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Reinhard Mey – Seine großen Erfolge: Klassiker neu bewertet

Reinhard Mey Seine großen Erfolge: Klassiker, Kritik und Kontext

Letztes Update: 07. April 2026

Der Artikel stellt Reinhard Meys Kompilation 'Seine großen Erfolge' vor, analysiert Songauswahl, Arrangements und Textstärke. Er bewertet musikalische Stärken wie Melodie und Sprachwitz, weist aber auch auf Produktionsfragen und Aktualität hin.

Vorstellung und Kritik des Albums Seine großen Erfolge von Reinhard Mey

Dieses Album ist ein Schlüssel zu einer ganzen Epoche. Es bündelt Repertoire, Stil und Haltung eines Künstlers, der leisere Wege ging. Und dennoch die Massen erreichte. Die 1976 erschienene Zusammenstellung führt Sie mit sicherer Hand durch 16 Lieder. Sie zeigt Brüche und Bögen. Sie zeigt Witz, Mut und Milde. So wirkt Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW1] heute wie ein offenes Buch. Ein Buch, das Sie nicht überfrachtet. Ein Buch, das Sie einfach mitnimmt.

Diese Art von Best-of ist mehr als ein Lagerfeuer alter Hits. Es ist eine Erzählung über Zeit und Tonlage. Die Platte atmet das Vinyl-Zeitalter. Sie ist knapp, klar und bedacht gebaut. Sie setzt Leichtigkeit neben Melancholie. Sie mischt politisches Kabarett mit stillen Momenten. Am Ende steht ein Bild von Nähe. So nah, als säßen Sie neben dem Sänger am Küchentisch.

Einordnung und Kontext: Von der Bühne ins Wohnzimmer

1976 hat die Bundesrepublik andere Sorgen als heute. Der Ton in Medien und Politik wird schärfer. Die Wirtschaft dampft. Die Städte dröhnen. In diesem Lärm wirkt Reinhard Mey wie ein ruhiger Chronist. Er hebt den Blick. Dann zoomt er ins Detail. Genau so funktioniert eine gute Compilation. Sie öffnet Fenster. Sie bündelt Licht. In diesem Sinne ist Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW2] ein kluges Zeitdokument.

Mey hatte schon zuvor viele Platten. Doch hier werden Stationen gebündelt. Neue Hörer finden Halt. Kenner entdecken neue Nachbarschaften zwischen Stücken. Das ist keine zufällige Abfolge. Die Reihenfolge rahmt Haltungen. Und sie schafft Kontraste, die frisch klingen. Darin liegt die stille Kunst dieser Auswahl.

Warum Reinhard Mey Seine großen Erfolge heute noch trägt

Es ist die Mischung aus Haltung und Handwerk. Er singt in klaren Bildern. Er baut Szenen. Er setzt seine Stimme als Erzähler ein. Und er vertraut dem Song als Form. So bleibt es zeitlos. Man spürt es sofort, wenn die Nadel fällt. Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW3] zeigt, wie wenig es braucht. Eine Gitarre. Ein Tonfall. Ein Blick für Menschen.

Viele Compilation-Alben altern schneller als ihre Quellen. Hier ist es anders. Das Set funktioniert als Album. Es atmet in einem Bogen. Es hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Das macht es stark. Und das macht es heute so hörbar wie damals.

Aufbau und Dramaturgie der Zusammenstellung

Die 16 Titel sind keine bloße Hitparade. Sie sind ein Fluss. Der Auftakt ist mit "Ich wollte wie Orpheus singen" knapp und programmatisch. Zwei Minuten und 19 Sekunden reichen. Der Song öffnet eine Tür. Auf der anderen Seite warten kleine Welten. Danach zieht "Ankomme Freitag, den 13." Sie in eine Reise. Mal komisch. Mal schief. Doch nie beliebig. "Diplomatenjagd" kontert mit satirischem Biss. So setzt die A-Seite drei Pole. Wunsch, Weg, Witz.

