gehört zur QualitĂ€t von Reinhard Mey Farben.

Alle Soldaten woll’n nach Haus

Dieses Lied setzt ein klares Zeichen. Es ist ein Antikriegslied. Es ist aber kein Marsch. Es ist ein stilles PlĂ€doyer. Die Melodie wirkt wie ein Gebet. Die Worte sind schlicht. Die Botschaft ist direkt. Sie trifft. Der Titel spricht schon alles aus. Das StĂŒck nimmt damit eine universelle Position ein. Es wĂ€hlt den Menschen vor der Uniform. Es zeigt Sehnsucht, nicht Parole. Es ist frei von Spott. Es ist voll von Empathie. In einer Zeit des Umbruchs war das wichtig. Es ist es heute noch. Das Lied lohnt das Wiederhören, gerade wegen seiner Sanftheit. Es ruft nicht. Es begleitet. Es öffnet das Herz und den Verstand.

Zwischen allen StĂŒhlen

Hier zeigt sich Humor. Ein ich sitzt fest in WidersprĂŒchen. Es will dies. Es will das. Es will beides und nichts. Das Tempo ist frisch. Die Reime tanzen. Die Pointe ist nah am Alltag. Sie lĂ€cheln, weil Sie es kennen. Weil Sie auch oft zwischen StĂŒhlen leben. Hier jubelt die Sprache. Und doch steckt ein Ernst darin. IdentitĂ€t ist Arbeit. Sie ist kein Zustand. Das klingt leicht. Es ist weise. So verdichtet sich in einem kurzen Lied ein großes Thema. Auch das macht die Platte stark.

Ich hab’ meine Rostlaube tiefergelegt

Der Titel deutet schon an, wohin es geht. Autos, Gesten, mĂ€nnliche Posen. Das Lied legt den Finger auf liebenswerte Macken. Es lacht mit, nicht ĂŒber. Die Bilder sitzen. Die Musik rollt. Alles bleibt verspielt. Aber es bleibt respektvoll. In diesem kleinen Spaß steckt viel Beobachtung. Es geht um Status, um Sehnsucht nach Anerkennung. Kurz: um sehr menschliche Dinge. Das Lied wirkt wie eine Atempause. Es stellt zugleich die Frage: Was macht uns eigentlich aus? Ein LĂ€cheln hilft oft mehr als eine Tirade. Diese Kunst beherrscht Reinhard Mey Farben.

Golf November

Ein neues Licht fĂ€llt auf den ErzĂ€hler. Er ist Pilot, nicht nur SĂ€nger. Das Rufzeichen im Titel ist Programm. Der Blick geht nach oben. Er sieht Wolken, Lichter, Bahnen. Das Lied feiert die Freiheit. Es spĂŒrt aber auch die Verantwortung. Die Harmonien greifen weit. Die Worte werden knapp. Flug und Lied kommen zusammen. Das ergibt eine besondere Spannung. Sie hören die Leidenschaft fĂŒr Technik, aber auch fĂŒr das Schweben. Das Lied ist ein Fenster. Es zeigt einen Mann zwischen Himmel und BĂŒhne. Es ist einer der Momente, die die Platte weiten.

Wir

Der Schluss ist leise. Er ist ein Bekenntnis. Es geht um Zweisamkeit und Zeit. Um die kleinen Fugen, die das Leben lĂ€sst. Um das, was zusammenhĂ€lt. Die Melodie ist schlicht. Die Sprache ist klar. Keine großen Versprechen. Eher eine Hand, die bleibt. Damit endet die Platte in stiller StĂ€rke. Sie fĂŒhrt alles zusammen. Stadt, Land, Politik, Humor, Sehnsucht. Am Ende steht ein Wir. Das ist nicht kitschig. Es ist verdient. Es rundet Reinhard Mey Farben stimmig ab.

Humor als weicher Widerstand

Humor ist in diesem Album kein Gag. Er ist Haltung. Er wehrt ab, was verletzt. Er öffnet, was versteift. Er nimmt Druck aus Themen, die sonst spalten. Das ist wichtig in Liedern wie Wahlsonntag oder Zwischen allen StĂŒhlen. Es ist ebenso wichtig in AlltagsstĂŒcken. Der Witz zĂŒckt keinen Finger. Er hebt eine Augenbraue. Er lĂ€chelt. Er lĂ€dt zu einem gemeinsamen Nicken ein. So entsteht NĂ€he. Sie fĂŒhlen sich ernst genommen. Nicht belehrt. Das ist ein Grund, warum Reinhard Mey Farben so hell bleibt, selbst in ernsten Tönen.

Dieser Humor hat Tradition im Chanson. Mey fĂŒhrt sie fort. Er passt sie an die deutsche Sprache an. Er nutzt klare Bilder. Er lĂ€sst Pointe und Melodie Hand in Hand gehen. Dadurch wirken auch sozialere Themen. Sie sind weniger scharf. Sie treffen dafĂŒr tiefer. Denn sie kommen nicht von oben. Sie kommen aus der KĂŒche, vom Stammtisch, vom Spielplatz. Das ist die BĂŒhne, die trĂ€gt.

