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Reinhard Mey: Irgendwann - Irgendwo – Albumkritik

Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo: Vorstellung und Kritik

Letztes Update: 06. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Album 'Irgendwann - Irgendwo' vor und liefert eine grĂŒndliche Kritik: Sie lesen Analysen zu Texten, Melodien und Arrangements, erfahren, welche Lieder besonders berĂŒhren, wo Mey neue Facetten zeigt und fĂŒr welche Hörer das Album empfehlenswert ist.

Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo: Eine liebevolle Bestandsaufnahme mit klarer Kritik

Dieses Album stammt aus einer Zeit des Aufbruchs. Es ist 1970 erschienen. Der Titel klingt wie ein Versprechen. Und er hĂ€lt es fast immer ein. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo zeigt einen KĂŒnstler am Anfang seiner langen Reise. Er steht schon sicher. Er tastet sich doch weiter vor. Es ist Folk. Es ist Chanson. Es ist Liedermacher-Kunst, die nah an der Person bleibt. Sie hören Geschichten. Sie hören Beobachtung. Sie hören Herz.

Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo

Der Blick, den ich hier wĂ€hle, ist bewusst reduziert. Ich höre die Platte wie ein stiller Begleiter. Ich stehe neben ihm im Bahnhof, im Warenhaus, in der MorgenkĂ€lte. Ich schaue ihm zu, wenn er sich erinnert. So wirkt Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo am stĂ€rksten. Nicht als große Geste. Sondern als Sammlung klarer Bilder. Aus kleinen Szenen entsteht eine ganze Welt. Das ist die StĂ€rke der Platte. Und in Teilen auch ihre Grenze.

Ein Jahr zwischen Protest und Poesie

1970 ist kein leises Jahr. Der Zeitgeist ist rau. Die alte Ordnung steht in Frage. Pop wird lauter. Jazz wird freier. Das Lied gewinnt Gewicht. Genau hier findet Reinhard Mey seine Form. Er blickt nicht mit dem Hammer. Er blickt mit dem Stift. Er hÀlt Abstand. Er notiert prÀzise. Das verleiht dem Werk eine Art leisen Mut. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo setzt nicht auf Parolen. Es setzt auf Alltag. Und zeigt, wie politisch Alltag sein kann.

Zwischen Akustik und Atem: Klang und Produktion

Die Platte wirkt handgemacht. Die Gitarre steht vorn. Die Stimme trĂ€gt. Kleine Farben wie Bass oder dezente Streicher blitzen auf. Doch nie zu aufdringlich. Es bleibt eine intime BĂŒhne. Genau das ist klug. Denn Meys Texte brauchen Raum. Sie atmen. Die Produktion vermeidet Effekte. Sie setzt auf NĂ€he. Das erzeugt Vertrauen. Und so fĂŒhlt sich Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo an wie ein Wohnzimmer-Konzert. Das ist ein Kompliment. Manchmal fehlt aber der Dreh, der einem Song neuen Schwung gibt. Da wĂŒnscht man sich mehr Mut am Mischpult. Ein Rhythmus, der treibt. Eine Harmonie, die bricht. Nicht oft. Aber punktuell.

Die Hand des ErzÀhlers

Meys Kunst liegt im Blick. Er wĂ€hlt oft das Konkrete. Er startet nicht bei großen Ideen. Er startet bei der Szene. Dann zieht er feine Linien. Der Ton ist freundlich, doch nie sĂŒĂŸlich. Das ist schwer. Er schafft es mit Humor. Und mit Respekt. Man spĂŒrt: Er mag die Menschen. Auch wenn sie nerven. Genau das macht die Songs lebendig. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo profitiert sehr von dieser Haltung. Sie macht die Lieder offen. Sie lĂ€dt Sie ein, sich wiederzuerkennen.

Der Auftakt: Ankomme Freitag, den 13.

Der erste Titel ist ein kleines Epos. Vier Minuten und achtundvierzig Sekunden. Ein Ankommen, das fast nicht kommt. Pech, Zufall, Zeitdruck. Es ist komisch und wach. Der Text springt, doch bleibt klar. So beginnt die Platte mit einem Tempo, das passt. Es ist nicht gehetzt. Es ist beschwingt. Die Gitarre klackert, die Stimme lÀchelt. Sie sehen den Fahrplan vor sich. Sie sehen den Regen auf den Schienen. Dieser Song setzt den Rahmen. Reisen als Bild. Zeit als Gegner. Hoffnung als Motor. In dieser Balance liegt viel von Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo.

