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Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 – Vorstellung und Kritik

Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3: Rezension und Einordnung

Letztes Update: 10. Februar 2026

In diesem Artikel stelle ich 'Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3' vor und bespreche die Neuinterpretationen seiner Lieder auf Französisch. Sie erhalten eine genaue Analyse von Arrangement, Gesang und Textübertragungen sowie ein abschließendes Urteil.

Ein Fenster nach Paris: Reinhard Meys drittes französisches Kapitel

Wer Reinhard Mey nur auf Deutsch kennt, verpasst eine andere Farbe seiner Kunst. Das Album Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 zeigt, wie ein Liedermacher im Französischen atmet und klingt. Es ist kein bloßer Sprachwechsel. Es ist ein Perspektivwechsel. 1974 erschien diese Platte. Sie steht heute wie ein stilles Schild am Weg zwischen zwei Kulturen. Und sie lädt Sie zu einer Reise ein, die zart, politisch und oft sehr nah wirkt.

Zeit und Ort: 1974 auf Vinyl

1974 war die Welt im Umbruch. Die Folk-Bewegung trug noch den Atem der 60er. Chanson und Protestlied standen Schulter an Schulter. In Deutschland suchte man nach einer eigenen Stimme. In Frankreich hatte das gesungene Wort schon lange Rang. In diesem Umfeld wirkt Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 wie eine Brücke aus Holz. Sie schwingt leicht. Sie trägt aber sicher.

Die Platte kam als 12-Inch mit zwölf Titeln. Das Format passt zur Haltung. Es ist überschaubar und klar. Ein Mann, eine Gitarre, ein Raum, der atmet. So kennen Sie Mey. So passt er zum Chanson. Die Arrangements sind schlank. Die Gitarre führt, manchmal stützen Bass oder eine leise Farbe. Nichts drängt. Alles hat Luft.

Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3

Das Konzept ist schlicht. Mey singt auf Französisch. Er denkt dabei hörbar in Bildern. Das macht die Texte lebendig. Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 ist keine Übersetzungsübung. Es ist eine eigene Erzählung. Manche Motive kennen Sie vielleicht aus deutschen Stücken. Doch hier haben sie ein anderes Licht. Ein anderer Takt führt den Schritt. Ein anderes Wort stellt die Szene.

Die frühen französischen Alben öffneten Mey Türen nach Paris. Er gewann damit neue Hörer. Und er gewann eine neue Ruhe in seiner Sprache. Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 fasst diese Entwicklung reif zusammen. Es klingt, als säße er in einem kleinen Café. Er schaut auf die Straße. Er notiert, was er sieht. Er lächelt. Er zweifelt. Er spitzt den Stift. Und dann singt er.

Die Stimme im Französischen

Meys Stimme ist im Französischen weich und direkt. Die Vokale runden die Zeilen. Das Tempo bleibt natürlich. Er übertreibt die Melodie nicht. Das ist klug. Denn so stehen die Worte im Vordergrund. In Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 hält er oft lange auf den leisen Tönen. Er zieht Silben nicht lang. Er lässt Pausen reden. Diese Pausen sind das heimliche Instrument des Albums.

Stück für Stück: Eine Reise durch die 12 Titel

Der Auftakt „Les lumieres se sont eteintes“ setzt den Ton. Die Lichter sind aus. Doch die Stimme leuchtet. Das Bild ist schlicht. Es fängt den Abend ein. Die Gitarre zeichnet ruhige Figuren. Kein Zucker, kein Staub. Dann „La mappemonde“. Die Weltkarte klappt auf. Es geht um Blickweite und um Maßstab. Der Refrain schlägt einen Kreis. Das Stück wirkt federnd und klar. Es lädt zum Träumen ein, aber ohne Wollschal. Es bleibt wach.

„Mon testament“ schaut nach innen. Ein Testament im Lied ist ein heikles Feld. Mey wählt leise, genaue Worte. Er blickt auf Wünsche, nicht auf Besitz. Das macht die Zeilen warm. „Il n'y a plus de hannetons“ wechselt den Ton. Der Titel klingt verspielt. Er trägt die Erinnerung in die Gegenwart. Es geht um das, was fehlt, und das, was blieb. Der Humor lockert die Ernsthaftigkeit. Auf Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 gibt es oft diesen Wechsel. Er hält die Platte lebendig.

„Gaspard“ erzählt von einem Namen, der eine Geschichte in sich trägt. Es ist eine kleine Ballade, fast ein Prosastück. Die Melodie nickt nur. Die Worte gehen voran. „Suzanne“ berührt vertraute Motive. Nicht zu verwechseln mit dem berühmten Stück von Leonard Cohen. Diese „Suzanne“ ist näher an Mey. Sie ist eine Figur, die über Blicke spricht. Die Gitarre zupft eine zarte Linie. Das Stück gleitet wie ein Boot am Ufer.