Die poetische Kamera: Bilder, die bleiben

Die Sprache der Platte arbeitet wie eine Kamera. Sie zoomt. Sie stellt scharf. Sie wechselt den Standpunkt. Mal schaut sie hoch. Mal schaut sie sehr genau hin. Das schafft Bilder, die lange bleiben. Ein Stuhl, ein Teller, ein Wahlzettel. Mehr braucht es oft nicht. Die Worte sind einfach. Doch sie sind prÀzise. Darin liegt eine Kunst. Denn klare Worte können tief gehen. Sie öffnen RÀume im Kopf. Sie geben Ihnen Freiheit. Sie nehmen Sie zugleich ernst. Genau so funktioniert die Poesie in Reinhard Mey Farben.

Auch die Metaphern sind vorsichtig gesetzt. Nie drĂ€ngen sie sich vor die Szene. Sie stĂŒtzen. Sie tragen. Sie erschaffen die leisen FarbĂŒbergĂ€nge im Album. Nichts ist simpel. Aber vieles ist eingĂ€ngig. Das erhöht die ZugĂ€nglichkeit. Sie können die Lieder sofort hören. Und Sie können sie Jahre spĂ€ter neu entdecken. Das ist ein hohes Lob fĂŒr ein Werk dieser Art.

Stimme, Gitarre und das Atmen der Pausen

Meys Stimme ist reif. Sie ist klar. Sie ist nicht groß, aber sehr prĂ€sent. Sie trĂ€gt die Farben der Erfahrung, ohne mĂŒde zu sein. Die Artikulation ist sauber. Die Worte sitzen. Jede Silbe zĂ€hlt. Das ist fĂŒr diese Texte wichtig. Denn sie leben vom Gewicht der kleinen Dinge. Die Gitarre begleitet im Fingerpicking. Das Muster ist vertraut. Doch es hat viele Nuancen. Kleine LĂ€ufe, sanfte Synkopen, feine Akzente. Das Spiel ist rhythmisch und warm. Es gibt Halt. Es gibt den Liedern Atem.

Entscheidend sind die Pausen. Sie sind Teil des Rhythmus. Sie schaffen Raum fĂŒr Echo und Deutung. In diesen LĂŒcken arbeiten die Lieder weiter. Sie holen Ihre Gedanken ab. Sie lassen Sie mitschreiben. So entsteht in der Hörerfahrung eine Co-Autorschaft. Sie sind nicht nur Publikum. Sie sind Teil des Ganzen. Genau hier gewinnt Reinhard Mey Farben seine besondere Tiefe.

Gesellschaft 1990: Der stille Kommentar

Die Platte steht an einer Kante der Geschichte. Doch sie malt kein großes Wandbild. Sie setzt Markierungen. Wahlsonntag blickt auf Systeme und Entscheidungen. Mein Berlin atmet die neue Stadt. Alle Soldaten woll’n nach Haus stellt Menschlichkeit vor Macht. In Summe entsteht ein Profil. Es ist ein Kommentar, der nicht lĂ€rmt. Er fragt. Er fragt höflich, aber bestimmt. Das wirkt stark. Denn so entsteht Vertrauen. Sie sind bereit, zuzuhören. Sie sind bereit, sich selbst zu prĂŒfen.

Diese Form passt zum KĂŒnstler. Er hat die Rolle des lauten AnklĂ€gers nie gesucht. Er wĂ€hlte das genaue Bild. Er vertraute der kleinen Geste. Dieses Profil prĂ€gt die Platte. Es macht sie heute lesbar, ohne ErklĂ€rungen. Denn die Themen sind geblieben. Verantwortung. Zugehörigkeit. Sehnsucht. Frieden. All das trĂ€gt. All das findet in Reinhard Mey Farben eine Form, die hĂ€lt.

Im Werk verortet: KontinuitÀt und neue Töne

Wer Mey kennt, findet Vertrautes. Die Gitarre. Die klare Sprache. Der Humor mit Herz. Doch es gibt auch neue Töne. Die Stadt spielt stÀrker mit. Der Blick auf Politik ist direkter. Der Klang hat noch mehr Luft. Diese Mischung macht die Platte eigen. Sie verbindet das Bisherige mit dem Jetzt. Sie klingt wie ein Reifezeugnis. Nicht als Bilanz. Als Momentaufnahme, die standhÀlt. Damit steht das Album gut in der Reihe. Es ist weder Bruch noch Wiederholung. Es ist ein Baustein. Ein wichtiger.

Auch die Dramaturgie ĂŒber die zwölf Titel ist besonders rund. Vom langen Auftakt Mein Berlin ĂŒber kurze Vignetten bis zu Wir am Ende. Diese Klammer wirkt. Sie stĂŒtzt das Ganze. Sie hĂ€lt die Vielfalt der Themen zusammen. Genau das ist die Kunst in Reinhard Mey Farben: Vielfalt ohne Zerfall.

