Letztes Update: 09. Februar 2026
Reinhard Mey Mairegen bietet einen Blick auf reife Liedkunst: Der Artikel stellt die neuen StĂŒcke vor, analysiert Texte, Arrangements und zieht Bilanz. sie erfahren, welche Songs ĂŒberzeugen, wo Meys StĂ€rken liegen und fĂŒr wen das Album passt.
Im Mai 2010 erschien ein Werk, das still ist und zugleich klar. Es heiĂt Mairegen und trĂ€gt den Namen eines Monats, der Wandel meint. Sie hören hier keinen Paukenschlag. Sie hören einen KĂŒnstler, der mit Ruhe spricht. Und Sie merken gleich: Das ist kein RĂŒckzug, sondern Haltung. Schon nach den ersten Minuten ist klar, wie sehr sich die Jahre in WĂ€rme verwandelt haben. So klingt ein Album, das Geduld kennt und auf das Wesentliche zielt.
Reinhard Mey steht seit Jahrzehnten fĂŒr das Lied in seiner reinsten Form. Stimme, Gitarre, ErzĂ€hlung. Mehr muss es oft nicht sein. Reinhard Mey Mairegen fĂŒhrt Sie an die Hand und lĂ€sst die Welt leiser werden. Das ist kein FlĂŒstern. Das ist PrĂ€zision. Das ist Trost und Widerspruch zugleich. Es ist Musik, die ihre Zeit atmet und darĂŒber hinaus will.
Das Album kreist um NĂ€he. Es geht um Menschen, um Erinnerungen, um Gewissen. Es geht um Dinge, die uns im VorĂŒbergehen berĂŒhren. Der Regen im Mai steht fĂŒr Aufbruch und Verwandlung. Er benetzt die Haut, aber er dringt nicht kalt ein. Diese Bilder tragen den Ton des Albums. Sie finden keine Dramen in GroĂbuchstaben. Sie finden kleine Bewegungen, die lange nachhallen.
Reinhard Mey Mairegen betrachtet das Leben mit sanfter Strenge. Die Texte sind klar. Die Pointe kommt leise. Sie lÀcheln und schlucken in einem Atemzug. Diese Balance ist Kunst. Sie entsteht durch Genauigkeit, nicht durch Effekte. So wird ein einfacher Moment zur ErzÀhlung, die bei Ihnen bleibt.
Wer Mey kennt, erwartet keine Wall of Sound. Die Gitarre fĂŒhrt, die Stimme trĂ€gt, dezent gestĂŒtzte Arrangements reichen die Hand. Hier und da tauchen zarte Farben auf. Ein Hauch von Klavier, ein Schatten von Streicher, ein Atem von Akkordeon. Nichts drĂ€ngt nach vorn. Alles dient dem Wort.
Das ist die StĂ€rke von Reinhard Mey Mairegen. Es erlaubt Ihnen, jedem Bild zu folgen. Sie hören den Raum zwischen den Tönen. In diesem Raum wohnen Stille und Sinn. Das ist nicht spĂ€rlich, sondern bewusst. Es ist die Ăkonomie eines KĂŒnstlers, der weiĂ, wann genug genug ist.
Meys Stimme trĂ€gt Erfahrung. Die Höhen sind ruhiger, die Tiefe ist wĂ€rmer. Jede Silbe klingt gesetzt. Keine Note wirkt gejagt. Er betont, was zĂ€hlt, und lĂ€sst aus, was stört. So entsteht eine NĂ€he, die selten ist. Sie sitzen gleichsam am KĂŒchentisch und hören einem Freund zu, der gut erzĂ€hlen kann.
In Reinhard Mey Mairegen fĂŒhrt die Stimme nicht nur durch die Lieder. Sie ist Kompass. Sie hĂ€lt die Balance zwischen ZĂ€rtlichkeit und Haltung. Sie spĂŒrt das Komische im Alltag, aber sie verrĂ€t es nicht an den Klamauk. Sie benennt das Ernsthafte, aber sie predigt nicht. Und genau das macht die Lieder zu Begleitern, nicht zu Parolen.
Gleich der Einstieg mit Antje zeigt, wie Mey Figuren baut. Ein Name genĂŒgt, und schon öffnet sich ein Raum. Sie sehen eine Person, eine Geste, ein Licht. Das ist Literatur im Kleinen. Die Gitarre hĂ€lt Takt, die Stimme skizziert, die Erinnerung fĂ€rbt zu. So entsteht eine persönliche Chronik ohne Pathos. Es ist ein Blick, der niemanden vorfĂŒhrt. Er versucht, zu verstehen.
