Letztes Update: 05. Dezember 2025
In diesem Artikel stelle ich Reinhard Meys Album 'Ich bin aus jenem Holze' vor, beschreibe Klang, Texte und Entstehung und biete eine fundierte Kritik. Sie erfahren, welche Songs überzeugen, wo das Album glänzt und wo es an Tiefe oder Abwechslung fehlt.
1971 war ein bewegtes Jahr. Die Gesellschaft schwankte zwischen Aufbruch und Müdigkeit. Musik diente als Kompass. In diesem Spannungsfeld erscheint das Album Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze. Es wirkt wie ein ruhiger Raum inmitten des Lärms. Das Werk verspricht keine Revolution. Es bietet eher eine Bestandsaufnahme. Es ist ein Blick nach innen, der weit nach außen strahlt.
Das Album entstand in einer Zeit der wachsenden Liedermacher-Szene. Doch es klingt anders. Es setzt auf Klarheit. Auf Stimme und Gitarre. Auf Feinheit statt Pomp. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze öffnet Türen, die man leicht überhört. Es erzählt kleine Geschichten, die groß klingen. Gerade die leisen Töne bleiben hängen.
Die Platte umfasst zwölf Stücke. Von humorvoll bis melancholisch, von listig bis offen. Nichts wirkt zufällig. Nichts ist bloß Dekor. Jede Nummer bekommt Raum. Jede Pointe hat Zeit. Das ist nicht nur klug. Es ist auch bemerkenswert mutig.
Sie kennen sicher Alben, die an ihre Epoche gebunden sind. Dieses gehört nicht dazu. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze klingt zeitlos. Weil es auf das Wesentliche vertraut. Sprache, Haltung, Melodie. Keine Mode, kein Trick. So bleibt es frisch, auch nach Jahrzehnten. Es stellt Fragen, die noch gelten. Was ist Nähe? Was ist Verstellung? Was kann Humor heilen?
Das Album nimmt Sie ernst. Es spricht Sie nicht von oben herab an. Es wirbt um Ihr Vertrauen. Es arbeitet mit den feinen Schattierungen des Alltags. Gerade darin liegt seine Stärke. Sie hören zu. Und entdecken sich selbst in den Liedern wieder.
Der Titel deutet es an. Es geht um Herkunft, Material, Haltung. Es geht um die Frage, woraus ein Mensch gemacht ist. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze entfaltet diese Frage in vielen Facetten. Mal mit einem Augenzwinkern. Mal mit einem Seufzer. Mal mit einem offenen Lachen. Die Balance stimmt. Nichts kippt ins Plakative.
Das Werk ist durchdacht. Es folgt einer inneren Dramaturgie. Die Lieder wechseln Tempo und Farbe. Aber sie wirken wie aus einem Guss. So entsteht eine schlüssige Reise. Vom Witz zum Zweifel. Vom Staunen zur Milde. Diese Bewegung trägt das Album von Anfang bis Ende.
Meys Stimme steht vorn. Klar, freundlich, präzise. Er phrasiert mit Sorgfalt. Jede Silbe sitzt. Die Gitarre ist mehr als Begleitung. Sie zeichnet Linien nach. Sie setzt Pausen und Ziselierungen. Der Raum klingt natürlich. Nichts drängt sich auf. Genau so erzielt die Musik Tiefe. Sie dürfen sich in den Klang setzen, wie auf einen schlichten Stuhl. Kein Prunk lenkt ab.
Gerade in dieser Nüchternheit liegt die Wärme des Albums. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze hält Distanz, ohne kühl zu sein. Es nähert sich, ohne aufdringlich zu werden. Das hat Stil. Und es hat Klasse.
Die Stücke wirken wie kleine Filme. Sie arbeiten mit Szenen, Figuren und Wendungen. Der Humor knallt nie. Er lächelt. Die Melancholie weint nie. Sie atmet. Man spürt den Glauben an die Macht der genauen Beobachtung. In dieser Genauigkeit liegt Trost. Denn sie macht die Welt greifbar. Einfache Mittel reichen aus. Mehr braucht es nicht.