Danach wird es wärmer. Lieder wie "Komm, Giess Mein Glas Noch Einmal Ein" und "Annabelle, ach Annabelle" setzen Farben. Sie sind kleine Szenen der Nähe. Dann dreht Mey wieder an der Schraube. "Der Mörder Ist Immer Der Gärtner" bringt Humor mit dunklem Rand. Die Dramaturgie bleibt wach. Nichts wird zu schwer. Nichts wird zu leicht. Es ist eine sorgfältige Wippe.

Stimme, Sprache, Haltung: Das leise Gewicht

Meys Stimme ist kein großes Spektakel. Sie ist beweglich. Sie ist direkt. Sie trägt die Worte auf gleicher Höhe mit dem Hörer. Dieses Gleichmaß ist ein Statement. Die Sprache ist präzise. Sie vermeidet Pomp. Sie liebt die Pointe. Aber sie drängt sie Ihnen nicht auf. Das sorgt für Nähe. Nähe ist die Währung, die dieses Album stark macht.

Die Haltung ist human. Aber nicht zahm. Er kann schmunzeln. Und er kann zustechen. Doch er bleibt fair. Er hört zu. Dann erzählt er weiter. Das Ergebnis ist Vertrauen. Sie glauben dem Sänger jedes Wort. Auch wenn Sie ihm nicht immer folgen wollen. Das ist Qualität. Und es ist selten.

Die leise Kunst der Pointe

Humor durchzieht die Platte wie ein feiner Faden. "Die Heisse Schlacht Am Kalten Buffet" zeigt das Prinzip. Es ist Beobachtungslust. Es ist Rhythmus. Es ist Timing. Die Pointe sitzt nicht im Lauten. Sie sitzt im Blick. Diese Schule prägt das ganze Set. Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW4] profitiert davon an vielen Stellen. Immer dann, wenn das Lächeln langsam wächst.

Zwischen Zärtlichkeit und Biss

Der Sprung zwischen zutraulicher Ballade und scharfer Satire ist riskant. Doch er gelingt. Einmal wegen der Stimme. Dann wegen der Gitarre. Und auch wegen des Arrangements. Die Stücke bleiben transparent. So kann der Text atmen. Das weiche Licht fällt selbst auf harte Aussagen. So bleibt der Biss hörbar, aber nie bitter.

Produktion und Klang: Das Vinyl atmet

Die Produktion ist klar. Sie ist nicht trocken. Sie vermeidet Studio-Glanz. Die Gitarre klingt körperlich. Die Stimme steht davor. Kleine Begleitspuren kommen dazu, doch sie drängen sich nie vor. Typisch für die Zeit. Und passend für die Texte. Alles ist darauf gebaut, die Geschichten zu tragen. Nicht mehr. Nicht weniger.

Auf 12 Zoll wirkt die Sammlung wie ein Raum mit guter Akustik. Die Bässe sind mild. Die Mitten tragen. Die Höhen sind vorsichtig. Das schützt die Stimme vor Schärfe. Es ist eine Produktion, die den Abend liebt. Sie fordert keine große Anlage. Sie klingt auch am Küchentisch gut. Das ist ein leiser Triumph.

Thematische Spannbreite: Vom Alltag in die Luft

Die Spanne reicht vom Spott auf diplomatische Rituale bis hin zu zarten Skizzen des Ich. "Musikanten sind in der Stadt" feiert die Ankunft von Kunst im Alltag. "Mein Achtel Lorbeerblatt" denkt über Ruhm nach. "Wie vor Jahr und Tag" schaut zurück. "Über den Wolken" weitet den Blick nach oben. "Gute Nacht, Freunde" schließt den Kreis mit einem sozialen Ritual. Händedruck, Blick, Ruhe.

So wird das Album zu einem Tageslauf. Früh die Sehnsucht. Dann Arbeit, Frust, Spaß. Am Abend das Innehalten. Über allem eine Treue zum Menschlichen. Kein Zynismus. Eher milde Ironie. Der Witz dient als Werkzeug. Er wehrt Pose ab. Er öffnet die Szene. Genau hier zeigt sich die Kraft von Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW5]. Die Platte weiß: Menschen sind widersprüchlich. Und das ist gut so.