Auch Das erste Mal arbeitet mit diesem Prinzip. Die ErzĂ€hlung hebt ab aus einem alltĂ€glichen Moment. Dann fĂŒhrt sie in eine Zeit, die uns alle geprĂ€gt hat. Sie hören nicht nur eine private Bilanz. Sie hören eine Schule des Sehens. Reinhard Mey Mairegen zieht Sie von Bild zu Bild. Am Ende wirkt der Weg ganz logisch. Doch er war nicht vorhersehbar.
Gegen den Wind ist ein StĂŒck ĂŒber Standfestigkeit. Es geht um das Nein im richtigen Moment. Es geht um Werte ohne erhobenen Zeigefinger. Das wirkt nie hart. Es klingt entschieden, doch gelassen. So hört sich SouverĂ€nitĂ€t an. Auch hier bleibt das Arrangement schlank. Die Botschaft steht. Die Form hĂ€lt sich dahinter. Der Song zeigt, wie klug das Album gebaut ist.
Gute Seele ist ein Danklied ohne Klebrigkeit. Es feiert die stillen KrĂ€fte, die uns tragen. Das kann eine Person sein. Das kann die Ruhe sein, die uns durch die Tage fĂŒhrt. Mey nennt die Dinge beim Namen. Aber er verneigt sich dabei, statt sich breit zu machen. Diese Haltung macht das StĂŒck stark.
Ficus Benjamini schaut auf ein GewĂ€chs im Wohnzimmer. Es ist eine kleine Szene. Und doch entfaltet sie weite Kreise. Der Blick auf das GrĂŒn wird zum Blick auf den Alltag. Der Ton ist heiter, die Pointe sitzt. Sie spĂŒren Respekt vor dem Kleinen. Reinhard Mey Mairegen zeigt, wie viel Musik in den Ritzen des Tages steckt.
Auch die Rotten Radish Skiffle Guys bringen Licht ins Set. Der Titel alleine lÀsst Sie schmunzeln. Der Song spielt mit Band-Mythos und Musikertraum. Doch er wird nie zur Parodie. Er bleibt liebevoll und listig. So entsteht ein LÀcheln, das durch den Rest des Albums trÀgt.
Nachtflug setzt einen anderen Akzent. Hier öffnet sich der Blick in den Himmel. Die Gitarre zeichnet Linien, die weit werden. Der Text bleibt nah. Er denkt ĂŒber Wege nach, ĂŒber Ziele und das, was auf halber Strecke passiert. Es ist ein Lied ĂŒber das Unterwegssein, ohne Reisepostkarte zu werden.
Larissas Traum webt einen feinen Teppich aus Sehnsucht. Der Name macht die Figur greifbar. Der Traum gibt ihr Tiefe. Der Song bleibt hell. Er vertraut auf das schöne Bild. Kein Drama, kein LĂ€rm. Nur die Frage, was wir festhalten und was wir laufen lassen. Auch hier zeigt Reinhard Mey Mairegen FingerspitzengefĂŒhl fĂŒr MaĂ und Ton.
Spring auf den blanken Stein ist ein Appell an den Moment. Es geht ums Wagen, aber nicht um Leichtsinn. Der Stein ist hart. Doch er trÀgt. Dieser Gedanke sitzt lange. Die Melodie hilft. Sie ist gerade und offen, ohne Druck. So wird der Sprung im Kopf möglich.
Was keiner wagt ist die Verdichtung einer Haltung. Sie ist kurz, klar, unverhandelbar. Das StĂŒck ist nur ein Atemzug lang. Doch dieser Atem zieht durch. Er erinnert daran, dass Mut auch leise sein kann. Und dass man ihn braucht, wenn alle wegschauen.
Wir sind eins spannt den Bogen auf Gemeinschaft. Es spricht davon, wie Verbundenheit entsteht. Nicht aus Slogan, sondern aus Blick und Tat. Das ist schlicht formuliert und darum stark. Reinhard Mey Mairegen zeigt, wie man ĂŒber Zusammenhalt singt, ohne Kitsch, ohne Pathos.
Der Titelsong Mairegen ist der Knoten im Gewebe. Regen im Mai ist weich, aber beharrlich. Er macht sauber, ohne zu scheuern. Er nĂ€hrt, ohne zu ertrĂ€nken. Genau so wirkt das Album. Es poltert nicht. Es spĂŒlt frei. Es lĂ€sst neue Dinge wachsen. Es ist eine Einladung, ruhig zu bleiben und doch wach zu sein.
Wenn Sie Reinhard Mey Mairegen hören, merken Sie, wie dieses Bild trĂ€gt. Es legt sich ĂŒber die Lieder, auch wenn der Regen nicht fĂ€llt. Es ist ein Filter, durch den die Farben leuchten. So ein Leitmotiv ist wertvoll. Es gibt dem Album Form und GedĂ€chtnis.
