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Manfred Maurenbrecher: LieblingsSpiele – Albumkritik und Highlights

Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele — Albumkritik und Songanalyse

Letztes Update: 06. Februar 2026

Der Artikel stellt Manfred Maurenbrechers Album 'LieblingsSpiele' vor, analysiert Songs, Texte und Produktion: Welche StĂŒcke berĂŒhren, wo gelingt der Ton, welche Momente enttĂ€uschen. Sie bekommen eine Empfehlung und Hörtipps.

LieblingsSpiele: Manfred Maurenbrecher zwischen Alltag und Abgrund

Dieses Album erscheint spĂ€t im Jahr 1997. Es wirkt dennoch hellwach. Es spricht ĂŒber die Zeit und ĂŒber Menschen, die sich bewegen. Es stellt Fragen, statt Antworten zu liefern. Und es tut dies mit einer Stimme, die trĂ€gt. Vielleicht haben Sie darauf gewartet. Vielleicht trifft es Sie jetzt wie neu. Denn Manfred Maurenbrecher legt mit LieblingsSpiele ein Werk vor, das nah ist und zugleich fern wirkt. Es ist persönlich, politisch und poetisch. Es ist ein kleines Archiv der spĂ€ten Neunziger, gefiltert durch Klavier, Stimme und Blick.

Die 17 StĂŒcke sind kurz, knackig und prĂ€zise. Viele sind unter drei Minuten. Andere brauchen lĂ€nger Luft. Doch alles atmet dieselbe Haltung. Der Ton ist warm, aber nicht weich. Die Sicht ist scharf, aber nicht kalt. Aus dieser Spannung wĂ€chst die Kraft der Platte. Sie hören Geschichten, die sich wie Notizen lesen. Aber sie treffen Sie wie Szenen aus einem Film. Gleich der erste Titel deutet die Richtung an. Die Reise fĂŒhrt durch WohnkĂŒchen, Kneipen, Hinterhöfe und Köpfe. Am Ende stehen Sie wieder am Anfang. Doch Sie hören ihn anders.

Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele im Fokus

Der Albumtitel klingt spielerisch. Doch es geht um mehr. Es geht um Muster, die wir tĂ€glich wiederholen. Um kleine Tricks, die wir uns angewöhnen. Um Gewohnheiten, die zu Regeln werden. Genau das spĂŒrt Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele nach. Er zeigt, wie wir uns zurechtlegen, was wir nicht verstehen. Er zeigt, wie NĂ€he wĂ€chst, wenn wir die Rolle verlassen. Und er zeigt, wie schnell das Rollenspiel wieder beginnt. Dieses Pendeln ist die treibende Kraft. Es hĂ€lt die StĂŒcke in Bewegung. Jedes Lied kippt an einer Stelle. Danach ist nichts mehr ganz so wie zuvor.

Diese Kunst gelingt nur mit einem klaren Blick. Der ErzĂ€hler tritt nie pathetisch auf. Er bleibt am Rand der Szene. Er beschreibt, wie einer spricht, wie eine schweigt. Er zĂ€hlt Details auf. Ein Stockwerk, ein Glas, ein Blick. Aus diesen Bausteinen entsteht Wahrheit. Sie wirkt hart, weil sie schlicht ist. Doch sie bleibt offen. Sie dĂŒrfen mitgehen. Sie dĂŒrfen sich auch wehren. Daraus zieht das Album seinen Reiz.

Ein Jahr der BrĂŒche: 1997 und die spĂ€te Ernte

1997 klingt heute wie eine ferne Ecke. Mobiltelefone sind noch schwer. Das Netz ist jung. Die deutsche Einheit liegt sechs Jahre zurĂŒck. Die Ost-West-Debatte brennt noch. Dazu kommt eine neue Arbeitswelt. Vieles steht unter Druck. Genau hier setzt diese Platte an. Sie ist eine spĂ€te Ernte jener Jahre. Sie greift Stimmungen auf, die Sie kennen. Sie schaut auf Gewinner und Verlorene. Sie schaut aber nie von oben. Sie steht neben den Figuren. So wird aus Zeitdiagnose eine Nahaufnahme. Auch das macht Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele stark. Es ist verankert in der Zeit. Es wirkt dennoch zeitlos, weil es vom Menschen spricht.

Die Lage ist politisch, aber nicht platt. Der Ton ist privat, aber nicht banal. Dieser Doppelton zieht sich durch. Er hÀlt die Waage, auch wenn es schief wird. Wenn Zorn aufblitzt, folgt Humor. Wenn Melancholie droht, kommt ein trockener Witz. So bleibt die Platte beweglich. Sie bleibt in Kontakt mit Ihnen.

