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Reinhard Mey: Immer weiter – Vorstellung und Kritik

Reinhard Mey Immer weiter: Vorstellung und Kritik

Letztes Update: 07. Dezember 2025

Der Beitrag stellt Reinhard Meys Album 'Immer weiter' vor und liefert eine kritische Bewertung. Songtexte, Melodien und Produktion werden analysiert; emotionale Höhepunkte und musikalische RĂŒckgriffe werden ebenso benannt wie StĂ€rken und SchwĂ€chen. Eine Empfehlung fĂŒr Fans und Interessierte rundet den Text ab.

Reinhard Mey Immer weiter: Vorstellung und Kritik des Albums

Reinhard Mey Immer weiter ist ein Album ĂŒber Mut, Milde und Maß. Es schaut auf die Welt mit heiterem Ernst. Es blickt zugleich auf das kleine GlĂŒck und die großen Wunden. Diese Mischung trĂ€gt durch jede Minute der 1994 erschienenen CD.

Sie hören hier einen KĂŒnstler, der sein Handwerk kennt. Er fĂŒhrt Sie mit ruhiger Stimme und genauer Sprache. Er traut stillen Momenten. Er traut aber auch klaren Worten. Reinhard Mey Immer weiter wirkt so persönlich wie politisch. Und es bleibt dabei angenehm unaufgeregt.

Ein erster Blick: Wellen, Wind und Weite

Schon die LĂ€nge vieler StĂŒcke fĂ€llt auf. Mey nimmt sich Zeit. Er erzĂ€hlt, beobachtet, und lĂ€sst Luft. Keine Hektik. Keine Dichte um der Dichte willen. Das passt zur Idee von Reise und Kurs. Genau das verspricht der Titel. Reinhard Mey Immer weiter will voran. Doch nie blind. Es geht um Richtung und Haltung.

Wenn Sie Ruhe suchen, werden Sie hier fĂŒndig. Wenn Sie hellen Witz schĂ€tzen, ebenfalls. Das Album segelt zwischen zarter Ballade und ironischem Kommentar. Es macht das mit leichter Hand. Und mit dem Mut, auch Bitternis auszuhalten.

Zwischen Umbruch und Alltag: der Klang von 1994

1994 ist ein Jahr der Fragen. Deutschland ringt nach der Einheit um Takt und Ton. Sprache, Schreibweise und Sinn werden neu verhandelt. Der Krieg in Ex-Jugoslawien brennt in den Nachrichten. Das spĂŒren Sie in einigen Liedern. Doch Mey bleibt bei seiner Methode. Er zieht große Themen ins Nahe, in das ErzĂ€hlbare. Das verleiht Reinhard Mey Immer weiter eine ruhige Kraft. Politik wird hier leise, aber deutlich.

Die Instrumentierung ist schlank. Gitarre, Stimme, ein Hauch von Begleitung. So wirken Wort und Melodie. Es entsteht NÀhe. Sie sitzen gleichsam mit ihm am Tisch. Er erzÀhlt. Sie hören zu. Es klingt zeitlos und doch nach seiner Phase der 90er.

Klangbild und Arrangement: die Kunst der ZurĂŒckhaltung

Das Album lebt vom Klang der akustischen Gitarre. Die Phrasierung ist klar. Die Tonlage bleibt mittig. Die Dynamik dosiert. Kleine Verzierungen sorgen fĂŒr Farbe. Doch nie dominiert das Arrangement den Text. Das ist das Markenzeichen von Reinhard Mey Immer weiter. Es trĂ€gt die ErzĂ€hlung, es drĂ€ngt sie nicht.

Die Produktion setzt auf WÀrme. Die Songs atmen. Pausen sind Teil der Musik. Wer LautstÀrke sucht, ist hier falsch. Wer Substanz sucht, liegt richtig.

Sprache, Witz und Empathie

Die Texte schlagen Haken. Ein Witz blitzt auf, dann folgt ein sanfter Stich ins Herz. Mey beobachtet liebevoll und genau. Er kennt die Details des Lebens. Er liebt die deutsche Sprache. Er zergliedert sie, er tanzt mit ihr. Und er weiß, was Worte bewirken. So bleibt Reinhard Mey Immer weiter hell im Ton. Es wird nie zynisch. Es bleibt menschlich.

