Letztes Update: 05. Dezember 2025
Der Artikel stellt Manfred Maurenbrechers Album 'LieblingsSpiele' vor, analysiert Songs, Texte und Produktion: Welche Stücke berühren, wo gelingt der Ton, welche Momente enttäuschen. Sie bekommen eine Empfehlung und Hörtipps.
Es gibt Alben, die nicht laut auftreten, aber lange bleiben. LieblingsSpiele ist so ein Werk. Es erschien am 22. September 1997. Eine CD mit 17 Stücken, die in ihrer Mischung aus Erzählton, Witz und Ernst auffällt. Hier nimmt ein Liedermacher Sie an die Hand. Er zeigt Ihnen Alltag, Brüche und eine zarte Form von Hoffnung. Schon der Einstieg mit „Wessi“ setzt ein Zeichen. Das Finale mit “Wessi (live)” schließt den Kreis. Dazwischen liegt ein Weg, der unruhig und doch klar wirkt.
Wer Manfred Maurenbrecher kennt, erwartet kein Dekor. Er gilt als Erzähler am Klavier. Er liebt das Bild, das Nebengeräusch, die verschobene Perspektive. LieblingsSpiele setzt genau dort an. Es zeigt Figuren in Kantenlicht. Es zeigt Momente, die verharren und dann kippen. Dabei bleibt der Ton fast immer leise. Die Kraft liegt im Blick, nicht in der Pose. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele lädt Sie so zu einer hörbaren Nahaufnahme ein.
1997 war ein Jahr des Übergangs. Britpop flaute ab. Techno war Alltag. In Deutschland suchte das Lied neue Formen. Auf Bühnen mischte sich Lärm mit Literatur. In dieser Lage setzt LieblingsSpiele auf Klarheit. Klavier, Stimme, schnörkellose Arrangements. Das wirkt heute fast trotzig. Doch gerade das gibt dem Album Gewicht. Die Wörter tragen. Die Melodie dient dem Text. Sie hören kein Effektkonzert. Sie hören eine Haltung.
Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele passt damit nicht in Trends. Es stellt sich neben sie. Es beobachtet. Es kommentiert still. Der Klang ist warm, aber nicht weich. Das Piano bleibt zentral. Die Gitarren unterstützen. Percussion bleibt präzise. Nichts drängt sich vor. Der Raum wirkt analog, lebendig, menschlich. Die Zeit legt sich auf die Lieder, aber sie erdrückt sie nicht. Sie reibt sich an ihnen.
Das Album verbindet privat und politisch. Es tut das ohne Parole. Es nutzt Geschichten. Da steht eine Nachbarin, die zu nah und doch fern ist. Da kommt die Liebe, vorsichtig und wahr. Da drängt sich das Thema Arbeit in groben Zügen vor. Und da gibt es die kleine, scharfe Satire. “Schrumpfköpfe” ist kurz. Doch es sticht. Alles hängt zusammen in einer klaren Dramaturgie.
Sie können LieblingsSpiele quer hören. Doch am besten ist die Reise in Folge. Die Spannungen verschieben sich. Nach langem Atem folgt ein kurzes Stück. Nach Einsicht kommt ein Stoß. Diese Bewegung hält das Album wach. Es lädt Sie ein, genauer hinzusehen. Und es scheut das Uneindeutige nicht. Leben ist selten sauber sortiert. Genau das bildet es ab.
Der Opener „Wessi“ ist fünf Minuten Kommentar und Porträt. Er singt von Blicken über Grenzen, die eigentlich im Kopf liegen. Die Stimme bleibt ruhig, der Puls treibt voran. So entsteht ein langer Zug, der zieht und nicht loslässt. Sie erleben ein Bild unserer Innenpolitik im Miniaturformat. Kein Zeigefinger hebt sich. Das macht den Text so stark.
Am Ende kommt „Wessi (live)“. Das ist mehr als Bonus. Die Live-Version zeigt, wie die Lieder atmen. Das Publikum ist hörbar nicht da, aber die Bühne ist fühlbar. Sie spüren den Raum, die Luft, den Mut zur Pause. So schließt sich ein Kreis. Und doch bleibt eine offene Frage. Wie gehen wir miteinander um, wenn der Vorhang fällt?
