Letztes Update: 10. Februar 2026
Der Beitrag stellt Wolf Biermanns Album 'Eins in die Fresse mein Herzblatt' vor, analysiert Texte, Melodien und Produktion und ordnet das Werk biografisch und politisch ein. Er bewertet StĂ€rken, BrĂŒche und die heutige Relevanz.
Der Titel ist grob, und doch ist er genau. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt erscheint 1980. Es ist ein Album aus einer Zeit der HĂ€rten und BrĂŒche. Es ist auch ein Werk voller ZĂ€rtlichkeit. Beides passt bei Biermann zusammen. Er schlĂ€gt zu, aber er hĂ€lt auch fest. Er tut es mit Worten, mit Stimme und mit Gitarre.
Sie hören hier keinen leichten Pop. Sie hören einen Autor, der bohrt. Er bohrt in Wunden, die damals offen waren. Er erkundet auch, was heute noch brennt. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt hat 32 StĂŒcke. Sie liegen in zwei Formaten vor. Ein Block hat 18 Tracks, ein zweiter hat 14. Es ist ein Doppelblick auf ein Land und auf einen Mann im Exil.
Sie finden Spott, Satire und SchĂ€rfe. Sie finden Trost, Trauer und Mut. Vieles hat eine BĂŒhne im Ohr. Anderes klingt nach Stube und Holz. Der Ton ist oft rau. Doch er ist klar. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt ist ein langer Atemzug. Er reicht vom Arbeiterlied bis zur Elegie. Er reicht von der Kalten Kriegsrhetorik bis zur Kinderstube.
Vier Jahre vor diesem Album wurde Biermann aus der DDR ausgebĂŒrgert. Die ZĂ€sur ist groĂ. Er steht nun im Westen. Doch er singt weiter ĂŒber Ost und West. Er mischt sich ein. Er greift den Ton der StraĂe auf. Er sucht die NĂ€he zur Werkhalle. Er bettet es alles in eine Tradition. Es ist die Tradition des deutschen Liedes. Und es ist die Tradition der Satire.
1980 ist keine ruhige Zeit. Atom und AbrĂŒstung sind Streitpunkte. Gewerkschaften ringen um StĂ€rke. Rechts und Links rufen laut. Die Medien drehen auf. Genau in dieses Rauschen legt Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt seine Klinge. Es schĂ€rft sie an Figuren wie StrauĂ. Es schĂ€rft sie an Orten wie Gorleben. Es schĂ€rft sie an Orten der Erinnerung wie Dachau.
Dieser Titel ist ein Bild. Er verweist auf Gewalt in Sprache. Er ruft auch eine intime Anrede. Das "Herzblatt" gleicht die Faust aus. Es schafft NĂ€he im Streit. Es macht das Politische privat. Es macht das Private politisch. Genau das ist Biermanns Spiel. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt fĂŒhrt beides vor. Sie hören Angriff. Sie hören Zuneigung. Sie hören die Spannung dazwischen.
Die Liedtitel wirken wie Schilder an TĂŒren. "GemĂŒtlicher Faschismus" sticht sofort. "Hausrecht in Dachau" schneidet noch tiefer. "Totenlied Rudi Dutschke" trĂ€gt den Schmerz. "Ermutigung" bringt Luft zum Atmen. In Summe entsteht eine Stadt aus RĂ€umen. Sie gehen durch diese RĂ€ume. Sie finden Widerhaken und Haltegriffe. So baut Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt sein Haus.
Es klingt schlicht. Eine Gitarre, eine Stimme. Manchmal hören Sie mehr. Doch nie wird es fett. Das ist Absicht. Das Wort bleibt König. Der Rhythmus ist oft hart, fast marschig. Dann wieder weicht er auf. Die Gitarre zupft, sie hackt, sie schlĂ€gt. Der Gesang ist roh, dann lyrisch, dann wieder spitz. Sie spĂŒren BĂŒhne, vor allem bei StĂŒcken mit Ansage. "Gorleben-Ansage" trĂ€gt es im Namen. Vieles wirkt wie direkt im Saal. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt setzt damit auf NĂ€he.
Keine Studio-GlĂ€tte legt sich ĂŒber den Stoff. So bleibt das Dokumentarische stark. So bleibt auch die Zeit im Ton. Dieses Album klingt nicht museal. Es klingt nach Streit heute. Es klingt nach Mut heute. Und es klingt nach Verantwortung. Das ist die stille Kunst hier.