Resonanz damals und heute

1990 suchten viele nach Halt. Nach neuen Landkarten. Die Platte traf diesen Bedarf. Sie gab Orientierung ohne Ansage. Sie gab WĂ€rme ohne Kitsch. Das Publikum nahm das an. Heute ist das BedĂŒrfnis Ă€hnlich. Nur die Fragen sind neue. Doch die Methode bleibt gĂŒltig. Genaues Hinsehen. Freundliche Strenge. Humor als Weg. Deshalb funktioniert die Platte heute weiter. Sie hat kein Verfallsdatum. Sie lebt vom Menschen, nicht vom Modetrend.

Auch jĂŒngere Hörerinnen und Hörer finden Zugang. Sie schĂ€tzen die Klarheit. Sie schĂ€tzen die handgemachte Musik. Sie mögen die Geschichten. In einer Zeit, die oft zu laut ist, tut so ein Album gut. Es bietet eine andere Geschwindigkeit. Es bietet Respekt. Es hat Vertrauen in das feine Ohr. All das bĂŒndelt Reinhard Mey Farben auf anhaltend wirkungsvolle Weise.

Warum Reinhard Mey Farben heute zÀhlt

Sie suchen Musik mit Haltung. Sie suchen Worte, die tragen. Dann sind Sie hier richtig. Dieses Album hat einen seltenen Ton. Es ist leise und doch mutig. Es ist freundlich und doch entschieden. Es kennt die BrĂŒche, aber fĂŒrchtet sie nicht. Es spĂŒrt der WĂŒrde im Alltag nach. Es lebt von Respekt. Davon hat unsere Gegenwart viel nötig. Genau deswegen zĂ€hlt Reinhard Mey Farben. Es bietet keine fertigen Lösungen. Es bietet Werkzeuge. Es schĂ€rft den Blick. Es weckt Zuneigung. Es macht den Kopf frei fĂŒr Nuancen.

So wird das Hören zur kleinen Schule. Nicht zur Vorlesung. Eher zu einem GesprĂ€ch. Sie dĂŒrfen widersprechen. Sie dĂŒrfen lachen. Sie dĂŒrfen still sein. Das Album hĂ€lt das aus. Mehr noch: Es lĂ€dt Sie dazu ein. Das ist eine große QualitĂ€t. Sie macht das Wiederhören reizvoll. Jedes Mal leuchtet eine andere Ecke auf. Jedes Mal klingt ein anderes Wort nach.

FĂŒr wen lohnt sich dieses Album?

Wenn Sie Liedkunst schĂ€tzen, ist die Antwort klar. Wenn Sie mit Gitarre und Stimme etwas anfangen können, ebenso. Aber es geht weiter. Wenn Sie nach Musik suchen, die nicht schreit, aber Haltung zeigt, dann greifen Sie zu. Wenn Sie sich in Wochen der Unruhe einen ruhigen Kompass wĂŒnschen, ebenso. Reinhard Mey Farben passt zu langen Abenden. Es passt zu Fahrten durch die Stadt. Es passt zu einem Kaffee nach einem Streit. Es passt zu Momenten, in denen Sie wieder zu sich kommen wollen.

Auch als Einstieg in das Werk des KĂŒnstlers ist es gut. Denn es zeigt Breite und Tiefe. Es zeigt Humor und Ernst. Es zeigt die Sprache, die ihn prĂ€gt. Und es klingt so, dass Sie Lust bekommen, mehr zu entdecken. Das ist fĂŒr ein Album ein schönes Urteil.

Fazit: Leise Töne, lange Wirkung

Farben ist ein Album, das Vertrauen schenkt. Es ist klug und warm. Es ist nah am Alltag und weit im Blick. Es lĂ€sst die Lieder atmen. Es nimmt Sie ernst. Es bleibt bei der Sache. Es zeigt, wie stark eine Stimme und eine Gitarre sein können, wenn der Text stimmt. Es zeigt auch, wie Humor und MitgefĂŒhl wirken, wenn man sie nicht mit dem Holzhammer bedient. Darin liegt seine WĂŒrde. Darin liegt seine Wirkung. Genau deshalb lohnt es sich, heute wieder zuzuhören.

Wer in der Geschichte von 1990 Halt und WĂ€rme sucht, wird fĂŒndig. Wer heute in einer lauten Welt Stille und SchĂ€rfe braucht, ebenso. Diese Platte verbindet beides. Sie ist ein stiller Begleiter. Sie ist ein Spiegel. Sie ist ein Angebot. Sie ist, kurz gesagt, ein Beweis, dass große Musik nicht laut sein muss. Und so steht zum Schluss ein einfacher Rat: Hören Sie sich Reinhard Mey Farben in Ruhe an. Lassen Sie sich Zeit. Sie werden belohnt.

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