Begegnung: Ein Film in drei Minuten

Der zweite Song ist kĂŒrzer, doch dicht. Zwei Menschen treffen sich. Mehr geschieht nicht. Und doch geschieht alles. Kleine Blicke. Zarte Worte. Es ist leicht. Es ist verletzlich. Das ist die StĂ€rke solcher Titel. Sie betonen das UnspektakulĂ€re. Der Hörer spĂŒrt die LĂŒcke dazwischen. Der Song zeigt auch, dass Meys Melodien gern in engen Bögen laufen. Das gibt Halt. Es birgt auch die Gefahr der Gewohnheit. Ein Refrain, der anders biegt, tĂ€te gut. Doch die Szene trĂ€gt sich selbst.

Die Titelfigur ohne Pathos: Irgendwann, irgendwo

Der dritte Track bringt den Kern auf den Punkt. Er ist kurz. Er ist bĂŒndig. Er ist die Essenz des Albums. Hoffnung und Ferne treffen sich in zwei Worten. Irgendwann. Irgendwo. Es ist kein Vertrösten. Es ist ein Trost. Der Song deutet ein Ziel an. Ohne es festzulegen. Das ist klug. Denn so kann jeder sein eigenes Ziel einsetzen. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo gewinnt so an Weite. Es ist ein GelĂŒbde ohne Pathos. So bleibt es glaubwĂŒrdig.

Ich wollte wie Orpheus singen: Mythos im Kleinen

Hier zeigt sich Meys Bildung. Doch er bleibt nicht im Buch. Er fĂŒhrt den Mythos in den Alltag. Orpheus ist kein Held aus Marmor. Er wird zum Spiegel der Sehnsucht. Die Melodie ist schmal, die Worte sind offen. Das Lied fragt: Was kann Gesang? Was darf er wagen? Es ist fast ein Poetik-StĂŒck. Und doch bleibt es warm. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo hat in diesem Song einen leisen Höhepunkt. Ein Lied ĂŒber das Singen, das selbst sehr still singt.

Warten: Die Kunst der Pause

Warten ist eine PrĂŒfung. Im Zug. Im Leben. In der Liebe. Der Song greift dieses GefĂŒhl auf. Er zĂ€hlt nicht nur Minuten. Er zĂ€hlt Möglichkeiten. Der Puls ist langsam. Die Gitarre trĂ€gt das. Sie klopft wie eine Uhr. Hier wird die Platte sehr nah. Sie fordert Sie auf, Ihre eigene Warteschlange zu sehen. Am Schalter. Am Fenster. Im Kopf. Das ist Mut in der Form. Denn Spannung entsteht hier aus Stillstand. FĂŒr manche Hörer mag das zu wenig Bewegung sein. FĂŒr mich ist es ein Beweis der Reife. Es ist ein KernstĂŒck von Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo.

Ich hab' nur dich gekannt: Zart ohne Kitsch

Ein Liebeslied, das nicht auftrumpft. Die Zeilen stehen schlank. Die Reime sind unauffĂ€llig. Gerade das macht sie stark. Sie arbeiten. Sie lehnen sich nicht an. In der Mitte des Albums ist das ein Ruhepol. Es braucht nicht mehr als Stimme, Gitarre und Ehrlichkeit. Wieder wĂŒnsche ich mir stellenweise eine zweite melodische Idee. Ein Kontrapunkt. Nur eine Spur. Doch die Schlichtheit ist Programm. Und sie passt zum Inhalt.

Grossstadt 8 Uhr frĂŒh: Licht und Schatten im Morgen

Dieser Titel riecht nach kaltem Kaffee. Nach Gummi. Nach Zeitung. Er beschreibt die Stadt ohne Hass. Und ohne Romantik. Er geht einfach durch sie hindurch. Das Tempo ist knapp. Der Reim sitzt. Es sind kurze Striche. Hier blitzt der Reporter in Mey auf. Der Blick ist scharf. Doch nicht zynisch. Er bleibt Mensch. Das macht den Song wertvoll. Er gibt keine Lehre vor. Er zeigt ein Bild. Und sagt: Sehen Sie es an. So bleibt Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo offen fĂŒr Ihr eigenes Urteil.

