Letztes Update: 04. Dezember 2025
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin verbindet autobiografische Bilder mit politischer Beobachtung. Die Kritik analysiert Texte, Melodik und Produktion, lobt intime Momente und nennt Längen. Ich zeige, was sie erwartet und für welche Hörer das Album lohnt.
Dieses Album trägt Berlin schon im Titel. Es klingt nach Werkbank, Hinterhof und Abendlicht. Nach der zarten Hand eines Liedermachers und der rauen Luft einer geteilten Stadt. Reinhard Mey verwebt Alltag, Sehnsucht und Selbstironie. Er baut aus stillen Beobachtungen lebendige Szenen. Die Lieder greifen ineinander. Sie wirken wie kleine Straßen mit offenem Fenster. So entsteht ein Stadtporträt, das nicht im Lärm badet. Es sucht die Ruhe zwischen den Tönen.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin erscheint 1985. Es ist ein Werk der Mitte. Nicht früh, nicht spät, aber zielbewusst. Die Form ist klar, die Stimme trägt. Die Geschichten sind frei von Posen. Der Titel markiert Herkunft. Er ist ein Versprechen an Handwerk und Haltung. Diese Verbindung prägt den Ton. Sie formt den Blick auf Liebe, Alter, Reise und Rückkehr.
1985 ist Berlin noch geteilt. Man lebt mit Mauerkanten im Kopf. Die Kultur richtet sich ein zwischen BĂĽhne und Barrikade. Kabarett, Chanson und Pop stehen dicht nebeneinander. In dieser Lage setzt Reinhard Mey auf Konzentration. Er meidet die Pose, doch er kennt die Kulisse. Die Lieder sind klein, aber klar. Das macht sie stark. Sie fragen nicht nach Trends. Sie suchen das Konkrete.
Wer heute Reinhard Mey Hergestellt in Berlin hört, merkt das sofort. Es gibt keine Hast. Kein Drängen auf Effekt. Stattdessen eine ruhige Kamera. Sie fokussiert Stimmen, Bilder, Gesten. Man spürt die Schule des Chansons. Man hört auch die Schule der Straße. Darin liegt der Reiz. Geduld wird belohnt. Langsam steigt ein feiner Duft aus den Texten.
Zwölf Titel, zwölf Türen. Jedes Stück öffnet einen anderen Raum. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt. Sie beginnt mit einem Paukenschlag der Ironie. Sie endet mit einem Sprachspiel. Dazwischen wachsen Themen wie Linien in einer Skizze. Die CD ordnet sie klar. So entsteht eine feine Dramaturgie. Das Ohr wandert und findet Pausen. Dieser Rhythmus wirkt modern, obwohl das Album älter ist.
In Reinhard Mey Hergestellt in Berlin stehen die Songs wie Kapitel. "Ich hasse Musik" stößt die Tür humorvoll auf. "Frühlingslied" lässt Luft hinein. "Laßt sie reisen" erweitert den Horizont. Später folgen Stücke zur Familie, zum Altern, zum sanften Abschied. Das Finale "M(e)y english song" schmunzelt noch einmal. Es hält die Balance zwischen Witz und Warmherzigkeit.
Der Auftakt irritiert. Ein Liedermacher beginnt mit „Ich hasse Musik“. Das ist frech, aber klug. Es lockert das Ohr. Es schärft den Sinn für Doppeldeutigkeiten. Der Titel spielt mit Erwartung. Er öffnet einen Raum für Selbstkritik und Spott. Das Stück ist kein Verrat am Genre. Es ist eine Liebeserklärung über Umwege. Der Humor ist mild. Die Pointe trifft das große Wort, nicht das kleine Gefühl.
Genau hier zeigt Reinhard Mey Hergestellt in Berlin sein Profil. Es nimmt sich ernst, ohne ernst zu wirken. Es lächelt, ohne flach zu sein. Das ist schwer. Es gelingt durch Timing, Stimmfarbe und Zeilenbau. Mey hält die Gitarre dicht an der Stimme. So bleibt jedes Augenzwinkern hörbar. Der Song setzt damit den Ton für die Platte.
