Letztes Update: 07. Januar 2026
Der Artikel stellt das Album '... weiter im Text' von Franz Josef Degenhardt vor und bietet eine kritische Analyse. Er beschreibt Entstehung, Klang und Produktion, hebt prĂ€gende Lieder und Textstellen hervor, ordnet Degenhardts politische Stimme ein und gibt abschlieĂend eine Empfehlung fĂŒr Sie.
Dieses Album erschien am 13. Februar 1996. Es kam als CD mit elf Titeln. Der Name wirkt wie ein Motto: weitergehen, aber nicht vergessen. Franz Josef Degenhardt zeigt hier Haltung. Er blickt zurĂŒck. Er schaut nach vorn. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text rahmt diese Bewegung. Der Titel ist Programm. Er deutet eine Reise an, die nie ganz endet.
Die elf StĂŒcke folgen keiner losen Sammlung. Sie sind als Kette gedacht. Ein Motiv fĂŒhrt ins nĂ€chste. Hier gibt es lange StĂŒcke mit Zeit zum Atmen. Dazu kommen kurze Skizzen mit starker Pointe. So entsteht ein Bogen. Er trĂ€gt durch den ganzen Raum des Albums. Man spĂŒrt: Diese Stimme kennt Konflikte. Doch sie flieht nicht. Sie sucht das GesprĂ€ch. Mit sich selbst. Mit der Zeit. Mit Ihnen.
Mitte der Neunziger war viel in Bewegung. Die alte Euphorie nach der Wende war verflogen. Es blieb Alltag. Es blieb Streit um Gerechtigkeit. Degenhardt stand nie am Rand. Er stand daneben und schaute genau hin. Das hört man. Der Blick ist wach. Der Ton ist ruhig. Die Welt hatte neue Worte gefunden. Aber die alten Fragen blieben. Gerade da wirkt Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text wie eine PrĂŒfung. Was davon ist Illusion? Was trĂ€gt?
Die Zeit fĂ€rbt den Sound. Er klingt klar, aber nicht glatt. Nichts hier buhlt um Quote. Alles fordert Aufmerksamkeit. Sie merken das am ersten Takt. Die Band tritt ein und weicht wieder zurĂŒck. Platz fĂŒr das Wort. Platz fĂŒr den Atem. So entstehen Bilder, die nicht alt werden. Denn sie sind prĂ€zise. PrĂ€zision altert gut.
Es gibt Alben, die ihre Zeit erklĂ€ren. Und es gibt Alben, die Zeit erklĂ€rbar machen. Dieses Werk gehört zur zweiten Sorte. Es nimmt Sie an die Hand. Es sagt nicht: So war es. Es fragt: Wie ist es fĂŒr Sie? Diese Haltung ist wertvoll. Sie öffnet RĂ€ume. Sie lĂ€dt zum Widerspruch ein. Sie scheut keine Reibung. Die Lieder funktionieren daher heute noch. Sie setzen auf klare Bilder. Sie setzen auf konkrete Szenen. Das bleibt.
Genau hier entfaltet Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text seine Kraft. Das Album setzt sprachliche Marker. Es bohrt nach, wo Phrasen locken. Es entzieht sich dem kurzen Atem. Stattdessen gibt es erzÀhlte Miniaturen. Menschen tauchen auf. Orte werden hörbar. Dann kippt die Szene. Ein Satz, und alles klingt anders. Das ist Kunst, die langsam brennt. So hÀlt sie lÀnger.
Die Musik ruht auf Gitarre, Bass und Schlagzeug. Dazu treten Tasten oder Akkordeon. Das ist mal rau, mal weich. Nichts wirkt ĂŒberladen. Jede Note hat Sinn. Die Gitarre trĂ€gt die Sprache. Die Band setzt Schatten und Licht. So bekommen Worte Gewicht. Die Aufnahme ist nĂŒchtern. Doch gerade das macht sie stark. Man spĂŒrt die Struktur. Man spĂŒrt den Raum zwischen den Tönen.
In dieser Reduktion liegt ein Statement. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text will nicht blenden. Es will leuchten. Das sind zwei Dinge. Das Leuchten kommt aus der Sache. Aus Linie und Form. Aus Zeit und Stille. Die Arrangements geben Halt, aber sie wĂŒrgen nichts ab. Kleine Figuren treten hervor. Ein Basslauf, der hĂ€ngen bleibt. Ein kurzer Drumwirbel, ein Hauch vom Becken. Genau so lebt das Material.
