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Reinhard Mey — Zwischen Zürich und zu Haus: Live (Review)

Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live — Vorstellung und Kritik

Letztes Update: 09. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Live‑Album Zwischen Zürich und zu Haus: Live vor und bietet eine fundierte Kritik. Er beschreibt Konzertatmosphäre, bewertet Stimme, Arrangements und Songauswahl, hebt persönliche Höhepunkte hervor und gibt Empfehlungen für Hörer.

Zwischen Lampenfieber und Weltbeobachtung: Eine Reise durch ein Live-Album

Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live

Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live ist ein Abend in Tönen. Es ist ein Raum voller Atem, Gitarrenklang und stiller Blicke. Sie hören nicht nur Lieder. Sie hören ein Denken und ein Lächeln. Sie sitzen im Saal, obwohl Sie zu Hause sind. Das ist die besondere Kraft dieses Dokuments.

Ein Album als Wegmarke, 1995

Das Jahr 1995 fühlt sich in der Rückschau nah und fern zugleich an. Die Welt war im Umbruch, auch hierzulande. In dieser Lage setzt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live eine klare Marke. Es ist ein Album, das inne hält. Es tastet sich an Fragen heran, die nicht altern. Liebe, Frieden, Sprache, Erinnerung. Die Bühne wird zur Werkbank, zur Kanzel und zum Sofa. Alles zugleich, aber nie laut.

Das Klangbild: Nah, warm, unbestechlich

Ein Live-Album steht und fällt mit dem Ton. Hier ist er warm und sehr direkt. Die Gitarre liegt vorn, doch nie scharf. Die Stimme gleitet darüber, trocken und präzise. Sie hören die Saalresonanz, aber nur als Hauch. So bewahrt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live Intimität. Er setzt auf Nähe statt auf Hall. Das lässt jedes Wort tragen. Und es schafft Vertrauen, schon im ersten Stück.

Die Dramaturgie der Setlist

Der Abend öffnet sich mit Schwung. "Musikanten sind in der Stadt" baut ein Tor. Es ist weit und hell. Der Rhythmus schiebt, die Bilder leuchten. Der Faden führt über Humor, Alltag, Moral und Zweifel. Er rastet nie in nur einer Farbe ein. Damit zeigt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live, wie klug eine Setlist erzählt. Es sind zwölf oder vierzehn Bausteine, je nach Ausgabe. Doch die Erzählung bleibt eine. Sie startet offen, nimmt Tempo raus, atmet, wechselt das Licht, und endet mit Geste und Gruß.

Humor als Türöffner

Die frühen Stücke lachen gern. "Ich liebe meine Küche" ist Küchenpoesie, aber ernst gemeint. "Der Mörder ist immer der Gärtner" spielt mit Klischees und Blickfallen. Dazu der Wortwitz von "Der unendliche Tango der deutschen Rechtschreibung" in der Erweiterung. Humor glättet den Weg. Er lädt Sie ein. Danach kann es tiefer gehen. Diese Stufen atmen Sie mit. Das macht Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live so zugänglich, auch für Hörende, die neu einsteigen.

Politik ohne Parolen

Die politische Kante ist da, doch nie als Keule. "Nein, meine Söhne geb’ ich nicht" bleibt ein Fixpunkt. Es ist ruhig und schmerzhaft klar. "Vernunft breitet sich aus über die Bundesrepublik Deutschland" ist bissig, klug und lang. Hier spricht ein wacher Bürger. Er zieht Fäden, statt sie zu zerschneiden. Auch "Frieden" hält die Flamme niedrig und wach. So zeigt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live, wie Protest ohne Lärm wirkt. Er verlässt sich auf Satzbau, Bild und Timing. Das ist tapfer und zeitlos.

Zwischen Alltagsgold und satirischem Biss

Kein Konzert mit Mey ohne die Heiterkeit des Banalen. "Ich möchte!" macht Wünsche klein und groß zugleich. "Die Würde des Schweins ist unantastbar" spiegelt Sprache und Moral. Es klingt verspielt, doch meint es ernst. Diese Balance prägt den ganzen Abend. Sie hören Zärtlichkeit und Ironie in einem Atemzug. Und so gewinnt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live Kraft aus Widerspruch. Es ist ein Lächeln, das denkt. Es ist Denken, das lächelt.

Zwischen Zürich und zu Haus: Orte und Bilder

Der Titel nennt zwei Pole. Zürich steht für Bühne, für das Fremde im Vertrauten. Zu Haus steht für Küche, Kinderzimmer, Hof und Gang. Dazwischen spannt sich die Reise. Sie geht über Flughäfen und Bahnhöfe. "Hauptbahnhof Hamm" zwinkert dabei freundlich. "51er Kapitän" öffnet den Blick auf See und Zeit. Dieser Wechsel von Fernweh und Herdfeuer ist mehr als Geste. Er ist das Herz von Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live. Er zeigt, warum Liedkunst nicht in Schubladen passt.