Die Stimme, das Klavier, die Band: ein Kern mit Kanten

Im Zentrum steht das Klavier. Es treibt die Lieder voran. Es begleitet nicht nur. Es erzĂ€hlt. Oft gibt ein einzelner Anschlag den Puls. Die Stimme sitzt tief darin. Sie kratzt leicht. Sie klingt rau und warm. Sie trĂ€gt den Text, ohne zu drĂŒcken. In diesem Zusammenspiel liegt die Magie. Es braucht keine großen Effekte. Kleine Figuren, klare Harmonien, kurze Haken. Das reicht. Daraus entsteht Druck.

Hier und da blitzt eine Band auf. Ein Bass legt den Boden. Eine Gitarre setzt Akzente. Schlagzeug und Percussion zeichnen Wege. Nichts drĂ€ngt sich vor. Alles dient der Sprache. Trotzdem ist der Sound lebendig. Er ist trocken und nah. Er verzichtet auf Pomp. Er setzt auf PrĂ€senz und Raum. Das macht die StĂŒcke direkt. Sie hören die Finger auf den Tasten. Sie hören die Luft im Studio. Dieses Detail lĂ€sst die Texte wirken. Es lenkt nicht ab. Es fĂŒhrt Sie hinein.

Wenn das Live-GefĂŒhl zu stark wird, fĂ€ngt es ein Refrain ein. Wenn die Melodie davonfliegt, bringt ein Riff sie zurĂŒck. So hĂ€lt das Album die Balance. Es wirkt frei, bleibt aber prĂ€zise. Das ist schwerer, als es klingt. Hier zeigt sich Erfahrung.

ErzÀhlkunst in Miniaturen

Viele StĂŒcke sind kleine Szenen. Sie beginnen ohne Vorspiel. Ein Satz, schon ist die Welt da. Eine Nachbarin. Ein Wirt. Eine Liebe auf Sicht. Ein Streit im Kopf. Die Figuren sind nie Schablonen. Sie atmen. Sie irren. Sie reden sich raus. Genau das macht die GlaubwĂŒrdigkeit aus. Sie merken es an Worten, die fehlen. An Bildern, die ausweichen. An Gesten, die anhalten. Aus den LĂŒcken spricht die Wahrheit. Das ist die StĂ€rke dieser Platte. Sie fordert Sie, ohne schwer zu sein. Sie ist leicht zu hören. Doch sie bleibt lange im Kopf. So funktioniert Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele als Geschichtenband in Tönen.

Die Reime bleiben locker. Der Fluss geht vor. Der Witz sitzt tief. Er trifft zuerst die eigene Rolle. Dann erst die anderen. Das schĂŒtzt vor HĂ€me. Es öffnet den Blick auf das Gemeinsame.

Titel fĂŒr Titel: Ein Weg durch 17 Szenen

Wessi

Der Einstieg ist scharf, aber fair. Eine SelbstprĂŒfung im KostĂŒm. Das Lied tastet Klischees ab. Es fragt, wer sie braucht. Es spielt mit Spiegeln. Was ist Pose, was ist Schmerz? Der Text schĂ€lt Schichten ab, wie bei einer Zwiebel. Das Klavier bleibt stur. Es treibt voran. Der Rhythmus wirkt wie ein Gang durch nasse Straßen. Wenn Sie hier schon nicken, sind Sie im Album angekommen. Hier legt der Autor den Ton fest: direkt, klug, ohne Zange. Es ist ein guter Auftakt. Er setzt die Reibung, die bleibt.

Am Ende steht die Live-Variante. Sie schließt die Reise. Sie zeigt die Spannbreite. Im Studio ist das Thema kĂŒhl. Live ist es heiß. Das Publikum lacht, dann horcht es. Da zeigt sich die zweite Ebene. Satire und Ernst liegen dicht beieinander.

Meine Nachbarin und Die Liebe kommt

Die NĂ€he zur Hauswand tut gut. In "Meine Nachbarin" wird Beziehung zur Beobachtung. Es geht nicht um Spionage. Es geht um den Blick, der hĂ€lt. Um Respekt aus der Distanz. Um AlltagswĂ€rme. Das StĂŒck klingt kompakt. Es atmet den Geruch von TreppenhĂ€usern. "Die Liebe kommt" wechselt in die Weite. Kein Schnörkel. Kein Zuckerguss. Liebe wird hier als Fakt genommen. Sie kommt, wie Wetter kommt. Das Klavier begleitet, als ob es sagt: Nimm es hin. Das ist stark, weil es klar ist. Es macht Raum auf fĂŒr die eigene Erinnerung.