„Meine Nachbarin“ ist kurz, schlank, direkt. In unter drei Minuten entsteht ein ganzes Haus. Sie hören Schritte, Wände, kleine Züge des Alltags. Hier ist Humor, doch ohne Spott. Das Timing der Zeilen sitzt. Die Melodie stützt, ohne zu glätten. Es ist ein Lehrstück in Einfachheit.
„Die Liebe kommt“ setzt einen anderen Ton. Das Lied ist vier Minuten lang und sehr offen. Es traut dem schlichten Wort. Es traut dem leichten Bild. Die Stimme hält die Mitte, nicht zu nah, nicht zu fern. So erwächst Wärme. Sie klingt weder süß noch spröde. Das ist selten. Hier zeigt sich Erfahrung im Schreiben. Und im Weglassen.
Die kurzen Stücke setzen Pfeffer. „Schrumpfköpfe“ dauert kaum länger als eine Minute. Doch die Satire trifft schnell und genau. Es bleibt nichts zu viel. Der Witz sitzt im Rhythmus. „Der Dreh“ geht ähnlich vor. Es beschreibt eine kleine Wendung, die viel offenlegt. Ein Kneipentisch, ein Blick, ein Satz. Mehr braucht es nicht.
„Einfaches Ja“ wirkt wie ein Zwischenruf. Zwei Minuten reichen. Es ist zart, aber klar. Ein Zuspruch ohne Pathos. Die Produktion hält sich ganz zurück. So bleibt eine Kerze im Wind. Sie erlischt nicht. Sie flackert nur. Dieser Ton ist typisch für das Album. Er vertraut dem leisen Wort.
„Ein Glas für Harry“ ist ein Toast und ein Text über Freundschaft. Es hat das Tempo eines langsamen Walzers. Sie hören Erinnerung, aber ohne Kitsch. Das Piano führt, die Harmonie weitet. Ein Raum tut sich auf. Sie sitzen mit am Tisch. Das ist die Kraft des Liedes.
„Die Unvermittelbaren“ greift ein hartes Thema auf. Es geht um Arbeit, um Ränder, um Blickachsen. Das Lied ist länger, über fünf Minuten. Doch es trägt. Die Strophen bauen Druck auf, der Refrain entlädt. Es bleibt ein Rest. Ein Gefühl von „So ist es eben“. Und ein Satz, der im Kopf bleibt. Nicht als Losung, sondern als Frage.
Diese beiden Stücke sind intim. Sie zeigen Nähe, die nicht verklebt. „Du bist da (und wirst 3)“ ist ein Moment der Freude. Es ist fein, beweglich, heiter. Doch immer auch wachsamer Blick. So bleibt das Lied atemnah, nicht blumig. Sie hören ein persönliches Protokoll.
„Du (Alte Fotos)“ setzt anders an. Es schaut zurück. Nicht mit Schmerz, eher mit ruhiger Wehmut. Die Bilder sind klein. Sie stehen da, wie Gegenstände auf einem Tisch. Das macht die Wirkung aus. Der Text lässt ihnen Raum. Sie werden nicht erklärt. Sie dürfen wirken. Auch das ist Kunst.
Die Titelnummer ist sehr kurz. Eine Minute vierzig. Sie klingt wie ein Skizzenbuch. Motive tauchen auf und sind schon wieder weg. Das passt. LieblingsSpiele meint nicht große Gesten. Es meint kleine Wege, die wir gehen, um uns zu finden. Oder zu verlieren. In dieser Miniatur steckt das Programm des Albums.
Gerade hier zeigt sich der Mut zur Lücke. Kein Wort zu viel. Kein Klang, der posiert. Die Idee steht für sich. Sie werden eingeladen, die Leerstellen zu füllen. Das macht das Lied zur Keimzelle des Ganzen. Und zum leisen Herzschlag des Albums.
