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Reinhard Mey – Jahreszeiten 1967-1977: Albumvorstellung und Kritik

Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977: Albumvorstellung und Kritik

Letztes Update: 07. Februar 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Kompilation 'Jahreszeiten 1967-1977' vor und bewertet sie. Er beleuchtet Songauswahl, Arrangements und Texte, nennt Highlights, ordnet das Album in Meys Werk ein und gibt eine persönliche Empfehlung.

Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 – Vorstellung und Kritik

Ein Album als Zeitmaschine

Dieses Boxset ist mehr als eine Sammlung. Es ist eine Zeitmaschine. Sie steigen ein, und schon stehen Sie mitten in zehn Jahren Liedkunst. Reinhard Mey führt Sie durch die späten Sechziger und die prägenden Siebziger. Die Edition erschien am 6. Dezember 2013. Sie heißt nicht ohne Grund Jahreszeiten. Das Bild passt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Sie hören das Werden, Blühen und Reifen. Und auch das welken, das lernen lässt. Schon der Titel Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 verspricht einen großen Bogen. Das Versprechen wird gehalten.

Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 im Rückblick

Die Auswahl zeigt acht CDs mit dichten Programmen. Sie erhalten frühe Studioaufnahmen und die Lieder, die man heute Klassiker nennt. Die Dramaturgie wirkt klar. Sie hören eine Stimme, die wächst. Sie erleben Themen, die tiefer werden. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 fasst diese Reise bündig zusammen. Es ist ein Archiv, das fühlt. Kein kalter Katalog.

Gleich zu Beginn steht ein Satz wie eine Selbstaufforderung: Ich wollte wie Orpheus singen. Die Aufnahme ist kurz, zart und sehr direkt. Aus dieser Haltung wächst der Rest. Dann kommt Stadtluft. Frühling in der Großstadt. Großstadt 8 Uhr früh. Das Lied von der Straßenbahn. Sie hören Tritte, Haltestellen, Blicke im Vorbeigehen. Das ist kein Zufall. Es ist die Schule des genauen Hinschauens, die Sie durch Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 begleitet.

Warum Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 heute zählt

Weil die Lieder nah am Menschen bleiben. Sie atmen Alltag und Poesie. Sie nehmen Sie ernst. Sie halten nicht nur ein Mikrofon in die Zeit. Sie halten auch einen Spiegel hin. In Zeiten von Playlists gehen Albenrollen oft verloren. Hier ist es anders. Die Sammlung entfaltet Haltung. Sie zeigt, wie ein Songwriter mit Humor und Empathie wächst. Sie spüren das schon bei Und für mein Mädchen, bei Fast ein Liebeslied oder bei Begegnung. Es sind leise Töne. Doch sie bleiben hängen.

Aktuell wirkt vieles, was scheinbar klein ist. Ein Kiosk. Ein Bahnhof. Zeitungskauf. Das Lied von der Zeitung und Hauptbahnhof Hamm sind Beobachtungen mit Zwinkern. Sie sind präzise. Sie sind knapp. Und sie tragen Wärme. Genau das macht Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 zeitlos.

Die Dramaturgie des Boxsets

Die Edition führt von den frühen, fast skizzenhaften Miniaturen zu den großen Bögen. Danach folgen Satire, Ballade, Liebeslied und Zeitstück. Die Abfolge fühlt sich wie ein Roman an. Sie ahnen schon im ersten Kapitel, was im letzten nachklingt. Ein Beispiel: Das frühe In meiner Stadt mündet Jahre später in In Tyrannis und Über den Wolken. Der Weg ist logisch. Erst die Nahaufnahme. Dann die Weite. Am Ende die Freiheit im Kopf.

Die Abfolge der CDs unterstreicht das. Erst kommen die urbanen Streifzüge. Danach die Figuren. Dann die Krisenjahre. Dann die Bilanz. So liest sich auch der Klangverlauf. Anfangs steht die Gitarre hart im Vordergrund. Später öffnen sich Räume. Doch nie wird es opulent. Alles bleibt dem Wort treu.

