Letztes Update: 05. Dezember 2025
In unserer Rezension zu Reinhard Meys Album Alles geht! zeichnen wir die Stimmung des Werks nach, heben markante Lieder hervor und analysieren Text und Arrangement. Sie erfahren, wo das Album ĂŒberzeugt, wo es zurĂŒckhaltender wirkt und fĂŒr welche Hörer es besonders empfehlenswert ist.
Ein Mann, eine Gitarre und die Welt, die ihn umgibt: So lĂ€sst sich der Kern dieser Platte umreiĂen. Und doch steckt viel mehr darin. Das Album erschien am 1. MĂ€rz 1992. Es trĂ€gt den programmatischen Titel Reinhard Mey Alles geht!. Es ist ein Werk ĂŒber NĂ€he und Gewissen. Ăber Humor und Haltung. Ăber das Ende einer Epoche und den Anfang einer anderen. Es ist auch ein Album ĂŒber das Ălterwerden, das Staunen und das Festhalten an Werten. Dieser Spannungsbogen macht die Songs lebendig. Sie hören ein vertrautes Timbre, doch die Fragen sind neu. Das ist die feine Kraft dieses Albums.
Sie spĂŒren das sofort. Der Ton ist warm. Die Themen sind breit. Es geht um Familie, Liebe, Tiere, Nachbarschaft, Politik und Wetter. Es klingt nach Hauskonzert, aber die Welt klopft an. Das ist die Linie, die Reinhard Mey Alles geht! von der ersten bis zur letzten Minute zeichnet. Und sie trĂ€gt. Denn das Private ist hier nie klein. Es ist der Spiegel fĂŒr das GroĂe.
1992 war ein Jahr des Ăbergangs. Die Mauer war weg, doch die inneren Grenzen blieben. In den StraĂen mischte sich Hoffnung mit Skepsis. Man trug neue PĂ€sse, aber auch alte Gedanken. Genau in diese Lage fĂ€llt dieses Album. Es atmet den Nachhall der Wende. Es fragt nach Haltung im Wandel. Es sucht die ruhige Stimme im LĂ€rm der neuen Zeit. Sie hören das in mehreren StĂŒcken. Und Sie merken: Das ist kein lautes Album. Es ist ein waches Album.
Das macht die Platte so zugĂ€nglich. Sie erzĂ€hlt ohne Parolen. Sie zeigt Gesichter, keine Schlagzeilen. Reinhard Mey Alles geht! nimmt die groĂen Themen in die Stube. Dort sind sie im Licht. Dort lassen sie sich anfassen.
Die Produktion setzt auf Luft und NĂ€he. Gitarre vorn, Stimme klar, Details sparsam. Streicher treten dosiert hinzu. Ein Piano ĂŒbernimmt einmal die FĂŒhrung. Der Sound ist CD-frisch, aber nicht kĂŒhl. Er vermeidet Effekthascherei. Das passt zu den Texten. Worte und Melodie dĂŒrfen atmen. Die Arrangements helfen, nicht herrschen. Das ist elegant gelöst. Es stĂ€rkt die Intention jeder Zeile.
So wirkt die Platte heute noch modern. Wenig Technik, viel PrĂ€senz. Die Klangsprache trĂ€gt auch auf Kopfhörern. Sie hören das Zupfen, das Atmen, den Raum. Reinhard Mey Alles geht! ist keine Studioburg. Es ist eine TĂŒr, die sich öffnet.
Der Auftakt ist ein Liebesbrief an ein Kind. 3:51 Minuten WĂ€rme. Ein Vater schaut hin. Er staunt ohne Kitsch. Er beobachtet, wie ein kleiner Mensch groĂ ist, wenn er staunt. Das StĂŒck gibt den Ton vor: Empathie, Klarheit, Humor. Die Gitarre hĂ€lt das Tempo. Die Bilder sind hell. Sie fĂŒhlen die NĂ€he, ohne dass es sĂŒĂlich wird.
Mit 6:18 ist es eine kleine ErzĂ€hlung. Ein Freund rĂŒckt in den Fokus. LoyalitĂ€t steht auf dem Spiel. Es geht um Fehler und Treue. Um die Frage: Wann bleibt man? Wann geht man? Der Text kreist, ohne sich zu drehen. Am Ende bleibt Respekt. Und die Einsicht: Jeder trĂ€gt sein GepĂ€ck. Das ist ein ernster, ruhiger Höhepunkt. Reinhard Mey Alles geht! zeigt hier seine literarische Seite.