Reiselust gehört zum Fundus des Chansons. Doch hier geht es selten um große Fluchten. „Laßt sie reisen“ betrachtet die Welt mit leisen Gesten. „Ich wollte immer mal nach Barbados“ zeigt Sehnsucht und Zweifel. Es geht um das Gefühl, dass die Ferne lockt. Gleichzeitig bleibt das Zuhause stark. Diese Ambivalenz ist zeitlos. Sie prägt das Album auf feine Art.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin versteht Reisen als Denkfigur. Dahinter steht die Frage: Wer bin ich, wenn ich wieder da bin? „…und schlag’ die Tür hinter mir zu“ pendelt zwischen Aufbruch und Ende. Der Schritt hinaus ist zugleich ein Schritt zu sich selbst. Diese Bewegung hält viele Stücke in Schwung. Sie macht den Fluss lebendig.
Mit „Zu deinem dritten Geburtstag“ rückt das Private ins Zentrum. Der Blick auf ein Kind wird zum Spiegel. Das Lied spricht nicht nur über ein Fest. Es spricht über Zeit. Über den Wunsch, das Gute zu bewahren. „Vielleicht werd’ ich doch langsam alt“ knüpft daran an. Hier lacht jemand über sich und mit sich. So wird das Thema Alter entkrampft.
Auch das ist eine Stärke von Reinhard Mey Hergestellt in Berlin. Das Private ist nie bloß privat. Es wird zum Resonanzraum für das Allgemeine. Viele Hörer finden sich darin. Gerade weil der Ton schlicht bleibt. Kein falscher Pathos, kein moralischer Zeigefinger. Stattdessen Ehrlichkeit und ein genauer Blick auf kleine Dinge.
Meys Sprache ist präzise. Sie schließt Überflüssiges aus. Kurze Sätze, klare Bilder, markante Reime. So entsteht eine helle Textur. Die Stimme trägt das mit Ruhe. Sie wirkt geschult und doch natürlich. Der Klang folgt dieser Haltung. Akustische Gitarre, zarte Tasten, ein leichter Puls. Die Arrangements lassen Luft. Nichts überdeckt den Text.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin nutzt auch Spiel und Witz. „M(e)y english song“ ist ein Beispiel. Der Titel ist Wortwitz und Hinweis zugleich. Die Sprache biegt sich kurz in eine andere Richtung. Doch der Kern bleibt deutsch. Der Effekt ist charmant. Er löst die Platte mit einem Lächeln auf.
Die Produktion ist unprätentiös. Sie zeigt Details, sie drängt nicht vor. Man hört die Finger auf den Saiten. Man hört den Atem vor der Zeile. Solche Momente geben Nähe. Es ist ein Klang der Achtziger, aber frei von Patina. Kein dröhnender Hall, kein pompöses Schlagzeug. Der Sound dient dem Stoff.
So wirkt Reinhard Mey Hergestellt in Berlin wie ein Werkstattfilm. Man sieht den Meister bei der Arbeit. Kein Werkzeug klirrt zu laut. Nichts ist Einweg. Alles ist auf Dauer gemacht. Das passt zum Titel. Berlin steht hier für Handwerk, nicht für Glamour. Für einen Stil, der lange hält, weil er dorthin schaut, wo andere blenden.
„Es ist doch ein friedlicher Ort“ entfaltet Ruhe. „Ich grüße…“ ist kurz, aber herzlich. „Und der Wind geht allezeit über das Land“ blickt weit und weich. Solche Titel deuten schon die Richtung. Es geht um Atem, nicht um Druck. Die Bilder sind greifbar. Sie sind nie zu groß. Das hilft der Emotion. Sie bleibt glaubwürdig.
In Reinhard Mey Hergestellt in Berlin wirken diese Bilder wie kleine Lichter. Sie fĂĽhren durch die Platte. Man folgt ihnen gern. Denn sie flackern nicht. Sie brennen stetig. Das ist selten in einer Zeit schneller Reize. Hier darf ein Satz stehen bleiben. Er muss nicht in die Knie gehen, um zu gefallen.
Humor ist bei Mey ein Werkzeug. Er schärft den Blick. Er schützt vor Schwere. „Ich hasse Musik“ ist das deutliche Signal. Doch auch andere Lieder zwinkern. Sie tun es leise. Das Publikum wird nicht vorgeführt. Es wird eingeladen, mitzulachen. So entsteht Nähe. Kritik wird warm verpackt, aber nicht versteckt.