Frühphase: Von der Straße ins Herz

Die erste CD schlägt den Ton an. Ich wollte wie Orpheus singen, Frühling in der Großstadt, Das Lied von der Straßenbahn – das sind Momentaufnahmen mit einem Lächeln, das Sie spüren. In meiner Stadt und Großstadt 8 Uhr früh fassen das Gefühl des Pendelns und der Eile. Novemberlied färbt den Himmel grau. Es zeigt, wie eine Jahreszeit den Blick lenkt. Mit Von heiligen Kriegen tritt schon die gesellschaftliche Schwere ein. Es ist nicht laut. Aber es ist klar.

Die zweite CD mischt Liebesnähe und Berufssatire. Ankomme Freitag, den 13. öffnet mit einem erzählten Zufall, der sich wie ein Film anfühlt. Klagelied eines sentimentalen Programmierers ist heute fast Retro und doch modern. Es geht um Arbeit, Technik und Sehnsucht. Diplomatenjagd sticht als spitze Beobachtung hervor. Heimkehr und Lied zur Nacht schließen ruhig, fast tröstlich. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 zeigt schon hier, wie elegant der Ton wechselt, ohne die Grundfarbe zu verlieren.

Großstadt und Reise

Reisen prägen das Set. Hauptbahnhof Hamm ist kurz, satt, präzise. Zwischen Kiez und Ku’damm erzählt die Linien zwischen Orten, die sich nur durch ein paar Ecken trennen. Einen Koffer in jeder Hand fängt das Ziehen und Zerren einer mobilen Zeit sanft ein. Diese Reisebilder halten das Album in Bewegung. Sie spüren Tempo, aber auch Stille. Die Wege sind Kulisse für innere Fragen. Genau hier reift Meys Schreibkunst.

Liebe und Verlust

Liebeslieder sind bei Mey keine Zuckergussnummern. Sie stehen auf festem Boden. Und für mein Mädchen oder Fast ein Liebeslied klingen intim, aber nie kitschig. Das alles war ich ohne dich ist dagegen eine Bestandsaufnahme mit leichtem Stich. Später folgen Du, meine Freundin, Sie ist zu mir zurückgekommen und Schade, dass du gehen musst. Die Spannweite zeigt, wie Liebe in Zeit gedeiht und leidet. Sie ist nie Pose. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 ordnet diese Facetten klug nebeneinander an.

Satire und Gesellschaft: Das scharfe Lachen

Reinhard Mey ist ein höflicher Spötter. Genau darin liegt Kraft. Der Mörder ist immer der Gärtner packt Krimi-Tradition und Medienlust am Schopf. Die heiße Schlacht am kalten Büffet lacht über die Eitelkeit im kleinen Kreis. Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden entlarvt Machtgier als Komödie. Und doch bleibt immer Menschlichkeit. Er prügelt nicht. Er zeigt hin. Er lässt Sie selbst urteilen.

In Tyrannis (Von Wand zu Wand sind es vier Schritte) setzt dem Leisen eine Fessel an. Der Song fühlt sich eng an. Das will er. Er spricht von Angst und Kontrolle. Ich bin Klempner von Beruf dreht den Blick. Es geht um Arbeit, Würde und den Stolz der Hände. Das sind Gegenpole. Zwischen Spott und Respekt entsteht ein ehrlicher Raum. Darin schwingt die ganze Edition.

Poetische Miniaturen: Wenn wenig viel sagt

Viele Lieder sind Kurzgeschichten. Vertreterbesuch stellt eine Figur hin, die Sie sofort sehen. Trilogie auf Frau Pohl ist Alltag als Epos. Manchmal, da fallen mir Bilder ein ist ein inneres Kino. Seifenblasen blitzt und platzt. All’ meine Wege summt wie eine Notiz aus dem Tagebuch. Sie erkennen eine Handschrift. Es ist die Kunst des Weglassens. Ein Satz, ein Bild, ein Reim – und ein Raum geht auf.