Schrumpfköpfe, Der Dreh, Einfaches Ja, Heut bin ich da

Diese vier StĂŒcke sind komprimierte Gedankenblitze. "Schrumpfköpfe" sticht kurz zu. Es zeigt, wie wir klein machen, was uns Angst macht. Ein bissiges Miniaturtheater. "Der Dreh" erklĂ€rt den Trick. Es zeigt, wie Geschichten kippen. Ein kleiner Taktwechsel genĂŒgt. "Einfaches Ja" nimmt den Kontrapunkt. Es zeigt, wie schwer das Einfache ist. Keine Pose, nur ein Wort. "Heut bin ich da" macht den Satz zu einem Halt. Gegen das Rauschen um uns. In diesen vier StĂŒcken kocht die Platte auf. Sie dampft. Sie zieht dann wieder zurĂŒck. Der Bogen hĂ€lt.

Ein Glas fĂŒr Harry und Die Unvermittelbaren

Hier wird es sozial und sanft zugleich. "Ein Glas fĂŒr Harry" klingt wie ein Gruß in die Runde. Ein Toast auf einen, der fehlt, oder der zu viel ist. Sie entscheiden. Der Text lĂ€sst es offen. Der Ton bleibt warm. Der Rhythmus wiegt. "Die Unvermittelbaren" dreht den Blick. Es schaut in Ämter, in WartesĂ€le, in Akten. Es zeigt, wie Sprache Menschen sortiert. Wie Worte Last werden können. Doch der Song lĂ€sst niemanden stehen. Er sucht die Person im Papier. Das macht ihn groß. Auch hier bleibt die Musik nĂŒchtern. So bekommt jedes Wort Gewicht.

Du bist da (und wirst 3) und Du (Alte Fotos)

Diese beiden StĂŒcke öffnen den inneren Raum. Ein Kind wird drei. Ein Leben beginnt, und der ErzĂ€hler staunt. Es ist kein sĂŒĂŸer Kuchen. Es ist Freude mit Staub am Rand. Genau so fĂŒhlt sich Alltag an. "Du (Alte Fotos)" blĂ€ttert zurĂŒck. Bilder liegen auf dem Tisch. Was ist geblieben? Was ist erinnert, weil es fehlt? Die Musik hĂ€lt still. Sie schĂŒtzt den Moment, wie man eine Kerze schĂŒtzt. Aus solchen Szenen wĂ€chst Bindung. Sie ist nie laut. Sie ist nie still. Sie ist einfach da.

Noch ne Nacht und Warum kommt ihr erst jetzt

Die SpÀtschicht beginnt. "Noch ne Nacht" riecht nach Rauch und Regen. Es geht ums Weitermachen. Nicht aus Pflicht. Aus einer Ruhe, die nur nachts da ist. Das Piano spielt kurze Wellen. Es ist kein Trost. Es ist ein Takt zum Aushalten. "Warum kommt ihr erst jetzt" hebt die Stimme. Es stellt eine Frage, die oft zu spÀt kommt. An Freunde, an Politik, an das eigene Ich. Der Song rollt, wie ein Zug, der nicht mehr hÀlt. Das ist klug gesetzt. Es zieht die Spannung an. Es lÀdt den Schluss auf.

Das JĂŒngste Gericht, LieblingsSpiele und Wessi (live)

Die letzten Meter sind dicht. "Das JĂŒngste Gericht" spielt mit großen Bildern. Es macht daraus eine Szene aus dem Viertel. Das Ende der Welt sieht hier aus wie Alltag. Das ist bitter und komisch zugleich. Der Titelsong "LieblingsSpiele" fasst zusammen, ohne zu belehren. Er zeigt, wie Rollen beginnen. Er zeigt, wie sie enden. Und er lĂ€sst offen, wer gewinnt. Am Schluss "Wessi (live)". Das Publikum ist Teil der Geschichte. Die Pointe sitzt tiefer. Weil sie geteilt ist. So endet die Platte auf einer BĂŒhne. Es passt. Sie haben die Reise mitgemacht. Jetzt geht die Geschichte weiter, bei Ihnen.