Die Reihenfolge ist klug gewĂ€hlt. Antje öffnet die TĂŒr mit einer Figur, die man gleich mag. Das erste Mal stellt den Blick scharf. Gegen den Wind richtet die Haltung aus. Gute Seele wĂ€rmt. Ficus Benjamini erdet. Nachtflug hebt an. So schiebt jede Nummer die andere an. Es entsteht ein Bogen, der hĂ€lt.
Zur Mitte hin zeigt Drachenblut eine andere Farbe. Das Wort weckt MĂ€rchenbilder. Doch der Song bleibt bodenstĂ€ndig. Er spricht ĂŒber innere RĂŒstungen und ihre Kosten. Dann kommt der Titelsong Mairegen und bĂŒndelt den Ton. Danach bringt Rotten Radish Skiffle Guys Luft. Larissas Traum öffnet zart. Spring auf den blanken Stein setzt ein Rufzeichen. Das Butterbrot feiert das Kleine. Wir sind eins spannt den Rahmen. Was keiner wagt schlieĂt. Kurz. Entschieden. In Reinhard Mey Mairegen ist diese Dramaturgie kein Zufall. Sie ist das stille GerĂŒst.
Dieses Lied verdient eine eigene ErwĂ€hnung. Es geht um das Brot, das wir teilen. Es geht um das Ritual, das uns trĂ€gt. Das klingt banal. Aber es ist es nicht. Es ist Kultur. Es ist Kindheit und Gegenwart in einem. Mey schreibt darĂŒber ohne Ăberhöhung. Er bleibt nah am Tisch. Genau darin liegt die GröĂe.
Reinhard Mey Mairegen feiert das Einfache als Quelle. Es zeigt, wie ein Alltagsding zu Bedeutung wird. Nicht durch Pathos, sondern durch Blick und Sprache. Das ist Schule des Sehens. Sie lernen, wieder zu bemerken, was da ist. Das ist nicht nostalgisch. Es ist Gegenwartskunst.
Im Vergleich zu den frĂŒhen Alben wirkt Mairegen gelassener. Die Spitze der Ironie ist runder geworden. Die Sprache ist noch klarer. Das Tempo ist gesenkt. Die IntensitĂ€t ist geblieben. Das Album atmet die SpĂ€tphase eines Liedermachers, der auf Kern setzt. Es ist ein spĂ€tes MeisterstĂŒck, das keine Show machen muss.
Sie finden Linien zurĂŒck zu Klassikern des KĂŒnstlers. Zugleich finden Sie eine Reife, die nur die Jahre schenken. Reinhard Mey Mairegen verzichtet auf jede Maskerade. Er schaut. Er benennt. Er hĂ€lt inne. Er lĂ€sst Platz. In der Summe ist es eine groĂe Geste in kleiner Form.
Wenn Sie Mey seit Jahren hören, finden Sie hier Heimat. Sie werden viele Töne wiedererkennen. Aber Sie hören sie neu. Wenn Sie neu einsteigen, ist dieses Album ein idealer Beginn. Es zeigt, was das Genre kann. Es beweist, wie sehr ein Lied tragen kann, wenn Wort, Stimme, Gitarre eins sind.
Reinhard Mey Mairegen eignet sich fĂŒr die spĂ€ten Stunden. Es passt an KĂŒchentische. Es passt in ZĂŒge bei Nacht. Es passt in Tage, die zu laut waren. Es ist kein Workout, keine Party. Es ist Begleitung. Es ist eine leise Einladung: Hören. Denken. LĂ€cheln.
Die Reime sitzen, doch sie klingen nie gezwungen. Der Rhythmus atmet. Die Bilder sind einfach, nicht simpel. Sie öffnen RÀume. Der Witz ist nie auf Kosten anderer. Die Kritik ist nie ohne Respekt. So baut Mey Vertrauen auf. Sie folgen ihm, weil er fair bleibt.
In Reinhard Mey Mairegen zeigt sich das alte LehrstĂŒck: Weniger ist mehr, wenn es gut gemacht ist. Die Gitarre trĂ€gt oft nur ein Muster. Aber das reicht. Es ist wie eine ruhige Hand. Sie wissen, dass sie da ist. Sie brauchen keine Tricks. Die Substanz genĂŒgt.
Einige Hörer könnten sich nach schĂ€rferen Kanten sehnen. Mancher Song berĂŒhrt mehr als er beiĂt. Wer zornige Zeitdiagnose sucht, wird nicht immer fĂŒndig. Hier ĂŒberwiegt die milde Kraft. Das ist Absicht. Aber es ist nicht jedermanns Sache. Auch die Schlichtheit der Arrangements kann fĂŒr manche zu zart wirken.