Humor ist hier kein bloßes Spiel. Er ist Schutz. Und er ist Analyse. Gleich der Auftakt „Das Geheimnis im Hefeteig oder der Schuß im Backofen“ zeigt das. Das Stück ist lang. Es erlaubt sich Umwege und Nuancen. Die Pointe reift langsam. Wie ein Teig. Das hat Hand und Fuß. Die Geste ist leicht. Doch die Wirkung ist stark. Die Figur des Erzählers wirkt nah und fehlbar. Sie spüren dabei: Lachen kann heilen.
„Der Mörder ist immer der Gärtner“ ist ein Klassiker. Ein Satire-Stück mit feiner sozialer Beobachtung. Das Lied kippt nicht in Klamauk. Es nutzt ein bekanntes Motiv. Und es lässt die Hörerinnen und Hörer mitdenken. Genau das macht Spaß. Die Dramaturgie funktioniert im Kleinen. Sie lässt Platz für Bilder im Kopf. Das ist ein Markenzeichen des Albums.
Auch „71 1/2“ spielt mit Zahl und Zeitgefühl. Es klingt verspielt. Doch es fragt: Woran messen wir unser Leben? Was zählt am Ende? Das Lied liefert keine fertige Antwort. Es lädt zum Abwägen ein. Diese Haltung prägt das Album in Gänze.
Mey widmet der stillen Seite viel Raum. „Ich glaube, so ist sie“ zeigt Zärtlichkeit ohne Kitsch. Die Verse suchen Nähe. Sie bleiben dabei streng in der Form. Das macht das Lied glaubwürdig. „Sie ist zu mir zurückgekommen“ setzt die intime Linie fort. Hier schwingt Reife mit. Keine große Geste. Kein Drama. Nur ein menschlicher Moment. Das ist Kunst ohne Show.
„Maskerade“ betrachtet das Spiel der Rollen. Es spricht von den Masken, die wir tragen. Von den Ritualen, die wir pflegen. Das Lied schafft Distanz. Und es lädt zur Selbsterkenntnis ein. So wirkt es klärend. Auch „Seifenblasen“ trägt ein zartes Bild. Es zeigt die Schönheit des flüchtigen Augenblicks. Und es weiß um den Bruch. Der Ton bleibt mild, doch die Einsicht sitzt tief.
In dieser Gruppe der stillen Stücke spürt man den langen Atem des Autors. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze vertraut auf die Kraft des Wenigen. Ein Blick. Ein Wort. Eine Pause. Mehr braucht es nicht, um zu treffen.
Das kurze Zwischenspiel „Cantus 19b“ ist mehr als ein Lückenfüller. Es ist ein Rahmen und eine Zäsur. Es leitet um. Es stellt den Gehörgang neu ein. Solche Momente wirken im Album-Fluss wichtig. Sie schaffen Ordnung. Sie lassen das Ohr neu beginnen. Die Idee passt zur strengeren Seite des Werks. Ein kleiner Baustein, der das Ganze trägt.
„Ich bin aus jenem Holze geschnitzt“ ist der Kern. Der Song ringt um Herkunft und Haltung. Er arbeitet mit dem Bild des Materials. Er steht mit beiden Füßen im Leben. Und er weiß, was ihn trägt. Der Gestus bleibt bescheiden. Doch die Aussage ist klar. Hier schließt sich der Bogen zum Albumnamen. Der Satz meint nicht Stolz. Er meint Festigkeit. Er meint Verbindlichkeit.
So klingt das Bekenntnis nicht wie ein Manifest. Es klingt wie eine Hand, die offen hingehalten wird. Genau damit trifft es den Ton, der das ganze Album bestimmt. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze findet den Mut zum Einfachen. Und macht daraus Haltung.
„Ich trag' den Staub von deinen Straßen“ bricht das Intime in ein urbanes Bild. Das Lied riecht nach Straße und Licht. Es klingt nach Fernweh und Rückkehr. Das Motiv der Spur zieht sich leise durch das Album. Es zeigt sich in kleinen Bildern. Es ist eine Art Reisetagebuch der Gefühle. Sie hören nicht von der großen Reise. Sie hören von kleinen Schritten. Gerade die wirken echt.