Besonders stark sind die Schlüsse. Lied zur Nacht ist eine sanfte Abblende. Komm, gieß’ mein Glas noch einmal ein zeigt das Ende eines Abends, das Anfang und Ende zugleich ist. Das Lied von der Spieluhr spielt mit Kindheit und Vergänglichkeit. Bei all dem bleibt die Musik dienlich. Die Gitarre trägt. Kleine Figuren, kleine Läufe. Nichts will glänzen. Alles will erzählen. In diesem Sinn wirkt Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 wie ein Meisterkurs in Reduktion.

CD für CD: Ein Streifzug durch die Auswahl

CD 1 bündelt die frühen Stadt- und Reiselieder. Sie zeichnet die Großstadt als Bühne. Ich denk', es war ein gutes Jahr bringt schon frühe Rückschau. Novemberlied zieht den Vorhang zu. Die Spannweite zwischen Spaß und Melancholie ist groß.

CD 2 bringt das Erzählalbum. Ankomme Freitag, den 13., Irgendwann, Irgendwo, Klagelied eines sentimentalen Programmierers. Humor trifft Müdigkeit. Heute noch und Heimkehr setzen weiche Punkte. Lied zur Nacht ist der stille Schluss.

CD 3 öffnet den Garten. Die Ballade vom Pfeifer, In meinem Garten, Du, meine Freundin. Dann Alltagsfiguren in Vertreterbesuch und Trilogie auf Frau Pohl. Wirklich schon wieder ein Jahr markiert das Uhrwerk der Zeit. Grüß dich, Gestern sagt: Erinnern kann freundlich sein.

CD 4 ist die Stunde der Satire und Ballade. Das Geheimnis im Hefeteig oder der Schuß im Backofen, Der Mörder ist immer der Gärtner, 71 1/2. Dazwischen leuchtet Ich glaube, so ist sie als Liebeslied. Ich trag' den Staub von deinen Straßen ist Roadmovie und Bekenntnis. Maskerade blickt auf Rollen. Sie ist zu mir zurückgekommen löst den Knoten am Ende. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 setzt hier einen starken Mittelakt.

CD 5 ist die Platte mit den Ohrwürmern. Musikanten sind in der Stadt, Annabelle, ach Annabelle, Die heiße Schlacht am kalten Büffet. Herbstgewitter über Dächern zeichnet Wetter als Stimmung. In Tyrannis zeigt das enge Zimmer der Angst. Bevor ich mit den Wölfen heule prüft Mut und Anpassung. Gute Nacht Freunde wird zur Hymne der Nähe.

CD 6 bringt große Schlaglichter. Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden, Ich bin Klempner von Beruf, Zwei Hühner auf dem Weg nach Vorgestern. Dann die zarten Wuchtstücke: Mein Testament, Wie vor Jahr und Tag. Über den Wolken ist der Überflug. Es gibt keine Maikäfer mehr und Die Zeit des Gauklers ist vorbei ziehen Bilanz. Das ist eine starke Etappe von Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977.

CD 7 schwenkt in die Siebziger-Mitte. Zwischen Kiez und Ku’damm, Hab’ Erdöl im Garten, Weil ich ein Meteorologe bin. Die Homestory ist Medienkritik mit freundlichem Grinsen. Ikarus schaut auf Höhenrausch. Es gibt Tage, da wünscht’ ich, ich wär’ mein Hund sorgt für befreiendes Lachen. Du bist die Stille erdet. … es bleibt eine Narbe zurück zeigt, was Brüche hinterlassen. Mein guter alter Balthasar schließt wie ein Freund.

CD 8 ist Tageslicht und Abendrot. Wem Gott die rechte Gunst erweisen will… zieht die Anthropologie groß auf. Mein erstes graues Haar lächelt milde. Ist mir das peinlich! entlarvt uns alle. An meinen schlafenden Hund ist ein Gedicht über Nähe. Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars lacht Bürokratie an die Wand. Menschenjunges und Der Bär, der ein Bär bleiben wollte sind Kinderstücke für Erwachsene. Ihr Lächeln und Eh’ meine Stunde schlägt sind zärtlich. So endet die Reise. Und sie bleibt offen.

