Letztes Update: 08. Januar 2026
Wenzel Viva la poesía zeigt Wenzels neue Sammlung poetischer Lieder zwischen Ironie und Melancholie. Der Text stellt Songs vor, analysiert Texte und Arrangements, bewertet Stärken und Schwächen; Sie erhalten Hörtipps und ein Urteil.
Im Jahr 2014 erschien ein Album, das leise begann und lange nachhallte. Es heißt Viva la poesía. Es stammt von Wenzel, dem unruhigen Geist unter den Liedermachern. Der Ton ist kein Zufall. Er ist ein bewusster Gegenentwurf zur Hast der Gegenwart. Sie werden das schon im ersten Stück hören. Es lädt zum Innehalten ein. Es bittet Sie, wieder an die Kraft der Poesie zu glauben. So wird die Bühne bereitet. Und schon steht eine These im Raum: Poesie kann eine Waffe sein. Auch ohne großes Getöse. Genau hier zeigt Wenzel Viva la poesía sein Profil.
Die elf Lieder tragen eine doppelte Spur. Einmal die Sehnsucht nach Ferne. Dann die Nähe zu Biografie und Sprache. Diese Mischung ist selten. Sie wirkt nicht kalkuliert. Sie klingt wie eine Reise, die beim Gehen entsteht. Schritt für Schritt, Lied für Lied. Der Titel ruft dazu auf, den Worten zu trauen. Er ruft auch dazu auf, den Klang zu achten. Beide Seiten gehören zusammen. Erst so entsteht diese zarte, doch klare Haltung.
Der Sound ist warm und konkret. Gitarren, Akkordeon, Bläser, eine ruhige Rhythmusgruppe. Keine Spur von großer Studio-Show. Alles ist nah, wie in einem Zimmer mit offenen Fenstern. Sie hören Holz, Metall, Luft. So entsteht eine Haptik im Klang. Sie bildet die Lieder nicht nur ab. Sie trägt sie. Sie rollt ihnen den Teppich aus. Und genau auf diesem Teppich läuft Wenzel Viva la poesía los.
Die Arrangements sind feinsinnig. Sie sind nie prunkvoll. Sie sind sparsam, aber nicht karg. Jede Farbe hat ihren Platz. Ein Flügelhorn setzt ein kurzes Licht. Eine Klarinette weht herüber. Eine Orgel bettet ein Motiv ein. So entsteht Bewegung. Nicht laut, doch stetig. Ihr Ohr bleibt wach. Ihr Kopf ist frei für Bilder. Das ist klug und wirkungsvoll.
Die Lieder entwerfen Orte. Ein Hafen, eine Nacht, eine Straße in Havanna. Dann wieder eine Stube, ein Dorf, ein Land im Nebel. Das sind keine Postkarten. Das sind Innenräume, die sich öffnen. Sie hören das in “Kleines Hafenlied”. Dort schaukelt die Melodie sanft. Die Worte riechen nach Salz und Teer. Es ist keine Romantik. Es ist eine genaue Erinnerung. Sie lässt Ihre Gedanken reisen. Ohne den Ort zu verlassen.
Der Blick auf Heimat ist vorsichtig. Er ist zärtlich und kritisch zugleich. “Ich hab mein Vaterland so gerne” führt das vor. Das Lied ist ein Balanceakt. Es nimmt das Land an, ohne es zu verklären. Es sagt Ja und fragt weiter. Diese Haltung ist eine Stärke des Albums. Sie spüren sie in vielen Momenten. Auch der Opener “Halt dich fern” schiebt die Welt nicht weg. Er sucht Distanz, damit Nähe möglich wird. Diese Spannung hält das Werk zusammen. Und an dieser Stelle leuchtet Wenzel Viva la poesía besonders.
Die Texte sind klar und stark. Sie nutzen einfache Bilder. Sie bauen keine Mauern aus Fremdworten. Sie gehen direkt ins Ohr. Dort bleiben sie. Sie arbeiten weiter. Der Reim ist frei und doch exakt. Die Metapher ist mild, doch treffend. So nimmt die Sprache Sie ernst. Sie holt Sie ab. Dann führt sie Sie auf leisen Sohlen in ein neues Zimmer. Plötzlich steht da eine Idee, die eben noch fern war.