Spätestens hier fällt auf, wie gut Mey Orte belebt. Er beschreibt nicht, er zeigt. Er setzt Bilder, die Sie ohne Mühe sehen. Das schafft Nähe im Kopf. Es bindet die Lieder an Ihr eigenes Leben. Sie werden Mit-Autorin oder Mit-Autor. Sie füllen die Räume zwischen den Zeilen selbst aus.
Das Album fällt in eine politisch aufgeladene Zeit. Überall Streit, Fragen, Brüche. Vieles klang damals laut. Dieses Werk wählt einen anderen Weg. Es spricht in normaler Lautstärke. Das macht seinen Reiz. Es widerspricht der damaligen Pose. Es setzt auf Geduld und Genauigkeit. In dieser Differenz liegt seine Kraft. Es wirkt nicht als Flucht. Es wirkt als Antwort.
Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze markiert damit eine Gegenstimme. Es vertraut dem Gespräch. Es lehnt das Geschrei ab. Das ist eine künstlerische Entscheidung. Und es ist eine Haltung, die trägt. Auch heute noch.
Die Aufnahme klingt ehrlich. Die Gitarre ist trocken, die Stimme vorn. Kleine Nebengeräusche sind nicht getilgt. Das macht den Charme aus. Sie merken: Hier spielt ein Mensch im Raum. Keine Mauer aus Effekten. Keine Trickserei. Die Balance ist sorgsam gewählt. So bleibt die Sprache verständlich. Die Dynamik atmet, statt zu drücken.
Als 12"-Vinyl entfaltet das Album einen eigenen Sog. Seite A und Seite B gliedern die Reise. Der Moment des Umdrehens wirkt wie ein Kapitelwechsel. Genau hier zeigt sich, wie klug die Reihenfolge ist. Der Fluss bleibt stimmig. Er hält die Aufmerksamkeit, ohne zu hetzen. So wird Hören zur bewussten Tätigkeit. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze belohnt diese Haltung reichlich.
Meys Sprache ist knapp, doch nicht karg. Sie ist klar, doch nicht hart. Er nutzt einfache Wörter. Er baut Sätze, die atmen. Dadurch bleibt jedes Bild nah. Die Pointen liegen nicht in Fremdworten. Sie liegen in der präzisen Wahl. Kein Wort zu viel. Kein Wort zu wenig. Das ist schwer. Es wirkt hier einfach.
Die Reime sitzen, aber sie drängen nicht. Die Metren tragen, doch sie befehlen nicht. So entsteht ein natürlicher Tonfall. Er passt zur Stimme. Und er passt zur Gitarre. Sprache ist hier nicht Schmuck. Sie ist Material. Genau darin ist das Album konsequent.
Fast jedes Lied führt eine Figur ein. Mal eine klare Gestalt. Mal nur eine Stimme im Kopf. Diese Technik lädt zum Spiel ein. Sie erlaubt Perspektivenwechsel. Sie verhindert Eindeutigkeit. So bleibt die Deutung offen. Sie können in Ruhe prüfen, was Sie sehen. Nichts wird Ihnen aufgezwungen. Das schafft Vertrauen. Und es erhöht die Spannung.
In der Summe entsteht ein kleines Panorama. Es zeigt einen Menschen, der schaut, lacht, zweifelt. Der nicht immer recht haben muss. Der zuhören kann. Diese Haltung macht Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze besonders. Es ist kein Denkmal. Es ist ein Gesprächsangebot.
Im Gesamtwerk von Mey nimmt dieses Album eine zentrale Rolle ein. Es bündelt die frühen Stärken. Es zeigt Reife, ohne Ängstlichkeit. Spätere Alben erweitern den Klang. Doch hier liegt der Ursprung einer markanten Stimme. Viele Lieder wurden zu Wegmarken. Einige Motive kehren später wieder. Andere bleiben einmalig.