„Apres tant de temps“ fragt: Was macht die Zeit mit uns. Nach so viel Zeit bleibt oft eine Geste. Und oft ein Duft. Mey setzt dieses Gefühl mit sanften Bildern. „Le politicien“ kehrt die Taschen um. Hier spielt Satire mit Ernst. Es geht um Sprache als Tarnung. Um Reden, die hupen und doch nichts sagen. Die Pointe sitzt. Die Form ist nüchtern. Gerade das wirkt stark. Diese Mischung ist ein Kern von Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3.

„Le vieil ours“ ist ein feines Gleichnis. Der alte Bär steht für das, was hart scheint und weich ist. Es geht um Schutz und um Rückzug. Das Lied nimmt Sie an der Hand. „Voila les musiciens“ ist ein Blick auf das Wanderleben. Die Musiker kommen. Es ist Freude, aber auch Mühe. Staub auf den Schuhen, Glanz im Blick. Die Zeilen haben Schwung. Die Gitarre lacht ein wenig mit.

„Au-dessus des nuages“ trägt ein Bild, das Sie kennen. Über den Wolken ist die Sicht frei. Hier klingt es in Französisch. Der Zauber bleibt. Vielleicht ist er sogar stärker. Der Klang der Worte fügt Weite an Weite. Das Arrangement ist sparsam. So liegt der Fokus auf dem Traum vom Flug. „Annabelle“ schließt den Kreis. Ein Name, eine Stille, ein Blick. Die Melodie haucht. Es ist ein sanfter Abschied. Die Platte sinkt wie ein Abend ins Licht. So endet Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 mit einem feinen Nachklang.

Zwischen Chanson und Liedermacher

Chanson liebt das Wort. Der deutsche Liedermacher liebt es auch. Doch die Haltung ist anders. Chanson spielt gern mit Rolle und Pose. Der Liedermacher meidet die Maske. Mey findet hier ein gutes Maß. Er bleibt er selbst. Doch er nutzt das Licht der Bühne, das das Chanson mag. In Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 ist dieser Spagat hörbar. Das Ergebnis ist elegant. Es ist auch sehr persönlich.

Ein Vergleich drängt sich auf. Bei Brassens steht das Wort oft über der Melodie. Bei Brel treibt das Pathos die Zeile. Mey wählt die Mitte. Er setzt Bilder an Stelle von Posen. Er setzt Nähe an Stelle von Pathos. Das macht die Lieder leicht zugänglich. Und es macht sie haltbar. Sie finden sofort hinein. Und Sie möchten wiederkehren.

Sprache als Instrument

Französisch formt die Stimme. Umlaute verschwinden, Nasale öffnen. Der Fluss wird weich. Das hat Folgen für den Takt. Die Zeilen dürfen länger atmen. Die Reime greifen anders. Mey nutzt das sehr bewusst. Er zwingt kein deutsches Maß in eine fremde Form. Er lässt die Sprache führen. So entstehen Zeilen, die rund klingen. Und doch präzise sind. Dieses feine Gehör prägt Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 auch im Kern.

Wichtig ist auch, was nicht gesagt wird. Pausen bauen Bilder. Ein Nebenwort wird zum Haken. Eine kleine Alliteration zieht den Satz. Mey hat diese Hand im Lieben gelernt. Er zeigt sie hier ohne Geste. Das macht das Album so ruhig. Und so stark.

Klangbild und Produktion

Die Produktion ist sparsam, aber nie karg. Die Gitarre steht vorn. Eine zweite Stimme taucht selten auf, dann dezent. Ein Bass stützt die Tiefe. Manchmal klingt eine kleine Orgel oder ein leiser Ton. Das ist alles. Mehr braucht es nicht. In Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 hören Sie Raum. Sie hören, wie Holz schwingt. Sie hören Atem.

Der Klang trägt die Handschrift der 70er. Warm, nah, nicht klinisch. Das passt sehr gut. Die Texte wollen Körper. Der Raum gibt ihnen Halt. Auf Vinyl wirkt das besonders schön. Die Nadel holt aus dem Lack diese sanfte Wärme. Keine Effekte lenken ab. Das Ohr bleibt beim Wort. Beim Bild. Beim Moment.

Das Politische und das Private

Das Album hält beides in Balance. „Le politicien“ zeigt, wie scharf Mey zuschneiden kann. Er keilt nicht. Er schnitzt. Die Kritik sitzt im Wort, nicht im Schlag. Andere Lieder suchen den stillen Ort. Dort, wo Erinnerung wohnt. Oder ein kurzer Traum. Diese Reihenfolge ist klug. So ermüdet nichts. Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 bleibt frisch. Es bleibt offen für Ihre Deutung.

Die Dramaturgie der Platte

Die Reihenfolge der Stücke ist kein Zufall. Der Auftakt schafft Ruhe. Dann öffnet sich das Panorama. Gegen Mitte setzt die Satire ein. Sie würzt, sie stört nicht. Die zweite Seite trägt mehr Wehmut. Doch das Finale tröstet. „Annabelle“ löst nicht auf. Es lässt Sie frei. Diese Kurve ist weich. Sie nimmt Sie mit, ohne Zwang. Auch das ist ein Zeichen von Reife. In Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 fühlt sich alles dorthin gelegt an, wo es hingehört.