Diese Klarheit schützt vor Kitsch. Sie verhindert auch das allzu belehrende Lied. Wenzel predigt nicht. Er fragt. Er schiebt an. Er öffnet ein Fenster. Er lädt ein. Das genügt. Darin liegt das Ethos von Wenzel Viva la poesía. Das Album glaubt an das Gespräch. Es glaubt an die Verwandlung, die durch Worte beginnt.
Elf Titel bilden das Ganze. Sie sind verschieden und doch verwandt. “Immer fehlt was” legt ein Motiv frei. Es spricht über Lücken, die uns treiben. Die Melodie wiegt, als ob Lücken Raum zum Atmen sind. “In der Nacht von Santa Clara” dehnt die Zeit. Es erzählt dunkel und warm. Das Stück rollt langsam aus. Es lässt die Stille sprechen. Danach wirkt “Wenn der Kragen ganz verschwitzt ist” wie ein frecher Schnitt. Es ist kurz, direkt, keck. Genau so braucht es der Ablauf. Kontrast hält wach.
“Tapfere Zahlen” zieht ein anderes Register. Es spielt mit dem kühlen Blick auf Statistik. Es stellt ihn dem warmen Herz der Poesie entgegen. Das ist witzig und weise zugleich. Dann “Havanna wartet”. Das Lied trägt Fernweh im Takt. Ein luftiger Rhythmus, eine milde Bläserlinie. Ein Schritt in die Stadt, die nie schläft. “Schönster Tag” nimmt das Tempo wieder zurück. Es zählt nicht, es hält fest. Und dann kommt “Viva la poesía”. Das Titellied ist kein Banner. Es ist ein Versprechen. Es schwingt, es atmet. Es sagt: Die Poesie ist nicht tot.
“Dreißig Wünsche” schließt das Album. Es blickt nach vorn. Es tut das ohne Pathos. Es zählt keine Siege auf. Es sammelt offene Fragen. Das passt zum ganzen Werk. Es sagt Ihnen nicht, was zu tun ist. Es lädt Sie ein, es selbst zu finden. So verlässt Sie die Musik nicht. Sie begleitet Sie still. Auch hier zeigt sich, wie Wenzel Viva la poesía gewoben ist. Es ist ein Netz aus Motiven und Atem.
Dieses Lied ist ein Kernstück. Zahlen gelten als kalt. Hier lernen sie laufen. Sie stolpern, lachen, drehen sich im Kreis. Die Musik zeigt, wie Maß und Zahl uns lenken. Sie zeigt auch, wie wir die Herrschaft brechen können. Mit Humor, mit Irritation. Das ist nicht nur ein Spaß. Es ist eine präzise Idee. Sie betrifft unsere Zeit. Sie betrifft Ihr Leben mit Datenströmen. An diesem Punkt positioniert sich Wenzel Viva la poesía deutlich. Es stellt die poetische Wahrnehmung gegen die reine Bilanz.
Die Umsetzung ist schlicht. Ein fester Puls, ein tanzender Bass, ein sprechender Gesang. Kein Exzess, kein Effektgewitter. Das Lied baut auf Logik. Es führt sie vor, bis sie kippt. Genau dort lächelt die Poesie. Sie bleibt, wo die Zahl versagt. Sie schenkt Sinn, wo die Bilanz schweigt. Das klingt klein. Es ist groß.
Kuba ist hier ein Sehnsuchtsort. Er ist auch ein Spiegel. “Havanna wartet” und “In der Nacht von Santa Clara” nähern sich ihm von zwei Seiten. Das eine Lied geht auf die Straße. Es liebt die Wärme, die Laune, den Staub. Das andere blickt in die Tiefe. Es fühlt die Geschichte, den Schmerz, die Nacht. Beide Lieder sind fern der Folklore. Sie bleiben bei den kleinen Zeichen. Ein Schatten, ein Geruch, ein Blick. So wird der Ort lebendig. Er ist nicht exotisch. Er ist menschlich. Und so wird Wenzel Viva la poesía zu einem Reisejournal. Es reist im Kopf, nicht im Katalog.
