Letztes Update: 09. Januar 2026
Der Artikel stellt Wenzels Album 'Widersteh, so lang du's kannst' vor und liefert eine pointierte Kritik: Er beleuchtet Texte, Melodien und Arrangements, bewertet Produktion und stilistische Einordnung. Lob gilt Sprachkunst und IntimitÀt, Kritik der gelegentliche Formzwang.
Dieses Album ist kein bequemer Ort. Es ist ein Raum, in dem Fragen lauter werden. Sie hören Worte, die sich wehren. Sie hören Lieder, die stehen bleiben, wenn alles rennt. So wirkt Wenzel im Jahr 2012. Er stellt 13 StĂŒcke nebeneinander wie offene Fenster. Dahinter liegt Alltag, Politik, Liebe, Verlust. Und eine Stimme, die sagt: Bleiben Sie wach. Oder, in einem Satz: Wenzel Widersteh, so lang du's kannst.
Der Titel ist Programm. Er klingt wie eine Losung. Doch die Platte lebt nicht von der Parole. Sie lebt von Nuancen. Wenzel baut seine SĂ€tze aus schlichtem Material. Er setzt Pausen wie BrĂŒcken. Er dreht an Tönen, bis sie halten. Dadurch entsteht eine dichte, aber klare Welt.
Sie betreten diese Welt mit âAllesâ. So beginnt es. Ein StĂŒck ĂŒber FĂŒlle und Leere. Ăber das, was bleibt, wenn man zĂ€hlt. Danach ist klar, wohin die Reise geht. Von Lied zu Lied wĂ€chst die SehschĂ€rfe. Das Ohr wird aufmerksamer. Die Platte schult das Hören.
Als das Album erschien, war die Welt nicht still. Krisen sorgten fĂŒr Zorn und MĂŒdigkeit. Die Politik sprach viel und sagte oft wenig. In dieser Lage wirkt die Platte wie ein Gegenentwurf. Sie sucht Sinn. Sie traut der kleinen Form. Sie nimmt Zeit ernst.
Wenzel ist im Osten groĂ geworden. Das prĂ€gt den Blick. Er kennt Widerspruch als Alltag. Er kennt Ironie als Schutz. In seinen Liedern spĂŒrt man Erfahrung. Man spĂŒrt auch ein mildes LĂ€cheln. Aber niemals GleichgĂŒltigkeit. Genau das fasst Wenzel Widersteh, so lang du's kannst prĂ€zise in ein Bild: Stand halten, ohne hart zu werden.
Die Platte ist zehn Jahre und mehr alt. Doch sie wirkt frisch. Das liegt an der Sprache. Sie ist knapp. Sie ist klar. Sie vermeidet LĂ€rm. Das gibt den Songs Luft. Darin reisen die Themen gut. Sie rĂŒcken nah an Sie heran. Und sie bleiben dort.
Wenn Sie dem Album heute lauschen, staunen Sie. Die Wörter rosten nicht. Viele Zeilen treffen genau. Sie klingen wie von gestern und morgen zugleich. Das ist selten. So reist die Platte durch die Zeit. Ohne Trick. Ohne Trend. Mit Haltung.
Die Produktion hĂ€lt sich zurĂŒck. Nichts ist zu viel. Akustische Gitarre. Klavier. Ein Bass, der atmet. Leichte Percussion. Vielleicht ein Akkordeon. Ein paar Linien aus Streichern. Mehr braucht es nicht. Die Stimme steht im Zentrum. Sie ist rau und warm. Sie trĂ€gt die Schwere mĂŒhelos.
Die Arrangements folgen der Sprache. Ein Wort erhĂ€lt Platz. Ein Bild wird nicht zerredet. Das Timing wirkt wie gesprochen. Der Gesang bleibt nah am Ohr. Es ist, als sĂ€Ăen Sie im selben Raum. So lĂ€dt das Album zu einem leisen GesprĂ€ch ein. Und so erreicht Wenzel Widersteh, so lang du's kannst eine Kraft, die kaum altert.
Die Mischung ist transparent. Man hört jede Note. Man hört sogar die Stille dazwischen. Diese Stille ist nicht leer. Sie ist Teil des Tons. Sie betont, was gesagt wird. Sie schafft Vertrauen.
Die 13 StĂŒcke bilden eine Karte. Sie fĂŒhren durch Dinge, die wir kennen. Liebe. Arbeit. Krieg. Hoffnung. Auf der Karte stehen Grenzen: âStacheldraht, Elektrozaunâ. Doch es gibt auch offene Felder: âDie Schwalbenâ. Wenzel setzt Marker, nicht Mauern. Er hĂ€lt die Richtung, aber er lĂ€sst Umwege zu.