Die Kunst der kleinen Geste

Viele Momente leben von einer Kleinigkeit. Ein Ton bricht kurz. Ein Bild kippt sacht. Eine Pointe weicht nach innen aus. Das macht die Lieder groß. Denn Größe kommt hier nicht mit Pauke. Sie kommt mit Blick. Mey zeigt Figuren, keine Thesen. Er zeigt Wege, nicht Parolen. Diese Kunst hat er früh geübt. Hier blüht sie noch einmal auf.

Kritische Einwände

Trotzdem ist nicht alles makellos. Manches wirkt heute datiert. Ein paar Metaphern stehen sehr brav. Ein Stück wie „Gaspard“ ist stark erzählt, doch die Melodie könnte mehr wagen. An wenigen Stellen hört man den Akzent. Das stört kaum, aber es ist da. Wer ein opulentes Klangbild sucht, wird es hier nicht finden. Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 ist ein stilles Werk. Es fordert Geduld. Doch diese Geduld lohnt sich.

Kontext im Werk

Im Gesamtwerk markiert das Album eine feste Linie. Die französischen Platten sind kein Seitenpfad. Sie sind eine zweite Straße. Sie zeigen, wie sehr Mey das Wort liebt. Und wie sehr er es achtet. Sie zeigen auch, wie gut er sich in einer anderen Kultur bewegt. Er ist hier kein Tourist. Er ist ein Gast, der die Sprache spricht. Das prägt den Blick zurück auf die deutschen Alben. Sie hören danach auch dort mehr Nuancen.

Was bleibt fünf Jahrzehnte später?

Viel bleibt. Die Lieder halten, weil sie auf Bilder bauen. Und auf Wahrheit im Ton. Die Welt hat sich geändert. Doch das leise Gewicht eines gut gesetzten Satzes bleibt. In Zeiten von Dauerrauschen ist das ein Geschenk. Ein Album wie dieses lehrt das Hören neu. Es sagt: Nimm dir Zeit. Atme. Schau genau. Dann findest du mehr. So wirkt Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 heute fast moderner als damals.

Der besondere Moment: „Au-dessus des nuages“

Ein Höhepunkt ist „Au-dessus des nuages“. Hier trifft Motiv auf Form. Das Bild vom Flug braucht Weite. Das Französische schenkt diese Weite. Die Melodie lässt Platz. Die Gitarre schreibt Linien in die Luft. Es ist ein Lied, das Sie kennt, bevor Sie es kennen. Es klingt wie Heimkehr. Und doch wie Aufbruch. Es bündelt, was diese Platte kann: Sie macht groß, was klein ist. Und sie macht still, was groß tut.

Warum dieses Album jetzt hören?

Weil es eine Schule des Maßes ist. Laut ist leicht. Leise ist Kunst. Hier lernen Sie das Leise neu. Sie spüren, wie viel Spannung in Ruhe liegt. Und wie viel Mut in Sanftheit. In einer Zeit, die schrill ist, tröstet das. Es weitet den Blick. Es macht geduldig. Es schärft den Sinn für Nuancen. Diese Achtsamkeit ist Musik über die Musik hinaus.

Ein Blick auf einzelne Worte

Hören Sie auf die kleinen Partikel. Auf „et“, „mais“, „donc“. Sie tragen die Wendungen. Sie biegen Sätze ab. Sie geben Haltung. Mey setzt sie mit Bedacht. Er braucht keine großen Adjektive. Er findet das genaue Substantiv. Das ist die leise Magie des Albums. In Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 sitzt ein Wort wie ein Möbel. Nichts wackelt. Nichts glänzt unnötig. Alles dient dem Raum.

Fazit: Die stille Kraft der Form

Dieses Album ist kein Ereignis mit Fanfare. Es ist ein Raum mit Licht. Es ist eine Einladung, nicht ein Befehl. Wer Mey schätzt, wird ihn hier neu hören. Wer Chanson liebt, findet eine deutsche Seele in französischer Form. Wer beides noch nicht kennt, hat einen guten Einstieg. Es ist Musik, die Sie begleitet. Sie drängt nie. Sie bleibt. So macht Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 etwas, das selten ist: Es vertraut auf Ihr Ohr.

Für wen ist dieses Album?

Für Hörerinnen und Hörer, die Worte lieben. Für Menschen, die Stille aushalten. Für Sie, wenn Sie gern genauer hinsehen. Wenn Sie die kleine Geste über das große Bild stellen. Wenn Sie Chanson ohne Pomp suchen. Wenn Sie die Gitarre als Erzählerin mögen. Dann ist Reinhard Mey Edition Francaise Volume 3 genau richtig. Es wird Ihnen nicht alles beim ersten Hören geben. Doch es gibt Ihnen alles zurück, was Sie ihm schenken.

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