Die Musik unterstützt das. Ein Hauch von Son in den Gitarren. Ein leichter Offbeat in den Drums. Doch nie kopiert das Album Tropen-Sounds. Es nimmt eine Farbe auf. Es mischt sie mit eigenem Licht. So klingt Ferne ehrlich. Das trifft auch auf die Bilder von Heimat zu. Beide Räume sind nicht gegensätzlich. Sie ergänzen sich.
Die Stimme ist rau und warm. Sie trägt Erfahrung. Sie trägt auch Neugier. Sie erzählt, ohne zu posieren. Das macht die Lieder glaubwürdig. Kleine Risse im Ton wirken nicht als Makel. Sie sind ein Gewinn. Sie zeigen Menschlichkeit. Diese Stimme ist ein Instrument eigener Art. Sie mag keine Maske. Sie braucht sie auch nicht.
Die Band spielt dienlich und wach. Sie reagiert. Sie hört zu. Ein Solo tritt vor und weicht zurück. Ein Akkord öffnet Raum. Ein Cello legt Wärme unter einen Satz. Die Produktion hält das zusammen. Sie ist transparent. Sie lässt Luft. Nichts drückt. Nichts dröhnt. So können Sie lange zuhören. Sie ermüden nicht. Das ist eine Kunst für sich. Und wieder ist da die leise Tugend von Wenzel Viva la poesía: Es will nichts beweisen. Es will sprechen.
Wenzel hat eine Geschichte. Er kommt aus einem Land, das verschwunden ist. Das prägt den Blick. Es zeigt sich nicht als Nostalgie. Es zeigt sich als Gewissen. In “Ich hab mein Vaterland so gerne” wird das spürbar. Das Lied kennt Wärme. Es kennt aber auch Widerspruch. Diese Mischung bestimmt das Album. Es sagt: Sie müssen nicht laut sein, um politisch zu sein. Sie müssen nur genau hinhören. Sie müssen der Sprache trauen. So entsteht eine Gegenwart, die nicht fad ist.
Die leisen Töne sind mutig. Sie verweigern sich der Pose. Sie nähern sich dem Konflikt nicht frontal. Sie umkreisen ihn. Sie suchen den Punkt, an dem er fühlbar wird. Dann lassen sie los. Das ist schwer in Zeiten der Schlagzeilen. Doch genau dadurch bleibt das Album frisch. Es wirkt nicht alt. Es wirkt zeitlos.
Die Welt liebt Tempo. Sie liebt auch Eindeutigkeit. Dieses Album widerspricht, ohne zu kämpfen. Es bietet eine andere Zeit an. Es bietet Grautöne an. Sie können darin atmen. Sie können darin denken. Genau das ist selten. Und genau deshalb zählt Wenzel Viva la poesía heute. Es ist kein Archivstück. Es ist ein Werkzeug.
Sie können es auflegen, wenn die Woche dröhnt. Sie können es hören, wenn Wörter hohl werden. Es schärft Ihr Ohr. Es tröstet, ohne zu betäuben. Es weckt, ohne zu ängstigen. Diese Balance ist selten. Sie gelingt hier. Nicht, weil alles perfekt ist. Sondern weil es wahrhaftig ist.
Im Kanon der deutschsprachigen Liedkultur hat das Werk seinen Platz. Es steht neben Alben, die ebenfalls Welt und Ich verbinden. Doch es hat seinen eigenen Ton. Es ist weniger zornig als andere. Es ist weniger verkopft als viele. Es ist körperlicher, dabei still. Darin liegt der Wert. Darin liegt auch der Grund, warum Wenzel Viva la poesía wiederkehrt. Es zieht neue Hörer an. Und es hält die alten fest.
Das Jahr 2014 hat viele Platten gebracht. Diese ist anders gealtert. Sie trägt kein modisches Kleid. Sie trägt ein schlichtes Tuch. Es sitzt noch immer. Es passt zu neuen Zeiten. Es passt zu neuen Wunden. Das ist der Test, den Kunst bestehen muss. Diese Platte besteht ihn.
Die CD bietet elf Stücke. Die Spannweite reicht von zwei Minuten und etwas bis über fünf. Die Dramaturgie ist stimmig. Ein ruhiger Beginn, ein Kern aus Fragen, ein offener Schluss. Sie haben damit eine Stunde, die vergeht wie ein Nachmittag im Spätsommer. Nicht heiß, doch warm. Nicht laut, doch voll. Das ist keine Nebensache. Es ist eine Kunst der Ordnung. Sie lenkt Ihr Hören, ohne Zwang.