Das Werk teilt sich in zwei Teile. Der erste Teil mit 18 StĂŒcken kreist oft um Arbeit, Erinnerung und Deutschland. Der zweite Teil mit 14 StĂŒcken richtet den Blick breit auf die Republik. Er zeigt StrauĂ, er zeigt Protest, er zeigt Frieden. Zusammen ist es ein Panorama. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt wirkt so wie ein groĂes Konzert. Der Fluss bleibt dicht. Die Themen sprechen miteinander.
Sie können beide Teile nacheinander hören. Oder Sie springen. Beides geht. Es entstehen neue BezĂŒge. Ein Streiklied bekommt Echo im Friedenslied. Ein Spottlied antwortet auf eine Elegie. So hĂ€lt das Album seine Spannung. Es hĂ€lt sie bis zum letzten Akkord.
Im ersten Block stehen ArbeitskÀmpfe stark im Fokus. "IG-Metall-Trauerspiel", "Streik bei Thyssen" und "Der Alte von Blohm & Voss" bilden eine Reihe. Hier singt ein Mann, der die Halle kennt. Sie hören Reibung zwischen Chefetage und Kolonne. Sie hören auch die Frage: Wer trÀgt die Last? Wer hat die Macht? Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt setzt diese Fragen in harte Rhythmen.
Er predigt nicht. Er erzĂ€hlt. Er gibt Bilder. Ein Helm, ein Kran, ein Pfiff. Ein frĂŒhes Dunkel, ein kalter Atem. Solche Dinge bleiben im Kopf. Es ist kein Folklore-Kitsch. Es ist ein Blick auf echte MĂŒhe. Das verleiht den Liedern Gewicht. Und es gibt den ruhigen StĂŒcken spĂ€ter eine Basis.
Der zweite Block startet mit "Gesamtdeutscher StrauĂ" und den "Vier Variationen zu StrauĂ". Hier tritt die Satire vor. Franz Josef StrauĂ wird zur Figur. Die Musik arbeitet mit Persiflage. Die Stimme klettert, sie kippt, sie stichelt. Es ist scharf, aber es trifft eine Debatte. Es trifft die Angst vor einer harten Rechten im Staat. So platziert Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt seine Kritik im Hier und Jetzt von 1980.
Es ist mutig, aber nicht grob um der Grobheit willen. Die Pointen sitzen oft im Kleinen. Ein Wort, ein Halten der Luft, eine spitze Betonung. So formt Biermann seine Pfeile. Er schieĂt sie trocken ab. Dann lĂ€sst er wieder Ruhe. Diese Balance macht die Serie stark.
Mit "Gorleben-Ansage" und "Gorleben-Lied" betritt das Album das Feld der Umwelt. Hier klingt das Singen fast wie Sprechen. Der Takt ist nah am Sprechchor. Sie hören Schotter, Zelte und kalte NÀchte. Sie hören Polizei und Protest. Das ist keine blinde Wut. Es ist ein Argument in Musik. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt macht die Sorge hörbar. Es nimmt die Stimmung auf, aber es ordnet sie auch.
Die Melodie bleibt eingĂ€ngig, doch nie gefĂ€llig. Das hilft dem Thema. Es lĂ€dt Sie ein. Es zwingt Sie nicht. Sie können mitgehen oder widersprechen. Das Lied hĂ€lt die TĂŒr offen. Gerade deshalb bleibt es im Ohr.
"Totenlied Rudi Dutschke" ist ein ruhiger Kern. Hier schweigt der Spott. Hier spricht die Trauer. Keine groĂe Geste, nur der Blick auf ein Leben. So entsteht WĂŒrde. Das StĂŒck trĂ€gt lange nach. Es zeigt eine andere Seite. Sie hĂ€lt das Album im Gleichgewicht.
In "Ermutigung" klingt ein Àlteres Motiv an. Es ist ein Lied, das viele kennen. Hier wird es neu gesetzt, in diesen Zyklus, in diese Zeit. Es ist Zuspruch in klaren Worten. Es lÀdt Kraft ins Ohr. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt gewinnt damit Tiefe. Es zeigt, dass Widerstand nicht nur zornig ist. Er kann auch sanft sein. Er kann auch still sein.
"GemĂŒtlicher Faschismus" und "Hausrecht in Dachau" gehen an die Fundamente. Sie fragen nach der Vergangenheit im Heute. Wie bequem kann Schuld werden? Wie spricht man ĂŒber Orte wie Dachau? Biermann wĂ€hlt hier die Provokation. Sie ist riskant. Doch sie macht wach. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt sucht genau diesen Weckruf.