Zwei Formate, zwei Lesarten

Die CD mit 12 Tracks wirkt wie ein konzentrierter Abend. Sie ist straff, aber nicht streng. Anfang und Ende sind klar markiert. "Willkommen an Bord" schließt mit einer offenen Umarmung. Es ist ein Abspann, der noch etwas verspricht. Die CD mit 14 Tracks hat eine andere Kurve. Hier ergänzen "Ein Stück Musik von Hand gemacht", "Du bist ein Riese, Max" und "Über den Wolken" das Bild. So wirkt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live hier breiter, vielleicht auch populärer. Die Klammer bleibt die gleiche: Ein Mensch, eine Gitarre, ein Raum.

Die 12er-Edition: Fokus und Tiefe

In der 12er-Fassung fällt die Gewichtung auf die leisen Spannungen. "Wie ein Baum, den man fällt" bringt ein starkes Bild von Endlichkeit. "Maikäfer fliege" wirft Geschichte in den Abend. Es ist kein Zitatunterricht, sondern Erinnerung in warmem Ton. Sie fühlen die Last und doch auch Trost. So zeigt Ihnen Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live, wie sich Schmerz in Sprache verwandelt. Ohne jeden Kitsch. Ohne Härte. Mit Haltung.

Die 14er-Edition: Bogen und Breite

Die 14er-Fassung ergänzt die Palette. "Die Kinder von Izieu" bringt ein schweres Kapitel Europas auf die Bühne. Es ist ein Moment, in dem der Saal stiller wird. "Selig sind die Verrückten" feiert die Ausreißer der Norm. "Das Etikett" schaut auf Schubladen, in die wir andere stecken. So zeichnet Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live in dieser Fassung ein größeres Panorama. Es berührt mehr Genres: Satire, Chanson, Ballade, Zeitlied. Das macht den Abend breiter, aber nicht flacher.

Die Stimme: Luft, Farbe, Geduld

Meys Stimme ist ein Instrument der kleinen Schritte. Sie lebt von Luft und Ruhe. Die Phrasen sind klar gesetzt. Vibrato gibt es nur, wenn es dient. Viele Zeilen liegen im Sprechgesang. Doch im Refrain hebt er an. Das ist ökonomisch und sehr bewusst. So kann Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live lange Bögen tragen. Auch das Alter der Aufnahme spielt mit. 1995 war die Stimme hell, aber reif. Es gibt keine Jagd nach Höhe. Es gibt ein Ziel nach innen.

Die Gitarre: Schule des Handwerks

Das Picking ist fein und beständig. Die Basssaiten halten den Puls. Darüber tanzen Arpeggien. Kleine Läufe setzen Akzente. Der Klang bleibt immer geerdet. Kein Effekt, keine Show um der Show willen. Auf diese Art zeigt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live die Würde des Handgemachten. Jeder Anschlag hat Sinn. Jede Pause auch. In der Summe entsteht ein Fluss. Er trägt die Worte, ohne sie zu erdrücken.

Publikum als Mitspieler

Ein gutes Live-Album lässt den Saal sprechen. Hier ist er präsent, aber diszipliniert. Lachen kommt an den rechten Stellen. Applaus hat Atmung. Es gibt Momente, in denen das Schweigen lauter ist als jedes Klatschen. Das ist ein Zeichen für Vertrauen. So wird Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live zu einem Bündnis zwischen Bühne und Stuhlreihe. Es ist kein Mitsing-Zirkus. Es ist gemeinsames Hören. In einem Haus, das für eine Stunde allen gehört.

Texte als Landkarte

Die Texte sind Landkarten. Sie führen über Wortspiele, Bilder, kleine Anekdoten. Sie fädeln Themen ein und führen sie wieder aus. All das geschieht ohne Zeigefinger. Sie werden nicht belehrt, sondern begleitet. So entsteht Tiefe auf leisen Sohlen. Dieser Stil trägt durch das ganze Programm. Genau darin liegt der Reiz von Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live. Sie merken, wie präzise die Schnitte sitzen. Doch es bleibt locker. Der Autor ist streng. Der Sänger ist milde.

Balance zwischen Pathos und Gelassenheit

Pathos kann kippen. Hier tut es das nicht. Eine Zeile vor der Kante bremst Mey ab. Dann zeigt er eine kleine, kluge Wendung. Das rettet die Szene. Gelassenheit schützt die großen Worte. So werden Lieder wie "Leb wohl, adieu, gute Nacht" zu guten Begleitern. Sie sind nicht pompös, aber auch nicht nüchtern. Diese Form ist selten. Sie braucht Mut zum Weglassen. Die Stärke von Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live liegt genau dort.

Wiederhören der Klassiker

Wenn "Über den Wolken" erklingt, ändert sich die Luft. Es ist ein Stück, das viele kennen. Live wird es entkleidet und neu geerdet. Das Tempo sitzt, der Druck ist weg. Sie hören die Zeilen, als wären sie frisch. Auch "Ein Stück Musik von Hand gemacht" gewinnt im Saal. Es erklärt, was Sie gerade erleben. Es ist ehrlich, nicht kokett. So fügt sich Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live in die eigene Tradition ein. Es verjüngt Altes, statt es zu polieren.