Die Titel bilden kleine Kapitel. “Schönster Tag” klingt wie ein Foto aus Licht. “Halt dich fern” ist ein Abstand, der Nähe schafft. “Immer fehlt was” senkt den Blick, ohne zu klagen. “Dreißig Wünsche” öffnet die Tür noch einmal. Es winkt. Es ruft Ihnen nicht nach. Es lässt Sie gehen. So bleibt eine Ruhe im Herzen. Und ja, dabei fällt erneut auf, wie klug Wenzel Viva la poesía gebaut ist.
Sie mögen Chanson. Sie mögen Liedermacher. Sie mögen Sprache, die trägt. Dann ist dieses Album für Sie. Sie suchen nicht den Kick. Sie suchen einen Halt. Dann finden Sie ihn hier. Sie sind offen für Sanftmut. Sie haben keine Angst vor Stille. Dann werden Sie reich belohnt. Es ist eine Platte für Reife. Es ist auch eine Platte für Neugier. Sie spricht beide an.
Wenn Sie Debüts voller Ecken lieben, finden Sie hier weniger Bruch. Wenn Sie große Gesten lieben, finden Sie hier eher Geste im Kleinen. Das ist kein Mangel. Es ist eine Entscheidung. Sie ist konsequent. Sie prägt den Charme. Genau das macht Wenzel Viva la poesía zu einem Begleiter über Jahre. Es ist ein Album, das wächst, je länger Sie es kennen.
Am Ende steht ein klarer Eindruck. Diese Lieder sind gebaut wie gute Gedichte. Sie tragen leicht. Sie halten Last. Sie erzählen von Orten. Sie erzählen von Ihnen. Sie bieten Trost und Anstoß. Sie geben Würde zurück. Das geschieht ohne Lärm. Es geschieht mit Handwerk und Herz. Das ist selten genug, um es zu feiern.
Wenn Sie eine Platte suchen, die Ihnen zuhört, sind Sie hier richtig. Wenn Sie eine Platte suchen, die Ihnen widerspricht, aber sanft, sind Sie hier richtig. Wenn Sie eine Platte suchen, die Sie weitertragen wird, dann nehmen Sie diese mit. Wenzel Viva la poesía leuchtet warm. Es leuchtet still. Es leuchtet lang. Und genau deshalb bleibt Wenzel Viva la poesía ein Album, das man nicht nur besitzt. Man lebt damit.
Das Album "Viva la poesía" von Wenzel bietet eine faszinierende Mischung aus Poesie und Musik. Es lädt dazu ein, in die tiefen und oft nachdenklichen Texte einzutauchen. Wenzel schafft es, mit seiner unverwechselbaren Stimme und seinen Melodien eine besondere Atmosphäre zu erzeugen. Dabei bleibt er stets authentisch und berührt die Hörer auf eine besondere Weise.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Wenzel ist das Album "Wenzel Armer kleiner Händimann". Auch hier zeigt er sein Talent, Geschichten zu erzählen und Emotionen zu wecken. Die Lieder sind geprägt von einer tiefen Melancholie, die jedoch nie erdrückend wirkt. Vielmehr laden sie dazu ein, sich mit den Themen auseinanderzusetzen und eigene Gedanken und Gefühle zu reflektieren.
Wer sich für die Werke von Wenzel interessiert, sollte auch einen Blick auf "Wenzel Traurig in Sevilla" werfen. Dieses Album zeigt eine weitere Facette seines Könnens und bietet eine Mischung aus nachdenklichen und lebhaften Stücken. Die Texte sind tiefgründig und regen zum Nachdenken an, während die Musik eine perfekte Ergänzung bildet.
Für Fans von Chansons und Liedermachern ist auch "Gerhard Gundermann Engel über dem Revier" eine Empfehlung. Gundermann, ähnlich wie Wenzel, versteht es, seine Hörer mit poetischen Texten und eingängigen Melodien zu fesseln. Seine Lieder sind oft von einer melancholischen Stimmung geprägt, die jedoch stets Hoffnung und Zuversicht vermittelt.