Der rote Faden ist Widerstand als Haltung. Nicht als Pose. Nicht als Spektakel. Widerstand im Kleinen. In der Geste. In der Frage. Sie hören, wie Zweifel und Mut zusammenspielen. Beide sind stark. Gemeinsam werden sie Stimme.
Viele Lieder wirken wie kurze Filme. Sie sehen Orte. Sie sehen HĂ€nde. Sie hören kleine GerĂ€usche. So richtet Wenzel den Blick auf das Konkrete. Daraus wĂ€chst das GroĂe. Das ist die Kunst. Und genau das treibt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst immer wieder voran.
âAllesâ eröffnet die Platte mit einem klaren Puls. Es geht um MaĂ und MaĂlosigkeit. Um Besitz, der Menschen besitzt. Die Melodie bleibt schlicht. Sie trĂ€gt die Worte wie ein Tablett. Es wirkt leicht, ist aber schwer. So fĂ€ngt das Album Sie ein.
âBekenntnisâ geht nĂ€her heran. Es zeigt Haltung ohne Pathos. Ein Bekenntnis ist kein Banner. Es ist eine ruhige Wahl. Die Musik folgt dem. Ein warmer Rhythmus, eine offene Harmonie. Beide StĂŒcke legen fest, worum es geht: um Klarheit. Und um den Mut, bei sich zu bleiben. Dieser Mut bĂŒndelt sich im Gedanken, den Wenzel Widersteh, so lang du's kannst als Leitlinie ausruft.
âCorn Islandâ klingt nach Ferne. Nach Fluss, Insel, Weite. Das Lied schaut in ein anderes Land. Und sieht dann das Eigene. Es ist ein Spiegel. Er zeigt nicht das Gleiche, aber das Vertraute. Die Instrumente malen breiter. Der Gesang bleibt schmal. Das erhöht die Spannung.
âStacheldraht, Elektrozaunâ bringt den Draht ganz nah. Die Metapher ist hart. Sie zerkratzt. Der Beat ist hĂ€rter. Die Gitarre steht kantig. Doch der Song verfĂ€llt nicht in KĂ€lte. Er schaut auf den Zaun und fragt: Wer baut ihn? Wer hĂ€lt den Strom? Genau da sitzt der Kern von Wenzel Widersteh, so lang du's kannst: Widerstand beginnt mit Fragen.
Beide Lieder handeln vom Gehen. âGlĂŒcksucherâ verfolgt Menschen, die loslaufen. Sie tragen Hoffnung und Last. Man hört das Tempo der FĂŒĂe. Man hört auch Atem. Der Refrain öffnet ein Fenster. Er sagt: Halten Sie Blickkontakt mit dem Morgen.
âAuf einem Beinâ spricht von Kippmomenten. Wer nur auf einem Bein steht, fĂ€llt schnell. Also muss man tanzen. Oder sich anlehnen. Oder lachen. Es ist ein weises Lied. Es macht keine Angst. Es schenkt Balance. Diese Art Trost ist selten. Sie passt zur Stimme des ganzen Albums. So wird Wenzel Widersteh, so lang du's kannst zu mehr als Musik. Es wird zu Begleitung.
âMeister des Kriegsâ geht in die Tiefe. Der Titel erinnert an alte Protestsongs. Die Worte sind messerscharf. Die Gitarre bleibt reduziert. Das erhöht die Dringlichkeit. Das Lied schweigt an den richtigen Stellen. Diese Pausen sagen viel. Mehr hĂ€tte hier weniger gesagt.
âDie Schwalbenâ hebt die Platte wieder an. Schwalben sind Luft und Linie. Sie schneiden den Himmel. Das Lied setzt auf Bewegung. Es zeigt, wie Freiheit klingt, wenn sie leise ist. Die Leichtigkeit ist kein Kitsch. Sie ist ein Angebot. Sie sagt: Sie dĂŒrfen hoffen. Das ist das Licht in Wenzel Widersteh, so lang du's kannst.
âWeinliedâ lĂ€dt an den Tisch. Es riecht nach Holz und Abend. Es geht um WĂ€rme. Um GesprĂ€ch. Um den Ton, der erst spĂ€t fĂ€llt. Musikalisch blinzelt das StĂŒck in Richtung Chanson. Ein kleines LĂ€cheln schwingt mit. Doch es bleibt wach. Es trinkt nicht zu viel SĂŒĂe.
âSelbstmordâ bricht diesen Ton. Das Thema ist heikel. Wenzel schaut nicht weg. Er moralisiert nicht. Die Sprache hĂ€lt die Balance. Sie ist behutsam, aber klar. Die Musik trĂ€gt diesen schweren Text. Sie bietet Halt. Genau hier zeigt sich, wie viel Vertrauen das Album zu seiner Hörerin hat. Es erwartet, dass Sie mithalten. Es vertraut auf Ihren Sinn. Darum klingt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst so ernst und so menschlich zugleich.