Stimme, Spiel, Klang: Die Kunst der Schlichtheit

Meys Stimme ist hell, doch nie dünn. Sie ist freundlich und traut sich nahe heran. Das Gitarrenspiel bleibt präzise. Es plappert nicht. Es führt die Worte. Die Arrangements sind schlank. Ab und an blitzen weitere Farben auf, doch die Gitarre bleibt Kern. So trägt die Musik die Texte. Die Balance wirkt überlegt. Nichts drängt vor. Nichts zieht sich feige zurück.

Die Aufnahmeästhetik ist ein Spiegel der Zeit. Frühe Titel klingen roh, aber nah. Spätere Nummern sind etwas runder. Doch der Faden reißt nie. Die Klarheit der Sprache bleibt. Genau dadurch hebt sich Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 auch heute ab. Die Songs brauchen keinen Pomp. Sie brauchen Ohr und Herz.

Texthandwerk: Bilder, Reime, Rhythmus

Mey nutzt klare Bilder. Ein Bahnhof, ein Garten, ein Treppenhaus. Er liebt den genauen Namen. Und er liebt den kleinen Witz am Rand. Die Reime sind handwerklich sauber. Sie wirken selten gezwungen. Oft sind sie leise. Der Rhythmus folgt der Sprache. Er zwingt den Sinn nicht in Form. Umgekehrt baut er aus Sinn Form. Das ist reif. Das ist nachhaltig.

Im langen Bogen ziehen sich Motive durch. Jahreszeiten. Reise und Rückkehr. Arbeit und Würde. Freundschaft und Abschied. In den Miniaturen wachsen diese Themen groß. In den großen Balladen bleiben sie konkret. So entsteht Einheit. Die Edition heißt nicht nur so. Sie atmet so. Darum ist Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 ein selten stimmiges Projekt.

Kontext und Geschichte: Ein Jahrzehnt im Spiegel

Zwischen 1967 und 1977 verändern sich Gesellschaft und Medien stark. Proteste, Krisen, neue Rollen. Mey greift selten zum großen Plakat. Er setzt auf Alltag als Linse. In Tyrannis und Politik-Satiren bilden Ausnahmen. Doch das Grundprinzip bleibt: Das Private zeigt das Öffentliche. Wer jemanden am Buffet beobachtet, versteht Eitelkeit. Wer über Bürokratie lacht, versteht Macht. Wer über Freundschaft singt, versteht Treue. Die Lieder halten diesem Jahrzehnt damit eine freundliche, aber klare Lupe hin.

Das wirkt bis heute. Die Songs laden Sie ein, das Eigene wiederzuerkennen. Sei es in Ist mir das peinlich!, in Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars oder in Menschenjunges. So wird Geschichte nah. Und nah bleibt sie gültig. Genau für diese Erfahrung brauchen Sie keine Fußnote. Sie brauchen nur Zeit. Diese gibt Ihnen Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 großzügig.

Höhepunkte und Schwellen

Höhepunkte sind klar. Über den Wolken ist der singende Inbegriff von Weite. Gute Nacht Freunde ist Ruhe und Trost. Die heiße Schlacht am kalten Büffet ist Satire, die altert wie guter Wein. Annabelle, ach Annabelle berührt ohne Pathos. Der Bär, der ein Bär bleiben wollte ist Kinder- und Erwachsenenglück zugleich. So viel Licht birgt aber auch die Gefahr der Wiederholung. Hier und da ähneln sich Struktur und Tempo. Das ist der Tribut an eine Produktion, die nah am Solo bleibt.

Dennoch: Gerade die kleinen Abweichungen tragen. Ein Hauch Percussion hier, ein Choreinsatz dort, ein Taktwechsel, ein sprechender Atem. Sie hören Haltung statt Tricks. Für eine große Edition ist das mutig. Und es lohnt sich. Denn so bleiben die Texte im Fokus. Dort sind sie stark.

Für wen lohnt sich die Edition?