Auch "Soldat, Soldat" und "Die oben reden vom Frieden" fĂŒgen sich ein. Sie ziehen den Blick auf Befehl und Gehorsam. Es sind Lieder gegen den Reflex. Es sind Lieder fĂŒr das eigene Urteil. Der Ton ist scharf, doch der Inhalt ist klar. Er stellt Fragen, die nicht altern.
Mit "Schlaflied fĂŒr Tanepen" und "Du Rote Anna vom Kinderhaus" zeigt das Album WĂ€rme. Es sind Inseln der NĂ€he. Die Worte werden weich. Die Gitarre legt sich wie eine Decke. Diese Ruhe ist nicht Flucht. Sie ist Teil des Ganzen. So entsteht ein menschliches Bild. So bleibt der SĂ€nger nicht nur die Stimme des Protests.
Auch kleine StĂŒcke wie "Liedchen (wie vergnĂŒglich)" lockern den Fluss. Sie sind Atempausen. Sie sind Momente des Schalks. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt wirkt dadurch nicht verbissen. Es lacht, es seufzt, es tröstet. Und dann greift es wieder an.
Biermanns Sprache ist konkret. Sie ist aus Dingen gemacht. Er liebt kurze SÀtze. Er liebt starke Bilder. Er setzt Ironie, bis sie wehtut. Er dreht Worte, bis ein neuer Sinn entsteht. Das trÀgt die Lieder. Es trÀgt auch die langen Zyklen. Jeder Track wirkt geschlossen. Doch alle greifen ineinander.
Der Rhythmus dient der Aussage. Er beschleunigt, wenn die Wut wĂ€chst. Er verharrt, wenn die Trauer kommt. Dieses Timing ist prĂ€zise. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt lebt davon. Es ist kein Zufall. Es ist Handwerk. Es ist Erfahrung auf BĂŒhnen. Es ist Gehör fĂŒr den Atem des Publikums.
Die Gitarre ist nicht nur Begleitung. Sie ist Figur im StĂŒck. Mal markiert sie den Puls. Mal sticht sie hinein. Mal legt sie einen Teppich. Sie wechselt schnell die Rolle. Dabei bleibt der Ton holzig und nah. Er passt zur Stimme. Er trĂ€gt sie, er widerspricht ihr, er reizt sie. So entsteht Dynamik.
Technisch gibt es viel Schlagmuster. Es gibt krĂ€ftiges Zupfen. Es gibt abrupte Stopps. All das stĂŒtzt die Worte. All das gibt Form. Und doch bleibt es einfach gehalten. Das ist klug. Die Botschaft steht im Vordergrund. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt zeigt das konsequent.
Wie wirkt dieses Album heute? Es wirkt frisch. Es wirkt rau. Es wirkt notwendig. Gewerkschaften ringen wieder. Krieg und Frieden stehen zur Debatte. Erinnerungskultur ist umkĂ€mpft. Umweltprotest prĂ€gt StraĂen. In diesem Kontext gewinnt Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt an Gegenwart. Es gibt Töne, die wir erneut brauchen. Es gibt Warnungen, die wir neu hören sollten.
Dabei ist keine Nostalgie im Spiel. Es geht nicht um das Museum. Es geht um Haltung. Um Sprache, die trĂ€gt. Um Mut, der nicht posiert. Dieses Album kann fĂŒr Sie ein Spiegel sein. Es kann auch ein Werkzeug sein. Es hilft, klare SĂ€tze zu finden. Es hilft, die eigene Stimme zu schĂ€rfen.
Was macht das Ganze als Werk aus? Es ist die Mischung vieler Register. Polemik und Poesie gehen Hand in Hand. Reportage und Metapher stĂŒtzen sich. Der Zyklus baut eine Dramaturgie. Er beginnt im Alltag. Er wĂ€chst in die groĂe Debatte. Er schlieĂt im Persönlichen. Das hĂ€lt den Bogen straff.
Die Track-Reihenfolge wirkt bedacht. Ein kurzes "Gitarren-Vorspiel" öffnet den Raum. Dann kommen Jahreszeiten, Wandern, Tiere. Es klingt verspielt, doch es lenkt. Es fĂŒhrt Sie hinein. SpĂ€ter folgen die schweren Themen. SpĂ€ter wĂ€chst der Spott. SpĂ€ter bricht die Trauer durch. So schlĂ€gt Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt einen Weg. Er ist klar markiert. Und doch können Sie Abzweige nehmen.