Degenhardt schreibt mit dem Ohr. Seine SÀtze sind sprechbar. Die Reime sitzen, aber sie bedienen nichts. Es ist kein Reim um des Reims willen. Stattdessen wÀchst der Klang aus dem Sinn. So bleibt die Aufmerksamkeit auf dem Inhalt. Die Stimme ist rau, doch warm. Das gibt NÀhe. Und es schafft Distanz, wo sie nötig ist. Ironie ist hier Werkzeug, kein Manierismus. Der Text bleibt Mensch.
Die Breite der Töne ist groĂ. Es gibt die kleine Beobachtung im Vorbeigehen. Es gibt den Schlag aus dem Nichts. Beides steht nebeneinander. Beides wirkt. Auch deshalb ist Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text so geschlossen. Das Album zeigt einen ErzĂ€hler, der weiĂ, wie viel reicht. Und wie viel zu viel wĂ€re. Er bricht ab, wenn wir genug gesehen haben. Dann geht er weiter. Ein Schritt, noch ein Schritt.
Das erste StĂŒck öffnet die TĂŒr. Es nimmt sich Zeit. Ăber sechs Minuten lang entfaltet sich ein Blick auf Möglichkeiten. Es geht um Gesten, die wir oft nicht wagen. Der Ton ist ruhig. Die Fragen sind direkt. Der Refrain bleibt ohne Geschrei. Das macht ihn stark. Die Musik folgt dem Textfluss. Sie hĂ€lt die Spannung. Es ist der richtige Auftakt. Er beschreibt die Haltung des ganzen Albums.
Hier zeigt sich die Reife des SpĂ€twerks. Es gibt kein Versteck. Der Blick ist offen. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text baut hier den MaĂstab auf. Danach misst er alles andere. Was trĂ€gt? Was trĂ€gt nicht? Was war Konvention? Was ist Haltung? Das sind die Fragen, die nachhallen, wenn der Song endet.
Das zweite StĂŒck fragt: Gehtâs nicht auch so. Da steckt Skepsis drin. Es prĂŒft die AbkĂŒrzung. Es prĂŒft den Trick. Und findet beides hohl. Die Musik bleibt sparsam. Dabei ist der Puls klar. Das treibt, ohne zu jagen. Danach kommen Laute von damals. Hier arbeitet Degenhardt mit Echos. Die Vergangenheit tritt nicht als Nostalgie auf. Sie ist Material. Sie stĂŒtzt, sie stört, sie stellt Fragen.
Nach 50 Jahren wirkt wie ein kurzer Blick in den Spiegel. Kein groĂes Pathos. Eher ein Nicken. Ein Ziehen mit dem Mundwinkel. Es ist eine der kurzen Skizzen. Sie sitzt. Dann folgt Eigentlich unglaublich. Zwei Worte, die vieles sagen können. Hier werden sie zum Motor. Die Pointe sitzt knapp vor dem Ende. Keine Note zu viel. Genau das zeichnet diese Mitte aus.
Ăber all dem liegt ein stiller Trotz. Er sagt: Ich sehe euch. Ich sehe das Muster. Und ich halte dagegen. Nicht laut, aber fest. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text balanciert diese Haltung klug. Die Skepsis wird nicht Zynismus. Die Milde wird nicht Kitsch. Das ist schwer. Hier gelingt es.
Heimweh-Blues ist nicht bloà Stil. Es ist ein Zustand. Heimweh kann ein Ort sein. Es kann eine Zeit sein. Oder ein Wunsch, der nie endet. Der Song lÀsst das offen. Die Gitarre schiebt. Der Bass wuchtet, aber fein. Die Stimme trÀgt die Risse, die der Text zeigt. Man geht mit. Man nickt. Man schweigt an der richtigen Stelle.
Das StĂŒck danach, Komm bloĂ zurĂŒck, setzt eine andere Farbe. Es ist wie ein Brief, der zu spĂ€t kam. Oder genau rechtzeitig. Das lĂ€sst der Song offen. In dieser Spannung liegt seine Kraft. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text findet hier einen Klang, der fĂŒr viele spricht. Er ist konkret, ohne einzuschrĂ€nken. So erreicht er Sie da, wo Ihr eigenes Heimweh wohnt.
