Letztes Update: 19. Januar 2026
Reinhard Mey Edition française, volume 5 stellt Meys französische Interpretationen in den Mittelpunkt. Ich bespreche Arrangements, Übersetzungen und stimmliche Nuancen; zeige Stärken, kleine Schwächen und empfehle, welche Tracks Sie zuerst hören sollten.
1979 ist kein Zufall. Das Jahr steht für Umbruch und Öffnung. Chanson blickt nach innen, Pop nach außen. Dazwischen steht ein Liedermacher, der beide Welten kennt. Reinhard Mey Edition française, volume 5 fällt genau in diese Phase. Sie hören einen Künstler, der seine Stimme in einer anderen Sprache neu austariert. Nicht als Maske, sondern als Spiegel. Das ist die reizvolle Spannung dieses Albums.
Reinhard Mey versteht die Bühne als Raum der Nähe. Das ist auf Deutsch so. Auf Französisch bleibt es so, nur anders akzentuiert. Er schmeichelt nicht. Er erzählt, fragt, lächelt, schweigt. Dann setzt er wieder an. Reinhard Mey Edition française, volume 5 nutzt diese Kunst. Die Lieder wirken wie Briefe. Sie könnten an Sie gerichtet sein. Direkt. Ohne Abstand.
Der Titel legt eine Reihe nahe. Ein fortgesetztes Gespräch mit dem frankophonen Publikum. Volume 5 klingt nüchtern. Dahinter steckt ein Programm. Jede Platte fügt eine Farbe hinzu. Hier ist es ein sanftes Blau. Melancholie, die warm bleibt.
Chanson lebt von der Stimme und vom Wort. Liedermacher-Kunst auch. Der Kitt ist die Geste des Erzählens. Reinhard Mey Edition française, volume 5 baut darauf auf. Es mischt intime Bilder mit Alltagsbeobachtung. Es sucht das Leise, nicht den Effekt. So entsteht eine Nähe, die Sie sofort merken. Sie spüren sie in den Pausen und in kleinen Atemzügen.
Sie hören Geschichten, doch keine großen Dramen. Der Schlüssel liegt im Detail. In einem Blick. In einem Formular. In einem ersten grauen Haar. Die Motive sind bescheiden, aber offen. Genau darin liegt die Kunst. Mey vertraut darauf, dass Sie mitgehen, weil Sie solche Momente kennen.
Die Platte kommt als 12" Vinyl mit zehn Stücken. Die Spielzeiten wirken bewusst gesetzt. Die Kürze vieler Lieder hält den Fluss. Der lange Schlusstrack öffnet den Raum. Reinhard Mey Edition française, volume 5 nutzt das Format klug. Zwischen 03:13 und 09:19 entfaltet sich eine Dramaturgie. Sie bekommen einen Bogen, keinen Flickenteppich. Das tut der Spannung gut.
Das Klangbild ist nahe an der Stimme gebaut. Akustische Gitarre führt. Percussion bleibt dezent. Möglich sind Streicher in kleinen Bögen. Auch mal ein Klavier, das nur atmet. Der Mix lässt Luft. Nichts drängt. Jede Nuance zählt. So trägt die Produktion die Texte, statt sie zu umhüllen. Für Vinyl passt das perfekt. Der warme Körper des Tons fügt sich zur Wärme der Stimme.
Ein kleiner großer Moment. Ein Blick auf ein Kind. Auf Wachstum und Verantwortung. Das Lied schwingt in ruhigem Takt. Die Melodie geht in kleinen Schritten. Sie bleibt im Ohr. Reinhard Mey Edition française, volume 5 eröffnet damit einen intimen Raum. Es ist zart, aber klar. Sie spüren eine Hand, die führt, ohne zu drücken. Der Schluss klingt aus wie ein leiser Segen.