Die Wirkung reicht weit. Das Album diente als Vorbild für reduzierte Produktionen. Es zeigte, wie stark eine Stimme mit Gitarre sein kann. Es brachte Humor und Ernst in ein Gleichgewicht. Es bewies die Kraft des Alltäglichen. Noch heute lehnen sich junge Liedermacher daran an. Sie hören, wie wenig man braucht, um viel zu sagen.
Die erste Seite setzt auf Witz und Öffnung. Der Einstieg ist verspielt, die Neugier geweckt. Mitte der Platte folgt die Innenschau. Der Titelsong bildet den Angelpunkt. Die zweite Seite vertieft das Persönliche. Sie endet mit einer Rückkehr. Das wirkt wie ein leiser Vorhang. Der Applaus kommt im Kopf. So folgt die Struktur einem Bogen. Anfang, Mitte, Ende. Alles baut aufeinander auf.
Gerade diese Sorgfalt macht das Album robust. Es trägt viele Hördurchgänge. Es offenbart neue Details, wenn Sie es oft hören. Kleine Betonungen. Eine Geste im Gitarrenanschlag. Ein Atem vor der Pointe. Das sind die Dinge, die bleiben.
Hinter der Form steht eine klare Werthaltung. Sie ist nicht laut. Aber sie ist spürbar. Empathie leitet den Blick. Der Witz ist nie grausam. Die Melancholie ist nie hoffnungslos. Die Kritik bleibt menschlich. Kein Lied prahlt mit Überlegenheit. Das ist eine Frage der Ethik. Und diese Ethik wirkt ansteckend.
Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze zeigt, wie Kunst Verantwortung tragen kann. Ohne moralischen Zeigefinger. Ohne Verzicht auf Schönheit. So gewinnt das Album eine Tiefenschicht, die weit über seine Zeit hinaus reicht.
Was bleibt nach dem Hören? Ein Gefühl von Klarheit. Ein leichter Druck hinter den Augen. Ein kleines Lachen auf den Lippen. Das Album ist wie ein gutes Gespräch am späten Abend. Es lässt Sie nicht müde zurück. Es macht Sie wacher. Es öffnet eine Tür, statt eine zu schließen.
Sie müssen kein Fan des Genres sein, um das zu spüren. Das Werk lädt Sie freundlich ein. Es erspart Ihnen nichts. Aber es bleibt fair. Es gibt Ihnen Zeit. Es gibt Ihnen Raum. Darum lohnt es sich auch heute noch. Darum trägt es seine Jahre mit Stolz und Leichtigkeit.
Wenn Sie ein Album suchen, das Sie über Dauer begleitet, ist es dieses. Setzen Sie sich hin. Legen Sie die Platte auf. Lassen Sie den Raum still werden. Und hören Sie, wie leise Dinge groß werden. Reinhard Mey Ich bin aus jenem Holze gehört zu diesen seltenen Alben, die wachsen, wenn man sie teilt. Es ist aus gutem Holz. Und es klingt danach.
Reinhard Mey ist ein Künstler, der seit Jahrzehnten die Musikszene prägt. Sein Album "Ich bin aus jenem Holze" ist ein weiteres Meisterwerk, das seine Fans begeistert. Wenn Sie mehr über seine musikalische Reise erfahren möchten, sollten Sie sich auch das Album Reinhard Mey Die große Tournee ’86 anschauen. Es bietet tiefere Einblicke in seine Live-Performances und zeigt die Vielseitigkeit dieses außergewöhnlichen Künstlers.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Reinhard Mey ist das Album Reinhard Mey Jahreszeiten 2000-2013. Diese Sammlung von Liedern zeigt die verschiedenen Phasen seines Schaffens und bietet einen umfassenden Überblick über seine musikalische Entwicklung. Es ist faszinierend zu sehen, wie er sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat und dennoch seinen einzigartigen Stil beibehalten hat.
Wenn Sie sich für die besten Werke von Reinhard Mey interessieren, dann ist Reinhard Mey Das Beste von Reinhard Mey eine hervorragende Wahl. Diese Zusammenstellung enthält einige seiner bekanntesten und beliebtesten Lieder. Es ist eine perfekte Einführung für neue Fans und ein Muss für langjährige Anhänger.