Nur 2:19 lang, aber scharf beobachtet. Ein Blick in die Mikro-Politik des Alltags. Rollen, Rituale, kleine Eitelkeiten. Ein Song wie ein LĂ€cheln ĂŒber den Rand einer Kaffeetasse. Der Witz sitzt, doch er sticht nicht. Die Musik hĂ€lt sich zurĂŒck. Das macht den Text groĂ.
Zwei Fassungen, ein Kern: Ich liebe dich. Einmal in 3:33 Minuten als zentrale Ballade. Einmal als Piano-Version in 3:28. Die beiden Versionen öffnen zwei RÀume. Die erste ist Kaminfeuer. Sie trÀgt auf Gitarre. Die zweite ist Winterlicht. Sie liegt auf Tasten. Beides sind Liebeslieder ohne Puderzucker. Sie meiden das Klischee. Sie sagen nicht zu viel, aber genau das Richtige. So wird IntimitÀt hörbar.
Diese Doppelung ist ein Statement. Ein Song kann sein Gesicht wechseln. Der Sinn bleibt. Das GefĂŒhl verrĂŒckt sich leicht. Ihre Perspektive bewegt sich mit. Reinhard Mey Alles geht! nutzt diese Technik klug. Es verleiht dem Album Form und Tiefe.
Der Titel knallt. Die Pointe sitzt. Doch es bleibt nicht beim Gag. Hier steckt Ethik im Witz. Es geht um Respekt vor Tieren. Es geht um Sprache und Moral. Die Ausrufezeichen sind ironisch. Der Gedanke dahinter ist ernst. Der Song zeigt, wie Humor Haltung tragen kann. Das StĂŒck dauert 4:15 und wirkt noch lange nach.
In 5:11 rollt der Song ein Thema auf: Etiketten bestimmen das Bild. Menschen lieben Schubladen. Marken beruhigen. Doch das Etikett sagt wenig ĂŒber den Inhalt. Der Text spielt mit dieser Idee. Er ist leichtfĂŒĂig, aber prĂ€zise. Die Melodie nimmt den Bogen auf. Sie zieht Sie sanft durch die Argumente.
Hier regnet es mit Stil. 3:40 nasse Laune, trocken serviert. Der Refrain wirkt wie ein Augenzwinkern. Die Strophen malen kleine Szenen. Der Humor ist zart. Er schirmt nicht ab, er verbindet. Genau darin liegt seine QualitÀt. Auch das ist ein Markenzeichen von Reinhard Mey Alles geht!.
3:33, und der Raum wird weit. Der Song blickt ĂŒber ZĂ€une. Er fragt nach den Linien in Köpfen und Landkarten. Es ist kein politischer Aufschrei. Es ist ein stiller Appell. Der Text zeigt Menschen, keine Slogans. Das macht seine Kraft aus. Sie hören die Frage: Wo beginnt die Grenze in mir?
Der Titel ist ein Datum. Die Erinnerung ist frisch. 4:06 voller Nachklang. Der Song hĂ€lt inne. Er schaut auf den Moment, an dem alles anders war, und doch vieles gleich blieb. Keine Heldenpose. Stattdessen leise Ehrlichkeit. Das StĂŒck verankert die Platte in ihrer Zeit. Es gibt ihr Gewicht. Hier zeigt sich, wie Reinhard Mey Alles geht! Geschichte atmen lĂ€sst.
Mit 3:42 ist es ein grinsendes SelbstportrÀt. Die Zahl rundet, die Fragen nicht. Was war? Was bleibt? Was kommt noch? Der Song nickt all dem zu. Er bleibt freundlich zu sich selbst. Ohne Selbstmitleid. Ohne Prahlerei. Sie hören eine Stimme, die ihren Frieden sucht. Und Humor als Weg nutzt.
Ein milder Schwips von 3:45. Der Song riecht nach Holz, Hafen, Geschichten. Er trĂ€gt die Sehnsucht ĂŒber kleine Gesten. Kein Shanty, keine Pose. Ein stilles Bild von Trost und Zeit. Die Melodie wiegt das Motiv. So wird aus einem Drink ein Moment der Einkehr.
5:39 Weite fĂŒr leise Töne. Wenn die StĂŒhle auf den Tischen stehen, beginnt die Poesie. Das Ende ist kein Verlust. Es ist Raum. Der Song feiert die Ruhe nach dem Sturm. Er zeigt Schönheit, wenn das Publikum weg ist. Das ist mehr als Nostalgie. Es ist eine Lebenshaltung. Und es ist eine der stĂ€rksten Kompositionen auf Reinhard Mey Alles geht!.