Trotzdem bleibt die Bilanz klar. Reinhard Mey Mairegen ist mehr als hĂŒbsch. Es ist substanziell. Es ist bewusst. Es traut seinen Hörern etwas zu. Es traut ihnen Geduld zu. Es traut ihnen Denken zu. Das ist in unserer Zeit keine SchwĂ€che. Es ist ein Statement.
Als das Album 2010 erschien, stand die Welt im Wandel. Neue Medien wurden laut. Stimmen wurden schrill. Hier kam ein Werk, das leise blieb und dadurch weit reichte. Das war nicht Flucht. Es war Gegenentwurf. Heute, viele Jahre spÀter, wirkt es fast noch nötiger. Es spricht mit derselben Ruhe. Es klingt nicht alt. Es klingt zeitlos, weil es auf Menschliches zielt.
Gerade darin liegt die AktualitĂ€t von Reinhard Mey Mairegen. Es ist frei von modischen Gesten. Es vertraut auf alles, was bleibt: Sprache, Musik, MaĂ. So wird ein Album zu einem Ort. Sie können es betreten, wann Sie wollen. Es wird Ihnen nicht die TĂŒre vor der Nase zuschlagen.
Drachenblut gefĂ€llt durch sein Bild vom inneren Panzer. Es fragt, wann Schutz zur Last wird. Das macht nachdenklich, ohne zu drĂŒcken. Der Refrain ist sparsam, die Strophe erzĂ€hlt. Es ist ein gutes Beispiel fĂŒr erzĂ€hlende Ăkonomie.
Gute Seele ist die Hymne an das Unscheinbare. Das Lied zeigt, wie Zuneigung klingt, wenn sie WĂŒrde hat. Nachtflug gelingt als atmosphĂ€rischer Trip. Die Harmonien bleiben schlank, doch sie malen Weite. Larissas Traum verzaubert, ohne zu blenden. Spring auf den blanken Stein erdet die Energie. Wir sind eins baut das Wir, das kein Wir gegen andere ist. In der Summe zeigt Reinhard Mey Mairegen eine feine Dramaturgie aus Licht und Schatten.
Chanson und Liedkunst leben von Sprache und Haltung. Hier finden beide ein Zuhause. Das Album wird in Schulen der Liedermacherei Bestand haben. Es zeigt, wie man Themen fasst. Es zeigt, wie man Hörer ernst nimmt. Es atmet Tradition und ist doch kein Museum. Es lebt.
Wer die Kraft des Kleinen sucht, wird fĂŒndig. Wer die WĂŒrde der Stille schĂ€tzt, ebenso. Reinhard Mey Mairegen ist eine Erinnerung daran, dass Komplexes nicht kompliziert klingen muss. Es darf einfach klingen, wenn es gut gedacht ist. Genau das gelingt hier in voller Breite.
Mairegen ist ein spĂ€tes Werk mit klarem Herzen. Es ist kein Denkmal, sondern ein Gang durch vertraute StraĂen. Sie merken, dass die Wege anders schimmern. Das liegt an der Genauigkeit des Blicks. Es liegt an der Liebe zum Wort. Es liegt an der Kunst des Weglassens.
Wenn Sie Zeit mitbringen, dankt es Ihnen das Album doppelt. Es wird mit jedem Hören reicher. Es zeigt Facetten, die man erst im zweiten Licht sieht. Reinhard Mey Mairegen ist so ein Werk. Es rauscht nicht, es bleibt. Und wenn Sie das nÀchste Mal in einen Mai-Regen geraten, werden Sie vielleicht an diese Lieder denken. Sie werden lÀcheln. Und Sie werden wissen, warum.
Das Album "Mairegen" von Reinhard Mey ist ein Meisterwerk, das die Herzen vieler Singer-Songwriter-Fans erobert hat. Wenn Sie sich fĂŒr die Musik von Reinhard Mey interessieren, könnte auch das Album "One Vote for Tomorrow" von ihm spannend fĂŒr Sie sein. Es zeigt eine andere Facette seines Könnens und bietet tiefgrĂŒndige Texte.
Ein weiteres bemerkenswertes Album, das Sie nicht verpassen sollten, ist "Aus meinem Tagebuch". Dieses Werk gibt Ihnen einen intimen Einblick in die Gedankenwelt von Reinhard Mey und ergĂ€nzt wunderbar die EindrĂŒcke, die Sie aus "Mairegen" gewonnen haben.
Wenn Sie darĂŒber hinaus Interesse an anderen bedeutenden Singer-Songwritern haben, könnte das Album "Ahh - Ja!" von Wolf Biermann eine interessante ErgĂ€nzung fĂŒr Ihre Sammlung sein. Biermanns Werk ist ebenso tiefgrĂŒndig und bietet eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen, die auch in Reinhard Meys Musik immer wieder anklingen.