Dramaturgie und Fluss: Von der Reibung zur Ruhe

Die Reihenfolge der Lieder ist klug gebaut. Es beginnt mit einer Reibung. Die hĂ€lt Sie wach. Dann kommt NĂ€he. Dann die verdichteten Miniaturen. Danach folgt der Blick nach innen. Es geht dann wieder auf die Straße. Erst zum Schluss greift die Hand in die große Kiste mit den Bildern. Das verschiebt den Fokus StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Sie merken es kaum. Erst im RĂŒckblick passt es. So entsteht ein Bogen, der trĂ€gt. Die Live-Variante am Ende rundet ab. Sie löst die StudiokĂ€lte in KörperwĂ€rme auf. Genau das brauchen diese Texte. Erst so entsteht das ganze Bild. Hier zeigt Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele seine klangliche Intelligenz.

Die Pausen zwischen den StĂŒcken sind kurz. Das hĂ€lt die Spannung. Es ist, als sĂ€ĂŸen Sie in einem kleinen Theater. Die Szenen folgen schnell. Doch sie drĂ€ngen sich nicht. Alles bleibt lesbar. Alles bleibt hörbar.

Zwischen Satire und ZĂ€rtlichkeit: das feine Maß

Satire ist riskant. Sie kann zu leicht sein. Oder zu hart. ZĂ€rtlichkeit ist riskant. Sie kann kitschig werden. Hier gerĂ€t beides ins Gleichgewicht. Der Autor spitzt zu. Doch er deutet nie vor. Er lĂ€sst Sie den Punkt setzen. Er bleibt nah, wenn es wehtut. Doch er hĂ€lt Abstand, wenn es peinlich werden könnte. Das ist ein feines Maß. Es ist Ergebnis jahrelanger Arbeit. Und es ist die Voraussetzung fĂŒr diese Lieder. Ohne diese Balance zerfiele der Stoff. Mit ihr gewinnt er Tiefe. Auch darum bleibt Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele frisch, obwohl es alt genug ist, um Archiv zu sein.

Die Sprache hilft dabei. Sie ist einfach, aber nicht schlicht. Bilder sind klar. Vergleiche sind knapp. Der Witz kommt trocken. Nichts weckt falsche TrÀnen. Nichts deckt harte Kanten zu. Das ist selten. Und es ist gut so.

Klang der Stadt, Klang der Zeit

Die Platte klingt urbĂĄn. Sie hören Straßen, nicht Felder. Sie hören TreppenhĂ€user, nicht Alleen. Das ist kein Mangel. Es ist eine Haltung. Stadt ist Verdichtung. Sie ist NĂ€he und Krach. Sie ist RĂŒckzug und Suche. Genau dort sind diese Lieder zu Hause. Sie beschreiben das GedrĂ€nge, in dem wir stehen. Sie zeigen, wie ein Mensch darin leise bleibt. Das ist wichtig. Es schenkt Ruhe. Es schenkt Haltung. Und es schenkt Witze, die tragen. So wird aus einem Stadtalbum ein Menschenalbum. In diesem Sinn ist Manfred Maurenbrecher LieblingsSpiele ein kleines Kompendium. Es hilft, die spĂ€ten Neunziger zu erinnern. Es hilft auch, heute klarer zu sehen.

Manchmal klingt die Musik wie eine Straße im Regen. Manchmal wie ein offenes Fenster am Morgen. Manchmal wie der trockene Raum einer Amtstube. Diese Wechsel bleiben glaubwĂŒrdig. Denn die Instrumente bleiben knapp. Die Stimme bleibt ehrlich. Die Texte bleiben frei von Posen. Das erzeugt Vertrauen. Deshalb dĂŒrfen die Lieder auch wehtun. Sie wissen, warum. Sie wissen, fĂŒr wen.

BrĂŒche, BrĂŒcken, Bilder: So arbeitet das Album

Ein Merkmal fĂ€llt auf. Fast jedes Lied kippt einmal. Ein Wort, ein Blick, eine Pause. Danach rĂŒckt der Sinn. Diese BrĂŒche schaffen BrĂŒcken. Zwischen Figuren, die sich nicht kennen. Zwischen Hörerinnen und Hörern, die sich sonst verfehlen. Das ist eine soziale Kunst. Sie zeigt einen Weg, wie man zuhört. Wie man Streit haltbar macht. Wie man NĂ€he erlaubt, ohne einzugehen. Diese Haltung strahlt in jedes Detail. In die Refrains, die nicht siegen mĂŒssen. In die Strophen, die keinen Beweis erbringen wollen. So entsteht Reife.

Die Bilder sind schlicht. Ein Glas. Ein Foto. Ein Gang. Ein Blick aus dem Fenster. Wenige Farben, klare Konturen. Das macht die Songs hart im Kern. Denn Sie fĂŒllen die FlĂ€chen mit Ihrem Leben. Das ist hohe Schule des ErzĂ€hlens. Sie gibt Ihnen das GefĂŒhl, gemeint zu sein. Ohne dass es aufdringlich wirkt.