Satire und Gesellschaft

Stücke wie "Diplomatenjagd" und "Was Kann Schöner Sein Auf Erden, Als Politiker Zu Werden" arbeiten mit Masken. Sie überzeichnen. Doch sie wahren den Kontakt zur Wirklichkeit. Der Spott schafft Luft. Er entlarvt ohne Fingerzeig. Er legt Hohlräume frei. So wird Kritik tragbar. Sie wird nicht zur Predigt. Sie bleibt Lied.

Intime Erzählungen

Andere Songs sind Nahaufnahmen. Sie greifen kleine Gesten auf. Ein Blick. Ein Glas. Ein Abend. Diese Motive tragen Gefühle, die Sie kennen. Sie bleiben so konkret wie möglich. Und so offen wie nötig. Das macht sie anschlussfähig. Es ist die alte Kunst, mit wenig Worten viel zu zeigen. So gewinnt die Platte Tiefe im Stillen.

Reise, Freiheit, Horizont

"Ankomme Freitag, den 13." und "Über den Wolken" markieren Bewegungen im Raum. Das eine tastet sich durch Pannen. Das andere hebt ab. Beide Lieder wirken wie Pole eines Kompasses. Zwischen ihnen verläuft ein humaner Meridian. Er heißt: Würde, Humor, Hoffnung. Die Songs führen Sie an diesen Faden. Sie lassen ihn nie reißen.

Die Reihenfolge als Erzählbogen

Die Platzierung der Hits ist klug. "Über den Wolken" steht nicht am Anfang. So bleibt noch Weg vor Ihnen. Der Song wirkt dann wie ein Fenster, das plötzlich aufgeht. Danach fällt die Spannung nicht ab. "Es Gibt Tage, Da Wünscht' Ich, Ich Wär Mein Hund" setzt sanftere Farben. "Gute Nacht, Freunde" ist ein Schluss, der nicht nur endet. Er verabschiedet. Er gelobt Schweigen. So trägt die Dramaturgie bis in den letzten Ausklang.

Diese Ordnung macht die Compilation zum Album. Sie verhindert den Sampler-Effekt. Sie schafft Sinn im Ablauf. Und sie bringt scheinbar ferne Songs in Kontakt. So entdecken Sie neue Linien zwischen bekannten Stücken. Das ist das Glück solcher Werkschau. Auch deshalb bleibt Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW6] mehr als eine Schublade voller Lieder.

Höhepunkte und Wagnisse

Höhepunkte sind leicht zu benennen. "Über den Wolken" ist einer davon. Die Melodie ist sofort da. Der Text weitet den Atem. Doch Höhepunkte entstehen auch in kleinen Momenten. "Ich bin aus jenem Holze" hat solch einen Kern. Er liegt im leisen Selbstbekenntnis. Auch "Musikanten sind in der Stadt" hat diese Energie. Dort sitzt sie im kollektiven Puls.

Wagnis zeigt sich anders. "Der Mörder Ist Immer Der Gärtner" spielt mit Formeln. Es riskiert eine Groteske. Doch es stürzt nicht ab. Es federt im Takt. "Die Heisse Schlacht Am Kalten Buffet" riskiert Banalität. Doch es gewinnt durch Blickschärfe. Die Zutaten sind einfach. Die Zubereitung ist präzise. So wird aus der Anekdote ein Spiegel der Sitten.

Handwerk: Melodie, Rhythmus, Diktion

Meys Melodien sind singbar. Doch sie sind nicht banal. Sie tragen kleine überraschende Wendungen. Gerade so weit, dass es prickelt. Der Rhythmus folgt der Sprache. Er wirft sie nicht aus der Bahn. Er führt sie. Das hilft der Verständlichkeit. Die Diktion ist achtsam. Konsonanten sitzen klar. Vokale bleiben rund. So wirken Geschichten lebendig. Nicht übertrieben. Nicht blass.