Die 13 Tracks fĂŒgen sich zu einem Bogen. Beginn mit NĂ€he, Ende mit Nachklang. Dazwischen mischt sich Humor mit Ernst. Die Balladen atmen, die Satire lockert. Die politische Beobachtung sitzt gut verteilt. Sie bekommen Pausen an den richtigen Stellen. Das ist fein dosiert. Die Laufzeiten helfen. Lange StĂŒcke tragen die Reflexion. Kurze setzen Punkte. So bleibt das Album agil.
Die doppelte Ballade rahmt zart. Der Wechsel in der Mitte schafft Raum. Die Reise wirkt schlĂŒssig. Kein StĂŒck fĂ€llt ab. Ein paar Songs stechen hervor. Doch keiner stört den Fluss. Das ist die Kunst von Reinhard Mey Alles geht!. Es ist ein Album, das mitdenkt.
Wer frĂŒhe Platten kennt, hört Vertrautes. Die Stimme fĂŒhrt, die Gitarre trĂ€gt. Doch hier kommt etwas dazu. Es ist der Nachhall der Zeitenwende. Und es ist die gelassene Sicht des gereiften Autors. Neben den klassischen ErzĂ€hlstĂŒcken stehen Spurenelemente eines neuen Tons. Weniger Zorn, mehr Milde. Der Blick ist nicht weicher. Er ist genauer.
Im Oeuvre wirkt die Platte wie ein Scharnier. Sie schlieĂt an frĂŒhere Lieder ĂŒber Alltagshelden an. Und öffnet in Richtung kontemplativer SpĂ€twerke. Diese Balance macht den Reiz. Reinhard Mey Alles geht! bĂŒndelt StĂ€rken und markiert das nĂ€chste Kapitel.
Weil die Fragen bleiben. Was ist WĂŒrde? Wie bleibt man freundlich? Wie lebt man mit BrĂŒchen? Wie setzt man Humor, ohne zu verletzen? Dieses Album zeigt Wege. In kleinen Szenen. Ohne Moralkeule. Es lĂ€dt Sie ein, nachzudenken, ohne schwer zu werden.
Die Musik hilft dabei. Ein klarer Klang, eine ruhige Hand. Sie hören Handwerk. Sie hören Erfahrung. Sie hören Neugier. Diese Mischung trÀgt. Sie können das Album heute jemandem geben, der Mey nicht kennt. Es funktioniert. Es klingt gegenwÀrtig. Und es zeigt, warum Reinhard Mey Alles geht! ein guter Einstieg ist.
Meys Sprache ist schnörkellos. Sie lebt von Bildern, nicht von Fremdwörtern. Ein Abend, ein Regen, ein Tier, ein Kind. Das reicht. Die PrĂ€zision macht es stark. Sie sehen, was Sie hören. Sie hören, was Sie fĂŒhlen. Keine Flucht in Phrasen. Kein Beton auf den SĂ€tzen.
Das gibt dem Album seine Leuchtkraft. Es macht die Lieder anschlussfĂ€hig. In jeder Zeile steckt Respekt vor dem GegenĂŒber. Das gilt fĂŒr Menschen. Das gilt fĂŒr Tiere. Das gilt fĂŒr das Publikum. So wird Reinhard Mey Alles geht! zur Schule der Aufmerksamkeit.
Die Gitarre begleitet nicht nur. Sie erzĂ€hlt mit. Arpeggien ziehen Linien. SchlĂ€ge setzen Tritte. Kleine LĂ€ufe unterstreichen die Pointe. Die Stimme bleibt nah. Sie trĂ€gt ohne Druck. Sie flĂŒstert, wenn es reicht. Sie lacht, wenn es sein muss. Sie setzt Pausen. Die Stille ist Teil der Musik.
Dieses Zusammenspiel ist reif. Es wirkt wie selbstverstĂ€ndlich. Doch es ist prĂ€zise gebaut. Sie merken das in jedem Ăbergang. Kein Wort stolpert. Kein Ton drĂ€ngt. Deshalb hĂ€lt die Platte viele DurchlĂ€ufe aus. Und deshalb klingt Reinhard Mey Alles geht! auch auf leiser LautstĂ€rke voll.
Der Blick ins Klassenzimmer. Das LĂ€cheln ĂŒber den Regen. Die Hand auf der Schulter eines Freundes. Das Nachdenken am Feiertag. Der Duft von dunklem Rum. Das Ende einer Saison, das beginnt wie ein neuer Tag. Das sind die Bilder, die bleiben. Sie sind klein, aber sie wachsen im Kopf.
So arbeitet das Album. Es legt Spuren. Es lĂ€sst Sie nicht mit einem groĂen Finale zurĂŒck. Es gibt Ihnen kleine Lichter fĂŒr den Alltag. Das ist kein Effekt. Das ist Substanz. Reinhard Mey Alles geht! spielt die lange Linie. Es hofft auf Ihr Wiederhören. Es hat recht.