Wege, die sich kreuzen. Wege, die zurückführen. Die Gitarre zeichnet Linien. Der Refrain öffnet Türen. Das Tempo ist beschwingt, doch nicht hastig. Hier liegt ein kleines Reisestück, ohne Karte, aber mit Kompass. Reinhard Mey Edition française, volume 5 zeigt die Stärke der leichten Form. Es ist ein Lied zum Mitgehen. Ein Schritt, noch ein Schritt. Dann stehen Sie an einem neuen Ort und wissen, warum.
Ein Lied über Papier, das Menschen ordnen will. Ein Formular als Bühne. Der Witz ist trocken. Die Pointe ist menschlich. Mey zieht die Bürokratie nicht grob durch den Kakao. Er zeigt ihre Komik im Detail. Der Text stapelt Kästchen und Kürzel. Die Gitarre bleibt stetig. Der Ablauf fühlt sich wie ein Schalterraum an. Reinhard Mey Edition française, volume 5 findet hier seine gesellschaftliche Kante. Sie ist spitz genug, um zu treffen, doch nicht hart, um zu verletzen.
“Alles ist gut” klingt wie ein Versprechen. Oder wie ein Trost. Beides passt. Die Harmonien laufen in weiten Bögen. Sie halten, was sie ansagen. Das Lied lädt ein, im Augenblick zu ruhen. Kein Kitsch, weil ein feiner Schatten bleibt. Reinhard Mey Edition française, volume 5 ist an dieser Stelle Balsam. Es erinnert daran, dass Ruhe nicht naiv sein muss.
Ein Lächeln als Welt. Mehr braucht es nicht. Die Gitarre setzt Tupfer, fast wie Lichtpunkte. Mey singt nah am Mikrofon. Sie hören das Intime, nicht das Private. So trägt das Stück seine Zärtlichkeit, ohne aufdringlich zu werden. Reinhard Mey Edition française, volume 5 vertraut hier ganz auf Stimme und Timing. Das ist elegant und mutig zugleich.
Ein Echo einer alten Zeile über Heimkehr und Maß. Es ist ein Motiv, das im Französischen verankert ist. Mey greift es respektvoll auf. Die Melodie hält Abstand zur Pose. Nichts ist feierlich um der Form willen. Stattdessen hören Sie einen ruhigen Schritt. Ein Lied wie ein Spaziergang in Gedanken. In Reinhard Mey Edition française, volume 5 markiert es einen kulturellen Gruß. Eine Verbeugung, kein Zitatenschatz.
Das erste graue Haar. Ein weicher Schock. Ein freundliches Lächeln an sich selbst. Mey erzählt diesen Moment ohne Larmoyanz. Der Ton bleibt hell. Ein sanfter Swing trägt die Zeilen. Kleine Pointen blitzen auf. Sie merken: Altern kann Wärme haben. Reinhard Mey Edition française, volume 5 findet dafür eine Form, die tröstet. Nicht, weil sie beschönigt, sondern weil sie annimmt.
Ein Lied an einen schlafenden Hund kann schnell kippen. Hier kippt nichts. Das Tempo ist behutsam. Die Bilder sind schlicht. Sie sehen Fell, Atem, Ruhe. Mehr nicht. Und doch viel. Das Stück feiert Treue im Alltag. Es hat Humor, weil es den Ernst nicht betont. Es hat Ernst, weil es nicht witzig sein will. Reinhard Mey Edition française, volume 5 gewinnt damit eine herzenskluge Note.
Der Titel setzt einen farbigen Punkt. “Blue” klingt nach Melancholie. Das Stück hält dieses Versprechen, aber ohne Schwermut. Die Harmonien gleiten wie Wasser. Vielleicht hören Sie ein vorsichtiges Klavier. Die Stimme legt sich darüber, unaufgeregt. Es ist ein Lied über Rückblick und Tonart. Reinhard Mey Edition française, volume 5 wechselt hier vom Tageslicht in die Dämmerung. Ein schönes Licht, in dem vieles deutlicher wird.