Die Produktion ist klar und ohne Firnis. Sie lässt den Raum atmen. Das Klavier führt die meisten Songs. Die Stimme steht vorn, aber nicht aufdringlich. Ein wenig Rauheit bleibt hörbar. Das ist gut. Es gibt den Texten Körper. Jede Nuance zählt. Atem, Anschlag, Stille. Alles ist Teil des Ausdrucks.
So entsteht ein Sound, der Zeit hat. Er ist kein Studio-Klotz. Er ist ein Raum, in dem Sie sitzen können. Ein Holzstuhl, ein Fenster, ein Mikro. Mehr braucht es nicht. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele zeigt, dass Produktion nicht prunken muss. Sie kann dienen. Und so mehr sagen.
Die Sprache ist dicht, aber nie kompliziert. Sie nutzt klare Verben und genaue Substantive. Es gibt kaum Fremdwörter. Das macht die Sätze stark. Die Bilder stehen, ohne erklärt zu werden. Pausen tragen Sinn. Der Gesang nutzt die Pause wie ein Instrument. So rutscht kein Wort durch.
In dieser Reduktion liegt Reichtum. Sie können die Lieder mehrfach hören. Sie entdecken immer etwas Neues. Eine Betonung, die Sie verpasst haben. Ein Nebensatz, der eine Figur verschiebt. Diese Musik arbeitet wie gute Literatur. Lauter kleine Striche. Zusammen geben sie Tiefe.
Die Reihenfolge ist klug gesetzt. „Wessi“ öffnet das Feld. „Meine Nachbarin“ zieht die Distanz zurück. Dann folgen Sprünge in Ton und Tempo. Kurze Stücke stoßen an und verknüpfen. Längere Lieder geben Luft und Raum. So bleibt das Ohr wach. Es gibt keine Müdigkeit in der Mitte.
Das Finale mit „Das Jüngste Gericht“, „LieblingsSpiele“ und „Wessi (live)“ wirkt wie ein Nachhall. Es schiebt nicht noch eine These nach. Es räumt auf, ohne zu ordnen. Sie stehen am Ende auf einem Platz, den Sie kennen. Doch er wirkt anders. Das ist gutes Sequencing. Es macht aus Liedern ein Album.
Vieles an LieblingsSpiele klingt heute erstaunlich frisch. Nicht, weil es modern sein will. Sondern weil es dem schnellen Trend entkommt. Es redet in einem Ton, der trägt. Es hält Nähe aus. Es zeigt Brüche, ohne zu moralisieren. Das gibt dem Album eine lange Halbwertszeit.
Wenn Sie es heute hören, hören Sie sich selbst mit. Die Figuren sind keine Fremden. Es sind Nachbarn, Kollegen, alte Freunde. Auch das Politische hat keinen Staub angesetzt. Es ist im Alltag greifbar. Und darum immer neu. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele beweist, dass Haltung nicht altert, wenn sie ehrlich bleibt.
Wenn Sie Texte lieben, sind Sie hier richtig. Wenn Sie Wortwitz mögen, aber keine Witze, noch mehr. Wenn Sie Piano-Lieder schätzen, die nicht prunkvoll klingen, sondern nah, dann lohnt sich die Zeit. Dieses Album ist kein Hintergrundklang. Es will Ihre Aufmerksamkeit. Es dankt es Ihnen.
Sie kommen aus Pop, Folk oder Chanson? Sie sind im Jazz zuhause? Das Album passt in viele Regale. Es spielt nicht Genre, es spielt Lied. Das ist seine Freiheit. Und seine Stärke. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele zeigt, wie viel in der kleinen Form steckt. Es öffnet das Ohr. Und es hält den Blick wach.
Beginnen Sie mit „Wessi“. Hören Sie danach „Die Unvermittelbaren“. Wechseln Sie dann zu „Meine Nachbarin“. So erleben Sie drei Achsen des Albums: Gesellschaft, Arbeit, Alltag. Weiter geht es mit „Ein Glas für Harry“. Danach „Einfaches Ja“. Schließlich „LieblingsSpiele“. Am Ende zurück zu „Wessi (live)“. Dieser Weg deckt viel ab. Er zeigt die Spannweite in kurzer Zeit.
