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Reinhard Mey Die große Tournee ’86 – Vorstellung und Kritik

Reinhard Mey Die große Tournee ’86 – Albumvorstellung und Kritik

Letztes Update: 07. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Live-Album Die große Tournee ’86 vor, analysiert Songauswahl, Arrangements und Meys Erzählkunst. Er bewertet Produktion, Atmosphäre und Publikumsreaktionen, nennt Stärken und ordnet das Album in Meys Werk ein.

Reinhard Mey Die große Tournee ’86 – Vorstellung und Kritik

Ein Live-Album als Zeitkapsel

Dieses Album zeigt einen Künstler im vollen Lauf. Reinhard Mey Die große Tournee ’86 ist Live-Musik mit Seele. Sie hören einen Abend, der klug gebaut ist. Sie hören einen Sänger, der weiß, wie man Spannung hält. Keine Effekte lenken ab. Nur Gitarre, Stimme und Raum. Das reicht. Der Zauber entsteht im Kleinen. Jeder Einsatz sitzt. Jede Pointe hat Zeit. Jedes Thema bekommt Luft. So klingt ein Konzert, das wachsen darf. Die Lieder rücken noch näher an Sie heran. Das macht den Reiz dieser Platte aus.

Der Moment 1986/87: Ein klarer Blick auf eine unruhige Zeit

Die Tour fiel in Jahre voller Wandel. 1986 stand unter vielen Vorzeichen. Umwelt, Abrüstung, Freiheit, Familie. All das schwingt hier mit. Das Album erschien 1987. Es zieht eine klare Linie durch das Material. Nichts wirkt bloß nostalgisch. Besonders stark: der ruhige Ton. Mey presst nichts. Er erzählt. Er vertraut auf leise Kraft. Reinhard Mey Die große Tournee ’86 ist darum mehr als ein Mitschnitt. Es ist ein Dokument von Haltung. Es ist ein Beispiel für Kunst ohne Posen. Das spürt man in fast jedem Track.

Zwei CDs, zwei Blickwinkel auf einen Abend

Das Werk liegt als Doppel-CD vor. Sie zeigt zwei Perspektiven auf das Programm. Auf der ersten CD finden Sie Lieder wie „Wem Gott die rechte Gunst erweisen will“, „Mein Apfelbäumchen“ und „Laßt sie reisen“. Sie hören auch die lange Nummer „Frohe Weihnacht“. Sie bietet fast acht Minuten Bühne. Dazu kommen intime Stücke wie „Sommermorgen“. Diese Hälfte wirkt wie ein Spaziergang durch Garten und Stadt. Viel Licht. Viele Bilder. Dann bricht es auf. „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ setzt einen harten Akzent. Das ist klug gesetzt.

Die zweite CD verlagert den Blick. „Über den Wolken“ ist da. Es ist das Lied, das alle kennen. Doch es wird nicht zum Selbstläufer. „Ich hasse Musik“ bringt Witz und Biss. „Berlin tut weh“ misst der Stadt die Stirn. „Das Foto von mir auf dem Tisch“ erzählt ein stille Geschichte. „M(e)y English Song“ zeigt Ironie und Spiel. „Die Zeit des Gauklers ist vorbei“ schließt mit einem feinen Bild. Diese zweite Hälfte zeigt mehr Kanten. Sie formt ein zweites Gesicht des Abends. So entsteht eine runde Sicht. Auch das Format stützt die Idee. Reinhard Mey Die große Tournee ’86 nimmt Sie so Schritt für Schritt mit.

Die Dramaturgie des Abends: Bewegung statt Nummernrevue

Es gibt hier keine bloße Abfolge. Die Songs sprechen miteinander. Ein Lied streut Leichtigkeit. Das nächste hält dagegen. Dann folgt ein Moment zum Lachen. Danach kommt Ruhe. Sie hören das in den Übergängen. Die Ansagen sind knapp, warm und klug. Sie geben Halt, nie Druck. Mey nutzt die Bühne wie ein Wohnzimmer. Das Publikum atmet mit. Er lässt Pausen stehen. Dann trifft die Pointe genau. So wächst ein Bogen. Am Ende wirkt alles folgerichtig. Das macht die Platte so zugänglich. Reinhard Mey Die große Tournee ’86 zielt nicht auf Gänsehaut-Klischees. Sie setzt auf ehrliche Nähe.

Warum Reinhard Mey Die große Tournee ’86 heute zählt

Es ist ein Album mit langer Haltbarkeit. Vieles klingt heute sogar klarer. Die Texte sind schlicht, doch nicht einfach. Die Melodien tragen leise. Die Gitarrenarbeit ist präzise. Kein Ton prahlt. Tempo und Dynamik sind gut gewichtet. Die Themen sind zeitlos. Zuhause, Reisen, Freiheit, Verantwortung. Dazu kommt Humor. Nicht als Maske, sondern als menschlicher Schutz. Diese Mischung trägt. Sie passt in eine laute Gegenwart. Sie wirkt heute beruhigend. Sie wirkt zugleich wach. Darum bleibt Reinhard Mey Die große Tournee ’86 ein guter Begleiter.