In vielen Liedern steckt eine soziale Geste. Hinsehen. Zuhören. Nicht urteilen, bevor man versteht. Das klingt einfach. Es ist schwer. Hier gelingt es, weil die Ich-Perspektive nicht herrscht. Sie dient der Sache. Der ErzĂ€hler steht neben den Figuren, nicht ĂŒber ihnen.
So wird das Album zu einem Denkraum. Ein Raum, in dem man sich nicht schĂ€men muss, zu fĂŒhlen. Ein Raum, in dem ein Witz nicht trennt, sondern verbindet. Das ist wertvoll. Und es ist nicht altmodisch. Es ist zeitlos. Darum gehört Reinhard Mey Alles geht! in jede Sammlung, die auf Haltung setzt.
Ob auf CD, im Stream oder aus der Box: Das Album funktioniert. Die Dynamik lebt von Raum. Deshalb lohnt es, in Ruhe zu hören. Vielleicht mit Kopfhörer. Vielleicht an einem verhangenen Nachmittag. Die EinzelstĂŒcke tragen auch in Playlists. Doch am besten wirkt die gesamte Reise. Die Reihenfolge erzĂ€hlt mit.
Wenn Sie neu einsteigen, beginnen Sie am Anfang. Lassen Sie die beiden Fassungen der Liebesballade auf sich wirken. Springen Sie dann zu "3. Oktober '91". Kehren Sie zu "Ich liebe das Ende der Saison" zurĂŒck. Und wenn Sie lachen wollen, drĂŒcken Sie auf "Elternabend". Am Ende werden Sie merken, wie gut Reinhard Mey Alles geht! balanciert.
Diese Platte ist ein LehrstĂŒck in feiner Kunst. Sie ist nah, ohne indiskret zu sein. Sie ist politisch, ohne Parolen. Sie ist lustig, ohne zu verletzen. Sie ist privat, ohne klein zu sein. Die Produktion unterstĂŒtzt das, statt es zu verdecken. Die Songs sind handwerklich stark. Die Stimme fĂŒhrt sicher.
Wenn Sie ein Album suchen, das Haltung und Herz verbindet, sind Sie hier richtig. Wenn Sie wissen wollen, wie Humor und Ethik sich anfreunden, hören Sie "Die WĂŒrde des Schweins ist unantastbar!". Wenn Sie eine LiebeserklĂ€rung ohne Klischee wollen, wĂ€hlen Sie die Piano-Version. Wenn Sie die Zeit nach der Wende fĂŒhlen wollen, hören Sie "3. Oktober '91". Und wenn Sie das Leben lieben, auch im Regen, dann nehmen Sie den ganzen Zyklus. Denn genau dafĂŒr steht Reinhard Mey Alles geht!.
Reinhard Mey hat mit seinem neuen Album "Alles geht!" wieder einmal bewiesen, warum er zu den bedeutendsten Singer-Songwritern Deutschlands gehört. Die Mischung aus tiefgrĂŒndigen Texten und eingĂ€ngigen Melodien macht dieses Werk zu einem echten Highlight. Wenn Sie mehr ĂŒber Reinhard Meys musikalische Reise erfahren möchten, empfehle ich Ihnen den Artikel Reinhard Mey Unterwegs. Hier finden Sie eine ausfĂŒhrliche Kritik und Vorstellung eines seiner frĂŒheren Alben.
Ein weiteres bemerkenswertes Album von Reinhard Mey ist "Freundliche Gesichter". Auch hier zeigt Mey seine FĂ€higkeit, Emotionen und Geschichten in Musik zu verwandeln. FĂŒr eine detaillierte Kritik und weitere Informationen zu diesem Album besuchen Sie bitte Reinhard Mey Freundliche Gesichter. Dieses Werk ist ein Muss fĂŒr jeden Fan und bietet tiefe Einblicke in Meys kĂŒnstlerisches Schaffen.
AbschlieĂend möchte ich Ihnen noch das Live-Album "Zwischen ZĂŒrich und zu Haus" ans Herz legen. Dieses Album fĂ€ngt die besondere AtmosphĂ€re von Meys Konzerten ein und zeigt seine beeindruckende BĂŒhnenprĂ€senz. Lesen Sie mehr darĂŒber in unserem Artikel Reinhard Mey Zwischen ZĂŒrich und zu Haus: Live. Es ist eine wunderbare ErgĂ€nzung zu "Alles geht!" und zeigt eine weitere Facette von Meys musikalischem Talent.