Hier öffnet sich der große Raum. Neun Minuten und neunzehn Sekunden für eine Fabel. Ein Bär will Bär bleiben. Das ist eine klare Idee. Daraus wird eine Erzählung über Würde und Identität. Die Gitarre ist das Lagerfeuer, um das die Geschichte kreist. Das Tempo bleibt ruhig. Kleine thematische Motive kehren wieder. Sie halten den Faden. Reinhard Mey Edition française, volume 5 setzt mit diesem Finale ein Zeichen. Es sagt: Zeit ist kein Luxus, wenn sie gut genutzt ist.
Wer Mey auf Deutsch kennt, weiß um seine klare Diktion. Auf Französisch bewahrt er sie. Er singt mit offener Artikulation, doch ohne Härte. Die Vokale tragen. Die Konsonanten markieren, ohne zu schneiden. So bleiben die Bilder durchsichtig. Es ist kein Fremdeln zu hören. Eher Leichtigkeit. Wenn Sie die Sprache beherrschen, werden Sie belohnt. Wenn nicht, trägt Sie dennoch die Intonation. Das ist selten und kostbar.
Das Album lebt vom leisen Lachen. Es kommt nicht als Pointe, sondern als Schmunzeln. Dann bleibt Platz für Zärtlichkeit. Das Kleine wird groß, weil es ernst genommen wird. Ein Formular ist nicht nur Bürokratie. Ein graues Haar ist nicht nur Alter. Ein Bär ist nicht nur Tier. In dieser Balance liegt die poetische Eleganz. Sie ist typisch für Mey. Hier leuchtet sie im französischen Tonfall besonders.
Die Instrumentierung bleibt schlank. Das ist kein Mangel, sondern Methode. Gitarre, vielleicht ein feiner Bass, dezente Streicher, leises Klavier. Dadurch haben Wörter Raum. Der Hall ist knapp. Die Dynamik bleibt organisch. Jeder Akzent sitzt. So entsteht eine intime Bühne, die auf Vinyl noch näher rückt. Dieser Ansatz schützt die Zeitlosigkeit. Trends rauschen vorbei. Diese Lieder stehen.
1979 ist ein Jahr voller Gegensätze. Disco pulsiert. Punk glüht nach. Chanson sucht neue Stimmen. In diesem Umfeld behauptet sich eine leise Platte. Sie bleibt ruhig, ohne alt zu klingen. Das ist eine Haltung. Sie sagt: Mode ist nicht mein Taktgeber. Inhalt ist es. Genau deshalb funktioniert das Album heute noch. Es bewegt nicht durch Lautstärke, sondern durch Wahrheit.
Wer Meys deutschsprachige Arbeiten kennt, wird vertraute Farben hören. Die Handschrift ist da. Doch die französischen Lieder haben eine andere Körnung. Die Metaphern sitzen anders. Die Sätze atmen in neuen Takten. Es ist, als würden bekannte Räume neu ausgeleuchtet. Kein Kopieren. Ein Weiterdenken. Wenn Sie beide Seiten mögen, entdecken Sie hier Zwischenräume, die zuvor nicht sichtbar waren.
Die Platte setzt auf Menschlichkeit. Das altert nicht. Sie zeigt, dass leise Lieder weit tragen. Sie beweist, dass eine klare Stimme genügt, wenn sie etwas zu sagen hat. Dazu kommt die Kunst der kleinen Form. Drei Minuten können ein Leben öffnen. Neun Minuten können vergehen wie ein Atemzug. Das funktioniert damals wie heute. Es ist ein Versprechen an die Dauer.
Gönnen Sie sich Ruhe. Legen Sie die Platte auf. Beginnen Sie auf Seite eins. Lassen Sie den ersten Song einfach durch den Raum gehen. Achten Sie auf Pausen. Achten Sie auf Blicke, die in den Worten stecken. Drehen Sie nicht zu laut auf. Diese Musik will zu Ihnen kommen, nicht Sie überfahren. Beim langen Schlussstück lohnt sich ein Sessel. Schließen Sie die Augen. Folgen Sie dem Bären. Am Ende spüren Sie, warum Zeit eine Gabe ist.