Einordnung im Kanon der Liedermacher

Dieses Werk steht nicht isoliert. Es gehört in die Reihe jener Platten, die das Sprechen ĂŒber die Welt vor den Effekt stellen. Dennoch taugt der Vergleich nur bedingt. Zu eigen ist die Art, wie hier Beobachtung und Rhythmus zusammenrĂŒcken. Zu eigen ist das Temperament, das nie auskĂŒhlt, aber nie ĂŒberhitzt. Wenn Sie an die großen Namen denken, finden Sie AnknĂŒpfungen. Doch Sie werden merken: Hier zieht jemand eine eigene Bahn. Er nutzt das Klavier wie ein Notizbuch. Er nutzt die Stimme wie einen Stift. Das ist bemerkenswert. Es zeigt, wie persönlich politisches Singen sein kann. Und wie politisch eine private Szene wirken darf.

Gerade darin liegt die bleibende Bedeutung dieser Platte. Sie macht kein Programm. Sie macht Erfahrung lesbar. Das trÀgt weiter, als jede Parole.

Produktion, Sounddesign, Dauer: das Handwerk hinter der Haltung

Die Produktion setzt auf Klarheit. Die Frequenzen sind sortiert. Das Klavier sitzt vorn. Die Stimme liegt trocken, doch nicht nackt. Hall wird sparsam genutzt. Effektspuren bleiben diskret. Alles dient der Artikulation. Der Raum zwischen den Tönen bleibt hörbar. Das schafft Tiefe. Die kurzen StĂŒcke profitieren davon. Sie können atmen. Sie flitzen nicht vorbei. Auch bei den lĂ€ngeren Nummern verliert nichts an Fokus.

Die Gesamtdauer verteilt sich auf 17 Titel. Das wirkt erst ĂŒppig. Doch die KĂŒrze vieler StĂŒcke hĂ€lt das Tempo. Es gibt keine LĂ€ngen. Die Abfolge wirkt wie ein Set, nicht wie ein Sammelalbum. Sie könnten es live genau so spielen. Dieser Eindruck stĂ€rkt das Vertrauen. Hier geht es um PrĂ€senz. Um das Da-Sein im Moment. Um etwas, das bleibt, wenn das Licht aus ist.

Wiederhören und Weiterhören: Was bleibt hÀngen?

Sie werden zurĂŒckkehren zu drei, vier StĂŒcken. Dann wieder zu anderen. Das ist ein gutes Zeichen. Einmal bleibt "Meine Nachbarin" im Ohr. Dann klebt eine Zeile aus "Die Unvermittelbaren" im Kopf. SpĂ€ter brennt "Wessi" wieder. Das Album öffnet neue ZugĂ€nge, je nach Tag. Es zwingt Sie nicht. Es wartet auf Sie. Das ist selten. Es zeigt die Tiefe im Material. Es zeigt auch die GroßzĂŒgigkeit dieser Kunst.

Beim zweiten Hören fĂ€llt die Ökonomie der Mittel stĂ€rker auf. Beim dritten Hören rĂŒcken kleine harmonische Wendungen nach vorn. Beim vierten Hören stehen Sie plötzlich wieder im Flur eines Mietshauses. Sie riechen den Staub. Sie hören die Schritte. Solche Momente sind das Gold dieser Platte. Sie brauchen Zeit. Doch sie bleiben.

Fazit: Ein stiller Klassiker der spÀten Neunziger

LieblingsSpiele ist ein leises Album mit langem Echo. Es zeigt einen Autor in voller Form. Es sammelt kleine Szenen und große Fragen. Es macht wenig Aufhebens. Es macht viel möglich. Wenn Sie einen SchlĂŒssel fĂŒr die spĂ€ten Neunziger suchen, finden Sie hier einen. Wenn Sie ein Album suchen, das heute noch spricht, finden Sie hier eines. Es sitzt fest im Alltag. Es reicht zugleich in die Tiefe. Es ist klug, zĂ€rtlich, wach. Und es hat diese Zeilen, die Sie tragen, ohne viel Gewicht. Genau das brauchen wir, damals wie heute.

1997 war kein einfaches Jahr. Dieses Album ist kein einfacher Trost. Es ist eine Hand auf der Schulter. Kurz, klar, warm. Mehr muss es nicht sein. Weniger darf es nicht sein. Deshalb lohnt sich das Wiederhören. Deshalb bleibt es ein stiller Klassiker.

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