Die Gitarre tut den Rest. Sie ist Begleiter und Partner. Sie füllt Räume, ohne zu füllen. Kleine Läufe verbinden Strophen. Einmal warm, einmal leicht stürmisch. Doch immer im Dienst der Linie. Diese Sparsamkeit ist nicht Mangel. Sie ist Stil.

Wirkungsgeschichte und Einfluss

Viele jüngere Liedermacher nennen Mey als Anstoß. Nicht nur wegen der Texte. Auch wegen der Form. Der Mut zur Klarheit ist prägend. Er zeigt: Ein Lied kann viel. Es kann lachen. Es kann trösten. Es kann streiten. Es kann still sein. Diese Vielfalt atmet das Album. Deshalb bleibt Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW7] ein Lehrstück. Für Anfänger. Und für Profis.

Die Lieder fanden ihren Weg in Radio und Wohnzimmer. Sie wurden gesungen, zitiert, gecovert. Diese Verbreitung erklärt sich nicht aus Moden. Sie erklärt sich aus Gebrauchswert. Die Songs taugen für das Leben. Für Abschiede. Für Reisen. Für Abende zu zweit. Für Pausen im Alltag. Solche Lieder bleiben. Sie halten, was sie versprechen.

Für wen eignet sich dieses Album?

Wenn Sie Mey noch nicht kennen, ist dies ein guter Einstieg. Die Platte zeigt alle Seiten des Künstlers. Sie ist ausgewogen. Sie überfordert nicht. Sie hat Humor und Herz. Wenn Sie Mey schon lange hören, lohnt sich der Blick auf die Abfolge. Sie wird Ihnen neue Wege zwischen vertrauten Stücken eröffnen. Und sie zeigt, wie klug die Auswahl ist.

Auch als Geschenk wirkt diese Zusammenstellung. Sie ist ein sicherer Griff. Denn sie trifft viele Stimmungen. Für Sammler ist die Vinyl-Ausgabe zudem ein Stück Kulturgeschichte. Cover, Typo, Haptik: Alles erzählt von Mitte der 70er. So wird Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW8] zum Objekt mit Aura. Nicht nur zum Tonträger.

Kritikpunkte: Was fehlt, was patiniert?

Kein Best-of ist vollständig. Auch hier fehlen Lieder, die man gerne dabei hätte. Das ist bei 16 Titeln unvermeidlich. Zudem zeigt die Produktion Spuren der Zeit. Der Klang ist warm. Doch er ist weniger brillant als heutige Remasters. Das stört selten. In wenigen Momenten aber wünscht man sich mehr Luft in den Höhen.

Ein weiterer Punkt ist die starke Präsenz der bekannten Stücke. Das ist Programm. Doch Neugierige auf dunklere Ecken im Werk finden hier weniger Futter. Sie müssen in die Alben zurückgehen. So bleibt Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW9] eine Einladungs-Karte. Keine Kartografie des ganzen Geländes. Das ist ehrlich. Und als Prämisse auch fair.

Die Rolle einzelner Songs im Gesamtbild

Einige Titel gewinnen in dieser Nachbarschaft. "Annabelle, ach Annabelle" profitiert vom Kontrast zu "Der Mörder Ist Immer Der Gärtner". Die Zartheit strahlt heller nach dem Humor in Moll. "Ich Bin Klempner von Beruf" erdet die Sammlung. Es führt ins Arbeitermilieu. Es zeigt Stolz ohne Pose. "Wie vor Jahr und Tag" öffnet einen Blick zurück. Es weitet den Faden ohne zu schwärmen.

"Gute Nacht, Freunde" als Schluss hat eine soziale Funktion. Es ist ein Ritual. Ein gemeinsamer Schlussakkord. Eine Geste, die sagt: Wir waren zusammen. Jetzt ist Ruhe. Gerade diese Form macht das Lied stark. Es gehört in eine Runde. Es bindet. Es entlässt.