âWarten in C.â spielt mit dem Buchstaben. Ist es die Tonart? Ist es eine Stadt? Das Lied lĂ€sst offen. Es interessiert sich mehr fĂŒr das Warten selbst. FĂŒr Minuten, die dehnbar sind. FĂŒr Gedanken, die Kreise ziehen. Der Rhythmus pendelt. Er hĂ€lt die Zeit aus.
âIn dieser Nacht hierâ verlegt das Warten in die Dunkelheit. Der Raum verengt sich. GerĂ€usche werden groĂ. Das StĂŒck arbeitet mit FlĂŒstern und Blicken. Es ist ein Lied fĂŒr das stille Zimmer. Der Morgen ist schon spĂŒrbar. Aber er kommt erst noch. In dieser Schwebe liegt viel von dem, was Wenzel Widersteh, so lang du's kannst ausmacht.
Der Schlusssong trĂ€gt die Gitarre wie eine Figur. Auf dem RĂŒcken liegt die Arbeit. Und doch ist die Haltung gerade. Es ist ein Wanderlied und ein Werklied. Der Abschied ist kein Ende. Er ist eine Zusage: Es geht weiter. Vielleicht leiser. Aber mit klarer Spur.
Am Ende schlieĂen sich Kreise. Das Album beginnt mit âAllesâ und endet mit einem Schritt. Dazwischen liegt der Weg. Er ist holprig, aber begehbar. Wer bis hierhin gehört hat, weiĂ warum. So bleibt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst in Ohr und Hand.
Wenzel steht in einer Linie mit dem groĂen deutschsprachigen Lied. Er kennt Brecht und Weill. Er kennt den Ton des Kabaretts. Er kennt die Ballade. Doch er kopiert nicht. Er destilliert. Er nimmt die Form und sucht das Heute. Dadurch wirkt die Platte verwurzelt und frei.
Im internationalen Feld knĂŒpfen manche Bilder an Folk an. Andere streifen Chanson. Ein Song wie âWeinliedâ könnte in Paris laufen. âMeister des Kriegsâ klingt nach Greenwich Village von gestern. Aber alles bleibt Wenzel. Alles bleibt deutsch und gegenwartsnah. Diese Vielseitigkeit macht Wenzel Widersteh, so lang du's kannst zu einem seltenen Album.
Der Widerstand in diesen Liedern ist poetisch. Doch er bleibt konkret. Er richtet sich gegen die LĂŒge. Gegen die MĂŒdigkeit. Gegen den Herdentrieb. Wenzel setzt Worte wie Werkzeuge ein. Er baut mit ihnen. Er reiĂt mit ihnen ein. Nie prahlt er. Er prĂŒft.
Sie hören keine groĂen Parolen. Sie hören kleine SĂ€tze. SĂ€tze, die tragen. Sie laden zum GesprĂ€ch ein. Sie setzen Denken in Gang. Darin liegt die politische Kraft des Albums. Es will nicht Recht haben. Es will wach halten. Deshalb fĂŒhlt sich Wenzel Widersteh, so lang du's kannst auch dann richtig an, wenn man anderer Meinung ist.
Wenzel hat zuvor viele Platten gemacht. Einige sind rauer. Andere sind dichter an der BĂŒhne. Manche sind lyrischer, fast wie BĂŒcher. Dieses Album balanciert die Pole gut. Es ist zugĂ€nglich, aber nicht seicht. Es ist ernst, aber nicht schwerfĂ€llig. Es ist politisch, aber nicht predigend.
Im Vergleich zu frĂŒheren Werken wirkt die Stimme hier besonders prĂ€sent. Die Produktion lĂ€sst sie in Ruhe atmen. Das passt zum Stoff. Die Texte sind klarer als in manch Ă€lterem StĂŒck. Sie sind weniger verklausuliert. Aber sie sind nicht simpel. Genau diese Mischung verleiht Wenzel Widersteh, so lang du's kannst seine lange Halbwertszeit.
Dieses Album fordert Sie, aber es ĂŒberfordert Sie nicht. Es bittet um Aufmerksamkeit. Es schenkt im Gegenzug viel. Bilder, die im Kopf bleiben. Zeilen, die man am Morgen summt. Themen, die wiederkommen. Es ist Musik, die Sie begleitet, nicht beschallt.