Sie merken das an den Themen. Liebe, KĂŒche, Kinder, Frieden, Sprache. Es ist ein Panorama. Aber kein willkĂŒrliches Sammeln. Es folgt einem inneren Kurs: weitergehen, weiterdenken, weiterfĂŒhlen.

Die Albumreise in 14 Kapiteln

1. 51er KapitÀn (05:56)

Die Eröffnungsnummer setzt den nautischen Rahmen. Ein KapitĂ€n steht fĂŒr FĂŒhrung und Verantwortung. FĂŒr Sehnsucht nach Fernsicht. Mey formt daraus eine Lebensmetapher. Die Reise ist lang. Der Kurs verlangt Mut. Die Bilder sind klar. Sie kommen an Bord, ohne dass es pathetisch wird. Der Song kĂŒndigt an, was Reinhard Mey Immer weiter meint: Kurs halten trotz Wind und Wetter.

2. Vernunft breitet sich aus ĂŒber die Bundesrepublik Deutschland (07:14)

Ironie ist hier das scharfste Messer. Vernunft klingt gut, ist aber in diesem Lied eine Maske. Mey zieht BĂŒrokratie und moralische Selbstzufriedenheit freundlich zur Seite und zeigt die schiefen Stellen. Sie hören eine lange Satire, fein gebaut. Ein Lied, das im Ohr bleibt, weil es lĂ€chelt und bohrt. So zeigt Reinhard Mey Immer weiter seinen klaren Blick auf ZustĂ€nde, ohne zu belehren.

3. Meine Freundin, meine Frau (03:54)

Ein Liebeslied, das nicht klischeehaft wirkt. Es ist leise und konkret. Es zeigt NĂ€he, die im Alltag wĂ€chst. Mey vermeidet große Bilder und trifft doch tief. Sie spĂŒren Respekt, Dank und ein stilles Staunen. Der Song bringt Balance ins Album. Er erdet die großen Debatten.

4. Ich liebe meine KĂŒche (03:56)

Ein charmanter Hymnus auf den Ort des Lebens. KĂŒche heißt WĂ€rme, Arbeit, Chaos und Frieden. Mey feiert das Banale, ohne es zu verklĂ€ren. Der Humor blitzt, die Sinne sprechen mit. Sie riechen Kaffee. Sie hören Klingen. Es ist ein Beispiel dafĂŒr, wie Reinhard Mey Immer weiter den Alltag ernst nimmt und ihm WĂŒrde gibt.

5. Willkommen an Bord (05:33)

Der maritime Faden setzt sich fort. Willkommen klingt freundlich, doch es hat Gewicht. Gemeinschaft entsteht durch Einladung. Durch Regeln und Vertrauen. Mey singt davon mit ruhigem Ton. Er zeigt, wie man einander trÀgt. Es ist ein zentrales Motiv auf Reinhard Mey Immer weiter: Die Reise gelingt nicht allein.

6. Hasengebet (03:51)

Ein zartes StĂŒck. Ein kleines Tier, ein kleines Gebet. Hier klingt das MitgefĂŒhl. Mey verleiht dem Schwachen eine Stimme. Ohne Kitsch. Mit staunender Achtung. Sie werden still beim Hören. Selbst wer kein Tierfreund ist, erkennt die Haltung dahinter. Das Lied erweitert die Skala des Albums um eine feine Note.

7. Frieden (05:39)

Ein großes Wort, ein ruhiger Gesang. Mey ruft nicht, er bittet. Er benennt das Ziel, nicht die Schlagzeile. So gewinnt das Lied WĂŒrde. Das Thema war 1994 brennend. Es bleibt es heute. Hier zeigt Reinhard Mey Immer weiter seine Kraft, Komplexes schlicht zu sagen. Es wirkt, weil es ehrlich ist.

8. Ich möchte! (05:20)

WĂŒnsche und SehnsĂŒchte reihen sich aneinander. Doch es ist mehr als eine Liste. Es ist ein Blick auf das, was fehlt und was zĂ€hlt. Das Ausrufezeichen ist Programm. Mey bekennt sich zur Lust auf Leben. Sie werden angesteckt. Das Lied treibt das Album voran. Es passt zum Motto: Immer weiter.