Rezeption: Damals und heute

1976 fiel die Sammlung auf fruchtbaren Boden. Das Publikum kannte die Lieder. Doch es suchte Ordnung im Reichtum. Hier fand es sie. Medien lobten Witz und Wärme. Sie lobten die Balance. Heute lesen wir die Platte anders. Wir hören Generationen mit. Wir hören Wandel. Und wir hören, was bleibt. Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW10] fängt diese Spannungen ruhig ein.

In Playlists von heute sind die Songs weiter präsent. Sie stehen neben neuen Stimmen. Daneben halten sie Stand. Nicht aus Nostalgie. Sondern wegen ihrer Handwerkskraft. Weil sie mit wenig viel erreichen. Das ist die Währung der langen Halbwertszeit.

Die Perspektive des Hörers: Nähe ohne Druck

Sie werden von diesem Album nicht angebrüllt. Sie werden eingeladen. Das schafft Raum für eigene Bilder. Es gibt keine Überwältigungs-Strategie. Stattdessen viele kleine Anstöße. Das ist freundlich. Und es ist klug. Denn so bleiben die Lieder bei Ihnen, wenn die Platte aus ist.

Diese Art von Nähe setzt Vertrauen in das Publikum voraus. Der Künstler glaubt, dass Sie zuhören möchten. Dass Sie Sinn lieben. Und dass Sie auch einmal schweigen können. Auf dieser Basis funktioniert Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW11] besonders gut. Es ist Musik für offene Ohren. Nicht für stumpfe Reize.

Ein kurzer Blick auf fünf Schlüsselstücke

"Ich wollte wie Orpheus singen" legt die Poetik frei. Kunst als Sehnsucht, nicht als Trophäe. "Ankomme Freitag, den 13." zeigt das Erzähler-Gen. Kleine Panne, große Menschlichkeit. "Diplomatenjagd" packt Systemkritik in eine Büchse der Komik. "Über den Wolken" spricht die universelle Sprache der Freiheit. "Gute Nacht, Freunde" schenkt Ankunft im Abschied. Diese fünf Lieder tragen den Kern. Um sie herum greifen die anderen ein. Sie stützen. Sie spiegeln. Sie lockern. So steht am Ende ein Ganzes.

Die Auswahl sorgt zudem dafür, dass die Platte in jeder Stimmung funktioniert. Sie können einsteigen, wo Sie wollen. Der Bogen holt Sie ab. Er bringt Sie ans Ende. Und er lässt Sie in Ruhe. Das ist selten. Es ist ein Zeichen von Reife in der Zusammenstellung.

Warum diese Compilation mehr ist als Nostalgie

Nostalgie ist leicht. Sie färbt warm. Doch sie erklärt wenig. Diese Platte erklärt. Sie zeigt, wie Haltung in Form aufgeht. Und wie Form Haltung schützt. Jede Nummer ist dafür ein Beispiel. Zusammen werden sie zum Modell. So dient Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW12] als Schule der Aufmerksamkeit. Für Sprache. Für Timing. Für Maß.

Darum lohnt die Wiederentdeckung. Auch im Streaming-Zeitalter. Gerade dort. Denn in der Flut der Titel geht Kontext verloren. Hier wird Kontext gebaut. Und Sie merken beim Hören, wie gut das tut. Sie hören wieder Alben, nicht Playlisten. Das verändert auch Ihren Blick auf neue Musik.

Vinyl, Haptik, Ritual

Das Medium prägt die Wahrnehmung. Das große Cover. Das sanfte Rauschen vor dem Ton. Das Umdrehen zur B-Seite. All das gehört dazu. Es entschleunigt Ihr Hören. Es bringt Sie in Haltung. So entfaltet die Sammlung ihren Zauber am besten. Sie ist kein beiläufiger Soundtrack. Sie ist ein Gespräch, das Zeit braucht.

Natürlich funktioniert die Musik auch digital. Doch wer kann, sollte einmal die Nadel setzen. Dann den Regler nur wenig bewegen. Der Raum füllt sich. Und Sie merken, wie die Zurückhaltung der Produktion mit dem Medium spielt. Es entsteht ein Klangraum, der Sie nicht überwältigt. Er nimmt Sie ernst.