Die leisen Lieder: Wärme ohne Zuckerguss

„Sommermorgen“ ist ein Lichtblick. Der Song stellt Bilder vor Sie hin. Sie können sie riechen. Sie sehen den Dampf der Tasse. Sie hören die Stille. „Mein Apfelbäumchen“ steht für Hoffnung. Es hat keinen Kitsch. Es ist fast nüchtern. Gerade das rührt. „Und der Wind geht allezeit über das Land“ weitet den Blick. Die Begleitung bleibt schlank. Die Stimme wirkt nah. Der Saal hilft dabei. Die Akustik ist freundlich. Hall schimmert, aber nie zu stark. Das Ohr bleibt am Wort. Genau hier glänzt Reinhard Mey Die große Tournee ’86: in der Kunst der Reduktion.

Die politischen Töne: Haltung ohne Fahne

„Nein, meine Söhne geb ich nicht“ ist ein starkes Statement. Der Vortrag ist ruhig und fest. Sie spüren Trauer und Mut zugleich. Der Song trägt bis heute. Er klingt nicht alt. „Berlin tut weh“ greift ein Gefühl auf. Liebe und Schmerz liegen nah. Es geht um Stadt, Geschichte, Identität. Dann „Es ist doch ein friedlicher Ort“. Der Titel versucht Trost. Er kennt aber die Risse. Auch „Über den Wolken“ ist mehr als Sehnsucht. Es fragt nach Abstand. Wie sehen wir die Welt von oben? Diese Stücke sind klar. Sie sind nie laut. Gerade so wirken sie. Auch deshalb zeigt Reinhard Mey Die große Tournee ’86 Kraft und Haltung.

Humor und Alltagsbeobachtung: Leichter Fuß, scharfer Blick

Humor lockert, doch er flieht nicht. „Ich hasse Musik“ spielt mit Erwartung. Es nimmt die eigene Rolle aufs Korn. Charmant und spitz. „Gretel und Kasperle, Großmutter, Wachtmeister und Krokodil“ ist ein kleines Theater. Es tänzelt über Bühne und Kinderzimmer. „Das Foto von mir auf dem Tisch“ schaut genau hin. Es zeigt einen Menschen im Spiegel seiner Dinge. „Du mußt wahnsinnig sein“ treibt den Titel mit Witz. Es lacht und meint es ernst. So lebt der Abend. Sie lächeln, und dann denken Sie nach. Genau das macht Reinhard Mey Die große Tournee ’86 so rund.

Die Stimme und der Raum: Nähe als Produktionsästhetik

Die Stimme steht vorn. Sie ist trocken und klar. Der Rest bleibt im Hintergrund. Die Gitarre ist fein mikrofoniert. Sie trägt Melodie und Rhythmus zugleich. Einzelne Bassnoten stützen. Gelegentliche Nebengeräusche bleiben hörbar. Das ist gut. Es hält die Bühne lebendig. Der Raum mischt sich dezent ein. Ein Hauch Hall formt Tiefe. Doch das Wort bleibt der Kern. Kein Chor, kein Orchester, keine Tricks. Diese Wahl ist Programm. Sie macht das Album belastbar. Sie wird nicht alt. In dieser Schlichtheit liegt die Stärke von Reinhard Mey Die große Tournee ’86.

Publikum und Atmosphäre: Mitatmen statt Mitgrölen

Das Publikum reagiert fein. Es gibt leises Lachen. Es gibt Wärme in den Pausen. Dann entschlossenes Klatschen an den Enden. Kein Gesang aus dem Saal drängt sich vor. Sie hören Aufmerksamkeit. Sie hören Respekt. Manchmal spüren Sie Sammeln und Ziehen. Das macht Tempo. Das gibt dem Abend Atem. Viele Live-Alben klingen nach Daueralarm. Hier ist es anders. Es gibt Raum, in dem Stille erlaubt ist. So entfaltet sich die Poesie der Lieder. Diese Atmosphäre trägt lange. Sie macht Reinhard Mey Die große Tournee ’86 zu einem Heimspiel für das Ohr.

Weihnacht im Konzert: Zwischen Ritual und Ironie

„Frohe Weihnacht“ ist ein seltener Fund in Live-Programmen. Fast acht Minuten Bühne. Da ist Feier. Da ist auch Spiegelung. Der Song schaut auf Rituale. Er zeigt ihr Licht und ihre Schatten. „Es ist Weihnachtstag“ greift das Thema anders auf. Zarter, kürzer, fokussierter. Diese Doppelfigur überrascht. Sie bricht die Dramaturgie nicht. Im Gegenteil. Sie öffnet das Gefühlsspektrum. Von mildem Lächeln bis zu stiller Rührung. So wird Festlichkeit zum Stoff. Sie ist Anlass, kein Selbstzweck. Damit bleibt auch dieser Teil ehrlich. Und genau das stützt die Wirkung von Reinhard Mey Die große Tournee ’86.