9. Der unendliche Tango der deutschen Rechtschreibung (03:10)

Ein Tanz mit Buchstaben. Ein Lachen mit Anspruch. Sprache ist Bewegung, sagt der Titel. Mey nimmt sich die Regeln vor, doch ohne HĂ€me. Er spielt. Er zeigt, wie Klang und Sinn tanzen. Sie bekommen Lust auf Wörter. FĂŒr Sprachfreunde ist das ein KernstĂŒck von Reinhard Mey Immer weiter. Es beweist erneut: Humor und Handwerk gehen hier Hand in Hand.

10. MaikÀfer fliege (04:07)

Ein altes Motiv, neu beleuchtet. Der MaikÀfer trÀgt Lasten der Geschichte. Mey erinnert, ohne zu beschweren. Das Lied schwingt zwischen Kindheit und Krieg. Es hÀlt die Spannung aus. Sie hören Vergangenes, das nicht vergeht. Es ist still und stark.

11. Die Kinder von Izieu (05:10)

Das schwerste StĂŒck des Albums. Es nennt einen Ort, der fĂŒr ein Verbrechen steht. Mey hĂ€lt die Namen in Ehren. Er erzĂ€hlt mit Respekt und Schmerz. Der Song ist eine Geste. Eine Mahnung. Keine Pose. In diesem Moment zeigt Reinhard Mey Immer weiter sein ethisches Zentrum. Sie werden nicht unberĂŒhrt bleiben.

12. Selig sind die VerrĂŒckten (05:50)

Ein Lob auf die, die anders sind. Auf Mut, der nicht auf Beifall wartet. Auf Fantasie, die Welt macht. Mey feiert das Abweichen vom glatten Weg. Das passt zum Albumgedanken. Weiter gehen heißt auch: anders gehen. Der Ton bleibt freundlich. Das Urteil mild. Und doch klar.

13. Leb wohl, adieu, gute Nacht (05:43)

Ein Abschied ohne Drama. Der Song trĂ€gt den Tag zur Ruhe. Es fĂŒhlt sich an wie ein Blick zurĂŒck beim Schließen der TĂŒr. Mey lĂ€sst Platz fĂŒr das, was war, und macht Raum fĂŒr das, was kommt. Sie spĂŒren Frieden. Es ist ein schöner, weiter Atem zum Ende hin. So hĂ€lt Reinhard Mey Immer weiter bis fast zuletzt sein hohes Niveau.

14. 
und tschĂŒss! (01:42)

Ein kurzes Augenzwinkern als Coda. Ein freundliches Zuwinken vom Bug des Schiffs. Es lockert den Abschied. Es zeigt Humor bis zur letzten Sekunde. Das passt. Denn auch der Ernst dieses Albums kennt Spiel. Und der Spieltrieb kennt Takt.

Leitmotive: Kurs, Verantwortung, NĂ€he

Drei FĂ€den ziehen sich durch das Werk. Erstens: die Reise. Mehrfach tauchen Meer, Bord und KapitĂ€n auf. Zweitens: Verantwortung. FĂŒr Worte, fĂŒr Menschen, fĂŒr Geschichte. Drittens: NĂ€he. Das Private ist hier nicht Flucht, sondern Quelle der Kraft. So hĂ€lt Reinhard Mey Immer weiter die Balance. Es verbindet Herz und Verstand. Es nimmt Sie mit, ohne zu drĂ€ngen.

Reinhard Mey Immer weiter

Man kann den Titel als Haltung lesen. Er steht gegen Stillstand. Gegen Zynismus. Er steht fĂŒr Geduld und Arbeit. FĂŒr heiteren Ernst. Tut das Album diesem Anspruch GenĂŒge? Ja. Denn es bleibt auch dann wach, wenn es leise wird. Es bleibt mild, wenn es zornig sein könnte. Genau darin liegt seine GrĂ¶ĂŸe.

Form und Wirkung: Warum das Leise stark ist

Die Songs liefern keine Effekte. Sie liefern Vertrauen. Mey baut Spannung nicht ĂŒber LautstĂ€rke, sondern ĂŒber Bilder. Er setzt auf Rhythmus, der aus Sprache wĂ€chst. So entsteht Sog. Sie folgen gerne. Reinhard Mey Immer weiter beweist, wie tragfĂ€hig das Prinzip Lied bleibt. Gerade im Zeitalter der Schnellreize wirkt dieses Maß wohltuend.