Brunnen-Rondo kreist, wie der Name sagt. Es kreist um ein Bild, das trĂ€gt. Ein Brunnen ist Quelle. Er ist auch Ort fĂŒr FlĂŒstern und LĂ€rm. Der Song spielt mit beiden Seiten. Der Rhythmus folgt dieser Bewegung. Vor, zurĂŒck, zur Seite, wieder vor. Das ist elegant. Es ist auch klug gebaut. Direkt danach steht WeiĂer Sonntag. Die Farbe ist hier nicht nur Farbe. Sie ist Zustand. Ruhe, aber nicht Frieden. Reinheit, aber nicht rein. Das Spannungsfeld trĂ€gt durch die Zeilen.
Trostaria ist der Stuhl im Schatten. Setzen Sie sich. Es ist kein falscher Trost. Es ist Trost, der Arbeit geleistet hat. Er kennt die BrĂŒche, die er lindern soll. So etwas ist selten. Hier klingt es leicht. Das ist die hohe Kunst. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text legt diese drei StĂŒcke so, dass man den Atem hĂ€lt. Dann lĂ€sst er los. Und fĂŒhrt ins Finale.
Das SchlussstĂŒck heiĂt wie das Album. Und wie der rote Faden. Es ist kurz. Es ist prĂ€zise. Es ist eine Geste. Kein Schlussakkord, der alle Fragen erschlĂ€gt. Eher ein Zeigefinger, der nach vorne zeigt. Weiter. Im Text, im Leben, im Streit. Das ist konsequent. Und es passt zu allem davor. Der Kreis schlieĂt sich nicht, er weitet sich.
Hier wird die Poetik der Platte noch einmal klar. Es geht nicht um EndgĂŒltigkeit. Es geht um Bewegung. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text ist damit ein Versprechen. Es verspricht, dass die nĂ€chste Frage kommt. Dass die nĂ€chste Antwort flach sein könnte. Und dass man dann noch einmal tiefer grĂ€bt. Diese Haltung ist wertvoll. Gerade heute.
Degenhardt begann als scharfer Chronist. Er blieb es. Doch sein Ton hat sich verÀndert. Aus dem Ruf wurde ein GesprÀch. Aus dem Schlagwort wurde ein Bild. Das macht die spÀten Alben stark. Sie sind frei von Eile. Sie nehmen sich Zeit. Sie nehmen auch Ihnen die Eile. Das ist selten in dieser Gattung. Hier lohnt es, mehrfach zu hören.
Im Gesamtwerk setzt Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text eine Markierung. Es bĂŒndelt Motive, die ihn lange begleiten. Es zeigt, wie man Prinzipien wahrt. Und Formen doch Ă€ndern kann. Der Liedermacher bleibt Liedermacher. Aber er wird ErzĂ€hler, Arrangeur, Beobachter in einem. Diese Mischung macht die Platte so eigen.
Die Produktion ist klar. Die Instrumente stehen gut im Raum. Die Stimme sitzt vorn, aber nicht zu nah. Wer Kopfhörer nutzt, hört kleine Bewegungen. Wer Lautsprecher nutzt, hört einen warmen, offenen Klang. Es gibt keine Effekte, die altern. Das hilft dem Album. Es klingt heute so ehrlich wie damals. Die CD-Fassung bringt die elf Titel in stabiler Ordnung. Nichts stolpert. Nichts fÀllt aus dem Rahmen.
Auch die Dramaturgie ĂŒberzeugt. Lange und kurze StĂŒcke wechseln sich. Schnellere Passagen lösen ruhige ab. Das hĂ€lt wach. Es trĂ€gt ĂŒber die volle LĂ€nge. Und es macht Lust, gleich noch einmal zu beginnen. In dieser Struktur liegt die Einladung. Sie macht den besonderen Reiz von Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text aus. Einmal hören reicht nicht. Zwei- oder dreimal hören lohnt sehr.