Wenn Sie mehr Ruhe haben, hören Sie chronologisch. Das lohnt sich. So spüren Sie die gesetzten Übergänge. Ein kurzes Stück wirkt dann wie ein Atemzug. Ein langes Lied wie ein Wegstück. Der Abend wird zu einem Gespräch. Mit dem Sänger. Und mit sich selbst. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele entfaltet seinen Charme genau so.
Es gibt viele Liedermacher-Alben, die gut sind. Was macht dieses besonders? Es ist die Mischung aus Gelassenheit und Spannung. Der Ton vertraut sich. Doch die Themen scheuen die Kante nicht. Das Piano ist warm. Doch der Blick bleibt scharf. Diese Balance ist schwer. Hier gelingt sie.
Dazu kommt eine klare Sprache. Sie ist arm an Pomp, reich an Sinn. Sie haben Bilder im Kopf, die bleiben. Sie müssen sie nicht verstehen. Sie können sie fühlen. Das ist selten. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele leistet das immer wieder. Im Großen wie im Kleinen.
Die Dynamik ist fein abgestimmt. Leise Stellen sind wirklich leise. Laute Stellen bleiben maßvoll. Das gibt den Texten ihre Wirkung. Kompression hält zusammen, erdrückt aber nicht. Die Instrumente haben Platz. Nichts steht im Weg. Nichts wird versteckt.
Die Präsenz der Stimme trägt. Kein Hall kaschiert, kein Filter kleidet zu. Sie hören das natürliche Korn. Es passt zu den Themen. Es passt zur Haltung. Dieser Ansatz ist mutig. Er ist auch zeitlos. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele beweist, wie gut Reduktion klingen kann, wenn sie klug geführt ist.
LieblingsSpiele ist kein Samtsofa. Es ist ein Holzstuhl am Fenster. Es ist bequem genug für eine Stunde. Es ist unbequem genug, um wach zu bleiben. Das Album lebt von genauen Texten, klarer Musik und feinem Humor. Es hat Respekt vor seinen Figuren. Es respektiert auch Sie als Hörerin oder Hörer. Es erklärt nicht, es zeigt.
Wenn Sie ein Album suchen, das altert wie gutes Holz, sind Sie hier richtig. Die Lieder tragen die Jahre ohne Masken. Sie klingen heute ehrlich. Und morgen auch. Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele ist kein lauter Klassiker. Es ist ein leiser Begleiter. So einer, der bleibt. Und der Sie mit jedem Hören ein Stück weiter führt.
Manfred Maurenbrechers neues Album "LieblingsSpiele" bietet eine faszinierende Mischung aus tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien. Seine einzigartige Stimme und sein unverwechselbarer Stil machen dieses Werk zu einem echten Highlight für alle Fans des Genres. Wenn Du mehr über Maurenbrechers musikalische Reise erfahren möchtest, empfehle ich Dir auch einen Blick auf Manfred Maurenbrecher Schneller leben. Dieses Album zeigt eine andere Facette seines Könnens und ergänzt das aktuelle Werk perfekt.
Ein weiterer Künstler, der in der Singer-Songwriter-Szene nicht fehlen darf, ist Reinhard Mey. Sein Album Reinhard Mey Über den Wolken - Lieder aus 4 Jahrzehnten von Orpheus bis Rüm Hart bietet eine beeindruckende Sammlung seiner besten Lieder. Meys Fähigkeit, Geschichten durch Musik zu erzählen, ist unübertroffen und bietet eine wunderbare Ergänzung zu Maurenbrechers "LieblingsSpiele".
Auch Heinz Rudolf Kunze hat mit seinem Album Heinz Rudolf Kunze Wie es euch gefällt ein Werk geschaffen, das tief unter die Haut geht. Seine kritischen Texte und die musikalische Vielfalt machen dieses Album zu einem Muss für jeden Musikliebhaber. Kunzes Werk bietet eine interessante Perspektive und erweitert den musikalischen Horizont, den Maurenbrecher mit "LieblingsSpiele" eröffnet.