Wenn Sie Meys Klassiker kennen, gewinnen Sie Überblick. Sie hören, wie alles ineinandergreift. Wenn Sie neu einsteigen, ist die Sammlung ein idealer Kompass. Sie bekommen Satire, Ballade, Liebeslied, Kinderstück, Reiselied. Sie bekommen eine Stimme, die mit Ihnen spricht, nicht über Sie. Wenn Sie Texte lieben, finden Sie hier reichlich Stoff. Wenn Sie Gitarrenpoesie suchen, werden Sie satt. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 ist damit eine Brücke. Sie trägt Alt und Neu zugleich.

Auch als Geschenk ist das Set stark. Es ist ein Album, das man langsam auspackt. Stück für Stück. Track für Track. Es hat Witz und Herz. Es hält die Waage. Es schwingt nach.

Ein Wort zur Kuratierung

Die Reihenfolge wirkt überlegt. Kontraste stehen neben Verwandtschaft. Schnelle, spitze Nummern und ruhige, tiefe Lieder halten sich in Balance. Figuren, Orte und Jahreszeiten rekeln sich neben Themen wie Politik, Arbeit und Freundschaft. Kleine Storys bilden Klammern. So bleibt die Sammlung frisch, obwohl sie chronologisch gebunden ist. Sie hören Mosaik und Linie zugleich.

Eine Stärke liegt im Wechsel der Erzählperspektiven. Mal Ich, mal Er, mal Wir, mal die Stadt. Das öffnet Räume. Es verhindert Monotonie. Es lädt zum Wiederhören ein. Denn mit jeder Rolle rückt ein anderer Subtext ins Licht. Genau deshalb ist Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 mehr als ein Best-of. Es ist ein erzähltes Archiv.

Nachhall: Lieder, die wachsen

Viele Tracks klingen beim ersten Mal freundlich. Beim dritten Mal zeigen sie Kanten. Beim fünften Mal liegt eine neue Farbe da. Beispiel: Kaspar ist erst eine Figur. Schnell wird er ein Spiegel. Oder Es gibt keine Maikäfer mehr – ein Satz, der als Naturbeobachtung wirkt. Er dreht sich, und schon wird daraus eine Kulturkritik. Auch kleinere Titel wie Warten oder Heute noch gegären nach. Je ruhiger Sie hören, desto stärker wirkt es. Das ist die Kunst des Leisen.

Manches klingt wie gemacht für die Bühne des Alltags. Zwischen Kiez und Ku’damm, Ich glaube, so ist sie, Annabelle, ach Annabelle. Sie können diese Lieder mitnehmen. In die Bahn. In die Küche. Auf einen Abendspaziergang. Sie machen still. Und sie machen wach. In solchen Momenten entfaltet Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 seine größte Wirkung.

Fazit: Ein Haus aus Liedern

Am Ende steht ein Haus aus Liedern. Es hat viele Zimmer. Ein Zimmer lacht. Eines weint. Eines erinnert. Eines träumt. Der Flur riecht nach Kaffee. Auf dem Fenstersims liegt eine Zeitung. Im Garten zwitschert ein Vogel. Ein Koffer steht bereit. Und auf dem Dach steht ein kleiner Pfeifer. Alles ist verbunden. Alles hat Platz. So fühlt sich diese Edition an.

Wenn Sie nur eine Sammlung suchen, die die Hits sortiert, ist dies schon viel mehr. Wenn Sie eine Erzählung über ein Jahrzehnt hören wollen, ist es genau richtig. Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 zeigt einen Künstler, der mit leisen Mitteln groß denkt. Es zeigt eine Sprache, die trägt. Es zeigt Musik, die dient. Und es zeigt einen Blick auf die Welt, der freundlich und wach bleibt. Diese Mischung ist selten. Sie ist ein Geschenk. Sie bleibt.

Darum lässt sich diese Kritik in einem Satz bündeln: Reinhard Mey Jahreszeiten 1967-1977 ist eine Schule des Hinsehens und Zuhörens – und ein warmes, kluges Album für Ihre eigene Jahreszeit.

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