Das macht Reinhard Mey Hergestellt in Berlin zu einem reifen Album. Es predigt nicht. Es fragt. Es denkt laut, ohne laut zu werden. Kleine Spitzen zeigen Haltung. Sie zielen auf Eitelkeit, auf Pose, auf Lärm. Diese Haltung passt zum Bild des Handwerkers. Gut gebaut ist besser als groß gebaut.
Die Abfolge der Songs zeichnet einen Bogen. Am Anfang steht das Spiel mit der Kunst. Am Ende ein lächelndes Nicken. Dazwischen laufen Motivketten. Reise, Heimkehr, Familie, Altersblick. Die Tempi wechseln, die Stimmen bleiben nah. Das erzeugt eine innere Spannung. Sie hält die Ohren am Text und am Atem der Musik.
Auch darin zeigt Reinhard Mey Hergestellt in Berlin seine Stärke. Die einzelnen Lieder können alleine stehen. Doch als Album gewinnen sie etwas dazu. Sie sprechen miteinander. Mal als Echo, mal als Kontrast. So wird aus zwölf Stücken ein Ganzes. Das ist heute wieder wichtig. Es lohnt, die CD in Ruhe einmal durchzuhören.
Im größeren Werk von Mey steht diese Platte solide da. Sie zeigt Kontinuität in der Form. Sie zeigt Mut zur kleinen Geste. Vorher gab es mehr jugendliche Kante. Später kam mehr Rückblick. Hier ist die Balance gut getroffen. Das private Ich und das öffentliche Wir halten sich die Waage. Diese Mischung prägt die beste Phase des Künstlers.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin wirkt wie ein Knotenpunkt. Vergangenes bindet an, Zukünftiges deutet sich an. Das Album steht nicht abseits. Es verbindet Linien. Wer Mey verstehen will, findet hier eine gute Mitte. Ein Einstieg für neue Hörer. Ein Wiedersehen für Kenner. Beides funktioniert ohne Mühe.
Eine Stimme kann vieles sein. Bei Mey ist sie Erzähler, Freund, Chronist. Sie trägt Vertrauen. Sie kennt ihre Grenzen und nutzt sie als Stil. Das Vibrato bleibt schmal. Die Artikulation ist fein. Jede Silbe bekommt Platz. So wird der Text zum Hauptdarsteller. Die Melodie führt ihn, sie dominiert ihn nicht.
In Reinhard Mey Hergestellt in Berlin hört man diese Kunst deutlich. Es gibt Momente von zarter Dringlichkeit. Aber keine Schwere. Sogar wenn Melancholie auftaucht, knickt sie nicht ein. Die Stimme hält sie aufrecht. Das ist hohe Schule des Chansons. Sie braucht Haltung, nicht Lautstärke.
Die Band spielt sparsam. Gitarre und Tasten geben Struktur. Ein leiser Bass setzt Wärme. Percussion kommt dosiert. So entsteht der Eindruck einer kleinen Bühne. Fast könnte man meinen, im Wohnzimmer zu sitzen. Nähe ist das Ziel. Jedes Detail ist hörbar. Das erhöht die Bindung zum Hörer. Es schafft Vertrauen.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin bleibt dadurch zeitlos. Der Klang hängt nicht an einem Modetrick. Er trägt die Texte ohne Druck. Er lässt das Ohr wandern, ohne es zu verlieren. Das ist eine Kunst des Weglassens. Wer viel sagen will, sagt weniger. Hier bleibt Platz für Zwischentöne. Und die bleiben am längsten.
Viele Alben aus den Achtzigern klingen heute alt. Dieses nicht. Es atmet ruhig. Es lebt von Sprache, von Bildern, von Haltung. Diese Werte altern langsam. Sie passen in die heutige Hektik, gerade weil sie nicht mithasten. Wer den Kopf voll hat, findet hier Ruhe. Wer Worte liebt, findet Nahrung. Wer lacht, findet Gleichgesinnte.
So ist Reinhard Mey Hergestellt in Berlin auch 40 Jahre später frisch. Das liegt an der Mischung aus Humor und Ernst. An der Genauigkeit der Beobachtung. An der Sorgfalt des Tons. Es ist ein Album für Menschen, die zuhören wollen. Es bedankt sich mit Wärme und Witz. Mit Szenen, die bleiben.