Wenn Sie gern Texte mit Bildern verbinden, halten Sie ein Notizbuch bereit. Schreiben Sie zwei, drei Wörter auf, die bleiben. Ein Lächeln. Ein Weg. Ein Formular. Ein graues Haar. Ein Bär. Aus diesen fünf Wörtern wird beim zweiten Hören ein kleines Album im Album. So wächst die Musik in Ihren Tag hinein.
Für Hörerinnen und Hörer, die Nähe schätzen. Für Menschen, die Geschichten lieben, die nicht laut sein müssen. Für alle, die an Sprache Freude haben. Auch, wenn Ihr Französisch nicht perfekt ist, können Sie viel mitnehmen. Die Melodien führen. Die Stimme erklärt. Wenn Sie Vinyl schätzen, bekommen Sie dazu einen warmen Klang. Das rundet das Erlebnis ab.
Die asketische Produktion ist Stärke und Risiko zugleich. Wer große Arrangements erwartet, könnte Understatement als Mangel lesen. Manche Stücke bleiben auf einem dynamischen Level. Das erfordert Aufmerksamkeit. Der lange Schlusstrack braucht Geduld. Doch er schenkt sie mehrfach zurück. Das Album fordert mehr als ein beiläufiges Hören. Es belohnt genau das.
Im Gesamtwerk wirkt diese Platte wie ein Fenster. Es öffnet den Blick auf eine internationale Seite des Künstlers. Nicht, um Markt zu erweitern, sondern um Sprache zu erkunden. Das Ergebnis ist ein stimmiges Kapitel. Es vertieft die poetische Signatur. Wer Mey verstehen will, sollte diese Facette kennen. Sie ist kein Anhang, sondern Kern.
Dieses Album lebt von essenziellen Mitteln. Stimme. Gitarre. Wort. Dazu eine Produktion, die Raum lässt. Daraus entsteht eine intime Wucht. Sie ist nie aufdringlich. Sie ist da, wenn Sie bereit sind. Die Platte zeigt, wie viel in kleinen Gesten steckt. Wie viel in einer Pause. Wie viel in einem Blick. So klingen Lieder, die bleiben.
Wenn Sie die Wahl haben, hören Sie mehrfach und mit Zeit. Das erste Hören baut Vertrauen auf. Das zweite bringt Tiefe. Das dritte schenkt Liebe. Dann entfaltet sich eine stille Klarheit. Eine, die nicht vergeht, weil sie ehrlich ist. Genau das macht den Reiz dieser Veröffentlichung aus. Und genau deshalb lohnt sie sich heute noch.
Reinhard Mey ist ein Meister des Chansons und seine Alben der Reihe "Edition française" sind ein Beweis dafür. Das Album "Edition française, volume 5" zeigt erneut seine Fähigkeit, tiefgründige Texte mit eingängigen Melodien zu verbinden. Diese Sammlung französischer Lieder von Mey ist ein Muss für jeden Liebhaber des Genres.
Wenn du mehr über Reinhard Meys Werke erfahren möchtest, könnte dich auch seine spätere Veröffentlichung interessieren. Das Album Reinhard Mey Edition française, volume 7 bietet weitere Einblicke in seine musikalische Reise und zeigt, wie er sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat.
Ein weiteres bemerkenswertes Album von Reinhard Mey ist Reinhard Mey Edition française, volume 3. Auch hier überzeugt er mit seiner einzigartigen Mischung aus Poesie und Musik. Dieses Album ist ein weiterer Beweis für seine Fähigkeit, Emotionen und Geschichten durch seine Lieder zu vermitteln.
Für Fans von Chansons und Liedermachern bietet auch das Album Stephan Sulke The Essential eine großartige Ergänzung. Stephan Sulke ist ein weiterer Künstler, der es versteht, mit seinen Texten und Melodien zu berühren. Seine Werke sind ebenso tiefgründig und fesselnd wie die von Reinhard Mey und bieten eine wunderbare Ergänzung zu dessen Alben.