Die StĂ€rke liegt in der Klarheit. Das Wort ist prĂ€zise. Die Form ist griffig. Der Witz ist scharf. Die Themen tragen. Es gibt kaum Leerlauf. Viele StĂŒcke sind kurz. Das hĂ€lt den Puls hoch. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt nutzt das Format gut. Es wirkt wie ein lebender Abend.
SchwĂ€chen? Manchen wird die Dauer hart. 32 StĂŒcke fordern Ihre Geduld. Die SchĂ€rfe kann ermĂŒden. Auch die Gitarre in Einfarbigkeit kann strecken. Doch die Inseln der Ruhe helfen. Die Reihenfolge hilft. Ein zweiter Punkt ist die Provokation. Nicht jede Pointe sitzt. Nicht jede HĂ€rte trifft fair. Aber das Risiko ist Teil der Kunst. Es schafft Reibung, die Denken löst.
Im RĂŒckblick gehört das Album in Biermanns Kernphase im Westen. Es bindet das Erbe der DDR an den LĂ€rm der BRD. Es zeigt, dass Exil mehr sein kann als Klage. Es kann ein neues Sprechen eröffnen. Viele spĂ€tere Liedermacher haben hier gelernt. Sie haben gelernt, wie man Konflikt singt. Sie haben auch gelernt, wie man Humor als Klinge fĂŒhrt.
Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt ist daher mehr als ein Zeitbild. Es ist ein Werkzeugkasten. Er ist offen. Sie können zugreifen. Sie können prĂŒfen, was heute noch passt. Vieles passt. Manches kratzt. Genau darin liegt der Wert.
Dieses Werk ist mutig. Es ist verletzlich. Es ist genau. Es schont nicht, aber es trĂ€gt. Es spricht in klaren Bildern. Es schreit nicht, wenn es nicht muss. Es flĂŒstert nicht, wenn es laut sein darf. So bleibt es wahr. So bleibt es wirksam.
Wenn Sie heute hineinhören, hören Sie 1980 und Jetzt. Sie hören Streit, der nicht alt wird. Sie hören Trost, der hĂ€lt. Sie hören eine Stimme, die Form gibt. Wolf Biermann Eins in die Fresse mein Herzblatt ist ein PrĂŒfstein. Es misst Ihren Atem im politischen Wetter. Es misst auch Ihren Blick auf NĂ€he und Menschlichkeit. Nehmen Sie sich Zeit dafĂŒr. Es lohnt sich.
Das Album "Eins in die Fresse mein Herzblatt" von Wolf Biermann bietet eine beeindruckende Mischung aus tiefgrĂŒndigen Texten und musikalischer Vielfalt. Wolf Biermann ist bekannt fĂŒr seine kritischen und oft provokativen Lieder, die zum Nachdenken anregen. In diesem Album zeigt er erneut seine FĂ€higkeit, gesellschaftliche Themen aufzugreifen und in eindrucksvoller Weise zu verarbeiten.
Ein weiteres bemerkenswertes Werk von Wolf Biermann ist das Album "Lieder vom preussischen Ikarus". In diesem Album setzt er sich intensiv mit historischen und politischen Themen auseinander und zeigt seine Vielseitigkeit als KĂŒnstler. Die tiefgrĂŒndigen Texte und die musikalische Begleitung machen dieses Album zu einem Muss fĂŒr jeden Fan von Wolf Biermann.
Auch das Album "Trotz alledem" ist ein Meisterwerk, das die Vielseitigkeit und das Talent von Wolf Biermann unterstreicht. Die Lieder auf diesem Album sind geprÀgt von einer intensiven Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen. Die kraftvollen Texte und die musikalische Untermalung machen dieses Album zu einem weiteren Highlight in Biermanns Diskografie.
FĂŒr diejenigen, die mehr ĂŒber Wolf Biermanns musikalisches Schaffen erfahren möchten, ist das Album "Der Friedensclown - Lieder fĂŒr Menschenkinder" ebenfalls sehr empfehlenswert. Dieses Album zeigt eine andere, sanftere Seite von Biermann und bietet eine wunderbare ErgĂ€nzung zu den kraftvollen und kritischen Tönen seiner anderen Werke. Die Lieder sind berĂŒhrend und laden zum Nachdenken ein.