Im Kanon: zwischen „Über den Wolken“ und spĂ€teren Werken

Wer Mey mit frĂŒheren Klassikern vergleicht, erkennt KontinuitĂ€t. Die klare Gitarre, die erzĂ€hlende Stimme, die Liebe zur Sprache. Zugleich erweitert das Album die Themenpalette der 90er. Es greift Kulturdebatten auf. Es verknĂŒpft Alltagskomik mit Erinnerungskultur. Damit steht Reinhard Mey Immer weiter solide in seinem Werk. Es ist nicht die grĂ¶ĂŸte Hit-Sammlung. Es ist ein geschlossenes Statement.

Die politische Dimension ohne Parole

„Frieden“ und „Die Kinder von Izieu“ zeigen Haltung. Doch es sind keine Parolen. Es sind Einladungen zum MitfĂŒhlen und Mitdenken. Mey vertraut dem GesprĂ€ch. Er traut der Kunst. So bleibt die politische Ebene offen fĂŒr Sie. Das steigert die Wirkung. Besonders, weil Reinhard Mey Immer weiter nicht naiv ist. Es kennt die Welt, und will sie doch besser machen.

Humor als Korrektiv

Die satirischen StĂŒcke entlasten nicht nur. Sie schĂ€rfen. „Der unendliche Tango der deutschen Rechtschreibung“ entlarvt Starrheit. „Vernunft breitet sich aus 
“ zeigt die Ironien der Moral. So kippt das Album nie ins Morbide. Es hĂ€lt das LĂ€cheln wach. Das ist schwerer, als es klingt. Und es gelingt hier mit Stil.

FĂŒr wen dieses Album geschrieben ist

Wenn Sie Sprache lieben, finden Sie hier viel. Wenn Sie Ruhe suchen, auch. Wenn Sie denken wollen, ohne ĂŒberfahren zu werden, sind Sie richtig. Reinhard Mey Immer weiter verbindet Generationen. Es spricht alte Fans an, die seine Handschrift lieben. Und es öffnet TĂŒren fĂŒr neue Hörerinnen und Hörer, die Texte schĂ€tzen.

Hören mit Kontext: die Dauer des Echos

Manche Lieder wirken sofort. Andere brauchen ein zweites Hören. Das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt Schichten. Die Spannweite reicht von KĂŒchenhumor bis Trauergesang. Von Bordleben bis Orthografie-Tango. Dieses Echo hĂ€lt an. Sie werden einzelne Zeilen im Alltag wiederfinden. So arbeitet Reinhard Mey Immer weiter in Ihnen nach.

Was fehlt, was bleibt

Nicht jedes StĂŒck hat die gleiche Zugkraft. Ein bis zwei Songs wirken wie FĂŒllsel. Doch selbst dort stimmt die Handwerkskunst. Und die Gesamtarchitektur ĂŒberzeugt. Das Album baut Bogen und Balance. Es atmet. Es nimmt sich Zeit. Es vertraut Ihnen als Hörer. Reinhard Mey Immer weiter setzt auf dieses Vertrauen. Und gewinnt es.

Fazit: Ein leiser Kompass fĂŒr laute Zeiten

Dieses Album ist ein Kompass. Es zeigt Richtung, ohne zu kommandieren. Es hĂ€lt Maß und spricht aus, was zĂ€hlt. Der Klang ist reduziert, der Inhalt reich. Die Mischung aus Liebe, Sprache und Verantwortung trĂ€gt. Wenn Sie sich auf die Reise einlassen, gewinnen Sie an innerer Ruhe. Das ist viel. Und es ist selten.

So steht am Ende ein klares Urteil. Reinhard Mey Immer weiter ist kein Sammelbecken von Hits. Es ist ein geschlossenes, warmes, waches Werk. Es bleibt im GedÀchtnis, weil es den Mut zum Leisen hat. Es bleibt im Herzen, weil es dem Menschen dient. Und es bleibt im Ohr, weil es mit jedem Hören reicher wird.

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