Manchmal, da fallen mir Bilder ein: Album im Album

Der Song ist ein Fenster. Es fĂŒhrt in das Innere der Platte. Die Bilder fallen ein. Also sind sie nicht befohlen. Sie kommen, wenn sie möchten. Das ist ein schöner Gedanke. Es ist zugleich ein poetischer Selbstbericht. Wie entsteht ein Lied? Vielleicht so. In Splittern. In Fetzen. Im RĂŒckblick. Die Musik stĂŒtzt das. Sie lĂ€sst Raum. Das macht den Titel zu einem leisen HerzstĂŒck.

Das Lied von der Zeitung: BlÀttern als Weltgang

Hier trifft Beobachtung auf Struktur. Das Tagesblatt als Spiegel. Sensation. Tragik. BanalitĂ€t. Alles liegt auf einer Seite. Mey vermeidet die laute Anklage. Er zeigt Auswahl und Blick. Er zeigt Gewohnheit. Und doch wird die Sache politisch. Denn sie fragt nach Verantwortung. Nach dem, was wir sehen wollen. Das ist klug. Es ist auch aktuell. Der Song ist damit einer der modernsten der Platte. Er ist Teil dessen, was Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo ĂŒber das Jahr 1970 hinaus trĂ€gt.

Abscheuliches Lied fĂŒr abscheuliche Leute (Im Warenhaus): Satire mit Biss

Der Titel schreckt auf. Er ist bewusst grob. Dahinter steckt ein Spiel mit Rollen. Der VerkĂ€ufer, der Kunde, die Ware. Alles eine Choreografie. Der Humor ist scharf. Er bleibt doch nie verĂ€chtlich. Das ist die Kunst. Karikatur ohne HĂ€me. Die Gitarre hĂŒpft. Die Stimme stichelt. Ein gelungener Kontrast zum Ton der Balladen. Er bricht das Album auf. Er sorgt fĂŒr Luft. Diese Abwechslung hĂ€lt die Spannung.

Heute noch, Der Weg zurĂŒck, Novemberlied: Der spĂ€te Nachmittag des Albums

Im letzten Drittel wird die Platte ruhiger. Die Zeit fĂ€llt weicher. Heute noch wirkt wie eine Liste kleiner SchwĂŒre. Der Weg zurĂŒck spĂŒrt den Spuren nach. Es geht nicht nur um Orte. Es geht um Haltungen. Novemberlied bringt schließlich die KĂ€lte herein. Aber auch ein Licht. Es ist kein Lamento. Es ist ein Fazit. Still, aber klar. Diese drei Songs sind wie ein einziger Spaziergang. Erst lĂ€uft man los. Dann dreht man um. Dann steht man still. Das ist ein schönes StĂŒck Dramaturgie. Es zeigt, wie sehr Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo auf Sequenz vertraut. Nicht jeder Track fĂŒr sich. Sondern das Miteinander trĂ€gt.

Fluss und Form: Warum die Reihenfolge zÀhlt

Die 14 Titel bilden einen Bogen. Vom Ankommen bis zum November. Von Bahnhof zu Nebel. Dazwischen Stadt, Warenhaus, Zeitung, Liebe. Die Platte atmet wie ein Tag. FrĂŒher Schwung. Mittags LĂ€rm. Abends Erinnerung. Das mag schlicht klingen. Doch es ist durchdacht. Auf Vinyl macht es besonders Sinn. Sie mĂŒssen drehen. Sie spĂŒren die Pause zwischen den Seiten. Auch das prĂ€gt die Wahrnehmung. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo gewinnt auf Platte. Es besitzt diesen leisen Sog, der eine Nadel braucht.