Wenn Sie das Album im Ganzen hören, entfaltet sich eine Dramaturgie. Das Tempo atmet. Die Spannung steigt, fĂ€llt und steigt wieder. Jedes Lied hat seinen Platz. Es gibt kaum FĂŒllmaterial. Das ist selten, gerade bei 13 StĂŒcken. So etwas gelingt nur, wenn jemand seinen Stoff kennt. Und sein Publikum achtet. Beides tut Wenzel Widersteh, so lang du's kannst.
Ein paar Details tragen weit. Der Raumklang um die Stimme. Die zarte SchĂ€rfe in der Gitarre. Der Bass, der eher geht als drĂŒckt. Ein kleines Schlagwerk, das atmend bleibt. All das wirkt organisch. Nichts ist poliert bis zur GlĂ€tte. Es darf leben. Es darf atmen.
Auch die Rhythmik hat Charakter. Sie folgt dem Text. VersmaĂ und Takt finden sich, ohne starre Raster. Das macht die Musik beweglich. Sie wirkt menschlich. Es ist Musik, die dem Wort dient. Und gerade dadurch gewinnt das Wort an Kraft. So erfĂŒllt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst den eigenen Anspruch: Widerstand als Klang der Sprache.
Wie wirkt die Platte heute, im aktuellen LĂ€rm? Ăberraschen klar. Sie ist leise, doch nicht schwach. Sie ist warm, doch nicht weich. Sie ist genau, doch nicht kalt. In einer Welt, die eilt, lebt sie vom Innehalten. Das ist keine Flucht. Das ist Haltung. Es ist der Mut zum Blick.
Viele Themen sind ungebrochen. Grenzen. Verlust. Suche. Hoffnung. Es ist fast tröstlich, dass diese Lieder standhalten. Sie zeigen, wie man alt werden kann, ohne altmodisch zu sein. Sie zeigen, wie Relevanz aus Tiefe kommt, nicht aus LautstÀrke. Darum lohnt es sich, Wenzel Widersteh, so lang du's kannst wieder aufzulegen.
Am Ende bleibt das GefĂŒhl, ein GesprĂ€ch gefĂŒhrt zu haben. Nicht mit einem Helden. Mit einem Menschen. Er irrt. Er zweifelt. Er hofft. Er singt. Er nimmt Sie ernst. Das ist selten. Es macht dieses Album zu einem Begleiter. Nicht nur fĂŒr eine Saison. FĂŒr Jahre.
Wer ist die ideale Hörerin? Jemand, der Worte liebt. Jemand, der Fragen sucht. Jemand, der Musik als Beziehung versteht. Wenn Sie sich darin wiederfinden, werden Sie hier viel finden. Sie werden auch Neues entdecken, wenn Sie wiederkehren. Das ist das Zeichen der guten Platte. Und dazu zÀhlt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst ohne Frage.
Bleibt der Titel. Er ist kein Befehl. Er ist eine Einladung. Er lautet: âWidersteh, so lang du's kannst.â Das klingt streng. Doch es trĂ€gt Milde. Es sagt: Tun Sie Ihr Mögliches. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Dieses MaĂ trifft der KĂŒnstler gut. Deshalb bleibt die Platte wichtig. Deshalb bleibt Wenzel Widersteh, so lang du's kannst mehr als eine Veröffentlichung von 2012. Es ist eine Haltung zum Leben. Und ein StĂŒck Musik, das diese Haltung hörbar macht.
Das Album "Widersteh, so lang du's kannst" von Wenzel bietet eine beeindruckende Mischung aus poetischen Texten und kraftvollen Melodien. Es zeigt die Vielseitigkeit des KĂŒnstlers und seine FĂ€higkeit, tiefgrĂŒndige Themen musikalisch zu verarbeiten. Wenn du mehr ĂŒber Wenzels musikalische Reise erfahren möchtest, könnte dich auch sein frĂŒheres Werk interessieren. In der Kritik zu "Wenzel Kamille und Mohn" findest du weitere Einblicke in seine kĂŒnstlerische Entwicklung.
Ein anderes bemerkenswertes Album von Wenzel ist "31.07.55". Es ist ein weiteres Beispiel fĂŒr seine FĂ€higkeit, persönliche und gesellschaftliche Themen zu verbinden. Die Kritik zu "Wenzel 31.07.55" bietet eine detaillierte Analyse dieses Werks und zeigt, wie Wenzel seine musikalische und lyrische Handschrift weiterentwickelt hat.
Ein besonderes Highlight in Wenzels Karriere war sein JubilĂ€umskonzert im Admiralspalast. Dieses Event brachte zahlreiche Fans und Musikliebhaber zusammen und zeigte die beeindruckende Bandbreite seines Schaffens. Mehr ĂŒber dieses unvergessliche Konzert erfĂ€hrst du in dem Artikel "Wenzel JubilĂ€umskonzert - Wenzel & GĂ€ste live im Admiralspalast".