Fazit: Die Best-of als Erzählung

Am Ende steht ein klares Urteil. Diese Platte ist gelungen. Sie ist ausgewogen. Sie ist maßvoll. Sie bündelt die Qualitäten eines großen Erzählers in 16 Kapiteln. Sie gönnt sich Witz und Weite. Und sie wahrt die Ruhe. Darin liegt ihre Stärke. Sie zeigt, was das Genre Lied kann. Wenn es sich treu bleibt. Und wenn es die Welt nicht vergisst.

Sie können dieses Album heute kaufen und sofort verstehen, warum es wirkt. Und doch werden Sie beim zweiten Hören Neues finden. Das ist das Zeichen von Substanz. In dieser Form ist Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW13] ein Glücksfall. Für Einsteiger. Für Sammler. Für alle, die Texte lieben. Und für alle, die am liebsten in Ruhe hören.

Wer den Menschen in den Geschichten mag, wird sich hier wohlfühlen. Wer die klare Sprache schätzt, wird sie hier finden. Wer Humor sucht, wird ihn hier erleben. Wer Posen fürchtet, wird hier verschont. Das ist viel. Und für ein Best-of ist es noch mehr. Es ist die Kunst, die Summe nicht wie eine Summe klingen zu lassen.

So bleibt die Empfehlung deutlich. Hören Sie diese Platte als Album. Lassen Sie sich führen. Und hören Sie den Zwischenraum. Dort wohnt die Tiefe. Dort lebt das, was Mey groß macht. Genau deshalb hat Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW14] bis heute Geltung. Es ist ein Album mit Haltung. Und mit Herz.

Wenn Sie danach tiefer gehen wollen, öffnen Sie die Studioalben. Vergleichen Sie Fassungen. Entdecken Sie Nebenwege. Diese Sammlung wird Ihr Kompass sein. Sie zeigt Himmelsrichtungen. Sie zeigt Maß und Mitte. Und sie zeigt, dass ein Lied nicht laut sein muss, um weit zu tragen.

Ein letzter Gedanke betrifft das Verhältnis von Hit und Lied. Ein Hit ist ein Ereignis. Ein Lied ist eine Form. Hier treffen sie sich. Der Hit bleibt Lied. Das Lied darf Hit sein. Diese Durchlässigkeit macht die 16 Titel so lebendig. So bleibt Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW15] ein Album, das mehr leistet, als es verspricht. Es versammelt. Es ordnet. Es atmet.

Vielleicht ist das die schönste Leistung: Es weckt Lust auf das Nächste. Auf den nächsten Abend. Auf die nächste Platte. Auf das nächste leise Lächeln, wenn die Pointe spürbar wird. Diese Lust ist die beste Kritik, die man einer Zusammenstellung mitgeben kann.

Darum trägt das Album seinen Titel mit Recht. Es sind Erfolge. Aber sie gehören uns allen. Denn wir haben sie mitgehört. Wir haben sie mitgelebt. In dieser geteilten Erfahrung liegt der eigentliche Wert. Und genau dies macht Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW16] zu einer bleibenden Adresse. Heute. Morgen. Und in vielen Jahren.

Wer Musik als Gespräch versteht, wird die Hand reichen. Wer Musik als Zuflucht sucht, wird hier still. Wer Musik als Spiegel braucht, wird sich sehen. All das schafft diese Sammlung. Ohne Druck. Ohne Zwang. Mit Mut zur Lücke. Und mit Liebe zum Detail. Darum lohnt sie jeden Hördurchlauf. Und noch jeden, der folgt.

Am Ende bleibt ein kleiner Rat. Legen Sie die Platte auf, wenn der Tag zu laut war. Oder zu leer. Oder einfach nur zu schnell. Dann hören Sie, wie das Tempo sinkt. Und wie die Gedanken Ordnung finden. Das kann Musik. Dieses Album kann es besonders gut. Dafür steht auch der Name. Dafür steht Reinhard Mey Seine großen Erfolge [KW17].

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