Stimme und Diktion: Ein SĂ€nger, der spricht

Mey singt hell. Er spricht fast. Er betont klar. Das macht jedes Wort hörbar. FĂŒr einen ErzĂ€hler ist das ideal. Es birgt aber eine Gefahr. Auf Dauer kann der Klang zu glatt werden. Ein raues Korn, ein Atem, ein Bruch wĂŒrde hier und da gut tun. Gerade in den satirischen StĂŒcken passiert das. In den Balladen weniger. Die Balance ist also da, aber sie könnte mutiger sein. Trotzdem: Seine PrĂ€senz ist hoch. Der Hörer bleibt gern bei ihm. Das liegt an der WĂ€rme. Und an der Sorgfalt. Diese Mischung ist der Kern von Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo.

Sprache als Musik

Die Reime sind meist simpel. Sie wirken nie plump. Die Bilder sind alltĂ€glich. Sie leuchten dennoch. Das ist Handwerk. Es ist auch Haltung. Sprache darf dienen. Sie muss nicht glĂ€nzen. Wenn sie ehrlich ist, glĂŒht sie ohnehin. So entsteht eine Melodie, die nicht nur in Tönen liegt. Sie liegt im Bau der SĂ€tze. Im Schnitt der Verse. Genau hier spielt Mey seine Klasse aus.

Kontext und Erbe: Ein Fundament fĂŒr viele Wege

Dieses Album steht am Anfang einer großen Laufbahn. Viele Themen, die spĂ€ter groß werden, sind hier schon da. Reisen. Stadt. Erinnerung. Selbstbefragung. Leiser Witz. Milde Ironie. Das alles mischt sich bereits. Und doch bleibt die Platte eigen. Sie klingt nicht wie ein Rohbau. Sie klingt wie ein Haus, das bewohnt ist. SpĂ€ter baut er Anbauten an. Aber die Stube hier bleibt sein Herz. Deshalb gilt: Wer Mey verstehen will, sollte hier anfangen. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo ist mehr als FrĂŒhwerk. Es ist ein Maßstab.

Einordnung im Kanon

Verglichen mit anderen Liedermachern der Zeit, wirkt Mey unaufgeregt. Das ist kein Mangel. Es ist sein Profil. Wo andere mit Parolen arbeiten, arbeitet er mit Figuren. Wo andere anklagen, schaut er hin. Beide Wege sind nötig. Hier dominiert der zweite. Deshalb altert das Album gut. Alltag altert langsam. Er bleibt. Er wird nur neu gelesen. Heute liest man vieles anders. Und findet doch das Gleiche. Das ist ein Zeichen von QualitÀt.

Ein kritischer Blick: Wo das Album schwÀchelt

Auch gute Platten tragen schwache Stellen. Hier sind es vor allem Momente der Ähnlichkeit. Manche Harmonien wiederholen sich. Manche Tempi gleichen sich zu sehr. Dadurch drohen einzelne Lieder zu verschmelzen. Ein stĂ€rkerer Kontrast im Arrangement hĂ€tte geholfen. Ein perkussiver Impuls. Ein anderes Zupfmuster. Ein zweites Instrument, das eine Gegenmelodie wagt. Produktiv wĂ€re auch ein track, der das Schema bricht. Etwa ein reines SprechstĂŒck. Oder ein Gitarren-Intermezzo ohne Text. Dennoch: Die SchwĂ€chen sind moderat. Sie mindern den Wert nicht stark. Sie markieren eher das Terrain, auf dem Mey spĂ€ter wĂ€chst. Gerade deshalb lohnt es sich, Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo heute neu zu hören.

Was bleibt nach dem Hören?

Es bleibt ein GefĂŒhl von Gesehenwerden. Die Lieder schauen zu. Nicht nur auf andere. Auch auf uns. Sie halten uns einen Spiegel hin. Sanft. Nicht strafend. Vor allem bleiben Bilder. Bahnhof, Zeitung, Warenhaus, Novemberhimmel. Diese Bilder sind einfach. Sie brennen sich ein. Dazu bleibt ein Ton. Er ist hell. Er ist warm. Er ist aufmerksam. Das ist viel. Mehr braucht gute Musik nicht.