Sie mögen klare Worte und ruhige Formen? Sie mögen Lieder, die etwas wagen? Dann sind Sie hier richtig. Das Album ist nichts fĂŒr nebenbei. Es ist auch kein Klangteppich. Es will Ihre Zeit. Und es zahlt sie zurĂŒck. Wer die Tradition des Chansons liebt, wird hier fĂŒndig. Wer die deutsche Liedkultur schĂ€tzt, ebenso. Wer Texte ĂŒber Menschen, Arbeit, Liebe und Verlust sucht, findet sie.
Auch jĂŒngere Hörerinnen und Hörer können hier viel entdecken. Die Themen sind bekannt. Der Ton ist neu, weil er ehrlich ist. Er baut keine Pose. Er baut eine Szene, in der man stehen kann. Und in der man sich bewegt. So bleibt Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text offen fĂŒr viele Lesarten. Genau das macht es stark.
Die besten StĂŒcke dieses Albums arbeiten mit klaren Bildern. Sie sind nicht symbolisch um der Symbolik willen. Sie sind prĂ€zise gewĂ€hlt. Ein Sonntag. Ein Brunnen. Ein Brief. Ein Blick in den Spiegel. Diese Bilder sind Alltag. Sie tragen mehr, weil sie ruhig stehen. Die Musik stellt sie nicht zu. Sie lĂ€sst sie atmen. So setzt sich das Album in Ihrem Kopf fort. Es schreibt sich weiter.
Darum hat das Werk Ăbertragungswert. Sie nehmen eine Szene mit in Ihren Tag. Sie setzen sie neben eine eigene Erfahrung. Plötzlich fĂ€llt eine kleine Erkenntnis. So klein, dass sie bleibt. Genau das kann Liedkunst. Genau das kann dieses Album. Auch deshalb trĂ€gt der Titel. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text ist Name und Methode zugleich.
Am Ende steht ein klares Urteil. Dieses Album ist reif, ehrlich, lebendig. Es zeigt, dass leise Kraft stark sein kann. Es zeigt, dass Haltung ohne Pose auskommt. Die StĂŒcke greifen ineinander. Sie geben Ihrer Aufmerksamkeit Richtung. Sie fĂŒhren, ohne zu zerren. Das ist im besten Sinne altmodisch. Und gerade darum modern. Denn es ist zeitlos, wo die Zeit schnell verrinnt.
Wer Degenhardt schĂ€tzt, muss dieses Werk kennen. Wer ihn neu entdeckt, kann hier beginnen. Die Platte bĂŒndelt sein SpĂ€twerk in nuce. Sie ist geschlossen, aber offen fĂŒr Sie. Darin liegt ihre GröĂe. Franz Josef Degenhardt ... weiter im Text hĂ€lt, was der Name verspricht. Es geht weiter. Mit Fragen, mit Musik, mit Worten, die tragen.
Franz Josef Degenhardt ist ein bedeutender Liedermacher, dessen Werke tief in die gesellschaftlichen und politischen Themen seiner Zeit eintauchen. Sein Album â... weiter im Textâ ist ein weiteres Beispiel fĂŒr seine FĂ€higkeit, komplexe Themen in eingĂ€ngige Melodien und Texte zu verpacken. Wenn Sie mehr ĂŒber seine anderen Werke erfahren möchten, empfehle ich Ihnen, einen Blick auf die Kritik zu Franz Josef Degenhardt Aus diesem Land sind meine Lieder zu werfen.
Ein weiterer KĂŒnstler, der tiefgrĂŒndige Texte mit eingĂ€ngigen Melodien verbindet, ist Wenzel. Sein Album âWenzel STRASSENBALLADE: Wenzel singt Henriette Haillâ bietet eine faszinierende Mischung aus poetischen Texten und musikalischer Vielfalt. Die Rezension zu diesem Album finden Sie unter Wenzel STRASSENBALLADE: Wenzel singt Henriette Haill.
Wenn Sie sich fĂŒr die Werke von Liedermachern interessieren, sollten Sie auch die Alben von Ina Deter nicht verpassen. Ihre Musik zeichnet sich durch kraftvolle Texte und eine einzigartige Stimme aus. Eine detaillierte Kritik zu ihrem Album âIna Deter Ein Wunderâ finden Sie unter Ina Deter Ein Wunder. Diese Rezension bietet Ihnen einen tiefen Einblick in die Themen und die musikalische Umsetzung des Albums.