Erzählperspektiven: Vom Ich zum Wir

Viele Lieder starten im Ich. Sie landen im Wir. "Meine Freundin, meine Frau" ist zart und schlicht. Es beginnt privat, endet aber universell. "Ohne Dich" tastet Einsamkeit ab, ohne zu versinken. "Du bist ein Riese, Max" zeigt Fürsorge, die zugleich Forderung ist. Diese Bewegung vom engen Fokus ins weite Feld ist typisch für Mey. Auch darin zeigt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live sein Format. Es ist nicht der Monolog eines Künstlers. Es ist ein Gespräch, das in Ihnen weitergeht.

Zeitrisse und Patina

Natürlich hört man 1995. In Themen, in Anspielungen, in Tempo. Doch nichts wirkt verstaubt. Die Ironie ist hell, nicht zynisch. Die Ernsthaftigkeit ist weich, nicht weltfremd. So entsteht Patina statt Rost. Sie spüren das Heute im Gestern. Ein gutes Live-Album altert wie Leder. Es wird weicher, aber stärker. Genau so verhält sich Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live, wenn Sie es heute auflegen.

Das Erbe im Mey-Kosmos

Im Werk von Mey steht das Album an einer Kreuzung. Frühere Alben suchten stärker das Spiel. Spätere Alben ruhen noch mehr in sich. Hier trifft beides zusammen. Das macht den Reiz. Sie hören die Reife eines Autors, der noch sucht. Sie hören den Witz eines Suchenden, der schon viel weiß. In dieser Mitte liegt die Ausdauer. Deshalb wird Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live auch für neue Hörerinnen und Hörer ein guter Startpunkt bleiben.

Ein Blick auf einzelne Höhepunkte

"Willkommen an Bord" ist ein smarter Schluss. Es sagt: Der Abend geht weiter, nur woanders. "Das kleine Mädchen" hält den Blick auf das Fragile in der Welt. "Das Etikett" kratzt an unseren schnellen Urteilen. Jede Nummer hat einen Dienst im Ganzen. Sie stützt den Bogen oder setzt Kontrast. Diese Kunst der Platzierung ist selten. Darin zeigt sich die Erfahrung des Künstlers. Und darin gewinnt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live immer wieder an Spannung, auch beim dritten Hören.

Produktion und Schnitt: Die unsichtbare Hand

Wer Live-Alben liebt, kennt die Tücken. Schnitte reißen, Stimmungen schwanken, Pegel fallen. Hier fügt sich alles glatt. Übergänge sind organisch. Ansagen sitzen. Der Raumklang bleibt gleich. Dennoch ist nichts steril. Sie hören kleine Nebengeräusche. Sie hören auch mal das Rutschen auf dem Hocker. So bleibt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live ehrlich. Die Aufnahme zeigt den Menschen, nicht die Maschine. Das passt zum Titel. Es passt zur Haltung.

Warum dieses Album heute noch trägt

Weil es die großen Fragen klein macht. Weil es kleine Dinge groß werden lässt. Weil es Humor nicht gegen Ernst ausspielt. Und weil es Sie als mündigen Menschen anspricht. In einer Zeit, die schrill ist, wirkt das fast kühn. Gerade deshalb sollten Sie Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live heute hören. Es ist ein Gegenmittel gegen Lärm. Es ist eine Schule des ruhigen Blicks. Es ist dazu noch gute Unterhaltung. Das reicht für viele Abende.

Für wen sich das Hören lohnt

Wenn Sie Wortkunst lieben, sind Sie hier richtig. Wenn Sie Schnörkel meiden, auch. Wenn Sie Musik als Gespräch sehen, erst recht. Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live ist ein Album für Menschen, die sich Zeit nehmen. Es ist für Sie, wenn Sie beim Hören mitdenken wollen. Aber es ist auch für Sie, wenn Sie nur Wärme suchen. Beides geht hier zusammen, ohne zu reiben.

Fazit: Das ruhige Licht

Dieses Live-Album leuchtet nicht grell. Es leuchtet ruhig. Es zeigt einen Künstler in Balance mit sich und mit der Welt. Es zeigt Handwerk, Haltung und Humor. Die zwei Ausgaben öffnen zwei Fenster, doch der Blick geht auf dieselbe Landschaft. Wenn Sie nur eine Fassung wählen, bekommen Sie das Wesentliche. Mit beiden sehen Sie mehr Tiefe. So oder so: Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live bleibt eine Einladung. Sie führt von Zürich zu Ihnen nach Haus. Und von dort in eine Zeit, die atmet.

Am Ende steht etwas Einfaches. Sie hören einen Menschen, der Ihnen etwas erzählen will. Ohne Eile. Ohne Maske. Genau deshalb wirkt Reinhard Mey Zwischen Zürich und zu Haus: Live auch drei Jahrzehnte später frisch. Es ist ein kleines, großes Konzert, das seinen Raum in Ihrem Wohnzimmer findet. Wenn Sie ihm diesen Raum geben, wird es ihn füllen. Und noch lange nachklingen.

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