Einordnung im Werk: Brücke zwischen Epochen

Im Werk von Mey markiert das Album eine Brücke. Vorher war viel Aufbau. Danach kam Verfeinerung. Hier trifft Reife auf Frische. Es fasst die frühen Themen zusammen. Es zeigt neue Farben. Die Auswahl deckt weite Felder. Reise, Familie, Politik, Humor. Die Balance stimmt. Nichts dominiert zu stark. Für Neueinsteiger ist es ein guter Einstieg. Für Kenner ist es ein Archiv voller Nuancen. Viele Studiofassungen wirken aufgeräumt. Die Live-Versionen hier atmen mehr. Sie erzählen mit Atem und Blick. In dieser Mischung liegt der Reiz von Reinhard Mey Die große Tournee ’86.

Klang und Mastering: 1987 trifft die Gegenwart

Für ein Live-Album von 1987 klingt es erstaunlich frisch. Die Höhen sind mild. Die Mitten sind warm. Die S-Laute stehen gut. Die Gitarre bleibt definiert. Der Raum ist glaubhaft. Es gibt wenig Rauschen. Die Dynamik ist da. Kein überzogenes Komprimieren. Leise Stellen bleiben leise. Laut bleibt kontrolliert. So sollte ein Konzert klingen. Auch digital macht das Freude. Auf Kopfhörern hören Sie Details. Auf Lautsprechern wächst die Bühne. Es ist ein Sound, der nicht satt wird. Er passt zum Kern von Reinhard Mey Die große Tournee ’86: Schlicht, klar, tragfähig.

Song-für-Song-Momente: Kleine Kurven, klare Ziele

„Wem Gott die rechte Gunst erweisen will“ ist ein ruhiger Start. Es setzt Ton und Tritt. „Ein Stück Musik von Hand gemacht“ definiert das Programm. Wahrheit im Titel. So klingt der Abend wirklich. „Die Schuhe“ zeigt, wie viel in kleinen Dingen steckt. „Keine ruhige Minute“ schiebt Tempo. „Aber zu Haus kann ich nur in Berlin sein“ verbindet Ort und Herz. „Laßt sie reisen“ schaut weit hinaus. Dann das Finale der zweiten CD: „Die Zeit des Gauklers ist vorbei“. Ein Schlusspunkt ohne Pathos. Aber mit Strahlkraft. So rundet sich der Bogen. Das stärkt den Langzeiteindruck von Reinhard Mey Die große Tournee ’86.

Der Blick auf die Texte: Bilder, die sich öffnen

Meys Sprache bleibt sein stärkstes Instrument. Die Sätze sind kurz. Die Bilder sind klar. Sie öffnen sich erst im Kopf. Da entfalten sie Farbe. Er meidet große Floskeln. Er nutzt konkrete Dinge. Er vertraut dem Detail. Genau das macht die Texte lebendig. In Gesellschaftsliedern spürt man Milde. Trotz aller Kritik. In Liebesliedern spürt man Boden. Trotz aller Sehnsucht. In Reisebildern spürt man Neugier. Ohne Fluchtreflex. Diese Haltung verbindet die Stücke. Sie gibt dem Album seine Einheit. Darum wirkt Reinhard Mey Die große Tournee ’86 so geschlossen.

Wert und Wirkung: Ein Album als Begleiter

Viele Live-Alben hört man einmal. Dann stellt man sie weg. Dieses hier kehrt zurück. Es ist Musik für stillere Tage. Es ist auch Musik für Pendler, Küchen, Schreibtische. Es passt in kurze Zeitfenster. Einzelne Stücke tragen für sich. Doch am besten wirkt der ganze Fluss. Dann zeigt sich die Dramaturgie. Dann stellt sich Ruhe ein. Das macht die Platte wertvoll. Sie ist kein Event. Sie ist ein Begleiter. Ein Album, das Sie im Alltag stützt. Genau deshalb bleibt Reinhard Mey Die große Tournee ’86 relevant.

Fazit: Ein leises Monument

Dieses Live-Album ist ein leises Monument. Es zeigt Handwerk und Herz. Es meidet große Gesten. Es sucht das Gespräch. Dabei hält es die Spannung über zwei CDs. Das ist selten. Die Auswahl trägt. Die Reihenfolge überzeugt. Die Produktion dient dem Inhalt. Die Stimme führt. Die Gitarre begleitet. Mehr braucht es nicht. Wenn Sie Mey neu entdecken, starten Sie hier. Wenn Sie ihn kennen, hören Sie genauer hin. In den Pausen. In den leisen Reimen. In den kleinen Lachen im Saal. Da liegt das Geheimnis. So bleibt Reinhard Mey Die große Tournee ’86 mehr als ein schöner Fund. Es ist ein Stück gelebte Kultur.

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