„Frühlingslied“ ist leicht, aber nicht leichtfertig. Die Jahreszeit wird zur Haltung. Aufbruch ja, Illusion nein. „Es ist doch ein friedlicher Ort“ wirkt wie eine stille Verabredung mit sich selbst. Frieden ist hier ein Zustand, den man übt. „Ich grüße…“ ist ein kurzer Gruß an die Welt. Einfach, aber wirkungsvoll.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin versteckt seine Tiefe nicht. Es trägt sie offen, doch ohne gewichtige Miene. „Und nun fängt alles das noch mal von vorne an“ spricht die Schleifen des Lebens an. Man beginnt. Man scheitert. Man beginnt. Der Ton bleibt freundlich. Das macht Hoffnung. Und es macht das Wiederhören lohnend.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Manches Stück wirkt zu gefällig. Ein kleiner Bruch, ein raueres Wort hätte gutgetan. Die Arrangements halten sich sehr zurück. Das passt zur Idee. Doch ab und zu wünscht man mehr Reibung. Ein Kontrapunkt, der das satte Holz aufkratzt. Die Platte bleibt dadurch sehr homogen.
Auch bei Reinhard Mey Hergestellt in Berlin gilt: Weniger Risiko, mehr Wiedererkennungswert. Das ist legitim. Es reduziert aber die Überraschung. Wer große Experimente sucht, wird sie hier kaum finden. Stattdessen gibt es Verlässlichkeit. Für viele Hörer ist das ein Plus. Für einige bleibt ein Rest von Hunger.
Viele dieser Lieder wollen auf die Bühne. Man hört, wie sie live wachsen. Die Sprache ist dafür gebaut. Sie trägt auch ohne Studioglanz. Die Nähe, die die Platte schafft, findet im Saal ein Echo. Das Publikum kann mitatmen, mitlächeln, mitdenken. So entsteht eine zweite Wahrheit. Die der Live-Erfahrung.
Gerade in Reinhard Mey Hergestellt in Berlin sind die Formen darauf angelegt. Refrains, die nicht schreien. Strophen, die nicht eilen. Pausen, die nicht peinlich sind. Das macht die Lieder langlebig. Sie halten viele Räume aus. Wohnzimmer, Kleinkunstbühne, große Hallen. Die Essenz bleibt stabil.
Am Ende bleibt ein klares Bild. Dieses Album ist ein stiller Begleiter. Es spricht nicht lauter als nötig. Es trifft dafür öfter. Die Mischung aus Humor, Zärtlichkeit und Beobachtung ist stimmig. Sie trägt den Hörer durch ein Dutzend Szenen. Jede Szene hat Gewicht, aber keine Last. Das ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen.
Reinhard Mey Hergestellt in Berlin ist damit ein wichtiger Baustein im Werk. Es zeigt den Künstler als reifen Erzähler. Es zeigt Berlin als Haltung, nicht nur als Ort. Und es zeigt, wie stark ein Album sein kann, wenn es den Mut zur Stille hat. Wer Zeit und Ruhe schenkt, wird reich belohnt. Das bleibt, lange nach dem letzten Ton.
Das Album "Hergestellt in Berlin" von Reinhard Mey bietet eine faszinierende Mischung aus tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien. Meys Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, ist beeindruckend und zieht den Hörer sofort in seinen Bann. Wenn du ein Fan von Singer-Songwritern bist, wirst du dieses Album lieben.
Ein weiteres bemerkenswertes Album in diesem Genre ist Reinhard Mey Wie vor Jahr und Tag. Auch hier zeigt Mey seine Meisterschaft im Songwriting und seine Fähigkeit, Emotionen durch Musik zu vermitteln. Dieses Album ist ein Muss für jeden, der die Tiefe und Authentizität von Meys Musik schätzt.
Ein weiterer Künstler, der in der Singer-Songwriter-Szene hervorsticht, ist Heinz Rudolf Kunze. Sein Album Heinz Rudolf Kunze Draufgänger bietet eine kraftvolle Mischung aus rockigen Klängen und poetischen Texten. Kunze gelingt es, seine Hörer mit seiner einzigartigen Stimme und seinen durchdachten Texten zu fesseln.
Wenn du mehr über die Werke von Reinhard Mey erfahren möchtest, könnte dich auch das Album Reinhard Mey Mädchen In Den Schänken interessieren. Es zeigt eine andere Facette von Meys Talent und bietet tiefe Einblicke in seine musikalische Entwicklung. Dieses Album ist ein weiteres Beispiel für Meys außergewöhnliche Fähigkeit, Geschichten durch seine Musik zu erzählen.