Format und Haptik: Warum Vinyl hier Sinn ergibt

Die Platte erschien als 12-Zoll Vinyl. Vierzehn StĂŒcke. Das ist eine dichte Folge. Auf Vinyl zwingt das zur Struktur. Seite A, Seite B. Der Hörer ruht sich aus. Er dreht um. Dieses Ritual passt zur Musik. Sie ist nicht gierig. Sie nimmt sich Zeit. Das Knistern zwischen den Tracks fĂŒgt sich ein. Es ist kein Makel. Es ist Patina. Gerade bei einem ErzĂ€hler wie Mey zĂ€hlt das. Er lebt von AtmosphĂ€re. Ein Medium, das GerĂ€usche atmet, hilft. In der digitalen Welt glĂ€tten wir oft. Hier darf es krachen. Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo gewinnt durch diese Haptik. Es wird körperlich. Und damit prĂ€senter.

Trackliste als Route

Die Reihenfolge macht Sinn. Vom Chaos eines UnglĂŒckstags geht es zur zarten Begegnung. Dann zur Skizze eines Ziels. Danach folgen Themen-Splitter. Stadt. Liebesdienst. Erinnerungsarbeit. Blick auf Medien. Spitze Satire. Und am Ende die RĂŒckkehr und das Grau des Novembers. Das ist wie eine ErzĂ€hlung in Kapiteln. Jedes Kapitel steht fĂŒr sich. Zusammen aber entsteht ein Roman in Liedern.

FĂŒr wen ist dieses Album heute?

FĂŒr Hörer, die Worte lieben. FĂŒr Menschen, die Bilder brauchen. FĂŒr Sie, wenn Sie leise Töne schĂ€tzen. FĂŒr Sie, wenn Sie genaue Beobachtung mögen. Wenn Sie sich nicht drĂ€ngen lassen wollen. Wenn Sie Humor ohne KaltschnĂ€uzigkeit suchen. Dann ist diese Platte Ihre. NatĂŒrlich gilt das auch fĂŒr Liebhaber von Chanson und Folk. Doch die Zielgruppe ist grĂ¶ĂŸer. All jene, die echte Stimmen mögen, finden hier Halt. Es ist also kein Nostalgie-Artikel. Es ist Gegenwart, die frĂŒh aufgenommen wurde.

Empfehlung: So hören Sie es am besten

Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit. Legen Sie das Telefon weg. Lesen Sie keine Mails. Hören Sie die Platte ganz. Von Anfang bis Ende. SpĂŒren Sie die Dynamik. Atmen Sie mit. Danach wĂ€hlen Sie drei StĂŒcke. Hören Sie diese sofort noch einmal. Am besten Ankomme Freitag, den 13., Das Lied von der Zeitung, und Novemberlied. Sie decken Vieles ab. Dann machen Sie eine Pause. Hören Sie am nĂ€chsten Tag den Rest. So bleibt das Album frisch. Es wĂ€chst. Genau so entfaltet Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo seine StĂ€rke.

Fazit: Ein Album, das sanft insistiert

Diese Platte ist kein Paukenschlag. Sie ist auch kein FlĂŒstern. Sie ist eine klare, ruhige Stimme in einem lauten Jahr. Sie bleibt gelassen. Sie bleibt genau. Sie bleibt menschlich. Als Kritiker sehe ich SchwĂ€chen in der Variation. Ich hĂ€tte mir an wenigen Stellen mehr musikalischen Mut gewĂŒnscht. Doch die Texte tragen. Die Bilder bleiben. Die Stimme fĂŒhrt. Und der Blick ist so freundlich wie scharf. Das ergibt einen Wert, der nachhallt. Deshalb ist Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo eine klare Empfehlung. Es ist ein Album fĂŒr das Regal, das man erreicht. Nicht das, das man staubt. Und es ist ein Anfang, der viele Wege offen lĂ€sst. Wege, die Mey gegangen ist. Und die Sie beim Hören noch einmal gehen können.

Wer die deutsche Liedkunst liebt, kommt hier nicht vorbei. Wer sie erst kennenlernt, kann hier beginnen. Zwischen Humor und Wehmut, zwischen Stadt und Bahnsteig, zwischen Heute und Damals spannt sich ein feines Netz. In diesem Netz hÀngen Lichter. Sie sind klein. Aber sie leuchten lang. Genau das ist die Kunst dieses Albums. Genau das ist der Grund, warum Reinhard Mey Irgendwann - Irgendwo bis heute trÀgt.

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